Die Heiligen
Der heilige Albertus Magnus
Wer war Albertus Magnus? Dominikaner, Kirchenlehrer, Lehrer des heiligen Thomas von Aquin und Schutzpatron der Naturwissenschaftler. Sein Leben, seine Werke und sein Gedenktag am 15. November.

Wer war Albertus Magnus? Er war einer der größten Gelehrten, die die Kirche je hervorgebracht hat: Dominikaner, Bischof, Kirchenlehrer, Lehrer des heiligen Thomas von Aquin und Schutzpatron der Naturwissenschaftler. Schon zu Lebzeiten nannte man ihn Doctor universalis, den Lehrer über alle Fächer, und fügte seinem Namen das Wort Magnus an — der Große. Kein anderer Heiliger trägt diesen Beinamen so selbstverständlich.
Wer war Albertus Magnus? Ein kurzer Steckbrief
Damit wir gleich das Wesentliche vor Augen haben:
Name: Albert von Lauingen, genannt Albertus Magnus (Albert der Große)
Geboren: um 1200 in Lauingen an der Donau (Schwaben)
Gestorben: 15. November 1280 in Köln
Stand: Priester des Dominikanerordens, Bischof von Regensburg
Titel: Kirchenlehrer (Doctor universalis)
Gedenktag: 15. November
Schutzpatron: der Naturwissenschaftler und Naturforscher
Albert stammte aus einem schwäbischen Rittergeschlecht. Um das Jahr 1223 trat er in Italien dem noch jungen Predigerorden des heiligen Dominikus bei. Er lehrte in Paris und gründete in Köln das studium generale, die große Ordenshochschule, aus der später die Universität hervorging. 1260 wurde er Bischof von Regensburg, legte das Amt aber nach kurzer Zeit nieder, um wieder zu lehren, zu predigen und zu schreiben. Er starb hochbetagt in Köln, wo seine Gebeine bis heute in der Kirche St. Andreas ruhen.
Albertus Magnus und Thomas von Aquin
Am tiefsten wirkt Albert durch seinen berühmtesten Schüler. In Köln und Paris saß ein schweigsamer, kräftiger junger Italiener in seinem Hörsaal: Thomas von Aquin. Die Mitschüler spotteten über den stillen Riesen und nannten ihn den "stummen Ochsen". Albert aber erkannte das Genie und sprach das prophetische Wort: "Wir nennen ihn den stummen Ochsen, doch das Gebrüll dieses Ochsen wird einst die ganze Welt erfüllen."
So kam es. Was Albert begann — die geordnete, gläubige Auseinandersetzung mit dem gesamten Wissen seiner Zeit —, das vollendete Thomas in seiner Summa. Lehrer und Schüler gehören zusammen wie Fundament und Gewölbe. Wer das katholische Glaubensbekenntnis mit dem Verstand durchdringen will, steht bis heute auf dem Boden, den diese beiden bereitet haben.
Die Werke des Albertus Magnus
Kaum ein mittelalterlicher Autor hat so viel geschrieben. Alberts gesammelte Werke füllen Dutzende starker Bände. Sie umfassen drei große Bereiche:
- Theologie: Kommentare zu den Sentenzen des Petrus Lombardus, eine Summa theologiae, Schriften über die Sakramente, die Eucharistie und die Gottesmutter.
- Philosophie: vollständige Kommentare zu fast allen Werken des Aristoteles, die er dem lateinischen Abendland erschloss und mit dem Glauben in Einklang brachte.
- Naturwissenschaft: Bücher über die Pflanzen (De vegetabilibus), die Tiere (De animalibus), die Steine und Metalle (De mineralibus), über Astronomie, Geographie und Medizin.
Albert war kein Stubengelehrter, der nur Bücher abschrieb. Er beobachtete selbst — Vögel, Fische, Kräuter, das Verhalten der Tiere, den Lauf der Gestirne. Diese eigene Anschauung war für das 13. Jahrhundert außergewöhnlich und hat ihm den Ruf des Vaters der abendländischen Naturbeobachtung eingetragen.
Albertus Magnus, die Naturwissenschaft und der Schutzpatron der Naturwissenschaftler
Warum ist gerade dieser Heilige der Schutzpatron der Naturwissenschaftler? Weil sein ganzes Werk beweist, dass Glaube und Vernunft keine Feinde sind. Albert hat die Natur nicht studiert, um Gott zu vergessen, sondern um durch das Geschöpf den Schöpfer zu loben. Für ihn war die Erforschung der Welt selbst ein Gottesdienst, ganz im Sinne des Psalmisten:
Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes und das Firmament verkündet seiner Hände Werke. Ein Tag überbringt dem andern das Wort, es gibt eine Nacht der andern die Kunde.
