Die Heiligen
Der heilige Christophorus
Wer war der heilige Christophorus? Die Legende vom Riesen, der das Christkind trug, sein Gedenktag, ein Reisesegen und die Wahrheit über die Christophorus-Plakette im Auto.

Kaum ein Heiliger ist so bekannt und zugleich so oft missverstanden wie der heilige Christophorus. Wir kennen ihn als Anhänger am Autoschlüssel, als Plakette am Armaturenbrett, als kleine Kette am Hals. Doch hinter dem Bild vom bärtigen Riesen mit dem Kind auf der Schulter steht eine der schönsten Legenden der Christenheit — und eine Lehre, die weit über das Reisen hinausreicht. Sein Name selbst ist Programm: Christophorus heißt aus dem Griechischen übersetzt „Christusträger".
Wer war der heilige Christophorus? Die Legende
Die Überlieferung, wie sie uns die Legenda aurea des Jacobus de Voragine aus dem 13. Jahrhundert erzählt, berichtet von einem Mann von riesenhafter Gestalt, der ursprünglich Reprobus hieß. Er war so stark, dass er nur dem mächtigsten Herrn der Welt dienen wollte. Zuerst trat er in den Dienst eines großen Königs — doch als er sah, dass dieser sich beim Namen des Teufels bekreuzigte, erkannte er, dass der König den Teufel fürchtete. Also suchte er den Teufel und diente ihm. Doch als der Teufel voll Schrecken einem Kreuz am Wegrand auswich, begriff Christophorus, dass es einen gab, der noch mächtiger war: Christus, den Gekreuzigten.
Ein frommer Einsiedler wies ihm einen Weg, dem Herrn zu dienen: An einem reißenden Fluss ohne Brücke solle er die Reisenden auf seinen starken Schultern hinübertragen. So tat er es lange Zeit. Eines Nachts rief ihn ein Kind, das über den Fluss wollte. Christophorus nahm es auf die Schulter — doch mit jedem Schritt wurde die Last schwerer, so schwer, als trüge er die ganze Welt. Am anderen Ufer offenbarte sich das Kind:
„Du hast nicht nur die ganze Welt getragen, sondern den, der sie erschaffen hat. Ich bin Christus, dein König."
Zum Zeichen ließ der Herr den Wanderstab des Riesen über Nacht ausschlagen und Frucht tragen. Von da an trug Christophorus den Namen des Christusträgers im Herzen. Er starb später als Blutzeuge unter der Christenverfolgung des Kaisers Decius. Ob wir die Erzählung in jeder Einzelheit als geschichtlichen Bericht lesen oder als geistliches Gleichnis — ihre Botschaft ist klar: Wer sich Christus ganz zur Verfügung stellt, trägt in Wahrheit ihn.
Christophorus als Schutzpatron: Reisende, Autofahrer und der gute Tod
Weil er die Menschen sicher über den gefährlichen Fluss brachte, wurde der heilige Christophorus schon im Mittelalter zum Schutzpatron der Reisenden, der Pilger, der Fährleute und Brückenbauer. Man malte sein Bild groß an die Außenwände der Kirchen, denn ein alter Vers versprach: Wer morgens auf Christophorus blickt, soll an diesem Tag keines jähen Todes sterben. Daraus erwuchs seine Verehrung als einer der Vierzehn Nothelfer und als Patron gegen den plötzlichen, unvorbereiteten Tod.
Als das Automobil aufkam, lag es nahe, den alten Patron der Wege auch zum Schutzpatron der Autofahrer zu machen. So wurde „Christophorus, Schutzpatron der Autofahrer" zu einem festen Begriff. Sein Gedenktag ist der 25. Juli (in manchen Gegenden wird er auch am 24. Juli begangen); an diesem Tag findet vielerorts die Segnung der Fahrzeuge statt.
Der heilige Christophorus und das Auto: Anhänger, Plakette, Kette
Hier ist ein Wort der Klarheit nötig. Ob Christophorus-Anhänger am Schlüssel, Plakette im Auto, Schlüsselanhänger, Kette oder Schmuck — all das ist gut und erlaubt, solange wir verstehen, was es ist und was es nicht ist.
Die Christophorus-Medaille ist kein Glücksbringer und kein magischer Talisman. Ein Stück Metall bewahrt niemanden vor dem Unfall, und keine Plakette ersetzt Umsicht, Vorsicht und einen aufrichtigen Blick auf die Straße. Der katholische Glaube ist kein Aberglaube: Nicht der Gegenstand schützt uns, sondern Gottes Vorsehung, seine Gnade und unser Vertrauen auf ihn.
Was ist die Plakette dann? Ein Sakramentale und eine Einladung zum Gebet. Sie erinnert uns, jede Fahrt in Gottes Hand zu legen, bevor wir den Motor starten. Sie ruft uns das Beispiel des Heiligen ins Gedächtnis: Christus mitzunehmen auf all unseren Wegen. In diesem Sinn ist der Anhänger kein Aberglaube, sondern ein sichtbares Bekenntnis — ganz wie ein Schutzengel uns nicht als Glücksfee begleitet, sondern als von Gott bestellter Bote seiner Fürsorge.
