Das Gebet
Das Ave Maria: das Gegrüßet seist du, Maria
Der vollständige Text des Ave Maria auf Deutsch und Latein, seine zwei Teile und seine Bedeutung. Das älteste und meistgebetete Mariengebet der Kirche.

Das Ave Maria ist nach dem Vaterunser das vertrauteste Gebet der katholischen Christenheit. Es ist der Gruß, mit dem wir uns unzählige Male am Tag an die Gottesmutter wenden – im Rosenkranz, beim Angelus, in der Stunde der Not. Hier finden wir sogleich den vollständigen deutschen Text, den lateinischen Wortlaut, die zwei Teile des Gebets und seine Bedeutung. Und wir sollten von Anfang an eines festhalten: Gemeint ist das Gebet „Gegrüßet seist du, Maria“ – nicht das berühmte Lied von Schubert oder Gounod, das denselben Namen trägt.
Ave Maria: der volle Text auf Deutsch
Der katholische Wortlaut des Ave Maria lautet:
Gegrüßet seist Du, Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit Dir.
Du bist gebenedeit unter den Frauen,
und gebenedeit ist die Frucht Deines Leibes, Jesus.
Heilige Maria, Mutter Gottes,
bitte für uns Sünder,
jetzt und in der Stunde unseres Todes.
Amen.
Dieser Text ist überall in der Kirche derselbe. Wer „Gegrüßet seist du, Maria“ betet, spricht denselben Gruß, den seit über tausend Jahren Heilige, Päpste und einfache Gläubige gesprochen haben. Es lohnt sich, ihn auswendig zu können, damit er in jeder Lage bereitsteht.
Ave Maria auf Latein (gratia plena)
Die überlieferte Sprache des Gebets ist das Latein. Wer das Ave Maria auf Latein beten möchte – etwa im Rosenkranz oder im gesungenen Gebet –, spricht:
Ave Maria, gratia plena,
Dominus tecum.
Benedicta tu in mulieribus,
et benedictus fructus ventris tui, Jesus.
Sancta Maria, Mater Dei,
ora pro nobis peccatoribus,
nunc et in hora mortis nostrae.
Amen.
Die Wendung gratia plena – „voll der Gnade“ – ist das Herzstück des lateinischen Textes. Ave Maria, gratia plena, Dominus tecum heißt schlicht: „Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir.“ Der lateinische Wortlaut und der deutsche Text sagen dasselbe; das Latein bewahrt nur die älteste und feierlichste Form.
Die zwei Teile: der biblische Gruß und die Bitte der Kirche
Das Ave Maria besteht aus zwei Teilen. Der erste ist reine Heilige Schrift, wörtlich dem Lukas-Evangelium entnommen.
Der Anfang ist der Gruß des Erzengels Gabriel bei der Verkündigung. Nach der Allioli-Übersetzung heißt es:
Und der Engel trat zu ihr hinein, und sprach: Gegrüßt seist du, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeiet unter den Weibern! (Lukas 1, 28)
Die zweite Zeile stammt aus dem Mund der heiligen Elisabeth, als Maria sie besuchte:
Und sie rief mit lauter Stimme, und sprach: Gebenedeiet bist du unter den Weibern, und gebenedeiet ist die Frucht deines Leibes! (Lukas 1, 42)
Die Kirche fügte den Namen Jesus an das Ende dieses biblischen Grußes und stellte dann den zweiten Teil hinzu – die Bitte: „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes.“ Hier bekennen wir Maria als Mutter Gottes (im Latein Mater Dei, wie es das Konzil von Ephesus 431 feierlich erklärt hat) und bitten sie, unsere Fürsprecherin zu sein – heute und am Ende unseres Lebens. Wer der Muttergottes noch näher kommen will, findet im Lobgesang des Magnificat und im Salve Regina, dem „Gegrüßet seist du, Königin“, zwei weitere große Mariengebete.
Ave Maria: Bedeutung des Gebets
Was heißt eigentlich „Ave Maria“, und was bedeutet es? Ave ist der lateinische Gruß „Sei gegrüßt“. Die tiefere Bedeutung des Gebets liegt in dem, was gegrüßt wird: Der Engel nennt Maria voll der Gnade – sie ist von Gott so reich beschenkt, dass keine Sünde in ihr Raum hat. Eben diese Fülle der Gnade findet ihre Krönung darin, dass Maria am Ende ihres Lebens mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde. „Der Herr ist mit dir“ meint mehr als Beistand: In ihr wird der Herr selbst Mensch werden.
