Das Gebet
Fürbitten: was sie sind und wie man sie schreibt
Was Fürbitten sind, wie eine Fürbitte aufgebaut ist und fertige Vorschläge für Gottesdienst, Verstorbene, Konfirmation und das Kirchenjahr.

Die Fürbitten sind das gemeinsame Bittgebet der Gläubigen: Wir tragen dem Herrn die Anliegen der Kirche, der Welt, der Lebenden und der Verstorbenen vor. Der heilige Paulus mahnt uns ausdrücklich dazu: „Ich ermahne nun vor allem, Gebete, Bitten, Fürbitten, Danksagungen zu verrichten für alle Menschen" (1. Timotheus 2,1). Wer eine Fürbitte schreiben soll, findet hier zuerst die fertigen Vorschläge und danach eine kurze Anleitung, wie eine Fürbitte aufgebaut ist.
Was sind Fürbitten? Bedeutung und Ort in der heiligen Messe
Eine Fürbitte ist ein kurzes, laut vorgetragenes Anliegen, auf das die versammelte Gemeinde mit einem festen Antwortruf antwortet. In der überlieferten Ordnung des Gottesdienstes beten wir stellvertretend für andere — für die heilige Kirche, für die Obrigkeit, für die Bedrängten, für die Verstorbenen. Ihr Wert liegt allein in Gott: Die Fürbitte ist kein Wunschzettel und keine Formel, die etwas erzwingt, sondern das vertrauensvolle Bitten der Kinder Gottes, denen der Herr verheißen hat: „Bittet, und es wird euch gegeben werden" (Matthäus 7,7).
Das älteste und feierlichste Beispiel sind die Großen Fürbitten am Karfreitag, in denen die Kirche in strenger Ordnung für alle Stände betet. Aus dieser Wurzel lebt jede Fürbitte, die wir heute sprechen.
Fürbitten: allgemeine Vorschläge und Beispiele
Diese allgemeinen Fürbitten passen für nahezu jeden Anlass und lassen sich frei kürzen oder ergänzen. Der Vorbeter spricht die Bitte, die Gemeinde antwortet.
V: Für die heilige Kirche, für den Papst und für alle, die das Evangelium verkünden: dass sie treu bewahren, was uns überliefert ist. — Wir bitten dich, erhöre uns.
V: Für den Frieden in der Welt und für alle, die Verantwortung tragen: dass Gerechtigkeit und Eintracht wachsen. — Wir bitten dich, erhöre uns.
V: Für die Kranken, die Einsamen und die Sterbenden: dass sie Trost und die Nähe des Herrn erfahren. — Wir bitten dich, erhöre uns.
V: Für unsere Familien, für Freundschaft und Zusammenhalt: dass die Liebe unter uns nicht erkalte. — Wir bitten dich, erhöre uns.
V: Für unsere Verstorbenen: dass der Herr sie aufnehme in sein Licht. — Wir bitten dich, erhöre uns.
Diese Vorlage deckt zugleich die häufigsten Anliegen ab — Kirche, Friede, Kranke, Familie, Verstorbene. Für ganz bestimmte Nöte formulieren Sie eine eigene Bitte, die genau dieses eine Anliegen benennt.
Der Aufbau: wie man Fürbitten schreibt
Eine gute Fürbitte ist schlicht und folgt einem festen Aufbau. Wer Fürbitten schreiben will, hält sich am besten an drei Teile:
- Anrede — die Bitte richtet sich an Christus, den Herrn (oder durch ihn an den Vater): „Herr Jesus Christus, …"
- Anliegen — ein einziger, klar benannter Gegenstand pro Bitte: die Kirche, der Friede, die Kranken, die Verstorbenen.
- Antwortruf — die feste Antwort der Gemeinde. Gebräuchlich sind „Wir bitten dich, erhöre uns" oder schlicht „Herr, erhöre uns."
