Die Heiligen
Apostel Andreas: Leben, Andreaskreuz & Gebet
Wer war der Apostel Andreas? Der Erstberufene in der Bibel, seine Mission, sein Tod am Kreuz in Patras und das Andreaskreuz, sein Grab in Amalfi, sein Patronat, der Andreastag am 30. November und die Gebete der Kirche.
Der Apostel Andreas war ein Fischer aus Bethsaida in Galiläa, der Bruder des Simon Petrus und zuerst ein Jünger Johannes' des Täufers; er war der Erste, der Jesus nachfolgte, und heißt darum bei den Griechen der „Erstberufene". Nach der Überlieferung verkündete er das Evangelium bis nach Griechenland und starb in Patras am Kreuz, das er mit dem berühmten Gruß „O gutes Kreuz" empfing. Sein Fest feiert die Kirche am 30. November als Fest II. Klasse; hier finden Sie, was die Bibel über ihn sagt, wie er starb, wo seine Gebeine ruhen, wofür er Schutzpatron ist und mit welchen Gebeten die Kirche ihn anruft.
Wer war der Apostel Andreas?
Der heilige Andreas gehört zu den Zwölf, die der Herr selbst zu Aposteln erwählt hat, und in allen Apostellisten des Neuen Testaments steht er unter den ersten vier. Sein Name ist griechisch und bedeutet „der Mannhafte". Das Brevier fasst sein Leben so zusammen: Andreas war in Bethsaida geboren, einem Flecken in Galiläa, Bruder des Petrus und Jünger Johannes' des Täufers; als er diesen von Christus sagen hörte: „Seht, das Lamm Gottes", folgte er Jesus und führte auch seinen Bruder zu ihm.
Der Apostel Andreas in Kürze:
- Herkunft: Bethsaida am See Genesareth, Sohn des Fischers Jonas
- Beruf: Fischer, mit seinem Bruder Simon Petrus; das Haus der Brüder stand in Kapharnaum
- Berufung: als Erster der Jünger, darum „der Erstberufene"
- Mission: nach der Überlieferung Skythien, Epirus, Thrakien und Achaia
- Tod: in Patras in Achaia am Kreuz, um das Jahr 60
- Fest und Namenstag: 30. November
- Symbol: das X-förmige Andreaskreuz, dazu Netz und Fische
- Schutzpatron: von Schottland, Russland und Griechenland, der Fischer
Der Apostel Andreas in der Bibel
Der Erstberufene
Das Johannesevangelium erzählt die erste Begegnung mit einer Genauigkeit, die nach einem Augenzeugen klingt:
Des andern Tages stand Johannes abermals da und zwei von seinen Jüngern. Und als er Jesus umherwandeln sah, sprach er: Sehet, das Lamm Gottes! Und die zwei Jünger hörten ihn das sagen, und folgten Jesus nach. Jesus aber wandte sich um, und da er sah, dass sie ihm folgten, sprach er zu ihnen: Was suchet ihr? Sie sprachen zu ihm: Rabbi! (das heißt verdolmetscht Meister) wo wohnest du? Er sprach zu ihnen: Kommet, und sehet es! Da kamen sie, und sahen, wo er sich aufhielt, und blieben diesen Tag bei ihm. Es war um die zehnte Stunde. Andreas aber, der Bruder des Simon Petrus, war einer von den beiden, welche dies von Johannes gehört hatten, und ihm nachgefolgt waren. Dieser fand zuerst seinen Bruder Simon, und sprach zu ihm: Wir haben den Messias (das ist verdolmetscht Christus) gefunden. Und er führte ihn zu Jesus. (Johannes 1, 35–42)
Andreas war also ein Jünger des Vorläufers, bevor er Jünger des Herrn wurde; die Wege des heiligen Johannes des Täufers und des heiligen Andreas sind von Anfang an verbunden. Und kaum hat er Christus gefunden, wird er zum ersten Verkünder: Er holt seinen Bruder. Ohne Andreas, so sagen die Väter gern, hätte Petrus den Herrn nicht an diesem Tag gefunden.