Das Ave Maria ist darum kein Gebet an Maria als eine Art zweiten Gott, sondern ein Gebet, in dem wir sie loben und um ihre Fürsprache bei ihrem Sohn bitten. Alle Ehre führt zu Christus zurück, den sie trägt: „gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus“. Es ist auch kein Zauberspruch. Ein Gebet wirkt durch Gottes Gnade und unser Vertrauen, niemals als magische Formel, die man abzählt, um etwas zu erzwingen. Wer betet, öffnet sein Herz – er befiehlt Gott nichts.
Wie oft beten wir das Ave Maria?
Das Ave Maria kehrt im Gebetsleben der Kirche ständig wieder. Im Rosenkranz beten wir es allein in einem einzigen Gesätz zehnmal, im ganzen Rosenkranz eines Tages also mehr als fünfzigmal – während wir die Geheimnisse des Lebens Jesu betrachten. Auch der Angelus, das Gebet zur Morgen-, Mittags- und Abendstunde, enthält dreimal das Ave Maria. So durchzieht dieser Gruß den ganzen Tag. Man muss sich dabei nicht an eine feste Zahl klammern: Schon ein einziges, aufmerksam gesprochenes Ave Maria ist Gott wohlgefällig.
Das kurze Ave Maria und das Ave Maria für Kinder
Manche suchen ein besonders kurzes Mariengebet. Das Ave Maria ist bereits kurz – wenige Zeilen, in einer halben Minute gebetet. Gerade deshalb eignet es sich hervorragend als Kindergebet: Kinder lernen es leicht auswendig, oft schon vor dem Morgengebet oder am Abend. Wer nur einen Augenblick hat, kann still den ersten Satz sprechen: „Gegrüßet seist Du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit Dir.“ Das genügt, um sich der Gottesmutter anzuvertrauen.
Das Gebet, nicht das Lied
Weil so viele nach „Ave Maria“ suchen, sei es klar gesagt: Das gleichnamige Lied von Franz Schubert (eigentlich „Ellens dritter Gesang“) und die Vertonung von Charles Gounod über einem Präludium von Bach sind schöne Musikstücke, die man auf Beerdigungen und bei Trauungen hört. Ihr Text ist aber nicht in jedem Fall der volle Wortlaut des Gebets. Das Gebet „Gegrüßet seist du, Maria“, um das es hier geht, steht für sich – man kann es ohne jede Melodie sprechen, allein oder gemeinsam. Es ist an keinen Ort und keine Wallfahrtskirche gebunden, auch wenn Marienheiligtümer wie Lourdes und Fatima sowie die Gnadenbilder der Schwarzen Madonna untrennbar mit diesem Gruß verbunden sind.
Häufig gestellte Fragen
Wie lautet der Text des Ave Maria auf Deutsch?
„Gegrüßet seist Du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit Dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht Deines Leibes, Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.“
Wie heißt das Ave Maria auf Latein?
Der lateinische Text beginnt „Ave Maria, gratia plena, Dominus tecum“. Gratia plena bedeutet „voll der Gnade“; der ganze Text sagt dasselbe wie die deutsche Fassung.
Was bedeutet „Ave Maria“?
Ave ist der lateinische Gruß „Sei gegrüßt“. Das Gebet grüßt Maria als „voll der Gnade“ und bittet sie, für uns bei ihrem Sohn Jesus Fürsprache zu halten.
Was heißt „voll der Gnade“?
Es übersetzt das lateinische gratia plena und meint, dass Maria von Gott mit Gnade so erfüllt ist, dass keine Sünde in ihr wohnt – deshalb wurde sie zur Mutter des Erlösers erwählt.
Woher stammt das Ave Maria?
Der erste Teil steht wörtlich in der Heiligen Schrift: aus dem Gruß des Engels (Lukas 1, 28) und den Worten der heiligen Elisabeth (Lukas 1, 42). Den zweiten Teil, die Bitte „Heilige Maria …“, hat die Kirche hinzugefügt.
Wie oft betet man das Ave Maria?
Im Rosenkranz beten wir es zehnmal je Gesätz, im Angelus dreimal. Es gibt keine vorgeschriebene Höchstzahl – schon ein einziges, aufmerksames Ave Maria ist ein vollgültiges Gebet.
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Quellen. Allioli-Bibel, Lukas 1, 28 und 1, 42 (Vulgata-Übersetzung); Text des Ave Maria nach den überlieferten Gebetstexten der Kirche (prayers-api, Fassung Deutsch und Latein); Konzil von Ephesus (431) zur Anrede Mater Dei.