Die Heilige Schrift
Pontius Pilatus im Glaubensbekenntnis
Wer war Pontius Pilatus, und warum nennt ihn das Glaubensbekenntnis? Der römische Statthalter, der Jesus verurteilte, verankert das Leiden Christi in der Geschichte.

Wenn wir im Glaubensbekenntnis beten „gelitten unter Pontius Pilatus", nennen wir den einzigen Menschen neben der Jungfrau Maria, dessen Name im Credo ausdrücklich fällt. Wer aber war dieser Mann, und warum steht sein Name für alle Zeiten im Herzen unseres Glaubens?
Pontius Pilatus war der römische Statthalter (Landpfleger) von Judäa, der um das Jahr 33 nach Christus über Jesus von Nazareth das Todesurteil sprach. Er amtierte von etwa 26 bis 36 unter Kaiser Tiberius. Der heilige Lukas verankert seinen Namen genau in der Weltgeschichte: „Im fünfzehnten Jahre der Regierung des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Landpfleger von Judäa" (Lukas 3,1).
Wer war Pontius Pilatus? Ein Steckbrief
Pilatus war kein Jude, sondern ein Römer heidnischen Glaubens im Dienst des Kaisers. Als praefectus Judäas trug er die höchste richterliche Gewalt in der Provinz; nur er konnte ein Todesurteil vollstrecken lassen. Darum sagen die Hohenpriester zu ihm: „Uns ist es nicht erlaubt, jemanden zu töten" (Johannes 18,31). Seine Residenz war Cäsarea am Meer; zu den großen Festen zog er hinauf nach Jerusalem, um die Ordnung zu wahren.
Die Evangelien zeichnen ihn als einen Mann zwischen Recht und Menschenfurcht: Er erkennt die Unschuld Jesu, fürchtet aber den Aufruhr und den Verlust der kaiserlichen Gunst. Der heilige Paulus bezeugt, dass Christus „unter Pontius Pilatus Zeugnis abgelegt hat, das gute Bekenntnis" (1. Timotheus 6,13) — Pilatus ist also zugleich Richter und unfreiwilliger Zeuge.
Warum steht Pilatus im Glaubensbekenntnis?
Der Name des Pilatus im Credo ist kein Zufall und keine Anklage um ihrer selbst willen. Er ist der historische Anker der ganzen Heilsgeschichte. Indem die Kirche betet „gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben", bekennt sie: Das Leiden Christi ist kein Mythos und kein frommes Bild, sondern ein Ereignis an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Stunde, unter einem namentlich bekannten römischen Beamten.
Der Catechismus Romanus (Katechismus des Konzils von Trient) lehrt, dass die Väter gerade deshalb den Namen des Statthalters aufnahmen: damit die Zeit des Leidens genau bezeichnet und jede Ausrede des Zweifels genommen sei. So wie das Wort „geboren von der Jungfrau Maria" den Anfang bezeichnet, so bezeichnet „gelitten unter Pontius Pilatus" das Ende des irdischen Weges — beide sind Angelpunkte, an denen der ewige Gott in unsere Geschichte eintritt. Wer diese Zeile betet, bekennt, dass unser Herr wahrhaft gelitten hat, für uns und für unser Heil.
Pilatus und Jesus: das Verhör
Als man Jesus gebunden vor ihn führte (Matthäus 27,2), begann ein Verhör, das die vier Evangelisten mit erschütternder Genauigkeit berichten. Pilatus fragt: „Bist du der König der Juden?" — und Jesus antwortet: „Du sagst es!" (Markus 15,2). Immer wieder tritt der Statthalter vor das Volk und spricht sein eigenes Urteil aus, noch ehe er nachgibt:
„Ich finde keine Schuld an ihm." (Johannes 18,38)
Dreimal bezeugt Pilatus die Unschuld des Herrn. Er schickt ihn zu Herodes, er bietet die Freilassung an, er lässt ihn geißeln in der Hoffnung, die Menge zu besänftigen. Doch die Hohenpriester überreden das Volk, den Mörder Barabbas zu fordern und Jesus zu verderben (Matthäus 27,20).
