Das Gebet
O komm, o komm, Emmanuel: Text deutsch und Latein
Das Adventslied O komm, o komm, Emmanuel im vollständigen Text: die deutsche Fassung von Heinrich Bone, das lateinische Veni, veni Emmanuel mit wörtlicher Übersetzung, die sieben O-Antiphonen, auf denen es beruht, und seine Geschichte.
O komm, o komm, Emmanuel ist eines der bekanntesten Adventslieder: die deutsche Fassung des lateinischen Veni, veni Emmanuel, das die großen O-Antiphonen der letzten Adventstage in Liedstrophen fasst. Es ruft den kommenden Erlöser mit den Namen an, die ihm die Propheten gegeben haben, und antwortet mit dem Kehrvers „Freu dich, freu dich, o Israel". Hier finden sich der vollständige deutsche und lateinische Text, eine wörtliche Übersetzung, die sieben O-Antiphonen selbst und die Geschichte des Liedes.
O komm, o komm, Emmanuel: Text deutsch
Im deutschen Sprachraum sind mehrere Übertragungen im Umlauf. Die folgende Fassung stammt aus dem Gesangbuch Cantate! von Heinrich Bone (1847); wiedergegeben ist sie nach einer Ausgabe von 1851. Sie hält sich enger als andere an das lateinische Original und bewahrt dessen Reihenfolge: Emmanuel, Reis aus Jesse, aufgehende Sonne, Schlüssel Davids, Herr der Heerscharen. Hier der o komm o komm Emmanuel Text deutsch:
Ach komm, o komm, Emmanuel,
mach frei dein armes Israel!
In Angst und Elend liegen wir
und seufzen weinend nur nach dir.
Freu dich, freu dich, o Israel,
bald kommt, bald kommt Emmanuel.Ach komm, o komm, Emmanuel,
mach frei dein armes Israel!
Mit Jesses neuem Herrscherstab
treib weit von uns die Feinde ab.
Freu dich, freu dich, o Israel,
bald kommt, bald kommt Emmanuel.Ach komm, o komm, Emmanuel,
mach frei dein armes Israel!
Geh auf, o Sonn, mit deiner Pracht,
zerstreu den Nebel und die Nacht!
Freu dich, freu dich, o Israel,
bald kommt, bald kommt Emmanuel.Ach komm, o komm, Emmanuel,
mach frei dein armes Israel!
Mit Davids Schlüssel niedersteig,
schließ auf, schließ auf das Himmelreich.
Freu dich, freu dich, o Israel,
bald kommt, bald kommt Emmanuel.Ach komm, o komm, Emmanuel,
mach frei dein armes Israel!
Komm, starker Gott, Gott Sabaoth,
mach frei dein Volk von aller Not!
Freu dich, freu dich, o Israel,
bald kommt, bald kommt Emmanuel.
Bone beginnt jede Strophe mit „Ach komm"; im Gesang hört man heute meist „O komm", wie in der Überschrift.
Die Fassung von Christoph Bernhard Verspoell (1810)
Besonders im Bistum Münster ist eine ältere Übertragung beliebt, die der Münsteraner Priester Christoph Bernhard Verspoell 1810 in seinem Gesangbuch veröffentlichte, mit einer eigenen, von ihm geschaffenen Melodie. Sie ist freier und folgt nicht der Reihenfolge der lateinischen Strophen. Ihre erste Strophe lautet:
O komm, o komm, Emanuel,
mach frei dein armes Israel!
In hartem Elend liegt es hier,
in Tränen seufzt es auf zu dir.
Bald kommt dein Heil: Emanuel.
Frohlock und jauchze, Israel!
Veni, veni Emmanuel: der lateinische Text
Der lateinische Text ist zuerst 1710 im Kölner Jesuitengesangbuch Psalteriolum Cantionum Catholicarum belegt. Er hat fünf Strophen, die je eine O-Antiphon umschreiben, und den Kehrvers Gaude, gaude:
Veni, veni, Emmanuel!
Captivum solve Israel!
Qui gemit in exilio,
Privatus Dei Filio.
Gaude, gaude, Emmanuel
Nascetur pro te, Israel.Veni, o Iesse virgula!
Ex hostis tuos ungula,
De specu tuos tartari
Educ, et antro barathri.
