Das Gebet
Die Litaneien der Kirche
Was eine Litanei ist, wie man sie betet und die großen überlieferten Litaneien der Kirche im Wortlaut: Lauretanische Litanei, Allerheiligenlitanei, Herz-Jesu-Litanei und die Litanei vom heiligsten Namen Jesu.

Die Litanei ist eine der ältesten Gebetsformen der Kirche: ein wechselnder Ruf zwischen Vorbeter und Gemeinde, in dem eine lange Reihe von Anrufungen jeweils von einer kurzen, gleichbleibenden Antwort beantwortet wird. Wir rufen einen Namen des Herrn, der Gottesmutter oder eines Heiligen an — und antworten mit demselben Wort: „erbarme Dich unser", „bitte für uns". In diesem ruhigen Wechsel finden wir zur Ruhe, wie das Herz beim Atmen.
Was ist eine Litanei? Bedeutung und Aufbau
Das Wort Litanei kommt vom griechischen litaneía, „das Flehen, die inständige Bitte". Umgangssprachlich meint „eine Litanei" heute manchmal eine ermüdend lange Aufzählung — die kirchliche Litanei aber ist das Gegenteil von Leerlauf: Jede Anrufung ist ein eigener Blick auf ein Geheimnis Gottes oder eine Tugend eines Heiligen. Ein Synonym im geistlichen Sinn wäre Anrufungsgebet oder Bittgebet.
Der Aufbau ist bei allen Litaneien gleich. Sie beginnen mit dem Kyrie:
Herr, erbarme Dich.
Christus, erbarme Dich.
Herr, erbarme Dich.
Christus, höre uns. — Christus, erhöre uns.
Es folgen die Anrufungen der Allerheiligsten Dreifaltigkeit (Gott Vater vom Himmel — erbarme Dich unser), dann der Hauptteil mit der jeweiligen gleichbleibenden Antwort, das dreifache Lamm Gottes und ein abschließendes Tagesgebet. Die Kirche hat nur wenige Litaneien für den öffentlichen Gebrauch bestätigt; die vier großen sind die Lauretanische, die Allerheiligenlitanei, die Herz-Jesu-Litanei und die Litanei vom heiligsten Namen Jesu.
Die Lauretanische Litanei (Marienlitanei)
Die Lauretanische Litanei ist die marianische Litanei schlechthin, benannt nach dem Wallfahrtsort Loreto und 1587 von Papst Sixtus V. bestätigt. Nach den Anrufungen der Dreifaltigkeit folgen etwa fünfzig Anrufungen der Gottesmutter, jede mit der Antwort „Bitte für uns":
Heilige Maria, bitte für uns.
Heilige Gottesgebärerin,
Heilige Jungfrau der Jungfrauen,
Du Spiegel der Gerechtigkeit,
Du Sitz der Weisheit,
Du geheimnisvolle Rose,
Du Turm Davids,
Du goldenes Haus,
Du Bundeslade,
Du Pforte des Himmels,
Du Morgenstern,
Du Heil der Kranken,
Du Zuflucht der Sünder,
Du Trösterin der Betrübten,
Du Hilfe der Christen,
Du Königin der Engel …
Du Königin des heiligsten Rosenkranzes,
Du Königin des Friedens, bitte für uns.
Im Gotteslob steht sie unter Nr. 566. Wer den lateinischen Wortlaut sucht: die Antwort lautet dort Ora pro nobis, die Anrufungen Sancta Maria, Speculum iustitiae, Rosa mystica, Turris Davidica. Die Lauretanische Litanei ist die natürliche Verlängerung des Rosenkranzes und des Ave Maria — wer den Angelus und das Magnificat liebt, wird auch sie lieben.
Die Allerheiligenlitanei
Die Allerheiligenlitanei ist die älteste Litanei der römischen Liturgie. Man betet sie an den Bitttagen, in der Osternacht, bei Priester- und Bischofsweihen und in Zeiten der Not. Sie ruft der Reihe nach die Gottesmutter, die Engel, die Patriarchen und Propheten, die Apostel, Martyrer und Bekenner an:
Heilige Maria, bitte für uns.
Heiliger Michael,
Heiliger Gabriel,
Heiliger Raphael,
Alle heiligen Engel und Erzengel, bittet für uns.
Heiliger Johannes der Täufer,
Heiliger Petrus, Heiliger Paulus …
Die lateinische Fassung der Allerheiligenlitanei beginnt mit dem Kyrie eleison und ruft Sancta Maria — ora pro nobis, Sancte Michael, Omnes sancti Angeli et Archangeli — orate pro nobis. Diese Litanei zu allen Heiligen ist die vollkommenste Weise, die Gemeinschaft der Heiligen im Gebet zu erfahren: Die ganze himmlische Kirche steht der streitenden bei. Es ist dieselbe himmlische Gemeinschaft, die die Kirche am Hochfest Allerheiligen festlich begeht. Wer die Erzengel eigens anrufen möchte, findet mehr im Gebet zum heiligen Erzengel Michael. Die Anrufung „bittet für uns" im Plural gilt den Gruppen der Heiligen; „bitte für uns" im Singular gilt dem einzelnen Heiligen.
