Die Sakramente
Die Taufe: das erste Sakrament
Was die Taufe ist und bewirkt, wie der katholische Ritus abläuft, welche Symbole und Voraussetzungen dazugehören und welche Aufgaben die Taufpaten übernehmen.

Die Taufe ist das erste und notwendigste der sieben Sakramente: die Pforte, durch die wir in das Leben der Gnade und in die Kirche eintreten. Ohne sie können wir keines der anderen Sakramente empfangen. Der Herr selbst hat sie eingesetzt, als Er nach Seiner Auferstehung den Aposteln befahl:
Gehet also hin, und lehret alle Völker, und taufet sie im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes. (Matthäus 28,19)
Was ist die Taufe und was bewirkt sie?
Die Taufe ist das Sakrament der Wiedergeburt aus dem Wasser und dem Heiligen Geiste. Der Katechismus (nach dem Konzil von Trient) lehrt, dass sie drei große Wirkungen hat, die alle im selben Augenblick geschehen:
- Sie tilgt die Sünde. Bei einem Kind wird die Erbsünde ausgelöscht; bei einem Erwachsenen dazu auch alle persönlichen Sünden samt der zeitlichen Sündenstrafen. Der Getaufte steigt völlig rein aus dem Taufwasser.
- Sie macht uns zu Kindern Gottes. Wir empfangen die heiligmachende Gnade und werden Glieder der heiligen katholischen Kirche und Miterben des Himmels.
- Sie prägt der Seele ein unauslöschliches Merkmal ein. Dieses Prägmal bleibt für immer; deshalb kann die Taufe niemals wiederholt werden. Wer einmal gültig getauft ist, bleibt für die Ewigkeit gezeichnet als Eigentum Christi.
Wer Kindern die Taufe erklären möchte, darf getrost bei diesem Bild bleiben: Wie das Wasser den Körper wäscht, so macht die Taufe die Seele rein und schenkt ihr das Leben Gottes.
Warum tauft man, und warum tauft man schon kleine Kinder? Weil der Herr die Taufe zum Heil notwendig gemacht hat: Wer glaubt und sich taufen lässt, der wird selig werden (Markus 16,16). Und weil Er die Kinder ausdrücklich nicht abweisen wollte: Lasset die Kindlein zu mir kommen, und wehret ihnen nicht; denn für solche ist das Reich Gottes (Markus 10,14). Zu Nikodemus sprach Er das entscheidende Wort:
Wenn jemand nicht wiedergeboren wird aus dem Wasser und dem heiligen Geiste, so kann er in das Reich Gottes nicht eingehen. (Johannes 3,5)
Der Ablauf der katholischen Taufe
Wie läuft eine katholische Taufe ab, und was passiert dabei? Der überlieferte Ritus (Rituale Romanum) ist reich an sprechenden Handlungen. Er beginnt an der Kirchentür und führt Schritt für Schritt zum Taufbecken:
- An der Schwelle. Der Priester fragt nach dem Namen und danach, was der Täufling von der Kirche Gottes begehrt. Die Antwort lautet: den Glauben — und der Glaube schenkt das ewige Leben.
- Anhauchen und Kreuzzeichen. Der Priester haucht den Täufling an, spricht die Beschwörung gegen den bösen Geist und bezeichnet Stirn und Brust mit dem heiligen Kreuz.
- Das Salz der Weisheit wird auf die Zunge gelegt — Sinnbild der Weisheit, die vor der Fäulnis der Sünde bewahrt.
- Die Beschwörungen (Exorzismen), mit denen die Kirche den Täufling der Macht Satans entreißt, und das Effata: der Priester berührt Ohren und Nase, damit sie sich dem Worte Gottes öffnen.
- Die Widersagung. Paten sprechen im Namen des Kindes dem Satan, all seinen Werken und all seinem Gepränge ab. Danach folgt die Salbung mit dem Katechumenenöl.
- Das Glaubensbekenntnis. Man betet gemeinsam das Apostolische Glaubensbekenntnis und das Vaterunser.
- Die eigentliche Taufe. Der Priester gießt dreimal Wasser über das Haupt und spricht dabei die entscheidenden Worte: Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. In diesem Augenblick geschieht die Wiedergeburt.
- Chrisam, weißes Kleid und Kerze beschließen die Feier (siehe die Symbole unten).
Eine Kindertaufe dauert in der Regel etwa zwanzig bis dreißig Minuten; wird sie in eine heilige Messe eingebettet, entsprechend länger.
Die Symbole der Taufe
Vier Zeichen tragen die ganze Feier und werden oft auf Taufkerze, Kirchenheft oder Taufsprüchen wieder aufgegriffen:
- Das Wasser ist das Kernsymbol: es reinigt und schenkt Leben. Wie das Wasser den Leib wäscht, so wäscht die Taufe die Seele rein.
- Der Chrisam (heiliges, mit Balsam vermischtes Salböl) wird auf den Scheitel gesalbt. Er zeigt an, dass der Getaufte nun zu Christus, dem Gesalbten, gehört und an dessen priesterlicher, königlicher und prophetischer Würde teilhat.
- Das weiße Kleid ist Zeichen der Unschuld und der Reinheit, die der Täufling empfängt: er soll dieses Kleid ohne Makel bewahren bis vor den Richterstuhl Gottes.
- Das Licht der Taufkerze, entzündet an der Osterkerze, bedeutet den Glauben und die Gnade Christi, des Lichtes der Welt. Es ruft dazu auf, als Kind des Lichtes zu leben.
