Das Kirchenjahr
Der Advent und der Adventskranz
Was der Advent bedeutet, wann er beginnt, was die vier Kerzen des Adventskranzes und die Farben Violett und Rosa besagen — die stille Vorbereitung auf Weihnachten nach der überlieferten Liturgie.

Der Advent ist die stille Zeit der Vorbereitung, in der die Kirche auf das Kommen des Herrn wartet — auf die Geburt Christi an Weihnachten und zugleich auf seine Wiederkunft am Ende der Zeiten. Er umfasst die vier Sonntage vor dem Weihnachtsfest und eröffnet das ganze Kirchenjahr, das kurz zuvor mit dem letzten Sonntag nach Pfingsten zu Ende gegangen ist; das Fest Christkönig steht im Kalender von 1962 am letzten Sonntag im Oktober. Der erste Advent fällt 2026 auf den 29. November. Er verschiebt sich jedes Jahr, denn der vierte Adventssonntag ist stets der letzte Sonntag vor dem 25. Dezember.
Was bedeutet Advent? Herkunft und Bedeutung des Wortes
Das Wort Advent kommt vom lateinischen adventus und heißt schlicht Ankunft. Gemeint ist die Ankunft des Herrn: „Ecce venit — siehe, er kommt.“ Wer also fragt, was Advent bedeutet oder was das Wort Advent übersetzt besagt, findet hier die Antwort: Es ist die Zeit des Erwartens dessen, der kommen soll.
Die Kirche versteht diese Ankunft dreifach. Wir gedenken der geschichtlichen Ankunft Christi im Fleische zu Bethlehem; wir bereiten unser Herz auf sein tägliches Kommen durch die Gnade vor; und wir erheben den Blick auf seine glorreiche Wiederkunft als Richter. Der Advent ist darum keine bloße Vorfreude auf ein Fest, sondern eine Zeit der Buße und der Umkehr — dem Wesen nach der Fastenzeit verwandt, wenn auch milder gehalten. In alter Zeit begann diese vorweihnachtliche Buße sogar schon am Fest des heiligen Martin als vierzigtägige „Martinsquadragese".
Der Prophet Isaias hat diese Sehnsucht in Worte gefasst, die die Kirche im Advent immer wieder betet:
Tauet hernieder, ihr Himmel, und die Wolken mögen den Gerechten regnen; es öffne sich die Erde und sprosse den Heiland hervor und Gerechtigkeit erstehe zumal! Ich, der Herr, schaffe ihn! (Isaias 45,8)
Wann beginnt der Advent? Die vier Adventssonntage
Der Advent beginnt nicht an einem festen Datum, sondern am vierten Sonntag vor Weihnachten. Man zählt vom 25. Dezember rückwärts: Der letzte Sonntag vor dem 25. Dezember ist der vierte Advent; drei Sonntage davor liegt der erste. So beginnt die Adventszeit stets zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember. Der erste Adventssonntag ist darum immer der Sonntag, der dem Fest des Apostels Andreas am 30. November am nächsten liegt.
Die vier Adventssonntage 2026:
- 1. Advent: 29. November 2026 — Beginn des neuen Kirchenjahres
- 2. Advent: 6. Dezember 2026
- 3. Advent: 13. Dezember 2026 — der Sonntag Gaudete
- 4. Advent: 20. Dezember 2026
Jeder Sonntag trägt in der überlieferten Liturgie seinen eigenen Namen nach dem Anfangswort des Introitus: Ad te levavi, Populus Sion, Gaudete und Rorate. Weihnachten selbst folgt dann am 25. Dezember — mehr dazu in unserem Beitrag über Weihnachten. Der weihnachtliche Festkreis, auf den der Advent hinführt, umfasst dann auch das Fest der Heiligen Drei Könige am 6. Januar, das die Erscheinung des Herrn feiert.
Der Adventskranz und seine vier Kerzen
Der Adventskranz ist das bekannteste Sinnbild dieser Zeit: ein Kranz aus grünem Tannengrün mit vier Kerzen. An jedem Adventssonntag wird eine Kerze mehr entzündet — am ersten Advent eine, am zweiten zwei, am dritten drei, am vierten alle vier. So wächst das Licht Woche um Woche, bis es an Weihnachten in der Geburt des Herrn aufgeht, „des wahren Lichtes, das jeden Menschen erleuchtet“.
Die Bedeutung der vier Kerzen ist leicht zu behalten: Sie zählen die vier Adventswochen und lassen das Dunkel des Winters Schritt für Schritt heller werden. Der immergrüne Kranz ist ein Zeichen des Lebens und der Hoffnung, die auch im Winter nicht erstirbt; seine runde Form deutet auf die Ewigkeit Gottes, die ohne Anfang und Ende ist. Das wachsende Licht erinnert an das Wort des Isaias:
Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben und die Herrschaft ist auf seine Schulter gelegt; sein Name wird genannt werden: Wunderbarer, Ratgeber, starker Gott, Vater der Zukunft, Friedensfürst. (Isaias 9,6)
Der Adventskranz ist ein frommer Brauch, kein Zauber. Sein Licht wirkt nicht von selbst — es lädt uns ein, bei jeder Kerze innezuhalten und zu beten. Das unterscheidet ihn wesentlich vom Adventskalender mit seinen Türchen, der die Tage bloß zählt; der Kranz aber ist zum Gebet bestimmt.
