Der Glaube
Dämonen und der Exorzismus
Was Dämonen wirklich sind, was ein Exorzismus in der katholischen Kirche bedeutet und wie wir uns nüchtern und im Vertrauen auf Christus schützen.

Kaum ein Thema ist so von Kinofilmen und Sensationsgeschichten überlagert wie dieses. Dämonen und der Exorzismus gehören aber nicht in die Horrorabteilung, sondern in die Glaubenslehre der Kirche. Wir wollen hier nüchtern und sachlich erklären, was Dämonen wirklich sind, was ein Exorzismus bedeutet und wie wir uns im Vertrauen auf Christus schützen – ohne Angstmacherei und ohne Aberglauben.
Was sind Dämonen? Gefallene Engel
Dämonen sind gefallene Engel. Das Wort Dämon selbst kommt vom griechischen daímon (lateinisch daemon, englisch demon) und meint einen Geist; die Kirche versteht darunter den bösen, von Gott abgefallenen Geist. Gott schuf die Engel als reine Geister, gut und frei. Ein Teil von ihnen verweigerte Gott im Hochmut den Gehorsam und stürzte für immer aus seiner Nähe. Ihr Anführer ist der Teufel, Satan. Seither sind sie in ihrer Bosheit verhärtet – nicht neutral, nicht mächtig wie Gott, sondern besiegte Geschöpfe, deren Wirken Gott zulässt, aber begrenzt. Am Ende der Zeiten wird Satan seine ganze Macht dem Antichrist verleihen, einem Menschen, in dem er wirkt – doch auch dessen Frist ist von Gott bemessen.
Ja, es gibt Dämonen wirklich. Das ist nichts Ausgedachtes: Die Heilige Schrift bezeugt sie klar, und die Kirche hat es immer gelehrt. Zugleich sind Dämonen keine gehörnten Fantasiegestalten und keine Liste beliebiger Namen zum Beschwören. Wer mit dem Okkulten, mit Beschwörungen oder mit dem sogenannten Herbeirufen von Dämonen spielt, öffnet eine Tür, die er besser verschlossen ließe. Der rechte Ort der Dämonen im Glauben ist nicht die Neugier, sondern die Wachsamkeit.
Dämonen in der Bibel: Christus gebietet, sie gehorchen
Das Evangelium zeigt uns immer wieder, wie der Herr Besessene befreit. Im Markusevangelium heilt Jesus den Besessenen von Gerasa:
Und als er aus dem Schiffe trat, kam ihm sogleich aus den Grabhöhlen ein Mensch entgegen, der von einem unreinen Geiste besessen war. […] Er fragte ihn auch: Wie heißest du? Und er sprach zu ihm: Legion ist mein Name, denn unser sind viele. (Markus 5,2.9)
Dieselbe Begebenheit erzählt der heilige Matthäus:
Und siehe, sie schrieen und sprachen: Was haben wir mit dir, Jesus, du Sohn Gottes? Bist du hierher gekommen, uns vor der Zeit zu quälen? (Matthäus 8,29)
Zwei Dinge werden hier deutlich. Erstens: Die Dämonen erkennen Christus sofort als den Sohn Gottes und zittern vor ihm. Zweitens: Sie können nichts tun, was er nicht zulässt. Der Herr spricht ein Wort, und sie fahren aus. Und den Seinen gibt er Anteil an dieser Vollmacht: „In meinem Namen werden sie böse Geister austreiben" (Markus 16,17). Genau hierin wurzelt der Exorzismus der Kirche – nicht in einer geheimen Technik, sondern im Namen und in der Macht Jesu Christi.
Was ist Besessenheit? Nüchtern unterscheiden
Echte dämonische Besessenheit ist selten. Weit häufiger sind seelische und körperliche Krankheiten, die ähnlich aussehen können. Deshalb geht die Kirche mit großer Vorsicht vor. Bevor überhaupt an einen Exorzismus gedacht wird, müssen Ärzte und Fachleute ausschließen, dass es sich um eine Erkrankung handelt. Barmherzigkeit gegenüber dem leidenden Menschen steht immer an erster Stelle.
Als mögliche Anzeichen echter Besessenheit nennt die kirchliche Tradition unter anderem: das Sprechen unbekannter Sprachen, die man nie gelernt hat, übernatürliche Kräfte, das Erkennen verborgener Dinge und eine heftige Abwehr gegen alles Heilige – gegen das Kreuz, das Weihwasser, die heilige Messe, den Namen Jesu und der allerseligsten Jungfrau. Doch keines dieser Zeichen wird für sich allein als Beweis genommen. Der berühmte Fall der Anneliese Michel in Klingenberg (1976) mahnt gerade dazu, geistliche und ärztliche Urteile sorgfältig zusammenzuführen und nichts zu übereilen.
Was ist ein Exorzismus? Bedeutung und Formen
Das Wort Exorzismus bedeutet so viel wie „Beschwörung, Hinausbefehlen". Ein Exorzismus ist das Gebet und der Befehl der Kirche, im Namen Jesu Christi den bösen Geist von einem Menschen, einem Ort oder einer Sache zu vertreiben. Man unterscheidet zwei Formen.
Der kleine Exorzismus ist Teil vieler Segnungen und vor allem der Taufe: Schon dort wird der Täufling vom Satan losgesagt und dem bösen Geist geboten zu weichen. Auch die Weihe des Weihwassers und des Salzes enthält solche Gebete.