Gaude, gaude, Emmanuel
Nascetur pro te, Israel.Veni, veni, o Oriens!
Solare nos adveniens,
Noctis depelle nebulas,
Dirasque mortis tenebras.
Gaude, gaude, Emmanuel
Nascetur pro te, Israel.Veni, clavis Davidica!
Regna reclude caelica,
Fac iter tutum superum,
Et claude vias inferum.
Gaude, gaude, Emmanuel
Nascetur pro te, Israel.Veni, veni, Adonai!
Qui populo in Sinai
Legem dedisti vertice,
In maiestate gloriae.
Gaude, gaude, Emmanuel
Nascetur pro te, Israel.
Ältere Drucke lesen in der letzten Zeile der dritten Strophe noctis („der Nacht") statt mortis; gesungen wird heute meist mortis, wie in der Antiphon O Oriens.
Im 19. Jahrhundert kamen zwei weitere Strophen hinzu, die die beiden noch fehlenden Antiphonen aufnehmen: Veni, o Sapientia und Veni, veni, Rex gentium. Sie stehen etwa in den Cantiones sacrae von Joseph Mohr (Regensburg 1878).
Wörtliche Übersetzung
Weil die gesungenen deutschen Fassungen frei nachdichten, hier eine wörtliche Übertragung der fünf lateinischen Strophen, zum Verstehen gedacht:
Komm, komm, Emmanuel!
Befreie das gefangene Israel,
das in der Verbannung seufzt,
des Sohnes Gottes beraubt.
Freue dich, freue dich! Emmanuel
wird dir, Israel, geboren werden.Komm, o Reis aus Jesse!
Aus der Klaue des Feindes,
aus der Höhle der Unterwelt
führe die Deinen heraus und aus dem Schlund des Abgrunds.
Freue dich, freue dich …Komm, komm, o Aufgang!
Tröste uns durch dein Kommen,
vertreibe die Nebel der Nacht
und die grausige Finsternis des Todes.
Freue dich, freue dich …Komm, Schlüssel Davids!
Schließe die himmlischen Reiche auf,
mache den Weg nach oben sicher
und verschließe die Wege zur Unterwelt.
Freue dich, freue dich …Komm, komm, Adonai!
Der du dem Volk auf dem Gipfel des Sinai
das Gesetz gegeben hast
in der Majestät der Herrlichkeit.
Freue dich, freue dich …
Die sieben O-Antiphonen: die Quelle des Liedes
Das Lied ist eine Nachdichtung der O-Antiphonen, und diese sind älter und gewichtiger als das Lied selbst. Vom 17. bis 23. Dezember singt die Kirche in der Vesper zum Magnificat jeden Tag eine dieser Antiphonen, die den Messias mit einem Titel aus den Propheten anruft und mit dem Ruf Veni, „komm", schließt. Sie gehören zum Brevier von 1962 und sind seit dem frühen Mittelalter bezeugt. So lauten sie:
17. Dezember. O Sapientia, quae ex ore Altissimi prodiisti, attingens a fine usque ad finem, fortiter suaviterque disponens omnia: veni ad docendum nos viam prudentiae.
O Weisheit, hervorgegangen aus dem Munde des Allerhöchsten, du reichst von einem Ende zum andern und ordnest alles stark und milde: komm und lehre uns den Weg der Klugheit.18. Dezember. O Adonai, et Dux domus Israel, qui Moysi in igne flammae rubi apparuisti, et ei in Sina legem dedisti: veni ad redimendum nos in brachio extento.
O Adonai, Führer des Hauses Israel, du bist dem Moses in der Flamme des brennenden Dornbuschs erschienen und hast ihm auf dem Sinai das Gesetz gegeben: komm und erlöse uns mit ausgestrecktem Arm.19. Dezember. O radix Jesse, qui stas in signum populorum, super quem continebunt reges os suum, quem gentes deprecabuntur: veni ad liberandum nos, iam noli tardare.
O Wurzel Jesse, du stehst als Zeichen für die Völker, vor dir verstummen die Könige, zu dir flehen die Heiden: komm und befreie uns, säume nicht länger.20. Dezember. O clavis David, et sceptrum domus Israel, qui aperis, et nemo claudit; claudis, et nemo aperit: veni, et educ vinctum de domo carceris, sedentem in tenebris et umbra mortis.