Die Taufe Jesu im Jordan
Vorbild aller christlichen Taufe ist die Taufe Jesu im Jordan durch Johannes den Täufer. Als der Herr aus dem Wasser stieg, öffnete sich der Himmel, der Geist Gottes kam wie eine Taube herab, und die Stimme des Vaters erklang: Dieser ist mein Sohn, der geliebte (Matthäus 3,16-17). In der Taufe Jesu offenbart sich die heiligste Dreifaltigkeit, und das Jordanwasser wird zum Sinnbild jenes Taufwassers, das seither die Seelen heiligt. Darum ist die Taube ein altes Sinnbild des Heiligen Geistes über dem Taufbecken.
Die Taufpaten: Aufgaben und Voraussetzungen
Die Paten sind kein bloßer Ehrentitel. Sie übernehmen eine geistliche Verantwortung: Sie stehen als Bürgen für den Glauben des Täuflings und verpflichten sich, ihm — sollten die Eltern ausfallen — bei der christlichen Erziehung beizustehen und ihn zu einem Leben nach dem Glauben zu führen.
Wer Pate werden will, muss selbst katholisch, gefirmt und im Stand der Gnade sein und ein Leben führen, das dem Glauben nicht widerspricht. Darum kann nur Pate werden, wer selbst getauft (und katholisch) ist — ein Ungetaufter oder ein Nichtkatholik kann dieses geistliche Amt nicht übernehmen. Ein evangelischer Christ kann allenfalls als Taufzeuge zugelassen werden, nicht aber als katholischer Pate. Wenigstens ein Pate ist erforderlich. Nehmen Sie die Aufgabe eines Paten ernst: Sie ist vor allem ein Auftrag, für das Patenkind zu beten.
Voraussetzungen und Anmeldung
Für die Taufe eines Kindes ist erforderlich, dass wenigstens ein Elternteil zustimmt und die begründete Aussicht besteht, dass das Kind im katholischen Glauben erzogen wird. Zur Anmeldung wendet man sich rechtzeitig an das Pfarramt; dort werden Tauftermin, die Wahl der Paten und die nötigen Unterlagen (Geburtsurkunde, Patenschein) besprochen. Die Taufe soll nach altem Brauch nicht lange aufgeschoben werden.
Erwachsenentaufe
Wer als Erwachsener zum Glauben findet, wird nach einer Zeit der Vorbereitung (Katechumenat) getauft. Bei der Erwachsenentaufe tilgt das Sakrament nicht nur die Erbsünde, sondern alle bis dahin begangenen Sünden — der Neugetaufte beginnt buchstäblich mit reiner Seele. An die Taufe schließen sich Erwachsene meist zugleich Firmung und erste heilige Kommunion an.
Nottaufe
Besteht Lebensgefahr — etwa bei einem schwer kranken Neugeborenen — darf und soll jeder Mensch die Nottaufe spenden, auch ein Laie. Man gießt gewöhnliches Wasser über die Stirn und spricht dabei die Worte: Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wer so tauft, muss nur die Absicht haben, zu tun, was die Kirche tut. Eine so gespendete gültige Taufe wird später im Pfarramt gemeldet.
Katholische und evangelische Taufe
Beide Kirchen taufen mit Wasser und der trinitarischen Formel, und eine so gespendete Taufe ist gültig. Der Unterschied liegt im Verständnis: Die katholische Kirche hält an der vollen sakramentalen Wirkung fest — die Taufe tilgt wirklich die Sünde, gießt die Gnade ein und prägt das unauslöschliche Merkmal ein. Der überlieferte katholische Ritus ist zudem reicher an Exorzismen, Salbungen und Zeichen. Wer katholisch getauft ist, ist damit in die katholische Kirche und ihre Sakramentenordnung aufgenommen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die Taufe kurz erklärt?
Die Taufe ist das Sakrament der geistlichen Wiedergeburt: Sie tilgt die Erbsünde, macht uns zu Kindern Gottes und Gliedern der Kirche und prägt der Seele ein bleibendes Merkmal ein. Sie ist das erste und zum Heil notwendige Sakrament.
Was bedeutet die Taufe?
Sie bedeutet den Übergang vom Tod der Sünde zum Leben der Gnade. Der Getaufte wird von der Erbsünde gereinigt, mit Christus verbunden und für den Himmel bestimmt.
Wie lange dauert eine katholische Taufe?
Eine Kindertaufe dauert meist zwanzig bis dreißig Minuten. Wird sie in eine heilige Messe eingebunden, dauert die Feier entsprechend länger.
Wer darf taufen?
Ordentlich spendet der Priester (oder Diakon) die Taufe. In Todesgefahr aber darf jeder Mensch gültig taufen, sofern er Wasser gießt, die richtigen Worte spricht und tun will, was die Kirche tut.
Kann man sich als Erwachsener taufen lassen?
Ja. Nach einer Zeit der Glaubensunterweisung kann jeder Erwachsene getauft werden; ihm werden dabei alle Sünden vergeben. Häufig folgen sogleich Firmung und erste Kommunion.
Wer kann Taufpate werden?
Nur ein katholischer, gefirmter Christ, der im Stand der Gnade lebt und selbst getauft ist. Ein Nichtkatholik kann nur als Taufzeuge, nicht als Pate zugelassen werden.
Für den Tag selbst helfen unsere Beiträge zu passenden Taufsprüchen und zu den Fürbitten für die Taufe weiter.
Iter Fidei begleitet die Taufe mit dem überlieferten Ritus, dem Apostolischen Glaubensbekenntnis, den Taufgebeten und einem Segen für Patenkind und Paten — alles nach den überlieferten Quellen. Hier herunterladen.
Quellen. Allioli-Bibel (Matthäus 28,19; 3,16-17; Markus 16,16; 10,14; Johannes 3,5); Katechismus des Konzils von Trient (Römischer Katechismus), Von der Taufe; Rituale Romanum, Ordo Baptismi; Apostolisches Glaubensbekenntnis (Iter Fidei prayers-api).