Die Heiligen
Der heilige Niklaus von Flüe (Bruder Klaus)
Wer war Bruder Klaus? Leben, Vision und das berühmte Gebet des heiligen Niklaus von Flüe, des Einsiedlers vom Ranft und Schutzpatrons der Schweiz.

Wer war Bruder Klaus? Er war ein Schweizer Bauer, Familienvater, Ratsherr und Soldat, der mit fünfzig Jahren alles verließ, um als Einsiedler und Beter zu leben. Als Niklaus von Flüe (1417–1487) wurde er zum großen Mystiker seines Volkes, zum Friedensstifter der Eidgenossenschaft und schließlich zum Schutzpatron der Schweiz. Bis heute beten Christen sein schlichtes, glühendes Gebet, das mit den Worten beginnt: „Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir.“
Das Gebet des Bruder Klaus (Text)
Sein bekanntestes Gebet ist kurz, doch es fasst ein ganzes Leben der Hingabe zusammen. Hier der überlieferte Text:
Mein Herr und mein Gott,
nimm alles von mir,
was mich hindert zu Dir.Mein Herr und mein Gott,
gib alles mir,
was mich fördert zu Dir.Mein Herr und mein Gott,
nimm mich mir
und gib mich ganz zu eigen Dir.
Es ist ein vollkommenes Übergabegebet: Der Beter bittet, von allem befreit zu werden, was ihn von Gott trennt, alles zu empfangen, was ihn zu Gott führt, und sich schließlich selbst ganz aus der Hand zu geben. Wer ein Gebet für den Anfang oder das Ende des Tages sucht, findet in diesen wenigen Zeilen einen Schatz – wie in vielen anderen kurzen Gebeten, die man leicht auswendig lernt und über den Tag hin mitträgt.
Wer war Bruder Klaus? Sein Leben
Niklaus von Flüe wurde 1417 im Flüeli oberhalb von Sachseln im Kanton Obwalden geboren. Er heiratete Dorothea Wyss, mit der er zehn Kinder hatte, und bewirtschaftete seinen Hof mit Fleiß. Als angesehener Mann diente er seiner Gemeinde als Ratsherr und Richter und zog als Hauptmann sogar in den Krieg – wobei er, so berichten es die Quellen, stets mahnte, Kirchen und Wehrlose zu schonen.
Doch in seinem Herzen brannte eine tiefere Sehnsucht. Von Jugend an lebte er ein inniges Gebetsleben, fastete streng und betrachtete das Leiden Christi. Im Jahr 1467, mit fünfzig Jahren, fasste er den außergewöhnlichen Entschluss, Frau und Familie zu verlassen – nicht aus Kälte, sondern mit ausdrücklicher Zustimmung seiner Gattin, die diese Berufung als von Gott kommend annahm. Von da an lebte er als Einsiedler.
Der Ranft: Einsiedelei und das große Fasten
Ganz in der Nähe seines Hofes, in der wilden Schlucht des Ranft am Melchbach, ließ sich Bruder Klaus nieder. Seine Mitbürger errichteten ihm eine kleine Zelle und eine Kapelle. Von hier stammt auch der vertraute Name „Bruder Klaus“ – der Bruder im geistlichen Sinn, der für sein ganzes Volk betete.
Das größte Wunder, von dem die Zeugnisse seiner Zeit einmütig berichten, ist sein vollständiges Fasten: Neunzehn Jahre lang, bis zu seinem Tod, soll er keine leibliche Nahrung mehr zu sich genommen haben und allein von der heiligen Kommunion gelebt haben. Bischöfe und weltliche Herren prüften diesen Bericht streng und ließen ihn bewachen; sie fanden keine Täuschung. Die Kirche hat dieses Zeichen nie als Zauberei gedeutet, sondern als Gnade Gottes, der seinen Diener auf außerordentliche Weise durch das heilige Sakrament des Altares nährte. Nicht der Mensch vollbringt das Wunder – Gott allein.
Die Vision des Bruder Klaus: das Radbild
Bruder Klaus empfing zeitlebens Visionen. Die bekannteste ist das sogenannte Radbild: ein Meditationsbild in Form eines Rades mit einer Nabe in der Mitte und sechs Speichen. Drei Strahlen weisen von außen nach innen auf die Mitte hin, drei von innen nach außen. Das Ganze deutet das Geheimnis des einen Gottes in drei Personen – die Heilige Dreifaltigkeit, die alles umfängt: Was von Gott ausgeht, kehrt zu ihm zurück. Auf Anraten eines befreundeten Priesters ließ Bruder Klaus dieses Bild ausmalen, um andere zur Betrachtung anzuleiten.
