Das Gebet
Das Salve Regina und die marianischen Antiphonen
Der vollständige Text des Salve Regina auf Deutsch und Latein, seine Bedeutung und die vier marianischen Antiphonen der Kirche, die den Kreis des Jahres begleiten.

Kaum ein Gebet klingt so sehr nach Heimweh und Hoffnung zugleich wie das Salve Regina. Am Ende des Tages, wenn die Kirche in der Komplet zur Ruhe kommt, wenden wir uns an die Mutter der Barmherzigkeit und rufen aus der Fremde dieser Welt zu ihr empor. In diesem Beitrag geben wir den vollständigen Salve Regina Text auf Deutsch und Latein, erklären seine Bedeutung und stellen die vier marianischen Antiphonen vor, die durch das Kirchenjahr führen.
Salve Regina: Text auf Deutsch
Beginnen wir mit dem, was die meisten suchen — dem gebeteten Wort selbst. So lautet der Salve Regina Text deutsch:
Sei gegrüßt, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit;
unser Leben, unsere Wonne und unsere Hoffnung, sei gegrüßt.
Zu Dir rufen wir verbannten Kinder Evas.
Zu Dir seufzen wir, trauernd und weinend
in diesem Tale der Tränen.
Wohlan denn, unsere Fürsprecherin,
wende Deine barmherzigen Augen uns zu.
Und nach diesem Elende zeige uns Jesus,
die gebenedeite Frucht Deines Leibes.
O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria.
Daran schließt sich seit alters der Versikel an:
V. Bitte für uns, o heilige Gottesmutter.
R. Auf dass wir würdig werden der Verheißungen Christi.
Salve Regina: Text auf Latein
Die Kirche betet und singt diese Antiphon seit dem elften Jahrhundert in ihrer Ursprache. Hier der Salve Regina Text latein:
Salve, Regina, Mater misericordiae:
vita, dulcedo et spes nostra, salve.
Ad te clamamus, exsules, filii Hevae.
Ad te suspiramus, gementes et flentes
in hac lacrimarum valle.
Eia ergo, Advocata nostra,
illos tuos misericordes oculos ad nos converte.
Et Jesum, benedictum fructum ventris tui,
nobis post hoc exsilium ostende.
O clemens, O pia, O dulcis Virgo Maria.
„Sei gegrüßt, o Königin" — Bedeutung und Auslegung
Der lateinische Anfang Salve, Regina, Mater misericordiae — „Sei gegrüßt, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit" — fasst das ganze Gebet zusammen. Wir grüßen Maria zugleich als Königin und als Mutter: erhaben über alle Geschöpfe und dennoch uns zärtlich zugeneigt.
Die kühnsten Worte sind die vom „Tale der Tränen". Wir nennen uns „verbannte Kinder Evas", denn seit dem Fall des ersten Menschen leben wir fern vom Vaterhaus. Doch das Gebet bleibt nicht in der Klage: Maria ist unsere Advocata, unsere Fürsprecherin, die ihre barmherzigen Augen uns zuwendet. Und es gipfelt in einer einzigen Bitte — sie möge uns „nach diesem Elende" Jesus zeigen, „die gebenedeite Frucht ihres Leibes". Wie im Gegrüßet seist du Maria führt uns Maria niemals zu sich, sondern immer zu ihrem Sohn. Der dreifache Ruf am Schluss — „o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria" — ist reine, überströmende Zärtlichkeit.
Die vier marianischen Antiphonen
Das Salve Regina ist die bekannteste, aber nicht die einzige große marianische Antiphon. Die Kirche kennt deren vier, und sie wechseln nach dem Rhythmus des Kirchenjahres. Traditionell wird zum Abschluss der Komplet — des letzten Gebets des kirchlichen Stundengebets vor der Nachtruhe — jeweils die der Zeit entsprechende Antiphon gesungen.
Alma Redemptoris Mater (Advent bis Lichtmess)
Vom Beginn des Advent bis zum Fest Mariä Lichtmess (2. Februar):
Erhabene Mutter des Erlösers, die du die offene Pforte des Himmels bleibst,
und Stern des Meeres, komm dem fallenden Volk zu Hilfe, das sich aufzurichten müht:
Du, die du, da die Natur staunte, deinen heiligen Schöpfer geboren hast:
Jungfrau zuvor und danach, die du aus dem Munde Gabriels jenes Ave empfingst,
erbarme dich der Sünder.
Ave Regina Caelorum (Lichtmess bis Karwoche)
Von Lichtmess bis zum Gründonnerstag:
Sei gegrüßt, o Königin des Himmels, sei gegrüßt, o Herrin der Engel:
Sei gegrüßt, du Wurzel, sei gegrüßt, du Pforte, aus der das Licht der Welt erstand:
Freue dich, glorreiche Jungfrau, schöner als alle anderen:
Sei gegrüßt, o überaus Holde, und bitte für uns bei Christus.