Petrus und Andreas: „Menschenfischer"
Die endgültige Berufung geschah am See, als die Apostel Petrus und Andreas bei ihrem Beruf waren:
Als aber Jesus längs des galiläischen Meeres wandelte, sah er zwei Brüder, Simon, der Petrus genannt wird, und Andreas, seinen Bruder, wie sie eben das Netz in´s Meer warfen, denn sie waren Fischer. Und er sprach zu ihnen: Folget mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen! Sie aber verließen alsbald ihre Netze und folgten ihm. (Matthäus 4, 18–20)
Der heilige Papst Gregor der Große, dessen Homilie das Brevier am Andreasfest liest, bemerkt dazu, die beiden Fischer hätten fast nichts besessen und doch viel verlassen, denn „viel verlässt, wer nichts für sich zurückbehält"; Petrus und Andreas gaben mit dem Besitz auch das Verlangen nach Besitz auf.
Weitere Stellen
Andreas begegnet noch zweimal im Johannesevangelium, und beide Male bringt er Menschen zu Jesus. Bei der Brotvermehrung ist er es, der den Knaben mit den fünf Gerstenbroten und zwei Fischen bemerkt: „Allein was ist das auf so viele?" (Johannes 6, 9). Und als einige Griechen Jesus sehen wollen, wenden sie sich an Philippus, der es Andreas sagt, und gemeinsam bringen sie die Bitte vor den Herrn (Johannes 12, 20–22). Ein sehr altes Zeugnis, das Muratorische Fragment aus dem Ende des 2. Jahrhunderts, erzählt zudem, es sei Andreas gewesen, dem offenbart wurde, Johannes solle sein Evangelium niederschreiben.
Die Mission des heiligen Andreas
Nach Pfingsten verlieren sich die Spuren des Apostels in der Überlieferung. Der Kirchengeschichtsschreiber Eusebius berichtet, Andreas habe in Skythien gepredigt; der heilige Gregor von Nazianz nennt Epirus, der heilige Hieronymus Achaia. Das Brevier fasst zusammen: Nach dem Leiden und der Auferstehung Christi bekehrte Andreas durch Predigt und Wunder viele Menschen, zuerst im europäischen Skythien, dann in Epirus und Thrakien, und kam schließlich nach Patras in Achaia, wo er sehr viele zur Wahrheit des Evangeliums führte. In ihm erfüllte sich das Wort des Paulus, das die Kirche an seinem Fest liest: „Wie lieblich sind die Füße derer, die den Frieden verkünden" (Römer 10, 15).
Spätere Erzählungen lassen ihn bis an den Dnjepr ziehen. Die alte russische Nestorchronik berichtet, Andreas habe auf den Hügeln über dem Fluss ein Kreuz aufgerichtet und prophezeit, an dieser Stelle werde eine große Stadt mit vielen Kirchen entstehen: Kiew. Eine geschichtliche Grundlage hat diese Überlieferung nicht, aber sie erklärt, warum Russland und die Ukraine den Apostel als ihren Patron verehren.
Wie starb der Apostel Andreas?
Nach der alten Leidensgeschichte, die das Brevier liest, trat Andreas in Patras dem Prokonsul Aegeas entgegen, der sich der Predigt widersetzte, und warf ihm vor, er wolle Richter über Menschen sein und erkenne doch Christus nicht an, den Richter aller. Als Aegeas ihn aufforderte, den Göttern zu opfern, antwortete der Apostel, er bringe dem einen wahren Gott täglich auf dem Altar das unbefleckte Lamm dar, dessen Fleisch das gläubige Volk genießt und das doch unversehrt und lebendig bleibt. Ein schönes frühes Zeugnis für das heilige Messopfer.
Aegeas ließ ihn einkerkern und verurteilte ihn zum Kreuzestod, damit er wie sein Meister sterbe. Als Andreas das Kreuz von ferne sah, rief er die Worte, die die Kirche seither in ihrem Stundengebet singt:
O bona crux, quae decorem ex membris Domini suscepisti, diu desiderata, sollicite amata, sine intermissione quaesita, et aliquando cupienti animo praeparata: accipe me ab hominibus, et redde me magistro meo; ut per te me recipiat, qui per te me redemit.