Wie andere große Beterinnen und Beter der Kirche – man denke an die heilige Hildegard von Bingen – hat er seine Schau nie zum Selbstzweck gemacht, sondern immer auf das eine Ziel gerichtet: die Anschauung Gottes. Der Herr selbst hatte in der Bergpredigt verheißen (Matthäus 5,8, nach Allioli):
Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen!
Schutzpatron der Schweiz: der Friedensstifter von Stans
Obwohl Bruder Klaus zurückgezogen lebte, suchten ihn Pilger, Ratsherren und Fürsten in seiner Zelle auf, um seinen Rat einzuholen. Seine größte Stunde kam 1481: Am Tag zu Stans drohte die junge Eidgenossenschaft an einem Streit zu zerbrechen; ein Bruderkrieg stand bevor. In der Nacht eilte der Pfarrer von Stans zum Einsiedler und kehrte mit dessen Rat zurück. Was Bruder Klaus geraten hatte, versöhnte die zerstrittenen Orte binnen einer Stunde. Sein Volk verdankte ihm den Frieden.
Darum verehrt die Schweiz ihn als ihren Schutzpatron. Papst Pius XII. sprach ihn 1947 heilig. Seine Einsiedelei im Ranft und sein Geburtshaus im Flüeli sind bis heute ein vielbesuchter Ort der Wallfahrt geblieben, wo Menschen um Frieden für ihre Familien, ihr Land und ihr eigenes Herz bitten.
Kapellen, Kirchen und Orte des Bruder Klaus
Der Name „Bruder Klaus“ ist über die Schweiz hinaus lebendig. In ganz Deutschland tragen zahllose Kirchen, Kapellen, Kindergärten und Heime seinen Namen. Besondere Bekanntheit erlangte in den letzten Jahren die Bruder-Klaus-Feldkapelle bei Wachendorf (Mechernich in der Eifel), die der Architekt Peter Zumthor entwarf – ein schlichter Betonturm über einem Feld, der Pilger und Wanderer zur Stille einlädt. Solche Orte sind gut, solange sie das tun, wozu Bruder Klaus selbst rief: zum Gebet, zur Betrachtung, zur Umkehr. Ein Gebäude oder ein Andachtsbild ist kein Glücksbringer, sondern eine Einladung, das Herz zu Gott zu erheben – am besten mit einem Morgengebet oder dem betrachtenden Gebet des Rosenkranzes, das Bruder Klaus so liebte.
Häufig gestellte Fragen
Wer war Bruder Klaus?
Bruder Klaus ist der heilige Niklaus von Flüe (1417–1487), ein Schweizer Bauer, Familienvater und Ratsherr, der mit fünfzig Jahren Einsiedler wurde. Er lebte im Ranft, wurde als Mystiker und Friedensstifter bekannt und ist der Schutzpatron der Schweiz.
Wie lautet das Gebet des Bruder Klaus?
Es beginnt: „Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu Dir. Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu Dir. Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen Dir.“ Es ist ein Gebet vollkommener Hingabe an Gott.
Was bedeutet das Radbild (die Vision) des Bruder Klaus?
Das Radbild zeigt ein Rad mit sechs Speichen um eine Mitte. Es deutet die Heilige Dreifaltigkeit: Alles geht von dem einen Gott aus und kehrt zu ihm zurück. Bruder Klaus nutzte es als Bild zur Betrachtung des dreifaltigen Gottes.
Warum ist Bruder Klaus der Schutzpatron der Schweiz?
1481 bewahrte sein Rat beim Tag zu Stans die Eidgenossenschaft vor einem Bürgerkrieg. Weil er seinem Volk den Frieden schenkte, verehrt die Schweiz ihn als ihren Landespatron und Friedensheiligen.
Wann ist der Gedenktag des Bruder Klaus?
In der Schweiz und im neueren Kalender wird der heilige Niklaus von Flüe am 25. September gefeiert. Im überlieferten römischen Kalender ist sein Gedenktag der 21. März, sein Sterbetag.
Stimmt es, dass Bruder Klaus jahrelang nichts aß?
Die Zeugnisse seiner Zeit berichten, dass er neunzehn Jahre lang ohne leibliche Nahrung lebte und allein von der heiligen Kommunion gestärkt wurde. Zeitgenossen prüften dies streng. Die Kirche versteht es als Gnade Gottes, nicht als menschliches Werk oder Zauber.
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Quellen. Allioli-Bibel (Matthäus 5,8); überliefertes Gebet des heiligen Niklaus von Flüe („Mein Herr und mein Gott“); zeitgenössische Zeugnisse zum Leben des Bruder Klaus und zum Tag zu Stans (1481); Heiligsprechung durch Papst Pius XII. (1947).