„Was ist Wahrheit?" — die Frage des Pilatus
Der Höhepunkt des Verhörs ist ein Wortwechsel, der bis heute nachhallt. Jesus spricht: „Ich bin dazu geboren, und dazu in die Welt gekommen, dass ich der Wahrheit Zeugnis gebe. Jeder der aus der Wahrheit ist, höret meine Stimme." Darauf entgegnet der Statthalter jene berühmten Worte:
„Pilatus sprach zu ihm: Was ist Wahrheit? Und da er dies gesagt hatte, ging er wieder hinaus zu den Juden." (Johannes 18,38)
Pilatus stellt die größte aller Fragen — und wartet die Antwort nicht ab. Die Wahrheit steht leibhaftig vor ihm, und er wendet sich ab. Darin liegt die bleibende Tragik dieses Mannes: Er sieht, er ahnt, er fürchtet sich sogar (Johannes 19,8) — und handelt doch gegen sein besseres Wissen.
Das Händewaschen: Pilatus und die Unschuld
Als der Lärm immer größer wird, greift Pilatus zu einer Geste, die sprichwörtlich geworden ist:
„Als nun Pilatus sah, dass er nichts ausrichte, sondern der Lärm größer werde, nahm er Wasser, wusch seine Hände vor dem Volke, und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten; sehet ihr zu!" (Matthäus 27,24)
Doch das Wasser reinigt seine Hände nicht von der Verantwortung. Wer die Macht hat, das Recht zu schützen, und es aus Furcht preisgibt, wäscht seine Schuld nicht ab, sondern besiegelt sie. Jesus selbst hatte ihm gesagt: „Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben herab gegeben wäre; darum hat der, welcher mich dir überlieferte, eine größere Sünde" (Johannes 19,11). Auch die Warnung seiner Frau, die um Jesu willen im Traum viel gelitten hatte (Matthäus 27,19), hielt ihn nicht zurück. Das „Händewaschen in Unschuld" bleibt uns eine Mahnung: Wegsehen ist kein Freispruch.
Das Urteil des Pilatus
Am Ende gibt der Statthalter der Menge nach: „Da sprach Pilatus das Urteil, dass nach ihrem Verlangen geschehen solle" (Lukas 23,24). Er gibt Barabbas frei, lässt Jesus geißeln und übergibt ihn zur Kreuzigung (Markus 15,15). Über das Kreuz aber lässt er jene Tafel schreiben, die er trotz allen Protests nicht ändern will:
„Jesus von Nazareth, der König der Juden." (Johannes 19,19) — „Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben." (Johannes 19,22)
So wird der schwache Richter wider Willen zum Herold der Königswürde Christi. Wer den ganzen Weg dieses Leidens betrachten möchte, findet im Kreuzweg und im schmerzhaften Rosenkranz die Betrachtung, die die Kirche uns dazu schenkt.
Wie starb Pontius Pilatus?
Die Heilige Schrift berichtet nichts über das Ende des Pilatus; nach dem Urteil über den Herrn verliert sich seine Spur in den Evangelien. Die weltliche Geschichte weiß, dass er um das Jahr 36 nach einer blutigen Niederschlagung eines Aufstandes in Samaria vom Statthalter Syriens nach Rom zurückberufen wurde, um sich zu verantworten. Damit endet seine bezeugte Amtszeit.
Über seine Todesursache gibt es keine sichere Nachricht, nur alte Überlieferungen. Der Kirchengeschichtsschreiber Eusebius von Cäsarea berichtet, Pilatus sei unter Kaiser Caligula in Ungnade gefallen, in die Verbannung geschickt worden und habe schließlich durch eigene Hand geendet. Andere fromme Legenden ranken sich um seinen Namen, doch die Kirche hat keine dieser Erzählungen zur Glaubenswahrheit erhoben. Gewiss ist allein, was das Credo bekennt: dass unter seiner Amtsgewalt der Herr gelitten hat.
