Das Gebet
Der Kreuzweg: die 14 Stationen
Alle 14 Stationen des Kreuzwegs mit kurzer Betrachtung, das Gebet zu jeder Station und wie wir die Kreuzwegandacht in der Fastenzeit und am Karfreitag beten.

Der Kreuzweg begleitet den Herrn auf seinem letzten Gang, von der Verurteilung durch Pontius Pilatus bis zur Grablegung. In vierzehn Stationen betrachten wir Schritt für Schritt sein Leiden. Ursprünglich pilgerten die Christen in Jerusalem den wirklichen Weg des Herrn zur Schädelstätte ab; wer nicht ins Heilige Land reisen konnte, fand in den Kirchen des Abendlandes die vierzehn Kreuzwegbilder aufgestellt, um denselben Weg im Gebet zu gehen.
Was ist der Kreuzweg?
Der Kreuzweg (lateinisch Via Crucis) ist eine Andacht, bei der wir den Leidensweg Jesu Christi in vierzehn Stationen betrachten und beten. Jede Station stellt ein Ereignis dieses Weges dar. Vor jedem Bild sprechen wir den überlieferten Vers:
Wir beten dich an, o Herr Jesu Christe, und preisen dich. — Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
Auf die Frage, wie viele Stationen der Kreuzweg hat, lautet die Antwort seit dem 18. Jahrhundert einmütig: vierzehn. Diese Zahl hat der heilige Leonhard von Porto Maurizio verbreitet, der über fünfhundert Kreuzwege in Italien errichtete.
Die 14 Stationen des Kreuzwegs
Hier sind die 14 Stationen des Kreuzweges mit einer kurzen Betrachtung. Sieben Stationen sind unmittelbar in den Evangelien bezeugt (nach der Allioli-Übersetzung), die übrigen — die drei Fälle, die Begegnung mit der Mutter, Veronika — sind uns durch die fromme Überlieferung der Kirche geschenkt.
1. Jesus wird zum Tode verurteilt. Pilatus wäscht seine Hände: "Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten" (Matthäus 27,24) — und liefert den Unschuldigen dennoch aus.
2. Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern. "Und sich selbst das Kreuz tragend, ging er hinaus" (Johannes 19,17). Er nimmt an, was unsere Sünde ihm auflädt.
3. Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz. Die Last drückt ihn zu Boden. Er, der die Welt trägt, sinkt in den Staub — für uns.
4. Jesus begegnet seiner heiligsten Mutter. Ihre Blicke treffen sich. Das Schwert, das Simeon vorhergesagt hatte, durchdringt Marias Seele.
5. Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen. "Diesen nötigten sie, sein Kreuz zu tragen" (Matthäus 27,32). Was Simon widerwillig tut, dürfen wir freiwillig tun — so trug die heilige Teresia Benedicta vom Kreuz (Edith Stein) ihr eigenes Kreuz bis ans Ende und lehrt uns, das eigene Leiden mit dem des Herrn zu vereinen.
6. Veronika reicht Jesus das Schweißtuch. Eine kleine Tat des Erbarmens — und der Herr prägt sein heiliges Antlitz in das Tuch.
7. Jesus fällt zum zweiten Mal. Wieder stürzt er. Kein Schlag, keine Beleidigung hält ihn auf seinem Weg der Liebe zurück.
8. Jesus begegnet den weinenden Frauen von Jerusalem. "Ihr Töchter Jerusalems! weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst" (Lukas 23,28).
9. Jesus fällt zum dritten Mal. Ganz erschöpft, dem Ziel schon nah. Auch am Ende unserer Kräfte lässt er uns nicht allein.
10. Jesus wird seiner Kleider beraubt. "Nahmen sie seine Kleider... und den Rock" (Johannes 19,23). Aller Würde entblößt, steht der Herr vor dem Volk.
11. Jesus wird an das Kreuz genagelt. "...kreuzigten sie ihn daselbst" (Lukas 23,33). Und er betet: "Vater! vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun" (Lukas 23,34).
12. Jesus stirbt am Kreuze. "Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist. Und indem er dies sagte, verschied er" (Lukas 23,46). "Es ist vollbracht!" (Johannes 19,30). Unter dem Kreuz stehen seine Mutter und die heilige Maria Magdalena, die den Herrn bis zuletzt nicht verlassen.
13. Jesus wird vom Kreuze abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt. Maria hält den toten Sohn — das Bild der Pietà.
14. Jesus wird in das Grab gelegt. "In dem Garten ein neues Grab... Dorthin legten sie Jesus" (Johannes 19,41–42). Der Same fällt in die Erde, um am dritten Tage aufzugehen.
Wie betet man den Kreuzweg? Andacht und Text
Die Kreuzwegandacht ist einfach. Man geht — allein oder in Gemeinschaft — von Station zu Station. Bei jeder Station folgen wir demselben Aufbau, sodass man den Kreuzweg leicht auswendig beten kann:
- Man kniet nieder und spricht den Vers: "Wir beten dich an, o Herr Jesu Christe, und preisen dich. — Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst."
- Man liest den Namen der Station und betrachtet sie kurz (die Sätze oben eignen sich als kurzer Text dazu).