— Psalm 18 (19), Vers 2–3
Und was die Weisheit dem König Salomon schenkte, das suchte auch Albert mit der Lampe des Glaubens:
Er gab mir ja die wahre Erkenntnis von dem, was ist, so dass ich die Anordnung der Welt und die Kräfte der Elemente verstehe … des Jahres Lauf und den Stand der Gestirne, die Natur der Tiere … die Verschiedenheiten der Pflanzen und die Kräfte der Wurzeln.
— Buch der Weisheit 7, Vers 17–20
Papst Pius XII. hat den heiligen Albert im Jahr 1941 ausdrücklich zum Patron aller ernannt, die Naturwissenschaften betreiben. Wer heute im Labor, am Fernrohr oder über einem Mikroskop sitzt, hat also einen mächtigen Fürsprecher im Himmel. Dieses Anrufen ist keine abergläubische Formel und kein Glücksbringer, sondern ein Bitten um Erleuchtung des Verstandes — so wie ein Kranker in einer Novene um Fürsprache bittet, nicht um Zauberei. Die Gnade wirkt durch Vertrauen, nicht durch Magie; sie vollendet die Natur, ohne sie zu zerstören, und schenkt uns die Gnade, das Wahre zu erkennen.
Kirchenlehrer und Heiliger
Lange ruhte Alberts Verehrung in aller Stille. Erst Papst Pius XI. sprach ihn am 16. Dezember 1931 heilig und erhob ihn im selben Akt zum Kirchenlehrer — ein seltener Vorgang, der zeigt, wie groß sein Ansehen war. Damit steht Albert in einer Reihe mit den großen deutschen Lehrmeistern des Glaubens wie der heiligen Hildegard von Bingen und in der Gemeinschaft der Ordensgelehrten, zu der auch der heilige Antonius zählt. Auch in unserer Zeit hat die Kirche große Denker zu den Altären erhoben, etwa die Philosophin und Karmelitin Edith Stein — ein Zeichen, dass der Weg des Albertus Magnus, Wahrheit zu suchen und Christus zu finden, nie veraltet.
Denkmal, Kirchen und Zitate
Bis heute ist Alberts Name in Deutschland allgegenwärtig. In Köln tragen ein großer Platz, das Denkmal vor der Universität und zahllose Schulen, Kindergärten und Kirchen seinen Namen; er ist einer der Stadtpatrone Kölns. Wo immer wir einer Albertus-Magnus-Straße oder einem Albertus-Magnus-Gymnasium begegnen, klingt das Andenken an diesen Heiligen nach.
Von ihm sind uns auch Worte überliefert, die seine Haltung zusammenfassen. Am bekanntesten ist der Grundsatz, dass die Natur nichts vergeblich tut und dass der Mensch die sichtbare Schöpfung betrachten soll, um den unsichtbaren Gott zu erkennen. In diesem Geist hat Albert Wissenschaft und Anbetung nie getrennt.
Häufig gestellte Fragen
Wer war Albertus Magnus?
Albertus Magnus (Albert der Große, um 1200–1280) war ein deutscher Dominikaner, Bischof von Regensburg und Kirchenlehrer. Er gilt als einer der bedeutendsten Gelehrten des Mittelalters und ist der Lehrer des heiligen Thomas von Aquin.
Was hat Albertus Magnus mit Thomas von Aquin zu tun?
Thomas von Aquin war sein Schüler in Köln und Paris. Albert erkannte früh dessen Genie und ebnete ihm den Weg. Gemeinsam haben sie die katholische Theologie und Philosophie des Hochmittelalters geprägt.
Warum ist Albertus Magnus Schutzpatron der Naturwissenschaftler?
Weil er wie kein anderer Heiliger die Natur erforscht hat — Pflanzen, Tiere, Minerale, Gestirne — und dabei zeigte, dass Glaube und Vernunft zusammengehören. Papst Pius XII. ernannte ihn 1941 zum Patron der Naturwissenschaftler.
Wann ist der Gedenktag des heiligen Albertus Magnus?
Sein Gedenktag ist der 15. November, der Tag seines Todes im Jahr 1280.
Welche Werke hat Albertus Magnus geschrieben?
Er hinterließ Dutzende Bände zu Theologie, Philosophie und Naturwissenschaft, darunter Kommentare zu Aristoteles sowie Bücher über Pflanzen, Tiere und Minerale.
Wo befinden sich die Reliquien des Albertus Magnus?
Seine Gebeine ruhen in der Kirche St. Andreas in Köln, wohin ihn viele Gläubige besuchen und um seine Fürsprache bitten.
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Quellen. Allioli-Bibel (Psalm 18 [19]; Buch der Weisheit 7); Heiligsprechungs- und Kirchenlehrer-Erhebung durch Papst Pius XI. (1931); Ernennung zum Patron der Naturwissenschaftler durch Papst Pius XII. (1941); überlieferte Lebensdaten und Werke des heiligen Albertus Magnus.