Das Gebet
Die Novene: das Neuntagegebet
Was eine Novene ist, wie man sie in neun Tagen betet und welche traditionellen Novenen zum heiligen Josef, zum Heiligen Geist, zum Herzen Jesu und in aussichtslosen Anliegen die Kirche kennt.

Eine Novene ist ein Gebet, das an neun aufeinanderfolgenden Tagen verrichtet wird, um in einem bestimmten Anliegen die Hilfe Gottes, der Gottesmutter oder eines Heiligen zu erflehen. Das Wort kommt vom lateinischen novem, neun. Wer wissen möchte, was eine Novene ist und wie man sie betet, findet hier zuerst die kurze Antwort und danach die schönsten Novenen der Tradition.
Ihr Urbild steht in der Heiligen Schrift. Nach der Himmelfahrt des Herrn verharrten die Apostel mit der allerseligsten Jungfrau im Abendmahlssaal und erwarteten betend die Ankunft des Heiligen Geistes:
Diese alle verharrten einmütig im Gebete samt den Frauen, und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.
— Apostelgeschichte 1, 14 (Allioli)
Diese neun Tage des Gebetes zwischen Himmelfahrt und Pfingsten sind die erste Novene der Kirche. Aus ihnen ist die Gewohnheit erwachsen, wichtige Bitten in ein ausdauerndes Neuntagegebet zu kleiden.
Was ist eine Novene? Bedeutung und Ursprung
Die Bedeutung der Novene liegt nicht in der Zahl neun als solcher, sondern in der Beharrlichkeit des Gebetes. Der Herr selbst lehrt im Gleichnis, "dass man allezeit beten und nicht nachlassen müsse" (Lukas 18, 1). Neun Tage sind lang genug, um ein flüchtiges Stoßgebet zu einer treuen, geduldigen Zuwendung zu machen, und kurz genug, um durchgehalten zu werden.
Man betet eine Novene gewöhnlich aus einem von drei Gründen: als Vorbereitung auf ein hohes Fest (etwa die Pfingstnovene vor dem Pfingstfest oder die Novene vor einem Heiligenfest), als Bitte in einem besonderen Anliegen oder als Danksagung für empfangene Gnaden. Das 9-Tage-Gebet ist dabei kein magisches Verfahren, sondern eine Schule des Vertrauens.
Wie betet man eine Novene?
Eine Novene zu beten ist einfach. Wer sie zum ersten Mal hält, kann sich an diese schlichte Ordnung halten:
- Wähle ein Anliegen und einen Fürsprecher. Man kann sich unmittelbar an Gott wenden oder die Fürbitte der Gottesmutter oder eines Heiligen erbitten.
- Bete neun Tage lang, jeden Tag zur selben Zeit. Am besten am Morgen oder Abend, damit das Gebet einen festen Platz im Tag hat.
- Sprich jeden Tag dieselben Gebete. Viele Novenen haben einen eigenen Text; man kann aber auch schlicht ein Vater unser, ein Gegrüßet seist du Maria und ein Ehre sei dem Vater beten und das Anliegen anfügen.
- Vertraue dein Anliegen dem Herrn an und füge stets hinzu: "Dein Wille geschehe."
- Schließe mit Dank, auch wenn die Erhörung noch aussteht.
Wer beim Gebet selbst noch unsicher ist, findet im Vaterunser und im Gegrüßet seist du Maria das feste Fundament jeder Novene. Für ein persönliches Anliegen hilft auch unser Gebet für ein Anliegen.
Die beliebtesten Novenen der Tradition
Novene zum heiligen Josef
Der heilige Josef, Nährvater des Herrn und Schutzpatron der ganzen Kirche, ist ein mächtiger Fürsprecher. Die überlieferte Novene verbindet das alte Gebet O glorreicher heiliger Josef mit dem Gebet, das Papst Leo XIII. 1889 in der Enzyklika Quamquam pluries verfasst hat. Der Kern lautet:
O glorreicher heiliger Josef, getreuer Nachfolger Jesu Christi, zu dir erheben wir unsere Herzen und Hände, um deine machtvolle Fürsprache anzurufen, damit wir vom gütigen Herzen Jesu alle Hilfen und Gnaden erlangen, die für unser geistliches und zeitliches Heil notwendig sind, besonders die Gnade eines guten Todes und die besondere Gnade, um die wir jetzt bitten.
Neben der neuntägigen Form kennt die Frömmigkeit auch die 30-tägige Novene zum heiligen Josef, die durch den ganzen "Josefsmonat" März oder die dreißig Jahre des verborgenen Lebens in Nazareth hindurch betet.
Novene zum Heiligen Geist (Pfingstnovene)
Die Novene zum Heiligen Geist ist die älteste und ehrwürdigste von allen, denn sie folgt unmittelbar dem Vorbild der Apostel. Man betet sie in den neun Tagen zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Herzstück ist der Hymnus Veni Creator Spiritus:
Komm, Schöpfer Geist, besuche die Seelen der Deinen, erfülle mit himmlischer Gnade die Herzen, die Du geschaffen hast.
In diesen neun Tagen erbittet man die sieben Gaben des Heiligen Geistes: Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht.
Herz-Jesu-Novene
Die Herz-Jesu-Novene wendet sich an das göttliche Herz, das die Quelle aller Barmherzigkeit ist. Man betet sie gern in den neun Tagen vor dem Herz-Jesu-Fest oder an den ersten Freitagen. Wer mehr über diese Andacht erfahren möchte, findet sie in unserem Beitrag zur Herz-Jesu-Verehrung ausführlich beschrieben; oft verbindet man sie mit der Herz-Jesu-Litanei.