Halten Sie jede Bitte kurz, sprechen Sie „wir" statt „ich", und vermeiden Sie belehrende Sätze. Vier bis sechs Bitten genügen — auch kurze Fürbitten erfüllen ihren Zweck vollkommen.
Fürbitten für den Gottesdienst und die heilige Messe
Im Gottesdienst folgen die Fürbitten nach der Ordnung stets vom Allgemeinen zum Besonderen: zuerst für die Kirche, dann für die Welt und die Obrigkeit, dann für die Bedrängten, zuletzt für die versammelte Gemeinde und ihre Verstorbenen. Der heilige Paulus nennt diese Reihenfolge selbst, wenn er zum Gebet „für Könige und für alle, die in obrigkeitlichem Ansehen stehen" (1. Timotheus 2,2) auffordert. Halten Sie die Bitten im gottesdienstlichen Rahmen bewusst nüchtern und feierlich — sie sind Gebet, nicht Ansprache.
Aktuelle Fürbitten: Bitten für die Gegenwart
Viele suchen aktuelle Fürbitten für den kommenden Sonntag — Bitten, die ein gegenwärtiges Anliegen aufnehmen. Bistümer und Pfarreien veröffentlichen dazu Woche für Woche neue Vorlagen. Sie können jede der obigen Bitten leicht auf das aktuelle Geschehen hin abwandeln — etwa für die Opfer einer Katastrophe, für ein bedrängtes Land oder für den Frieden:
V: Für alle, die in diesen Tagen unter Krieg und Not leiden: dass sie Schutz, Hilfe und den Frieden des Herrn finden. — Wir bitten dich, erhöre uns.
Fürbitten für die Verstorbenen
Das Gebet für die Verstorbenen gehört zum Herzstück der katholischen Fürbitte, denn wir dürfen den Armen Seelen durch unser Bitten zu Hilfe kommen. Der Psalter gibt uns die Worte: „Aus der Tiefe rufe ich zu dir, o Herr! Herr, erhöre meine Stimme!" (Psalm 129 (130),1-2). So beten wir:
V: Für unsere verstorbenen Angehörigen, für Mutter und Vater, Großeltern und Freunde: dass der Herr ihnen die ewige Ruhe schenke und das ewige Licht ihnen leuchte. — Herr, erhöre uns.
Ausführlichere Texte für Trauerfeier und Requiem finden Sie in unseren Fürbitten für die Beerdigung sowie im Gebet für die Verstorbenen.
Fürbitten zur Konfirmation und für Konfirmanden
Die Konfirmation ist eine Feier der evangelischen Kirche; das katholische Gegenstück ist das heilige Sakrament der Firmung. Wer für einen Konfirmanden bitten möchte, kann dennoch aus dem gemeinsamen Schatz der Schrift schöpfen — etwa mit einem Wort der Ermutigung wie „Sei stark und mutig" (Josue 1,9). Eine schlichte, auch für die Eltern und Paten geeignete Bitte lautet:
V: Für die jungen Christen, die heute ihren Glauben bekennen: dass der Herr sie auf ihrem Weg stärke und ihnen treue Begleiter schenke. — Wir bitten dich, erhöre uns.
Für die katholische Feier von Erstkommunion und Firmung stehen eigene Vorlagen in unseren Fürbitten zu Kommunion und Firmung bereit.
Fürbitten mit Kindern und im Kindergottesdienst
Im Kindergottesdienst dürfen die Bitten einfach und bildhaft sein, damit die Kinder sie selbst vortragen können. Ein wiederkehrendes Thema ist das Licht — eine Kerze wird entzündet, während gebetet wird:
V: Guter Gott, wir zünden ein Licht an für alle Kinder, die traurig sind: sei du bei ihnen. — Wir bitten dich, erhöre uns.
Kindgerechte Bitten für Familie, Freunde und Tiere lassen sich leicht ergänzen. Anregungen zum Beten mit den Kleinen finden Sie im Kindergebet.