Gutes Kreuz, von den Gliedern des Herrn hast du deinen Schmuck empfangen! Lang ersehntes, heißgeliebtes, unablässig gesuchtes und nun der verlangenden Seele gewährtes Kreuz! Nimm mich weg von den Menschen und gib mich zurück an meinen Meister. Durch dich soll er mich empfangen, denn durch dich hat er mich erlöst.
Zwei Tage hing er lebend am Kreuz und hörte nicht auf, dem Volk den Glauben an Christus zu predigen, bis er zu dem heimging, dessen Tod er nachzuahmen ersehnt hatte. Nach der Leidensgeschichte war er nicht angenagelt, sondern angebunden. Die Priester und Diakone von Achaia, so schließt der Bericht, bezeugen, dies alles gehört und gesehen zu haben. Andreas lebt so ganz das Wort des Herrn: „Wenn mir jemand nachfolgen will, verleugne er sich selbst, und nehme sein Kreuz, und folge mir" (Matthäus 16, 24).
Das Andreaskreuz
Dass sein Kreuz die Form eines X hatte, ist eine jüngere Überlieferung, die erst im späten Mittelalter allgemein wird. Seither ist das schräge Kreuz das Symbol des Apostels und trägt seinen Namen: das Andreaskreuz. Man begegnet ihm in der Kunst, auf der weiß-blauen Flagge Schottlands und im Alltag sogar als Verkehrszeichen vor jedem Bahnübergang. Wer es dort sieht, darf sich an den Apostel erinnern, der das Kreuz nicht floh, sondern begrüßte, wie es der Karfreitag und der Kreuzweg uns jedes Jahr lehren.
Wo liegen die Gebeine des Apostels Andreas?
Die Geschichte seiner Reliquien ist bewegt. Unter Kaiser Konstantius II. (gest. 361) wurden die Gebeine, die als die des Apostels galten, von Patras in die Apostelkirche zu Konstantinopel übertragen. Nach der Eroberung der Stadt durch die Kreuzfahrer 1204 kamen sie nach Italien und ruhen seit 1208 in der Krypta des Doms von Amalfi, die bis heute das eigentliche Grab des Apostels Andreas ist. Sein Haupt wurde unter Papst Pius II. nach Rom gebracht und in der Peterskirche beigesetzt, wie das Brevier eigens vermerkt. 1964 gab Papst Paul VI. es als Geste gegenüber den Orthodoxen an Patras zurück, wo es heute in der Andreaskirche verehrt wird. Nördlich der Alpen verehrt man nach der Überlieferung das Grab eines anderen Apostels, des heiligen Matthias, in der Abtei St. Matthias zu Trier.
Der Apostel Andreas als Schutzpatron
Der heilige Andreas ist Schutzpatron Schottlands, wohin nach einer mittelalterlichen Legende der heilige Regulus einen Teil seiner Reliquien brachte, an den Ort, der heute St Andrews heißt. Er ist Patron Russlands und Griechenlands, und das Haus Burgund stellte seinen Orden vom Goldenen Vlies unter das Andreaskreuz. Als Fischer vom See Genesareth ist er natürlich der Patron der Fischer und Fischhändler.
Seine größte Ehre aber erweist ihm die Kirche selbst in ihrer Liturgie. In der überlieferten Tridentinischen Messe wird sein Name nicht nur mit den übrigen Aposteln im Kanon genannt, sondern auch im Gebet nach dem Vaterunser, wo der Priester um Frieden bittet auf die Fürsprache der Gottesmutter „mit deinen heiligen Aposteln Petrus und Paulus und Andreas". In der Allerheiligenlitanei wird er gleich nach Petrus und Paulus angerufen.
Der Andreastag am 30. November und der Advent
Das Fest des heiligen Andreas am 30. November ist im Kalender von 1962 ein Fest II. Klasse und zugleich der Namenstag aller, die Andreas, Andrea, Andrej oder Anders heißen. Es hat seit alters eine besondere Stellung im Kirchenjahr: Der erste Adventssonntag ist der Sonntag, der dem Andreasfest am nächsten liegt, also zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember. So beginnt das Kirchenjahr gleichsam unter dem Patronat des Erstberufenen, und das ist sinnvoll: Wie Andreas den Messias als Erster erkannte und ihn seinem Bruder ankündigte, so ruft der Advent uns auf, dem kommenden Herrn entgegenzugehen. Welche Heiligen das Kirchenjahr sonst begleiten, zeigt der Heiligenkalender nach Monaten.
