Apologetik
Katholisch und evangelisch: die Unterschiede
Was ist der Unterschied zwischen katholisch und evangelisch? Sakramente, Papst, Maria, Beichte und Eucharistie einfach erklärt, mit Tabelle und den Gemeinsamkeiten.

Wenn wir fragen, was der Unterschied zwischen katholisch und evangelisch ist, geht es nicht um äußere Gewohnheiten, sondern um den Glauben selbst. Beide bekennen Jesus Christus als Herrn und Erlöser – und doch trennt seit der Reformation des 16. Jahrhunderts vieles die katholische Kirche von den evangelischen (lutherischen und reformierten) Gemeinschaften. Wir stellen die Unterschiede klar und ehrfürchtig dar, ohne den evangelischen Christen zu nahe zu treten: Der katholische Glaube ist die volle, ungeteilte Überlieferung der Apostel.
Unterschied katholisch und evangelisch – die Tabelle
Zuerst der schnelle Überblick, kurz und einfach erklärt:
| Frage | Katholisch | Evangelisch |
|---|---|---|
| Sakramente | sieben | zwei (Taufe, Abendmahl) |
| Papst | Nachfolger des heiligen Petrus, sichtbares Oberhaupt | nicht anerkannt |
| Heilige Schrift und Überlieferung | beide sind Glaubensquelle | „allein die Schrift" (sola scriptura) |
| Rechtfertigung | Glaube und gute Werke | „allein durch den Glauben" |
| Maria und die Heiligen | Verehrung und Anrufung | keine Anrufung |
| Beichte | eigenes Sakrament | keine sakramentale Beichte |
| Eucharistie | wahrer Leib und Blut Christi | Gedächtnismahl, unterschiedlich gedeutet |
| Fegefeuer | ja | abgelehnt |
| Bibel | 73 Bücher | 66 Bücher |
Die sieben Sakramente gegen zwei
Der greifbarste Unterschied betrifft die Sakramente. Die katholische Kirche kennt seit den Aposteln sieben: Taufe, Firmung, die heilige Eucharistie, Buße (Beichte), letzte Ölung, Priesterweihe und Ehe. Die evangelischen Kirchen haben bei der Reformation nur zwei behalten: die Taufe und das Abendmahl, weil sie nur diese beiden ausdrücklich im Evangelium eingesetzt fanden.
Katholisch sind Sakramente nicht bloße Zeichen, sondern wirksame Kanäle der Gnade: Gott handelt durch sie wirklich an der Seele. Die Taufe etwa tilgt die Erbsünde – hier sind sich beide noch am nächsten, weshalb Katholiken und Evangelische die gegenseitige Taufe anerkennen. Ob man ein Kind katholisch oder evangelisch taufen lässt, richtet sich nach dem Glauben der Eltern; beide Taufen sind gültig, sofern sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes gespendet werden.
Der Papst
Katholisch glauben wir, dass Christus dem Apostel Petrus einen einzigartigen Auftrag gab:
Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Und dir werde ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. (Matthäus 16,18–19)
Der Papst ist der Nachfolger des heiligen Petrus und das sichtbare Oberhaupt der Kirche, Bürge der Einheit. Die evangelischen Christen lehnen dieses Amt ab; für sie ist Christus allein das Haupt, ohne sichtbaren Stellvertreter auf Erden. Das ist einer der tiefsten Gräben zwischen beiden.
Maria und die Heiligen
Katholisch verehren wir die allerseligste Jungfrau Maria und rufen die Heiligen als Fürsprecher an – nicht als Götter, sondern als Freunde Gottes, die für uns bitten. Grund dafür ist das Wort des Engels und Marias eigene Weissagung:
Gegrüßt seist du, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir. (Lukas 1,28)
Von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter. (Lukas 1,48)
Darum beten wir das Ave Maria und feiern Feste wie Allerheiligen. Die Evangelischen achten Maria als Mutter des Herrn, lehnen aber jede Anrufung ab: Man solle sich allein an Christus wenden. Katholisch antworten wir: Wer die Heiligen bittet, umgeht Christus nicht, sondern folgt dem Beispiel der ersten Christen, die füreinander eintraten.
Beichte und Rechtfertigung
Ein weiterer Unterschied ist die Beichte. Christus gab den Aposteln ausdrücklich Vollmacht:
Empfanget den heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden nachlassen werdet, denen sind sie nachgelassen. (Johannes 20,22–23)
Katholisch bekennen wir unsere schweren Sünden dem Priester, der an Christi Statt losspricht. Die evangelischen Kirchen kennen kein solches Sakrament; sie lehren, der Gläubige empfange die Vergebung unmittelbar durch den Glauben.
Damit hängt der Streit um die Rechtfertigung zusammen. Luther lehrte, der Mensch werde „allein durch den Glauben" gerecht. Katholisch halten wir mit dem Apostel Jakobus fest, dass der lebendige Glaube sich in Werken erweist:
So ist auch der Glaube, wenn er keine Werke hat, tot in sich selbst. (Jakobus 2,17)
Eucharistie und Abendmahl – der Unterschied
Beim Abendmahl trennt Katholiken und Evangelische die tiefste Frage überhaupt. Katholisch glauben wir, dass Brot und Wein in der heiligen Messe wahrhaft in den Leib und das Blut Christi verwandelt werden (Wandlung), so wie der Herr es selbst sagte:
Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise, und mein Blut ist wahrhaft ein Trank. (Johannes 6,56)
Die Eucharistie ist das Allerheiligste, das wir anbeten und zu Fronleichnam durch die Straßen tragen. Die Reformatoren deuteten das Abendmahl unterschiedlich – Luther hielt an einer wirklichen Gegenwart fest, die Reformierten sahen ein bloßes Gedächtnismahl. Die katholische Lehre von der Wandlung und vom Messopfer lehnen sie alle ab.