Die Redewendung „von Pontius zu Pilatus"
Aus dem Hin und Her des Prozesses — Jesus wird von Pilatus zu Herodes und wieder zurück zu Pilatus geschickt (Lukas 23,7-11) — ist im Deutschen die Redensart „von Pontius zu Pilatus laufen" entstanden. Sie meint das vergebliche Umhergeschicktwerden von einer Stelle zur anderen, ohne dass jemand die Verantwortung übernimmt. Streng genommen sind „Pontius" und „Pilatus" ein und dieselbe Person; die Wendung spielt volkstümlich mit den beiden Namen desselben Mannes.
Häufig gestellte Fragen
Wer war Pontius Pilatus?
Pontius Pilatus war der römische Statthalter (Landpfleger, praefectus) von Judäa unter Kaiser Tiberius, im Amt von etwa 26 bis 36 nach Christus. Er sprach über Jesus das Todesurteil und wird darum im Glaubensbekenntnis genannt.
Warum hat Pontius Pilatus Jesus verurteilt?
Pilatus hielt Jesus dreimal für unschuldig, gab aber dem Drängen der Hohenpriester und der aufgebrachten Menge nach. Aus Furcht vor einem Aufruhr und vor dem Verlust der kaiserlichen Gunst überlieferte er Jesus schließlich zur Kreuzigung (Matthäus 27,24-26).
Welche Religion hatte Pontius Pilatus, war er Jude?
Nein, Pilatus war kein Jude, sondern ein Römer und Heide, der die Götter Roms und den Kaiser verehrte. Er selbst sagt: „Bin ich denn ein Jude?" (Johannes 18,35).
Was bedeutet „Was ist Wahrheit?"
Diese Frage stellte Pilatus dem Herrn im Verhör (Johannes 18,38). Sie ist berühmt, weil Pilatus die Frage aussprach, aber die Antwort nicht abwartete — die Wahrheit in Person, Christus, stand vor ihm, und er wandte sich ab.
Was bedeutet „seine Hände in Unschuld waschen"?
Die Redewendung geht auf Matthäus 27,24 zurück, wo Pilatus vor dem Volk seine Hände wusch, um sich von der Schuld am Tod Jesu loszusagen. Sie bezeichnet den Versuch, Verantwortung von sich zu weisen, obwohl man mitschuldig ist.
Gab es Pontius Pilatus wirklich?
Ja. Neben den vier Evangelien bezeugen ihn auch außerbiblische Quellen. Der Name im Glaubensbekenntnis unterstreicht gerade, dass das Leiden Christi ein geschichtliches Ereignis unter einem namentlich bekannten Beamten war.
Der Name des Pilatus erinnert uns, dass Gott wahrhaftig in unsere Geschichte eingetreten ist. Wer diese Wahrheit vertiefen möchte, findet im ganzen Apostolischen Glaubensbekenntnis das Bekenntnis der Kirche, im Vaterunser das Gebet des Herrn und in der Beichte den Weg, an dem uns die Gnade des Kreuzes zuteilwird.
Iter Fidei führt uns durch das Glaubensbekenntnis, den Kreuzweg und den schmerzhaften Rosenkranz Zeile für Zeile — mit den echten überlieferten Texten und der Heiligen Schrift in der Übersetzung des Allioli. Hier herunterladen.
Quellen. Allioli-Bibel (Matthäus 27; Markus 15; Lukas 3 und 23; Johannes 18–19; Apostelgeschichte 4,27; 1. Timotheus 6,13); Apostolisches Glaubensbekenntnis (überlieferter Text); Catechismus Romanus (Katechismus des Konzils von Trient), Vom Leiden Christi unter Pontius Pilatus.