Das Kirchenjahr
Allerheiligen: das Fest aller Heiligen
Allerheiligen am 1. November feiert alle Heiligen im Himmel – die bekannten und die unzähligen unbekannten. Bedeutung, Ursprung, Brauchtum und der Unterschied zu Allerseelen.

Am 1. November feiert die Kirche Allerheiligen – das Fest aller Heiligen im Himmel. Nicht nur der großen Namen, die im Kalender stehen, sondern der unzähligen Vollendeten, die kein Buch verzeichnet: der stillen Mütter, der treuen Bauern, der frühen Märtyrer, deren Namen allein Gott kennt. So kennt man von der Schar der Kölner Jungfrauen um die heilige Ursula kaum mehr als dies, dass sie dort für Christus ihr Blut vergossen haben. An diesem einen Tag verneigt sich die ganze Kirche vor der ganzen himmlischen Schar.
Was feiern wir an Allerheiligen?
Wir feiern die vollendete Kirche – alle, die schon bei Gott angekommen sind. Der heilige Johannes hat dieses Fest im Geiste geschaut, und seine Vision ist bis heute die Lesung des Tages:
Nach diesem sah ich eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Völkern und Stämmen, und Nationen und Sprachen. Sie standen vor dem Throne und vor dem Lamme, angetan mit weißen Kleidern, und Palmen in ihren Händen. (Apokalypse 7, 9)
Auf die Frage, wer diese Weißgekleideten seien, antwortet der Älteste:
Die sind die, welche aus der großen Drangsal kommen und ihre Kleider gewaschen und weiß gemacht haben im Blute des Lammes. (Apokalypse 7, 14)
Das ist der Kern von Allerheiligen: Heilige sind keine Übermenschen. Es sind Menschen wie wir, durch die Drangsal dieses Lebens gegangen, die sich von der Gnade Gottes haben reinwaschen lassen. Die liturgische Farbe des Tages ist deshalb Weiß – die Farbe der Freude und des Sieges, nicht der Trauer.
Was bedeutet Allerheiligen? Die acht Seligkeiten
Das Evangelium des Festes ist die Bergpredigt mit den acht Seligpreisungen (Matthäus 5) – die Landkarte, auf der jeder Heilige seinen Weg gegangen ist:
Selig die Armen im Geiste; denn ihrer ist das Himmelreich! Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land besitzen! Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden! ... Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen! (Matthäus 5, 3–8)
Darin liegt die eigentliche Bedeutung von Allerheiligen: Der Himmel ist kein ferner Ort für wenige Auserwählte, sondern die Berufung aller Getauften. Das Fest hält uns die Heiligen als Vorbild und als Fürsprecher vor Augen – und ruft uns zu, dass auch wir zu dieser Schar gehören dürfen.
Warum feiern wir Allerheiligen? Ursprung und Geschichte
Der Ursprung reicht in die frühe Kirche zurück. Schon im Osten gab es einen gemeinsamen Gedenktag für alle Märtyrer. In Rom weihte Papst Bonifatius IV. um das Jahr 610 das antike Pantheon der Gottesmutter und allen Märtyrern. Später legte die Kirche das Fest auf den 1. November und dehnte es auf alle Heiligen aus – nicht nur die Märtyrer, sondern jede Seele, die in der Anschauung Gottes vollendet ist. Dom Guéranger nennt Allerheiligen in seinem Kirchenjahr zurecht das Fest, an dem die streitende Kirche auf Erden und die triumphierende Kirche im Himmel einander am nächsten sind.
Die Gemeinschaft der Heiligen
Wir beten es in jeder heiligen Messe im Glaubensbekenntnis: die Gemeinschaft der Heiligen. Damit ist ein lebendiger Zusammenhang gemeint, der drei Zustände der einen Kirche umfasst:
- die triumphierende Kirche – die Heiligen, die Gott bereits schauen;
- die leidende Kirche – die Armen Seelen, die im Fegfeuer gereinigt werden;
- die streitende Kirche – wir, die wir noch auf dem Weg sind.
Diese drei sind keine getrennten Welten. Die Heiligen im Himmel treten für uns ein, wir bitten für die Verstorbenen (mehr dazu in unserem Beitrag zum Gebet für die Verstorbenen), und alle sind durch die Liebe Christi verbunden. Kein katholisches Gebet zu den Heiligen ist darum ein Zauberspruch oder Glücksbringer – es ist die schlichte Bitte eines Kindes an seine älteren Brüder und Schwestern, die schon zu Hause sind, für uns beim Vater ein gutes Wort einzulegen.
Unterschied zwischen Allerheiligen und Allerseelen
Beide Tage folgen aufeinander und werden oft verwechselt, doch sie meinen Verschiedenes:
- Allerheiligen (1. November) gilt der triumphierenden Kirche – allen Seelen, die schon im Himmel vollendet sind. Es ist ein Freudenfest in weißer Farbe.
- Allerseelen (2. November) gilt der leidenden Kirche – den Armen Seelen im Fegfeuer, für die wir beten, damit sie die volle Anschauung Gottes erlangen. Die Farbe ist Schwarz.