Der große Exorzismus dagegen ist die feierliche Austreibung eines Dämons aus einem tatsächlich Besessenen. Er ist keine Privatsache, sondern eine öffentliche Amtshandlung der Kirche und darf nur unter strengen Bedingungen vollzogen werden.
Der Exorzist der Kirche und das Rituale Romanum
Nicht jeder darf einen großen Exorzismus vornehmen. Es bedarf eines Priesters, der vom Bischof eigens dafür beauftragt ist – fromm, klug, erfahren und selbst von einem heiligen Leben. Er handelt nicht aus eigener Kraft, sondern im Namen und Auftrag der Kirche.
Die verbindliche Ordnung dafür steht im Rituale Romanum, dem römischen Ritualbuch von 1614, das über Jahrhunderte den Ablauf regelte. Dort finden sich die Gebete, die Anrufungen der allerseligsten Jungfrau und der Heiligen, die Psalmen, das Kreuzzeichen, der Gebrauch des Weihwassers und die feste Befehlsformel an den Dämon, im Namen Gottes zu weichen. Der Ablauf ist gebunden und geordnet, damit nichts der Willkür oder der Schaustellung überlassen bleibt. Der Exorzist tritt nicht in ein Gespräch mit dem bösen Geist, sondern gebietet ihm mit der Vollmacht Christi.
Unterschied: Befreiungsgebet und Exorzismus
Diese beiden werden oft verwechselt. Ein Befreiungsgebet darf jeder Gläubige beten – für sich oder für andere. Es bittet Gott um Schutz und Befreiung von allem Bösen, etwa mit den Litaneien oder eigenen Worten. Der große Exorzismus hingegen ist der amtliche, befehlende Ritus, der allein dem beauftragten Priester vorbehalten ist. Kurz gesagt: Beten dürfen alle; im Namen der Kirche einem Dämon gebieten darf nur der Exorzist.
Wie schützt man sich? Die Waffen sind gewöhnlich
Der Schutz vor dem Bösen ist erstaunlich schlicht – und genau darum stark. Er besteht nicht in Amuletten oder Glücksbringern, sondern im gewöhnlichen Leben aus der Gnade:
- Die Sakramente, vor allem die häufige Beichte und die heilige Kommunion. Nichts vertreibt die Finsternis so wie ein Herz im Stand der Gnade.
- Das tägliche Gebet, besonders der Rosenkranz. Die Gottesmutter zertritt der Schlange den Kopf.
- Die Sakramentalien: Weihwasser, geweihte Kerzen, das Kreuz, die geweihte Medaille. Sie wirken nicht als Zauber, sondern durch das Gebet der Kirche und unseren Glauben.
An erster Stelle unter den Gebeten gegen die bösen Geister steht das Gebet zum heiligen Erzengel Michael, das Papst Leo XIII. verfasst hat:
Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe; sei unser Schutz gegen die Bosheit und die Nachstellungen des Teufels. […] Und Du, Fürst der himmlischen Heerscharen, stoße den Satan und die anderen bösen Geister, die zum Verderben der Seelen in der Welt umhergehen, durch die göttliche Kraft in die Hölle hinab. Amen.
Wer dieses Gebet betet, greift nicht zu einer Formel, sondern ruft den Fürsten der Engel an, dessen Name „Wer ist wie Gott?" lautet – die Antwort auf allen Hochmut der Dämonen.
Häufig gestellte Fragen
Gibt es Dämonen wirklich?
Ja. Die Heilige Schrift bezeugt sie eindeutig, und die Kirche hat es stets gelehrt. Es sind gefallene Engel, besiegte Geschöpfe, deren Macht Gott begrenzt.
Was bedeutet Exorzismus?
Das Wort bedeutet „hinausbefehlen". Ein Exorzismus ist das Gebet und der Befehl der Kirche, im Namen Jesu Christi einen bösen Geist zu vertreiben.
Wer darf einen Exorzismus durchführen?
Den großen Exorzismus darf nur ein Priester vollziehen, der vom Bischof ausdrücklich dafür beauftragt ist. Ein Befreiungsgebet dagegen darf jeder Gläubige beten.
Was ist das Rituale Romanum?
Das römische Ritualbuch von 1614, das den Ablauf des Exorzismus mit seinen Gebeten, Psalmen und Befehlsformeln festlegt.
Wie unterscheidet man Besessenheit von Krankheit?
Mit großer Vorsicht. Ärzte müssen zuerst seelische und körperliche Krankheiten ausschließen. Nur wenn übernatürliche Zeichen bleiben, prüft die Kirche einen Exorzismus.
Welches Gebet schützt am besten vor Dämonen?
Das St-Michael-Gebet von Papst Leo XIII., zusammen mit den Sakramenten, dem Rosenkranz und dem Weihwasser. Der eigentliche Schutz ist immer Christus selbst.
Am Ende steht kein Grund zur Furcht, sondern zur Zuversicht: Der Böse ist ein besiegter Feind. Christus hat ihn am Kreuz überwunden, und in seinem Namen fahren die Dämonen aus.
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Quellen. Heilige Schrift nach der Allioli-Übersetzung (Markus 5,1–20; Markus 16,17; Matthäus 8,28–34); Rituale Romanum (1614), Titel über den Exorzismus; Gebet zum heiligen Erzengel Michael, Papst Leo XIII.; Katechismus des heiligen Pius X.