- Man betet ein Vaterunser, ein Gegrüßet seist du Maria und "Ehre sei dem Vater".
- Man geht zur nächsten Station und singt eine Strophe des Stabat Mater:
Es stand die Mutter schmerzerfüllt weinend beim Kreuze, da ihr Sohn dort hing.
Ihre seufzende, betrübte und leidende Seele durchdrang ein Schwert.
Diese Vorlage lässt sich mit eigenen Worten füllen; der Kern bleibt die Betrachtung des Leidens Jesu. Wer möchte, schließt den Kreuzweg mit einem Gebet für die Anliegen des Papstes, ein Ablass ist mit dieser Andacht verbunden. Der Kreuzweg ist eng mit dem Herz-Jesu-Gebet und der Beichte verbunden, in der wir die Frucht dieser Betrachtung — die Reue — vor Gott bringen.
Kreuzweg in der Fastenzeit und am Karfreitag
Die klassische Zeit für den Kreuzweg ist die Fastenzeit, besonders die Freitage, und ihr Höhepunkt der Karfreitag. An diesem Tag, an dem der Herr wirklich starb, beten unzählige Gemeinden gemeinsam den Kreuzweg — oft am Vormittag, vor der Karfreitagsliturgie am Nachmittag. Aber der Kreuzweg ist nicht auf die Fastenzeit beschränkt: Er darf das ganze Jahr über gebetet werden. Wie der Rosenkranz gehört er zu den kostbarsten Andachten, die uns die Tradition geschenkt hat.
Kreuzweg mit Kindern beten
Auch für Kinder ist der Kreuzweg zugänglich, wenn wir ihn einfach halten. Man wählt vielleicht nur einige Stationen aus, betrachtet die Bilder gemeinsam und erklärt in kurzen Sätzen, was der Herr aus Liebe getan hat. Kinder verstehen die Sprache des Kreuzes oft besser als wir: dass Jesus gefallen ist und wieder aufgestanden, dass seine Mutter bei ihm war, dass ein fremder Mann ihm half. Ein einfaches Kindergebet zum Abschluss genügt. So wächst früh die Ehrfurcht vor dem Kreuz.
Moderne Kreuzweg-Texte oder überlieferte Betrachtung?
Man findet heute viele moderne Kreuzweg-Texte, die den Leidensweg auf soziale Nöte, Krankheit oder Krieg deuten. Solche Meditationen können fromm sein, doch der Kern des Kreuzwegs bleibt schlicht: die Betrachtung dessen, was der Herr wirklich für uns gelitten hat. Die überlieferten kurzen Texte zu jeder Station — wie die oben aufgeführten — brauchen keine Ausschmückung. Wer eine schlichte Vorlage sucht, halte sich an den Anbetungsvers, das Wort des Evangeliums und ein stilles Gebet; das genügt vollkommen.
14 oder 15 Stationen?
Traditionell zählt der Kreuzweg vierzehn Stationen und endet mit der Grablegung. In neuerer Zeit fügt man mancherorts eine fünfzehnte Station — die Auferstehung — hinzu, um die Andacht mit dem österlichen Sieg zu beschließen. Das ist ein frommer Zusatz, gehört aber nicht zum überlieferten Kreuzweg der vierzehn Stationen, dessen eigentliches Ziel das stille Grab ist, aus dem am Ostermorgen das Leben hervorbricht.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Stationen hat der Kreuzweg?
Der überlieferte Kreuzweg hat vierzehn Stationen, von der Verurteilung durch Pilatus bis zur Grablegung Jesu.
Was ist der Kreuzweg?
Der Kreuzweg ist eine Andacht, bei der wir den Leidensweg Jesu Christi in vierzehn Stationen betrachten und vor jeder Station beten. Er geht auf die Pilgerwege in Jerusalem zurück.
Wie betet man den Kreuzweg?
Bei jeder Station spricht man den Vers "Wir beten dich an, o Herr Jesu Christe...", betrachtet die Station kurz und betet ein Vaterunser, ein Ave Maria und "Ehre sei dem Vater".
Wann betet man den Kreuzweg?
Vor allem in der Fastenzeit, besonders an den Freitagen und am Karfreitag. Er darf jedoch das ganze Jahr über gebetet werden.
Welche Gebete gehören zum Kreuzweg?
Der Anbetungsvers zu Beginn jeder Station, Vaterunser und Ave Maria, das "Ehre sei dem Vater" und traditionell die Strophen des Stabat Mater auf dem Weg von Station zu Station.
Kann man den Kreuzweg mit Kindern beten?
Ja. Man wählt einige Stationen aus, betrachtet die Bilder gemeinsam und erklärt in einfachen Worten, was der Herr aus Liebe für uns getan hat.
In der Iter-Fidei-App findest du den vollständigen Kreuzweg mit allen 14 Stationen, dem Text jeder Betrachtung und den Gebeten zum Mitbeten — für die Fastenzeit, den Karfreitag und jeden Tag. Hier herunterladen.
Quellen. Evangelien nach der Allioli-Bibel (Matthäus 27; Lukas 23; Johannes 19); Stabat Mater und die überlieferten Kreuzweggebete (prayers-api); die Kreuzwegandacht in der Form des hl. Leonhard von Porto Maurizio.