Kurz gesagt: An Allerheiligen ehren wir die, die schon da sind; an Allerseelen helfen wir denen, die noch unterwegs sind. Beide gehören zusammen wie zwei Seiten desselben Trostes.
Brauchtum: Gräbersegnung und Kerzen
Weil die beiden Tage so eng verbunden sind, verbindet das Volk sein schönstes Brauchtum oft schon mit dem Nachmittag von Allerheiligen: den Gang auf den Friedhof zur Gräbersegnung. Die Gräber werden mit Grabschmuck und herbstlicher Grabbepflanzung gepflegt, und der Priester geht mit Weihwasser und Weihrauch von Grab zu Grab, um sie zu segnen. Die brennenden Lichter – die „Seelenlichter“ – sind ein altes Sinnbild: Sie erinnern an Christus, das Licht der Welt, und an die Hoffnung, dass unsere Verstorbenen im ewigen Licht ruhen. Ein Grablicht anzuzünden ist kein Aberglaube, sondern ein stiller Gebetsakt.
Die große liturgische Form dieses Brauchtums ist die Allerheiligenlitanei (die Litania Sanctorum), die älteste Litanei der römischen Kirche. In ihr rufen wir die Heiligen der Reihe nach an:
Heilige Maria, bitte für uns. Heiliger Michael, bitte für uns. Alle heiligen Engel und Erzengel, bittet für uns. Alle heiligen Chöre der seligen Geister, bittet für uns.
Wer die vollständige Form beten möchte, findet sie in unserem Beitrag über die Litanei; sie eignet sich besonders für die Prozession über den Friedhof. Auch der Rosenkranz und ein gemeinsames Gebet für ein Anliegen haben an diesem Tag ihren festen Platz.
Ist Allerheiligen ein Feiertag? In welchen Bundesländern?
Allerheiligen ist ein gesetzlicher Feiertag – allerdings nicht überall. In Deutschland ist der 1. November arbeitsfrei in den überwiegend katholisch geprägten Ländern: Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. In den übrigen Bundesländern ist Allerheiligen kein arbeitsfreier Tag. In Österreich und in den katholischen Kantonen der Schweiz gilt der Feiertag ebenfalls.
In den genannten Ländern ist Allerheiligen zugleich ein stiller Feiertag: Es gilt ein Tanzverbot, und laute Veranstaltungen sind eingeschränkt. Das entspricht dem Charakter des Tages, der dem Gebet und dem Gedenken an die Verstorbenen gewidmet ist.
Allerheiligen für Kinder erklärt
Kindern lässt sich das Fest ganz einfach sagen: Allerheiligen ist der Geburtstag aller Heiligen im Himmel auf einmal. Wir feiern alle guten Menschen, die jetzt bei Gott glücklich sind – auch die Oma oder den Opa, von denen wir hoffen, dass sie dort sind. Und weil Gott jeden von uns heilig haben will, ist es ein bisschen auch ein Fest über uns selbst und darüber, was wir einmal werden dürfen. Ein kleines Kindergebet am Abend rundet den Tag schön ab.
Häufig gestellte Fragen
Wann ist Allerheiligen?
Allerheiligen ist immer am 1. November, jedes Jahr am gleichen Datum. Es ist ein fester Feiertag und hängt nicht vom Osterdatum ab. Am folgenden Tag, dem 2. November, ist Allerseelen.
Was ist der Unterschied zwischen Allerheiligen und Allerseelen?
An Allerheiligen (1. November) feiern wir alle Heiligen, die schon im Himmel sind. An Allerseelen (2. November) beten wir für die Armen Seelen im Fegfeuer, damit auch sie zu Gott gelangen.
Warum feiern wir Allerheiligen?
Weil die Kirche allen Vollendeten danken und sie ehren will – gerade auch den unzähligen unbekannten Heiligen, die keinen eigenen Gedenktag haben. Zugleich erinnert uns das Fest daran, dass der Himmel die Berufung jedes getauften Menschen ist.
Was bedeutet die Gemeinschaft der Heiligen?
Sie ist die lebendige Verbindung zwischen den Heiligen im Himmel, den Armen Seelen und uns auf Erden. Wir sind eine einzige Kirche in drei Zuständen, verbunden durch Christus und das Gebet füreinander.
Ist Allerheiligen katholisch oder evangelisch?
Allerheiligen ist ein katholisches Fest, im Kalender von 1962 ein Fest I. Klasse. Die Verehrung und Anrufung der Heiligen gehört seit jeher zum Glauben der Kirche. Der 1. November wird darum vor allem katholisch begangen.
Was macht man an Allerheiligen?
Man geht zur heiligen Messe, besucht die Gräber der Verstorbenen, schmückt sie, zündet Lichter an und nimmt an der Gräbersegnung teil. Der Tag lädt zum Gebet und zum stillen Gedenken ein.
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Quellen. Allioli-Bibel (Apokalypse 7, 9–17; Matthäus 5, 1–12, Vulgata-Zählung); Allerheiligenlitanei (Litania Sanctorum, überlieferte Form); Dom Prosper Guéranger, Das Kirchenjahr (L'Année liturgique); Katechismus des heiligen Pius X. (Gemeinschaft der Heiligen).