Wer den Apostel mit einer Andacht ehren will, kann die Novene zu seinem Fest vom 22. bis zum 30. November beten, so wie sie in der App Iter Fidei steht, oder einfach an jedem Tag seiner Woche das Gebet der Kirche sprechen.
Gebet zum heiligen Apostel Andreas
Die Oration des Römischen Messbuchs vom Fest des heiligen Andreas:
Lateinisch:
Maiestatem tuam, Domine, suppliciter exoramus: ut, sicut Ecclesiae tuae beatus Andreas Apostolus exstitit praedicator et rector; ita apud te sit pro nobis perpetuus intercessor. Per Dominum nostrum Iesum Christum Filium tuum, qui tecum vivit et regnat in unitate Spiritus Sancti Deus, per omnia saecula saeculorum. Amen.
Deutsch:
Wir bitten demütig deine Majestät, o Herr: wie der selige Apostel Andreas ein Prediger und Hirt deiner Kirche gewesen ist, so sei er bei dir ein immerwährender Fürsprecher für uns. Durch unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Häufig gestellte Fragen
Wer war der Apostel Andreas?
Einer der zwölf Apostel, ein Fischer aus Bethsaida in Galiläa, Bruder des Simon Petrus und zuvor Jünger Johannes' des Täufers. Er folgte Jesus als Erster und führte seinen Bruder zu ihm; darum heißt er der „Erstberufene".
Wie starb der Apostel Andreas?
Nach der alten Leidensgeschichte am Kreuz in Patras in Achaia, wohin der Prokonsul Aegeas ihn verurteilt hatte. Er hing zwei Tage lebend daran und predigte bis zuletzt. Dass das Kreuz X-förmig war, ist eine spätere Überlieferung.
Wo liegen die Gebeine des Apostels Andreas?
Seit 1208 in der Krypta des Doms von Amalfi in Italien, wohin sie nach der Eroberung Konstantinopels 1204 gelangten. Sein Haupt war seit Pius II. in Rom und wurde 1964 nach Patras zurückgegeben.
Was bedeutet das Andreaskreuz?
Das schräge, X-förmige Kreuz, an dem der Apostel nach späterer Überlieferung starb. Es ist sein Symbol, steht auf der Flagge Schottlands und dient als Warnzeichen vor Bahnübergängen.
Was prophezeite der Apostel Andreas?
Nach der russischen Nestorchronik soll er auf den Hügeln am Dnjepr ein Kreuz errichtet und vorausgesagt haben, dort werde eine große christliche Stadt entstehen, Kiew. Die Überlieferung ist legendarisch und geschichtlich nicht gesichert.
Wovon ist der Apostel Andreas Schutzpatron?
Von Schottland, Russland und Griechenland, von den Fischern und Fischhändlern, und er wird als Fürsprecher aller angerufen, die anderen den Weg zu Christus zeigen wollen.
Wann ist der Namenstag von Andreas?
Am 30. November, dem Fest des Apostels. Der erste Adventssonntag ist der Sonntag, der diesem Tag am nächsten liegt.
Iter Fidei begleitet dich durch das ganze Kirchenjahr, vom Andreastag bis zum letzten Sonntag nach Pfingsten: mit dem Messbuch und dem Brevier von 1962, den Festen der Apostel und Novenen wie der zum heiligen Andreas, in Latein und Deutsch. Hier frühen Zugang sichern.
Quellen. Heilige Schrift nach der Allioli-Übersetzung (Johannes 1, 6 und 12; Matthäus 4 und 16; Römer 10); Butler's Lives of the Saints (30. November); Breviarium Romanum, Lesungen und Antiphonen zum Fest des heiligen Andreas; Missale Romanum 1962, Oration vom Fest; Gregor der Große, Homilien über die Evangelien (5. Homilie); Eusebius, Kirchengeschichte, Buch III.