Die Heiligen
Die heilige Maria Magdalena
Wer war Maria Magdalena wirklich? Die Sünderin, die viel liebte, die Frau unter dem Kreuz, die erste Zeugin der Auferstehung — nach der Heiligen Schrift und der Überlieferung der Kirche.

Kaum eine Gestalt des Evangeliums hat die Herzen der Gläubigen so bewegt wie die heilige Maria Magdalena — und kaum eine ist so oft missverstanden worden. Sie ist die Sünderin, die viel geliebt hat, die treue Frau unter dem Kreuz und die erste Zeugin der Auferstehung. Werfen wir einen ehrlichen Blick auf das, was die Heilige Schrift und die Überlieferung der Kirche wirklich von ihr berichten.
Wer war Maria Magdalena in der Bibel?
Der heilige Lukas nennt sie zum ersten Mal, als er von den Frauen erzählt, die dem Herrn nachfolgten:
Auch einige Frauen, die er von bösen Geistern und Krankheiten befreit hatte: Maria, Magdalena genannt, aus welcher sieben Teufel ausgefahren waren. (Lukas 8,2)
Ihr Beiname weist auf ihre Herkunft: Magdala, ein Fischerort am See Genesareth. Der Herr hatte sie von sieben Teufeln befreit — ein Bild vollkommener Gefangenschaft und vollkommener Befreiung. Aus Dankbarkeit gehörte sie fortan zu jenen Frauen, die Jesus und den Aposteln „mit ihrem Vermögen dienten" (Lukas 8,3). Von diesem Tag an wich sie nicht mehr von ihm — bis unter das Kreuz und bis zum leeren Grab.
Die Sünderin, die viel geliebt hat
Die abendländische Überlieferung, wie sie der heilige Papst Gregor der Große zusammenfasste, sieht in Maria Magdalena zugleich jene namenlose Sünderin, die im Hause des Pharisäers Simon dem Herrn die Füße wusch:
Und siehe, ein Weib, die eine in der Stadt bekannte Sünderin war (…) stellte sich rückwärts zu seinen Füßen, und fing an seine Füße mit ihren Tränen zu benetzen, und trocknete sie mit den Haaren ihres Hauptes, und küsste seine Füße, und salbte sie mit dem Salböl. (Lukas 7,37-38)
Das Wort des Herrn über sie ist das Herz ihrer ganzen Geschichte geworden:
Ihr werden viele Sünden vergeben, weil sie viel geliebet hat. (Lukas 7,47)
Und dann, ganz schlicht: „Deine Sünden werden dir vergeben (…) Gehe hin in Frieden!" (Lukas 7,48.50). Diese Szene ist zum Sinnbild aller Reue geworden — verwandt mit dem Gleichnis vom verlorenen Sohn und mit dem, was uns im heiligen Sakrament der Beichte geschenkt wird: nicht ein verdientes, sondern ein geschenktes Erbarmen. Deshalb zeigt die christliche Kunst sie so oft als die büßende Maria Magdalena, mit dem Salbgefäß und dem Totenschädel — Zeichen der Buße und der Vergänglichkeit.
Maria Magdalena und Jesus: unter dem Kreuz und am leeren Grab
Ihre Liebe blieb treu, als fast alle Jünger geflohen waren; sie wich nicht, während das Todesurteil des Pontius Pilatus an ihm vollstreckt wurde. Der heilige Johannes verzeichnet sie namentlich unter dem Kreuz:
Es standen aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter, und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Kleophas, und Maria Magdalena. (Johannes 19,25)
Wer den Kreuzweg betet, begegnet ihr dort — an der Seite der schmerzhaften Mutter. Und am Ostermorgen ist sie es, die zuerst zum Grabe eilt und den Auferstandenen erkennt. Weinend hält sie ihn für den Gärtner, bis er sie beim Namen ruft:
Jesus sprach zu ihr: Maria! (…) gehe aber hin zu meinen Brüdern, und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater. (Johannes 20,16-17)
Da kam Maria Magdalena, und verkündigte den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen. (Johannes 20,18)
Auch der heilige Markus bezeugt es: „Am Morgen aber des ersten Tages der Woche (…) erschien er zuerst der Maria Magdalena" (Markus 16,9). Weil sie den Aposteln die frohe Botschaft der Auferstehung überbrachte, ehrt die Kirche sie mit dem Titel Apostola Apostolorum — die Apostelin der Apostel. Ihre Freude ist die Freude, die wir im glorreichen Rosenkranz betrachten; wer sie einüben will, findet im Rosenkranz den Weg dazu.
War Maria Magdalena eine Prostituierte?
Diese Frage wird oft gestellt — und verdient eine ehrliche Antwort. Das Evangelium nennt Maria Magdalena nirgends eine Dirne. Es spricht nur davon, dass sieben Teufel aus ihr fuhren (Lukas 8,2), und die abendländische Überlieferung verband sie mit der „bekannten Sünderin" aus Lukas 7. Welcher Art ihre Sünden waren, sagt die Schrift nicht; die spätere Volksfrömmigkeit hat die Deutung „Prostitution" hinzugefügt, ohne biblischen Beleg. Die Ostkirche hat die drei Frauen — Maria von Magdala, die Sünderin und Maria von Bethanien, die Schwester des Lazarus — stets voneinander unterschieden. Entscheidend ist nicht die Größe ihrer Sünde, sondern die Größe ihrer Umkehr und ihrer Liebe.