Regina Caeli (Osterzeit)
Von Ostern bis zum Pfingstfest tritt das jubelnde Osterlob an ihre Stelle:
Königin des Himmels, freue Dich, alleluja;
denn Er, den Du zu tragen würdig warst, alleluja,
ist auferstanden, wie Er gesagt hat, alleluja.
Bitte für uns Gott, alleluja.
Salve Regina (nach Pfingsten bis zum Advent)
In der langen Zeit nach Pfingsten bis zum Beginn des neuen Kirchenjahres kehrt schließlich das Salve Regina zurück, das wir oben vollständig gegeben haben. So schließt sich der Kreis, und die vier Antiphonen tragen das ganze Jahr — vom Warten des Advent über die Trauer der Fastenzeit und den Osterjubel bis zur stillen grünen Zeit des Sommers.
Das Salve Regina im täglichen Gebet
Über die Komplet hinaus hat das Salve Regina einen festen Platz gefunden. Wer den Rosenkranz betet, beschließt ihn traditionell mit dieser Antiphon. Auch als schlichtes Abendgebet eignet es sich vortrefflich: Bevor wir uns dem Schlaf — dem Bruder des Todes — überlassen, legen wir uns in die Hände der Mutter, die uns „nach diesem Elende" Jesus zeigen soll. Wie beim Angelus und der Lauretanischen Litanei gilt: Solche Gebete wirken nicht als Formel oder Glücksbringer, sondern durch die Gnade Gottes und unser kindliches Vertrauen auf die Fürsprache Mariens.
Salve Regina singen — Choral, Gotteslob und Vertonungen
Das Salve Regina ist von jeher ein gesungenes Gebet. Der gregorianische Choral kennt zwei Fassungen — den feierlichen (tonus solemnis) und den einfachen Ton —, und ihre schwebende Melodie gehört zu den schönsten Schätzen des Chorals. Im deutschen Gotteslob ist die Antiphon in Text und Weise enthalten und daher vielen Gläubigen vertraut. Auch zahlreiche moderne Vertonungen haben das Salve Regina über die Kirchentür hinaus getragen: Im deutschen Sprachraum sind etwa die Aufnahmen des Tenors Rudy Giovannini und des Ensembles Die Priester weithin bekannt geworden. Solche Interpretationen bleiben freilich Konzert und Andacht — das eigentliche Herz des Gebets ist der gregorianische Choral, wie ihn die Kirche in der Komplet singt. Wer ihn einmal gehört hat, versteht, warum dieses Marienlob die Herzen seit tausend Jahren nicht loslässt.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet „Salve Regina" auf Deutsch?
„Salve Regina" heißt wörtlich „Sei gegrüßt, o Königin". Es ist der Anfang der marianischen Antiphon, die Maria als Königin und als Mutter der Barmherzigkeit grüßt.
Was heißt „Salve Regina Mater misericordiae"?
Mater misericordiae bedeutet „Mutter der Barmherzigkeit". Die vollständige Anrufung „Salve, Regina, Mater misericordiae" lautet also „Sei gegrüßt, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit".
Wann wird das Salve Regina gebetet?
Traditionell am Ende der Komplet in der Zeit nach Pfingsten bis zum Advent, außerdem zum Abschluss des Rosenkranzes und als Abendgebet. In den übrigen Zeiten des Jahres treten die anderen marianischen Antiphonen an seine Stelle.
Welche vier marianischen Antiphonen gibt es?
Es sind: Alma Redemptoris Mater (Advent bis Lichtmess), Ave Regina Caelorum (Lichtmess bis Karwoche), Regina Caeli (Osterzeit) und Salve Regina (nach Pfingsten bis Advent).
Ist das Salve Regina im Gotteslob enthalten?
Ja, das Salve Regina findet sich mit Text und gregorianischer Melodie im Gotteslob und gehört zu den bekanntesten lateinischen Mariengesängen im deutschen Sprachraum.
Wer hat das Salve Regina verfasst?
Der Verfasser ist nicht sicher überliefert; oft wird die Antiphon dem Mönch Hermann von Reichenau (11. Jahrhundert) zugeschrieben. Sicher ist, dass sie seit dem Mittelalter fester Bestandteil des kirchlichen Gebets ist.
In der App Iter Fidei findest du das Salve Regina und alle vier marianischen Antiphonen mit Text, lateinischem Choral und Übersetzung, um sie im Rhythmus des Kirchenjahres zu beten. Hier herunterladen.
Quellen. Prayers-API Iter Fidei (Atome salve-regina, alma-redemptoris-mater, ave-regina-caelorum; Guide regina-caeli, deutsche Fassungen); Antiphonale Romanum und römisches Brevier (Komplet); Dom Prosper Guéranger, Das Kirchenjahr.