Die Farben des Advents: Violett und das Rosa von Gaudete
Die liturgische Farbe des Advents ist Violett — dieselbe Farbe wie in der Fastenzeit. Sie ist die Farbe der Buße, der Einkehr und des demütigen Wartens. Der Priester trägt violette Gewänder, der Altar ist schlicht, das Gloria schweigt. Darum tragen viele Adventskränze drei violette und eine rosafarbene Kerze.
Die rosafarbene Kerze gehört zum dritten Adventssonntag, dem Sonntag Gaudete — „Freuet euch!“ Nach dem Wort des heiligen Paulus „Freuet euch im Herrn allezeit“ ruft die Kirche zur Mitte des Advents zu verhaltener Freude auf, weil das Fest nun nahe ist. Das Violett hellt sich für diesen einen Tag zu Rosa auf. (Dasselbe geschieht in der Fastenzeit am Sonntag Laetare.) So haben die Farben ihren geistlichen Sinn: Violett das ernste Warten, Rosa den Vorschein der kommenden Freude.
Rorate-Messen und die großen O-Antiphonen
Zur überlieferten Adventsliturgie gehören die Rorate-Messen — Votivmessen zu Ehren der Gottesmutter, gefeiert im Dunkel des frühen Morgens bei Kerzenschein, benannt nach dem Rorate caeli („Tauet, Himmel“). Sie richten den Blick auf Maria, die den Herrn unter ihrem Herzen trug; das Ave Maria und der Engel des Herrn sind darum die eigentlichen Adventsgebete.
In den letzten sieben Tagen vor Weihnachten, vom 17. bis 23. Dezember, singt die Kirche die großen O-Antiphonen zum Magnificat der Vesper: O Sapientia, O Adonai, O Radix Jesse, O Clavis David, O Oriens, O Rex gentium, O Emmanuel. Jede ruft den kommenden Erlöser unter einem seiner Namen an — sie sind gleichsam das feierliche Herzstück der letzten Adventstage. Im Volksgesang leben sie im Adventslied O komm, o komm, Emmanuel fort, das sie in Strophen nachdichtet.
Advent für Kinder erklärt
Kindern lässt sich der Advent einfach nahebringen: Es ist die Wartezeit, in der wir uns auf das Christkind vorbereiten, so wie man sich auf einen lieben Gast freut und das Haus für ihn schön macht. Jede Kerze am Kranz, die wir anzünden, sagt: Weihnachten kommt näher, und mit ihm der Herr Jesus. Ein froher Höhepunkt mitten im Advent ist für sie das Fest des heiligen Nikolaus am 6. Dezember. Schon zwei Tage zuvor, am Fest der heiligen Barbara, stellen viele Familien Kirschzweige ins Wasser, die bis Weihnachten blühen sollen. Ein kurzes Kindergebet am Adventskranz oder ein gemeinsames Morgengebet macht das Warten zu einer frohen und heiligen Zeit. Wichtig ist, den Kindern zu zeigen: Das Warten gilt nicht den Geschenken, sondern dem, dessen Geburt wir feiern.
Warum ist der Advent die Vorbereitung auf Weihnachten?
Weil man einen König nicht unvorbereitet empfängt. Isaias ruft: „Bereitet den Weg des Herrn, machet eben in der Öde die Pfade unseres Gottes!“ (Isaias 40,3). Der Advent ist die Zeit, in der wir diesen Weg im eigenen Herzen bereiten — durch Gebet, durch die Beichte, durch stille Einkehr abseits des Lärms. Die Kirche schenkt uns diese vier Wochen, damit Weihnachten uns nicht zerstreut, sondern bereit findet. So wird aus der Ankunft des Herrn im Stall zu Bethlehem seine Ankunft in unserer Seele.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet das Wort Advent?
Advent kommt vom lateinischen adventus und bedeutet „Ankunft“. Gemeint ist die Ankunft des Herrn: seine Geburt an Weihnachten und seine Wiederkunft am Ende der Zeiten.
Wann beginnt der Advent 2026?
Der erste Advent fällt 2026 auf den 29. November. Der Advent beginnt stets am vierten Sonntag vor Weihnachten und verschiebt sich darum von Jahr zu Jahr.
Was bedeuten die vier Kerzen am Adventskranz?
Die vier Kerzen stehen für die vier Adventswochen. An jedem Sonntag wird eine mehr entzündet, sodass das Licht bis Weihnachten wächst — ein Sinnbild für Christus, das kommende Licht der Welt.
Warum ist eine Kerze rosa?
Die rosafarbene Kerze gehört zum dritten Advent, dem Sonntag Gaudete („Freuet euch“). An diesem Tag hellt sich das bußfertige Violett zur Vorfreude auf das nahe Fest auf.
Welche liturgische Farbe hat der Advent?
Violett — die Farbe der Buße und des Wartens, wie in der Fastenzeit. Nur am Sonntag Gaudete darf Rosa getragen werden.
Ist der Advent eine Bußzeit?
Ja. Der Advent ist, wenn auch milder als die Fastenzeit, eine Zeit der Einkehr und Umkehr. Das Gloria schweigt, die Gewänder sind violett, und die Kirche bereitet das Herz auf das Kommen des Herrn.
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Quellen. Allioli-Bibel (Isaias 40,3; 45,8; 9,6); Missale Romanum 1962 (Introiten Ad te levavi, Gaudete, Rorate, die O-Antiphonen); Dom Prosper Guéranger, Das Kirchenjahr (L'Année liturgique), Band Advent; Katechismus des heiligen Pius X.