Ein Gebet zum heiligen Christophorus — der Reisesegen
Der schönste Reisesegen der Kirche ist seit jeher ein Psalm — jener Psalm der Wallfahrer, der die Hilfe des Herrn über allen Wegen besingt. Wir beten ihn nach dem Wortlaut der Allioli-Bibel, Psalm 120 (121):
Ich hebe meine Augen zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt. Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Er lasse deinen Fuß nicht wanken und es schlummere nicht, der dich behütet. [...] Der Herr behütet dich vor allem Übel, der Herr behüte deine Seele! Der Herr behüte deinen Eingang und deinen Ausgang von nun an bis in Ewigkeit!
Dazu mögen wir ein Gebet zum heiligen Christophorus fügen und ihn um seine Fürsprache bitten:
Heiliger Christophorus, treuer Träger Christi, du hast den Herrn sicher durch die Fluten getragen: Begleite uns mit deiner Fürbitte auf allen unseren Wegen. Erbitte uns von Gott eine behütete Reise, einen wachen Sinn und ein reines Herz, damit wir, wo immer wir gehen, Christus in uns tragen — und einst wohlbehalten am ewigen Ufer ankommen. Amen.
Wer eine bestimmte Reise oder ein besonderes Anliegen vor Gott tragen möchte, findet weitere Worte in unserer Sammlung an Gebeten für persönliche Anliegen. Und wer die Fürsprache der Heiligen liebt, dem sei auch der heilige Antonius, der Helfer in aller Not, ans Herz gelegt.
Christophorus in Kunst und Landschaft
Die große Beliebtheit des Heiligen hat überall Spuren hinterlassen. Sein Bild ziert unzählige Kirchen — die dem heiligen Christophorus geweihte katholische Kirche St. Christophorus findet sich in vielen Städten. Aussichtspunkte, Berge und Kapellen tragen seinen Namen, bis hin zum bekannten Aussichtspunkt Heiliger Christophorus auf Madeira, wo Wanderer und Reisende Halt und Ausblick suchen. Wer selbst eine Zeichnung des Heiligen anfertigt, greift meist zum klassischen Bild: der Riese im Wasser, den Stab in der Hand, das leuchtende Kind auf der Schulter.
Diese Bilder sind mehr als Schmuck. Sie sind, wie eine Wallfahrt oder eine Litanei, sichtbar gewordenes Gebet — ein Zeichen, das die Seele nach oben zieht.
Häufig gestellte Fragen
Wer war der heilige Christophorus?
Der Überlieferung nach war er ein Mann von riesenhafter Gestalt, der Reisende über einen gefährlichen Fluss trug. Als er ein Kind hinübertrug, das immer schwerer wurde, offenbarte sich dieses als Christus. Er starb als Märtyrer unter Kaiser Decius. Sein Name bedeutet „Christusträger".
Wofür ist der heilige Christophorus Schutzpatron?
Er ist der Schutzpatron der Reisenden, Pilger, Fährleute und seit dem 20. Jahrhundert besonders der Autofahrer. Als einer der Vierzehn Nothelfer wird er auch gegen den plötzlichen, unvorbereiteten Tod angerufen.
Wann ist der Gedenktag des heiligen Christophorus?
Sein Gedenktag ist der 25. Juli; in manchen Gegenden wird er am 24. Juli gefeiert. An diesem Tag werden vielerorts die Fahrzeuge gesegnet.
Ist die Christophorus-Plakette im Auto Aberglaube?
Nein — solange wir sie richtig verstehen. Sie ist kein magischer Glücksbringer, sondern ein Sakramentale: eine Erinnerung, jede Fahrt Gott anzuvertrauen. Schutz schenkt nicht das Metall, sondern Gottes Gnade und unser Vertrauen.
Wie lautet ein Gebet zum heiligen Christophorus?
Man bittet ihn um seine Fürsprache für eine behütete Reise. Traditionell betet man dazu den Wallfahrerpsalm 120 (121) „Ich hebe meine Augen zu den Bergen" nach der Allioli-Bibel und fügt eine kurze Anrufung des Heiligen hinzu.
Warum trägt man einen Christophorus-Anhänger?
Als sichtbares Bekenntnis und Gebetserinnerung, nicht als Talisman. Der Anhänger, die Kette oder der Schlüsselanhänger sollen uns täglich mahnen, Christus auf allen Wegen mitzunehmen — so wie der Heilige es tat.
Der heilige Christophorus lehrt uns das Herzstück des Glaubens: Christus zu tragen, wohin wir auch gehen. Das aber gelingt nicht durch ein Stück Metall, sondern durch das Gebet, die heilige Beichte und ein Leben in der Gnade — damit wir am Ende selbst am rettenden Ufer ankommen, denn der Herr sagt: „So weit ihr es einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr es mir getan" (Matthäus 25,40).
Iter Fidei begleitet Sie mit Reisesegen, den Psalmen der Wallfahrer und den Gebeten zu den Heiligen — für jeden Weg, den Sie gehen. Hier herunterladen.
Quellen. Jacobus de Voragine, Legenda aurea (Kap. vom hl. Christophorus); Allioli-Bibel (Psalm 120/121; Matthäus 25,40); Römischer Generalkalender von 1962 (Gedenktag 25. Juli); Katechismus des hl. Pius X. (über die Sakramentalien und die Verehrung der Heiligen).