Katholisch, evangelisch – und orthodox?
Oft wird auch nach dem Unterschied zwischen katholisch und orthodox gefragt. Die orthodoxen Kirchen des Ostens trennten sich 1054 von Rom, bewahrten aber alle sieben Sakramente, die Eucharistie, die Marien- und Heiligenverehrung. Sie stehen dem katholischen Glauben viel näher als die evangelischen Gemeinschaften; der Hauptstreit betrifft das Papstamt.
Bibel, Kreuz und Feiertage
Auch die katholische und die evangelische Bibel unterscheiden sich: Die katholische zählt 73 Bücher, die evangelische nur 66, weil Luther sieben Bücher des Alten Testaments (die deuterokanonischen) herausnahm. Das katholische Kreuz trägt meist den gekreuzigten Christus (Kruzifix), das evangelische zeigt oft ein leeres Kreuz.
Manche Feste sind vorwiegend katholisch geprägt: Fronleichnam, Allerseelen, Maria Lichtmess und Mariä Himmelfahrt. Karfreitag, Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten hingegen feiern beide – Karfreitag hat für die Evangelischen sogar besonderes Gewicht.
Viele Bräuche und Zeichen lassen sich keiner Seite eindeutig zuordnen. Der Martinstag am 11. November geht auf den heiligen Martin von Tours zurück, einen katholischen Heiligen; die Martinsumzüge feiert man heute in beiden Konfessionen. Und der Hahn auf dem Kirchturm ist kein sicheres Erkennungszeichen: Man findet ihn auf katholischen wie auf evangelischen Kirchen, denn er mahnt an die Verleugnung des heiligen Petrus und ruft zur Wachsamkeit.
Katholisch und evangelisch – für Kinder erklärt
Wer den Unterschied Kindern oder in der Grundschule erklären möchte, kann es ganz einfach sagen: Katholische und evangelische Christen glauben beide an Jesus Christus. Die Katholiken haben den Papst in Rom, sieben Sakramente, die Beichte und bitten Maria und die Heiligen um Fürsprache. Die Evangelischen haben keinen Papst, nur zwei Sakramente – Taufe und Abendmahl – und wenden sich im Gebet allein an Gott. In einer katholischen Kirche sieht man oft mehr Bilder, Kerzen, Weihrauch und einen gekreuzigten Christus am Kreuz; in der evangelischen Kirche steht die Predigt aus der Bibel im Mittelpunkt.
Gemeinsamkeiten
Bei allen Unterschieden ist das Verbindende groß. Katholiken und Evangelische bekennen den dreieinigen Gott — anders als etwa die Zeugen Jehovas und andere Sekten, welche die Dreifaltigkeit leugnen —, glauben an Christus als Herrn und beten dasselbe Glaubensbekenntnis und das Vaterunser. Beide anerkennen die Taufe und ehren die Heilige Schrift als Wort Gottes. Das eint uns – und macht die verbleibenden Gräben umso ernster.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen katholisch und evangelisch, einfach erklärt?
Katholisch gibt es sieben Sakramente, den Papst, die Beichte, die Verehrung Marias und der Heiligen sowie den Glauben an die wahre Gegenwart Christi in der Eucharistie. Evangelisch kennt zwei Sakramente, keinen Papst, keine Heiligenanrufung und deutet das Abendmahl anders.
Ist katholisch oder evangelisch „besser"?
Als Katholiken bekennen wir, dass die katholische Kirche die volle, von den Aposteln überlieferte Wahrheit bewahrt. Das sagen wir nicht überheblich, sondern dankbar – und mit Achtung vor allen, die Christus aufrichtig suchen.
Ist Allerheiligen katholisch oder evangelisch?
Allerheiligen am 1. November ist ein katholisches Hochfest zu Ehren aller Heiligen. In manchen evangelischen Gebieten wird stattdessen am 31. Oktober der Reformationstag begangen.
Ist Karfreitag katholisch oder evangelisch?
Karfreitag gehört beiden. Er gedenkt des Kreuzestodes Christi und ist in Deutschland gesetzlicher Feiertag. Für die evangelischen Christen ist er einer der höchsten Feiertage überhaupt.
Kann man katholisch und evangelisch heiraten?
Ja, eine sogenannte konfessionsverschiedene Ehe ist möglich. Damit die Ehe katholisch gültig ist, braucht es die Erlaubnis der Kirche und die ernste Absicht, die Kinder katholisch zu taufen und zu erziehen.
Sind Sternsinger katholisch oder evangelisch?
Das Sternsingen zum Fest der Heiligen Drei Könige ist ein katholischer Brauch, wird heute aber vielerorts ökumenisch getragen.
Iter Fidei begleitet uns durch den überlieferten katholischen Glauben – mit der heiligen Messe, den Sakramenten, dem Rosenkranz und den Gebeten der Kirche, Tag für Tag. Hier herunterladen.
Quellen. Heilige Schrift nach der Allioli-Übersetzung (Matthäus 16; Lukas 1; Johannes 6 und 20; 1 Korinther 11; Jakobus 2); Catechismus Romanus (Katechismus des Konzils von Trient); Katechismus des heiligen Papstes Pius X.