War Jesus mit Maria Magdalena verheiratet? Hatte er Kinder mit ihr?
Auf diese in unserer Zeit häufig gestellte Frage lautet die klare Antwort: Nein. Weder die Heilige Schrift noch die apostolische Überlieferung wissen etwas von einer Ehe, einer Geliebten oder einem Kind namens Sarah. Die Vorstellung, Jesus sei mit Maria Magdalena verheiratet gewesen und habe Nachkommen gehabt, entstammt spätantiken gnostischen Texten und wurde durch moderne Romane wie Sakrileg (The Da Vinci Code) verbreitet. Es handelt sich um Dichtung, nicht um Geschichte. Auch das sogenannte Evangelium der Maria Magdalena — ein gnostischer Text des 2. Jahrhunderts — gehört nicht zur inspirierten Heiligen Schrift und ist nie von der Kirche als echtes Evangelium anerkannt worden. Die vier Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes bezeugen sie als Jüngerin, nicht als Gattin.
Bedeutung, Gedenktag und Grab
Der Namenstag und Gedenktag der heiligen Maria Magdalena ist der 22. Juli. Die Überlieferung des Abendlandes erzählt, sie sei nach der Auferstehung mit den Ihren nach Südfrankreich gelangt und habe ihre letzten Jahre in der Grotte der Sainte-Baume in der Provence in Buße verbracht; ihre Reliquien werden in Saint-Maximin-la-Sainte-Baume verehrt, wo bis heute ihr Schädel als kostbare Reliquie gezeigt wird. Andere alte Zeugnisse nennen Ephesus als ihren Sterbeort. Von einer gewaltsamen Todesursache weiß die Überlieferung nichts; der frommen Legende nach starb sie hochbetagt und in Frieden, im Frieden dessen, den sie so sehr geliebt hatte. Wie Maria Magdalena aussah, verrät uns die Schrift nicht; die christliche Kunst stellt sie seit jeher mit langem, offenem Haar und dem Salbgefäß dar — nicht als geschichtliches Bildnis, sondern als Sinnbild der reuigen Liebe. Diese Berichte sind Frucht der Frömmigkeit, nicht Glaubenssatz — doch sie zeugen von der tiefen Verehrung, die ihr durch die Jahrhunderte zuteilwurde.
Die Bedeutung dieser Heiligen liegt für uns gerade darin: Sie ist die Patronin der Büßer und aller, die umkehren. Wer glaubt, zu tief gefallen zu sein, findet in ihr Trost — so wie sie auch den Trauernden nahe ist; dazu passen die Bibelverse für Trost und Trauer. Ihre Liebe zum durchbohrten Herrn führt hin zur Verehrung des Herzens Jesu, und wie die Gottesmutter, die wir im Salve Regina grüßen, weist sie uns nicht auf sich selbst, sondern ganz auf Christus.
Häufig gestellte Fragen
Wer war Maria Magdalena wirklich?
Eine Jüngerin des Herrn aus Magdala, von der er sieben Teufel austrieb (Lukas 8,2). Nach der Überlieferung des Abendlandes zugleich die reuige Sünderin aus Lukas 7. Sie stand unter dem Kreuz und war die erste Zeugin der Auferstehung — die „Apostelin der Apostel".
War Maria Magdalena eine Prostituierte?
Die Bibel sagt das nicht. Sie nennt sie eine „Sünderin", ohne die Art ihrer Sünden anzugeben. Die Gleichsetzung mit einer Prostituierten ist eine spätere volkstümliche Deutung ohne biblischen Beleg.
War Jesus mit Maria Magdalena verheiratet oder hatte Kinder mit ihr?
Nein. Weder die Heilige Schrift noch die apostolische Überlieferung kennen eine Ehe oder Nachkommen. Diese Vorstellung stammt aus gnostischen Schriften und modernen Romanen und ist frei erfunden.
Was ist das „Evangelium der Maria Magdalena"?
Ein gnostischer Text des 2. Jahrhunderts, der nicht zur inspirierten Schrift gehört und nie als echtes Evangelium anerkannt wurde. Nur die vier Evangelien der Kirche sind Gottes Wort.
Wann ist der Gedenktag der heiligen Maria Magdalena?
Ihr Fest und Namenstag ist der 22. Juli.
Wo ist Maria Magdalena begraben?
Der abendländischen Überlieferung nach starb sie in der Provence; ihre Reliquien werden in Saint-Maximin-la-Sainte-Baume in Südfrankreich verehrt. Eine andere alte Tradition nennt Ephesus.
Die heilige Maria Magdalena lehrt uns, dass keine Sünde zu groß ist für die Barmherzigkeit Gottes, wenn wir wie sie viel lieben. Wer ihrem Weg der Umkehr folgen möchte, findet in der App Iter Fidei das Evangelium in der Allioli-Übersetzung, die Bußpsalmen und eine Litanei zur täglichen Andacht. Hier herunterladen.
Quellen. Heilige Schrift, Allioli-Übersetzung (Lukas 7-8; Johannes 19-20; Markus 16); Papst Gregor der Große, Homilien zum Evangelium; Römisches Martyrologium (22. Juli).