Das Kirchenjahr
Allerseelen: das Gedächtnis der Verstorbenen
Allerseelen am 2. November ist das Gedächtnis aller verstorbenen Gläubigen. Wir erklären Bedeutung, Datum, den Unterschied zu Allerheiligen, das Gebet für die Armen Seelen und den Ablass.

An Allerseelen, dem 2. November, gedenkt die Kirche aller verstorbenen Gläubigen. Es ist der Tag, an dem wir für die Armen Seelen beten, die noch im Fegefeuer geläutert werden — damit sie bald zur ewigen Ruhe gelangen. Auf Allerheiligen, das Fest aller Vollendeten im Himmel, folgt so das Gedächtnis derer, die unserer Fürbitte noch bedürfen.
Wann ist Allerseelen? Immer am 2. November
Allerseelen ist ein fester Gedenktag: Er fällt jedes Jahr auf den 2. November, unmittelbar nach Allerheiligen am 1. November. Auch 2026 ist Allerseelen am Montag, dem 2. November. Fällt der 2. November auf einen Sonntag, wird es nach den Rubriken von 1962 auf Montag, den 3. November, verlegt.
Ist Allerseelen ein Feiertag? In Deutschland ist Allerseelen kein gesetzlicher Feiertag. Anders als Allerheiligen (das in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und weiteren Ländern arbeitsfrei ist), ist der 2. November überall ein normaler Werktag. Der eigentliche Ruhetag ist Allerheiligen; Allerseelen schließt sich als geistlicher Gedenktag an.
Was ist Allerseelen? Was wir an diesem Tag feiern
Allerseelen ist das Gedächtnis der verstorbenen Gläubigen — aller Getauften, die in der Gnade Gottes gestorben sind, aber noch nicht rein genug für die Anschauung Gottes waren. Die Kirche lehrt seit jeher drei Zustände der einen Kirche: die streitende Kirche auf Erden, die triumphierende Kirche der Heiligen im Himmel und die leidende Kirche der Armen Seelen im Fegefeuer. Diese Verbundenheit nennen wir die Gemeinschaft der Heiligen.
Das Fegefeuer ist kein zweites Gericht, sondern ein Ort der Läuterung: Wer im Frieden mit Gott stirbt, dessen Rettung steht fest — doch was noch an zeitlicher Sündenstrafe zu tilgen bleibt, wird dort gereinigt, ehe die Seele Gott schauen darf. Die Armen Seelen können sich nicht mehr selbst helfen; sie sind auf unser Gebet angewiesen. Genau dazu ruft uns Allerseelen auf.
Der Unterschied zwischen Allerheiligen und Allerseelen
Diese beiden Tage werden oft verwechselt. Der Unterschied ist einfach:
- Allerheiligen (1. November) feiert die Vollendeten im Himmel — alle Heiligen, auch die unzähligen, die keinen eigenen Gedenktag haben. Es ist ein Freudenfest in der liturgischen Farbe Weiß. Mehr dazu im Beitrag über Allerheiligen.
- Allerseelen (2. November) gedenkt der Verstorbenen, die noch der Läuterung bedürfen. Es ist ein Tag der Fürbitte und Buße.
Kurz gesagt: An Allerheiligen bitten wir die Heiligen um ihre Fürsprache; an Allerseelen beten wir für die Verstorbenen. Weil beide Tage aufeinanderfolgen, geht man meist an Allerheiligen oder Allerseelen zum Friedhof, um die Gräber zu segnen und der Toten zu gedenken. Vom evangelischen Totensonntag (dem letzten Sonntag vor dem Advent) unterscheidet sich Allerseelen deutlich: Allerseelen ist katholisch, gründet im Glauben an das Fegefeuer und das wirksame Gebet für die Toten — ein Glaube, den die Reformation verwarf.
Das Gebet für die Verstorbenen
Das Beten für die Toten ist keine spätere Erfindung, sondern uralter biblischer Glaube. Im zweiten Buch der Makkabäer lässt Judas der Machabäer ein Sündopfer für die gefallenen Krieger darbringen. Der Allioli-Text sagt es unmissverständlich:
Sodann erwog er, dass denen, welche in Frömmigkeit entschlafen sind, der herrlichste Gnadenlohn aufbewahrt ist. Es ist also ein heiliger und heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen zu beten, damit sie von ihren Sünden befreit werden. — 2 Makkabäer 12,45–46
Das klassische Gebet für die Armen Seelen ist das Requiem aeternam, das die Kirche bei jedem Totengedächtnis spricht:
Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. Sie ruhen in Frieden. Amen.
Ebenso alt und tröstlich ist der Bußpsalm De profundis (Psalm 129 nach der Vulgata), der Ruf aus der Tiefe:
Aus der Tiefe rufe ich zu dir, o Herr! Herr! erhöre meine Stimme! [...] Doch bei dir ist Vergebung [...] denn bei dem Herrn ist Erbarmen und bei ihm ist überreiche Erlösung. — Psalm 129 (130)
Viele Gläubige beten an Allerseelen zusätzlich einen Rosenkranz für die Verstorbenen oder sprechen persönliche Fürbitten. Weitere Texte finden Sie im Beitrag Gebet für Verstorbene und in unseren christlichen Trauersprüchen.