Novene zur Unbefleckten Empfängnis
Die Novene zur Unbefleckten Empfängnis bereitet auf das Hochfest am 8. Dezember vor. Sie preist Maria, die vom ersten Augenblick ihres Daseins an ohne Erbsünde empfangen wurde, und schließt gern mit dem Salve Regina und dem Gruß: "O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir zu dir unsere Zuflucht nehmen."
Novene zum heiligen Judas Thaddäus
Der Apostel Judas Thaddäus wird seit alters als Helfer in aussichtslosen und verzweifelten Anliegen angerufen. Seine Novene ist unter denen, die vor scheinbar hoffnungslosen Nöten stehen, besonders beliebt. Man betet sie neun Tage lang und vertraut ihm die Sache an, die menschlich verloren scheint — im festen Wissen, dass bei Gott nichts unmöglich ist (Lukas 1, 37).
Weitere überlieferte Novenen
Die Schatzkammer der Kirche ist reich. Häufig gebetet werden auch die Novene zur heiligen Rita, der Patronin der schwierigen Fälle, die Novene zum heiligen Antonius von Padua an den „dreizehn Dienstagen", die Novene zur Mutter der immerwährenden Hilfe, die Novene zum Erzengel Michael — den wir im Beitrag über den Erzengel Michael vorstellen — und die Novene zum Prager Jesulein. Die pompejische Novene ist eine ausdauernde Form des Rosenkranzes, die über 54 Tage geht. Für die Verstorbenen betet man die Novene für die armen Seelen; wie man ihrer im Gebet gedenkt, zeigt unser Gebet für die Verstorbenen.
Manche Novenen sind jüngeren Ursprungs. Die Novene zur göttlichen Barmherzigkeit (Barmherzigkeitsnovene ab Karfreitag), die Novenen zu Pater Pio, zur heiligen Karmelitin Teresia Benedicta vom Kreuz (Edith Stein), zu Mutter Teresa oder Carlo Acutis stammen aus dem 20. und 21. Jahrhundert. Sie gehören nicht zur alten Überlieferung, doch mag, wer will, sie als fromme Übung halten, sofern der Glaube rein und das Vertrauen auf Gott gerichtet bleibt.
Novene in aussichtslosen und schweren Anliegen
Gerade in großer Not sucht man eine wirksame Novene für einen dringenden Fall. Hier ist ein Wort der Klarheit nötig. Man findet im Umlauf oft die Rede von einer "unfehlbaren Novene", die "niemals versagt". Das ist ein Missverständnis, das wir sanft, aber deutlich zurechtrücken müssen.
Kein Gebet zwingt Gott. Eine Novene ist kein Zauberspruch und kein Glücksbringer, dessen bloße Verrichtung ein Ergebnis "garantiert". Sie wirkt einzig durch die Gnade Gottes und unser kindliches Vertrauen. Der Herr erhört jedes rechte Gebet — aber so, wie es zu unserem wahren, ewigen Heil dient, und nicht immer so, wie wir es uns wünschen. Wer eine Novene "in aussichtslosen Anliegen" betet, tut gut daran, sein Herz mit dem Wort des Heilands zu einen: "nicht mein Wille, sondern der deine geschehe" (Lukas 22, 42). Dann wird auch eine scheinbar unerhörte Novene reich beschenkt, denn sie schenkt uns das Kostbarste — das Vertrauen zu Gott selbst.
Häufig gestellte Fragen
Was ist eine Novene?
Eine Novene ist ein Gebet, das an neun aufeinanderfolgenden Tagen verrichtet wird, um in einem bestimmten Anliegen die Hilfe Gottes oder die Fürsprache eines Heiligen zu erbitten. Ihr Vorbild ist das neuntägige Gebet der Apostel mit Maria vor Pfingsten.
Wie betet man eine Novene richtig?
Man betet neun Tage lang, möglichst zur selben Tageszeit, jeden Tag dieselben Gebete, und trägt dabei sein Anliegen vor. Am Schluss fügt man stets "Dein Wille geschehe" hinzu und dankt Gott.
Welche Novene betet man in aussichtslosen Anliegen?
Traditionell ruft man in verzweifelten Fällen den heiligen Judas Thaddäus an, ebenso die heilige Rita, die Patronin der schwierigen Fälle. Entscheidend ist nicht die Wahl des Fürsprechers, sondern das demütige Vertrauen auf Gott.
Gibt es eine unfehlbare Novene, die immer erhört wird?
Nein. Keine Novene wirkt wie eine Formel oder ein Talisman. Gott erhört jedes rechte Gebet, aber nach seiner Weisheit und zu unserem wahren Heil. Eine Novene ist ein Akt des Vertrauens, keine Garantie.
Wie lange dauert eine Novene?
Die klassische Novene dauert neun Tage. Es gibt auch längere Formen wie die 30-tägige Novene zum heiligen Josef oder die 54-tägige pompejische Rosenkranznovene.
Wann betet man die Novene zum Heiligen Geist?
Man betet sie in den neun Tagen zwischen dem Fest Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Sie ist die älteste Novene der Kirche und bereitet auf die Herabkunft des Heiligen Geistes vor.
In der App Iter Fidei findest du geführte Novenen zum heiligen Josef, zum Heiligen Geist und zum Herzen Jesu mit den vollständigen, überlieferten Gebetstexten, die dich Tag für Tag durch die neun Tage begleiten. Hier herunterladen.
Quellen. Allioli-Bibel (Apostelgeschichte 1, 13–14; Lukas 18, 1; 22, 42); Novene zum heiligen Josef mit dem Gebet O glorreicher heiliger Josef und Ad te, beate Ioseph (Leo XIII., Quamquam pluries, 1889); Hymnus Veni Creator Spiritus; Iter Fidei prayers-api (Novenen-Führer, canonical prayer atoms).