Die Herz-Jesu-Litanei
Die Litanei vom heiligsten Herzen Jesu wurde 1899 von Papst Leo XIII. für die ganze Kirche bestätigt. Dreiunddreißig Anrufungen — nach der Zahl der Lebensjahre des Herrn — betrachten das göttliche Herz als Quelle der Liebe:
Herz Jesu, Sohn des ewigen Vaters, erbarme Dich unser.
Herz Jesu, von unendlicher Majestät,
Herz Jesu, heiliger Tempel Gottes,
Herz Jesu, glühender Ofen der Liebe,
Herz Jesu, Wohnstätte der Gerechtigkeit und der Liebe,
Herz Jesu, Quell alles Trostes,
Herz Jesu, unser Friede und unsere Versöhnung, erbarme Dich unser.
Diese Litanei zum heiligsten Herzen Jesu ist der Kern der Herz-Jesu-Andacht, besonders an den ersten Freitagen im Monat. Ihr Gegenstück ist die Litanei vom heiligsten Namen Jesu, in der jede Anrufung mit Jesus beginnt: Jesus, Sohn des lebendigen Gottes; Jesus, Glanz des Vaters; Jesus, König der Herrlichkeit.
Weitere Litaneien der Kirche
Über die vier großen hinaus kennt die Überlieferung viele weitere Litaneien: die Litanei vom heiligen Josef (von Pius X. 1909 bestätigt), die Litanei zum Heiligen Geiste, die Litanei vom kostbaren Blut Christi und die stille, demütige Litanei der Demut („Von dem Verlangen, geachtet zu werden — befreie mich, Jesus"). Für die Verstorbenen betet man eigene Bitten; wer um die Armen Seelen ringt, findet Trost im Gebet für die Verstorbenen und in der Novene. Eine Litanei lässt sich zudem gut mit dem Salve Regina beschließen.
Ein Wort zur Vorsicht: Suchmaschinen zeigen bei „Litanei des Bluts" oder „Litanei der Verdammnis" oft Ergebnisse aus Videospielen (Elder Scrolls Online, World of Warcraft). Diese haben mit dem katholischen Gebet nichts zu tun. Und keine Litanei ist ein Zauberspruch: Sie wirkt nicht als Formel, sondern allein durch die Gnade Gottes und unser Vertrauen. Wir zählen nicht die Worte, sondern öffnen das Herz.
Häufig gestellte Fragen
Was ist eine Litanei einfach erklärt?
Eine Litanei ist ein Wechselgebet: Der Vorbeter ruft nacheinander viele Anrufungen Gottes, der Gottesmutter oder der Heiligen, und die Betenden antworten jedes Mal mit demselben kurzen Satz, etwa „bitte für uns" oder „erbarme Dich unser".
Was bedeutet das Wort Litanei?
Es stammt vom griechischen litaneía, „das inständige Flehen, die demütige Bitte". Im übertragenen Sinn steht „eine Litanei" umgangssprachlich für eine lange Aufzählung — das eigentliche Gebet aber ist Anbetung, nicht Wiederholung.
Welche Litaneien sind für den öffentlichen Gebrauch zugelassen?
Vor allem die Lauretanische Litanei, die Allerheiligenlitanei, die Herz-Jesu-Litanei, die Litanei vom heiligsten Namen Jesu, die Litanei vom heiligen Josef und die vom kostbaren Blut.
Wo finde ich die Lauretanische Litanei im Gotteslob?
Sie steht im Gotteslob unter der Nummer 566. Den vollständigen deutschen und lateinischen Wortlaut hält auch die App Iter Fidei bereit.
Wann betet man die Allerheiligenlitanei?
An den Bitttagen, in der Osternacht, bei Weihen und in Zeiten besonderer Not — überall dort, wo die Kirche die Fürsprache aller Heiligen erfleht.
Wirkt eine Litanei wie ein Schutz oder Glücksbringer?
Nein. Eine Litanei ist kein Amulett und keine unfehlbare Formel. Sie wirkt durch Gottes Gnade und unser gläubiges Vertrauen, nicht durch mechanische Wiederholung.
In der App Iter Fidei finden wir die großen Litaneien — die Lauretanische, die Allerheiligen-, die Herz-Jesu- und die Namen-Jesu-Litanei — im vollständigen deutschen und lateinischen Wortlaut, mit den Antworten zum Mitbeten. Hier herunterladen.
Quellen. Litaneien-Texte nach der überlieferten Form (Iter Fidei prayers-api, Guides litanies-lorette, litanies-des-saints, litanies-sacre-coeur, litanies-saint-nom-jesus); Lauretanische Litanei bestätigt durch Sixtus V. (1587); Herz-Jesu-Litanei durch Leo XIII. (1899); Litanei vom heiligen Josef durch Pius X. (1909); Gotteslob Nr. 566.