Der Ablass für die Armen Seelen
Ein besonderer Schatz dieser Tage ist der Ablass für die Verstorbenen. Die Kirche gewährt in den ersten Novembertagen vollkommene Ablässe, die man den Armen Seelen zuwenden kann. Die heute angegebenen Bedingungen stammen aus der Neuordnung der Ablässe von 1968 (Enchiridion Indulgentiarum): Wer vom 1. bis 8. November einen Friedhof besucht und dort für die Verstorbenen betet, kann täglich einen vollkommenen Ablass gewinnen — ebenso, wer an Allerseelen andächtig eine Kirche besucht und dort ein Vaterunser und das Glaubensbekenntnis betet.
Die üblichen Bedingungen gelten: eine gute Beichte, der Empfang der heiligen Kommunion und das Gebet nach der Meinung der Kirche, dazu die innere Abkehr von jeder Sünde. Wichtig ist die rechte Haltung: Der Ablass ist keine magische Formel und kein Automatismus, sondern die Gnade Gottes, die uns durch die Kirche geschenkt wird und die wir aus Liebe an die leidenden Seelen weiterreichen.
Bräuche zu Allerseelen: Gräbersegnung, Farbe, Gebäck
Zum Brauchtum gehört vor allem der Friedhofsgang mit der Gräbersegnung: Der Priester geht über den Friedhof, besprengt die Gräber mit Weihwasser und betet für die Toten. Die Gläubigen schmücken die Gräber, entzünden Lichter — das Symbol des ewigen Lichtes, das den Verstorbenen leuchten möge.
Die liturgische Farbe von Allerseelen ist traditionell Schwarz, die Farbe der Trauer und des Totengedächtnisses, wie sie das Requiem seit jeher kennt. In vielen Gegenden gibt es eigenes Gebäck: den Allerseelenzopf oder das Seelengebäck, das man an Paten und Arme verschenkte — ein Zeichen der Verbundenheit über den Tod hinaus. All diese Bräuche wollen dasselbe sagen: Die Verstorbenen sind nicht vergessen, wir tragen sie im Gebet.
Grüße und Gedanken zu Allerseelen
Viele suchen an diesem Tag nach einem guten Wort — einem Gruß oder einem Gedanken zu Allerseelen, den man einem trauernden Angehörigen sagen oder schreiben kann. Der schönste Gruß ist keine bloße Höflichkeit, sondern das Versprechen des Gebetes: „Ich denke an deine Verstorbenen und schließe sie in mein Gebet ein.“ So wird aus einem Wort ein Werk der Barmherzigkeit.
Ein tröstlicher Gedanke für Allerseelen ist dieser: Der Tod trennt uns nicht von denen, die wir lieben, denn die Gemeinschaft der Heiligen reicht über das Grab hinaus. Wir können den Verstorbenen weiter Gutes tun — durch Gebet, Opfer und den Ablass. Wer an Allerseelen einen kurzen Gruß sendet, mag ihn mit dem alten Wort der Kirche verbinden: „Herr, gib ihnen die ewige Ruhe.“ Es ist der kürzeste und zugleich reichste Segen, den wir den Toten schenken können.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Allerseelen?
Allerseelen ist das Gedächtnis aller verstorbenen Gläubigen. Die Kirche betet an diesem Tag besonders für die Armen Seelen im Fegefeuer, damit sie durch unsere Fürbitte zur ewigen Ruhe gelangen.
Wann ist Allerseelen 2026?
Allerseelen ist immer am 2. November — 2026 also am Montag, dem 2. November, dem Tag nach Allerheiligen.
Ist Allerseelen ein Feiertag?
Nein, in Deutschland ist Allerseelen kein gesetzlicher Feiertag, auch nicht in Bayern oder Nordrhein-Westfalen. Der arbeitsfreie Tag ist Allerheiligen am 1. November.
Was ist der Unterschied zwischen Allerheiligen und Allerseelen?
Allerheiligen (1. November) feiert die Heiligen im Himmel; Allerseelen (2. November) gedenkt der Verstorbenen, die noch der Läuterung bedürfen und für die wir beten.
Was feiert man an Allerseelen?
Man gedenkt aller Verstorbenen. Gläubige besuchen die Gräber, lassen sie segnen, entzünden Lichter und beten — etwa das Requiem aeternam und den Rosenkranz — für die Armen Seelen.
Warum betet man für die Verstorbenen?
Weil die Seelen im Fegefeuer sich nicht mehr selbst helfen können. Schon im Buch der Makkabäer heißt es, es sei „ein heiliger und heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen zu beten“ (2 Makk 12,46).
Iter Fidei begleitet Sie durch das ganze Kirchenjahr: mit dem Requiem, dem De profundis, dem Rosenkranz für die Verstorbenen und den überlieferten Gebeten für die Armen Seelen — nach dem Ritus von 1962. Hier frühen Zugang sichern.
Quellen. Allioli-Bibel (2 Makkabäer 12,43–46; Psalm 129 Vulgata); Katechismus des Konzils von Trient und Katechismus des hl. Pius X. (Gemeinschaft der Heiligen, Fegefeuer, Ablass); Missale Romanum (1962), Officium Defunctorum und Requiem-Messe; Dom Prosper Guéranger, Das Kirchenjahr (L'Année liturgique), zum Allerseelentag.