Fürbitten im Kirchenjahr
Das Kirchenjahr gibt jeder Fürbitte ihren eigenen Ton — im Advent das Warten, an Weihnachten die Freude über die Menschwerdung, in der Fastenzeit und am Karfreitag die Buße, an Ostern und Pfingsten der Jubel, zum Erntedank der Dank für die Gaben, an Allerheiligen und Allerseelen das Gedenken der Verstorbenen, in der Maiandacht die Verehrung der Gottesmutter. So beten wir etwa zum Erntedank:
V: Für alle, die das Brot der Erde bebauen: dass wir dankbar teilen, was deine Güte uns schenkt. — Wir bitten dich, erhöre uns.
Wer den Rhythmus des liturgischen Jahres im überlieferten Stundengebet mitbeten möchte, findet dazu Hilfe unter Divinum Officium.
Fürbitten zu besonderen Anlässen
Neben dem Sonntagsgottesdienst bittet die Gemeinde bei vielen Gelegenheiten füreinander. Für Brautpaar und Ehejubiläum halten unsere Fürbitten für die Hochzeit eigene Texte bereit; für Taufe und Patenkind die Fürbitten zur Taufe. Wer für einen Kranken bitten möchte, dem der Herr durch das Gebet der Kirche zu Hilfe kommt — „betet füreinander, damit ihr das Heil erlanget" (Jakobus 5,16) —, findet Worte im Gebet für Kranke.
Häufig gestellte Fragen
Was sind Fürbitten?
Fürbitten sind das gemeinsame Bittgebet der Gläubigen im Gottesdienst. Der Vorbeter trägt ein Anliegen vor, die Gemeinde antwortet mit einem festen Ruf. Sie folgen der Mahnung des heiligen Paulus, Bitten und Fürbitten für alle Menschen zu verrichten (1. Timotheus 2,1).
Wie schreibt man eine Fürbitte?
Eine Fürbitte besteht aus drei Teilen: der Anrede an Christus, dem klar benannten Anliegen und dem Antwortruf der Gemeinde. Halten Sie jede Bitte kurz, sprechen Sie in der Wir-Form und beschränken Sie sich auf ein Anliegen je Bitte.
Wie viele Fürbitten gehören in einen Gottesdienst?
Üblich sind vier bis sechs Bitten. Sie schreiten vom Allgemeinen zum Besonderen fort: für die Kirche, für die Welt und die Obrigkeit, für die Bedrängten und zuletzt für die Gemeinde und ihre Verstorbenen.
Was ist der Unterschied zwischen katholischen und evangelischen Fürbitten?
Der Aufbau ähnelt sich, doch die katholische Fürbitte schließt stets das Gebet für den Papst, für die heilige Kirche und ausdrücklich für die Verstorbenen ein — Letzteres kennt die evangelische Tradition in dieser Form nicht.
Wer trägt die Fürbitten vor?
Meist spricht ein Lektor oder Vorbeter die einzelnen Bitten, während der Priester Einleitung und abschließendes Gebet spricht. Bei Kinder- und Familiengottesdiensten dürfen auch die Gläubigen selbst eine Bitte vortragen.
Darf man aktuelle Anliegen in die Fürbitten aufnehmen?
Ja. Neben den festen Anliegen darf eine Bitte auf ein gegenwärtiges Ereignis eingehen — etwa auf Not, Krieg oder Frieden. Wichtig ist, dass sie Gebet bleibt und nicht zur Meinungsäußerung wird.
Die Iter-Fidei-App sammelt Fürbitten, Bibelverse in der Allioli-Übersetzung und die überlieferten Gebete der Kirche für jeden Anlass — geordnet nach dem Kirchenjahr und jederzeit griffbereit. Hier herunterladen.
Quellen. Allioli-Bibel (1. Timotheus 2,1-4; Matthäus 7,7; Jakobus 5,16; Psalm 129 (130); Josue 1,9); Große Fürbitten der Karfreitagsliturgie nach dem Missale von 1962; Katechismus des heiligen Pius X.