O Schlüssel Davids, Zepter des Hauses Israel, du öffnest, und niemand schließt; du schließt, und niemand öffnet: komm und führe den Gefangenen aus dem Kerker, der da sitzt in Finsternis und im Schatten des Todes.21. Dezember. O Oriens, splendor lucis aeternae, et sol iustitiae: veni, et illumina sedentes in tenebris et umbra mortis.
O Aufgang, Glanz des ewigen Lichtes und Sonne der Gerechtigkeit: komm und erleuchte, die da sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes.22. Dezember. O Rex gentium, et desideratus earum, lapisque angularis, qui facis utraque unum: veni, et salva hominem, quem de limo formasti.
O König der Völker, ihre Sehnsucht und der Eckstein, der beide eins macht: komm und rette den Menschen, den du aus Erde gebildet hast.23. Dezember. O Emmanuel, Rex et legifer noster, exspectatio gentium, et Salvator earum: veni ad salvandum nos, Domine, Deus noster.
O Emmanuel, unser König und Gesetzgeber, Erwartung der Völker und ihr Heiland: komm und rette uns, Herr, unser Gott.
Jeder Titel ist der Heiligen Schrift entnommen. Den Namen Emmanuel kündet Isaias an: „Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären und man wird seinen Namen Emmanuel nennen" (Isaias 7,14), das heißt „Gott mit uns". Das Reis aus Jesse verheißt derselbe Prophet: „Es wird ein Reis hervorgehen aus der Wurzel Jesses und eine Blüte wird aufsteigen aus seinem Wurzelstock" (Isaias 11,1). Den Schlüssel Davids nennt Isaias 22,22, und die „Sonne der Gerechtigkeit" stammt aus dem Propheten Malachias (Malachias 4,2).
Liest man die Anfangsbuchstaben der lateinischen Titel von hinten, Emmanuel, Rex, Oriens, Clavis, Radix, Adonai, Sapientia, so ergibt sich ERO CRAS: „Morgen werde ich da sein." Am Abend des 23. Dezember, nach der letzten Antiphon, antwortet der Herr gleichsam selbst auf das siebenfache „Komm".
Ein Andachtslied, kein liturgischer Hymnus
Bei aller Beliebtheit ist eines zu unterscheiden: Die O-Antiphonen sind Liturgie, sie stehen im Brevier und werden in der Vesper gesungen. Das Lied Veni, veni Emmanuel dagegen ist ein Andachtslied. Es steht weder im Römischen Brevier noch im Missale von 1962 und gehört nicht zu den Hymnen des Offiziums; der Vesperhymnus des Advents ist Creator alme siderum. Seinen Platz hat das Lied in Andachten, Rorate-Messen mit Volksgesang, Adventsfeiern und im häuslichen Gebet am Adventskranz.
Gerade so erfüllt es eine schöne Aufgabe: Es trägt den Inhalt der Liturgie in das Herz des Volkes. Wer das Lied singt, betet in einfacher Form, was die Kirche in den Horen des Breviers feierlich singt. Mehr über die geistliche Gestalt dieser Wochen steht in unserem Beitrag über den Advent und den Adventskranz.
Die Geschichte des Liedes
Lange hieß es, das Lied stamme aus dem 12. Jahrhundert. Belegt ist der lateinische Text jedoch erst 1710 im Psalteriolum Cantionum Catholicarum von Köln, einem Gesangbuch, das an den Jesuitenschulen weit verbreitet war. Der unbekannte Dichter stellte die letzte Antiphon, O Emmanuel, an den Anfang und fügte den Kehrvers Gaude, gaude hinzu.
Ins Deutsche wurde das Lied mehrfach übertragen: 1810 von Christoph Bernhard Verspoell in Münster, 1847 von Heinrich Bone in seinem einflussreichen Gesangbuch Cantate!. Bone schuf außerdem eine eigene Nachdichtung aller sieben O-Antiphonen in ihrer ursprünglichen Reihenfolge.
Ins Englische übersetzte John Mason Neale das Lied 1851; in der überarbeiteten Gestalt der Hymns Ancient and Modern (1861) wurde es weltberühmt. Die bekannte Melodie veröffentlichte Thomas Helmore 1856 in seinem Hymnal Noted. Sie geht auf einen mittelalterlichen Gesang zurück, den man im 20. Jahrhundert in einer französischen Handschrift des 15. Jahrhunderts wiedergefunden hat.
O komm, o komm, Emmanuel: Text englisch
Die erste Strophe der englischen Fassung lautet:
O come, O come, Emmanuel,
And ransom captive Israel,
That mourns in lonely exile here
Until the Son of God appear.
Rejoice! Rejoice! Emmanuel
Shall come to thee, O Israel.
O komm, o komm, Emmanuel im Gotteslob
Wer den o komm o komm Emmanuel Text im Gotteslob sucht, findet je nach Bistum verschiedene Fassungen. Im heutigen Stammteil steht unter Nr. 222 „Herr, send herab uns deinen Sohn", eine Bearbeitung von Bones Nachdichtung der sieben O-Antiphonen. Die Verspoell-Fassung „O komm, o komm, Emanuel" steht in Diözesanteilen, etwa im Eigenteil des Bistums Münster; auch das alte Gotteslob von 1975 führte das Lied in mehreren Diözesananhängen, unter anderem in Münster und Essen. Die Strophen können daher von Ort zu Ort leicht abweichen.
Noten und Text
Viele suchen o komm o komm Emmanuel Noten und Text zum gemeinsamen Singen. Die Noten der verschiedenen Melodien finden sich in den Gesangbüchern der Bistümer. Den vollständigen Text haben wir oben gegeben; er lässt sich so, wie er ist, ausdrucken. Wer im Advent die O-Antiphonen selbst beten möchte, findet sie in der App Iter Fidei im Brevier von 1962, Tag für Tag zur Vesper, auf Latein und Deutsch und ohne Internetverbindung. Hier frühen Zugang sichern.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Emmanuel?
Emmanuel (hebräisch Immanuel) heißt „Gott mit uns". Den Namen kündigt der Prophet Isaias an (Isaias 7,14), und der Evangelist Matthäus deutet ihn auf die Geburt Christi.
Wer hat „O komm, o komm, Emmanuel" geschrieben?
Der lateinische Text Veni, veni Emmanuel ist seit 1710 in Köln belegt, sein Dichter ist unbekannt. Deutsche Fassungen stammen von Christoph Bernhard Verspoell (1810) und Heinrich Bone (1847).
Wann singt man „O komm, o komm, Emmanuel"?
Im Advent, besonders in der letzten Woche vor Weihnachten, wenn die Kirche vom 17. bis 23. Dezember die O-Antiphonen singt. Es passt zu Andachten, Rorate-Messen mit Volksgesang und zum Gebet am Adventskranz.
Was ist der Unterschied zwischen dem Lied und den O-Antiphonen?
Die O-Antiphonen sind liturgische Texte des Breviers und werden in der Vesper zum Magnificat gesungen. Das Lied ist eine spätere Nachdichtung in Strophen mit Kehrvers und wird als Andachtslied gesungen.
Was bedeutet „Freu dich, freu dich, o Israel"?
Es ist der Kehrvers des Liedes, lateinisch Gaude, gaude. „Israel" meint hier nicht nur das alte Gottesvolk, sondern die Kirche und jede Seele, die auf den Erlöser wartet und sich über sein nahes Kommen freuen darf.
Ist das Lied katholisch oder evangelisch?
Es ist katholischen Ursprungs: Es stammt aus einem Kölner Jesuitengesangbuch und beruht auf den O-Antiphonen des römischen Breviers. Heute wird es in vielen Konfessionen gesungen, oft in freieren Nachdichtungen.
In der App Iter Fidei begleiten uns die O-Antiphonen, das Brevier und der Kalender von 1962 durch den ganzen Advent bis zur Geburt des Herrn an Weihnachten. Hier frühen Zugang sichern.
Quellen. Heilige Schrift nach der Allioli-Übersetzung (Isaias 7,14; 11,1; 22,22; Malachias 4,2); Römisches Brevier von 1962 (Vesper vom 17. bis 23. Dezember, O-Antiphonen); Psalteriolum Cantionum Catholicarum (Köln 1710); Heinrich Bone, Cantate! (Mainz 1847); Christoph Bernhard Verspoell, Gesänge beim römisch-katholischen Gottesdienste (Münster 1810); Joseph Mohr, Cantiones sacrae (Regensburg 1878).