Die Heiligen
Heilige Barbara: Legende, Barbarazweige & Gebet
Wer war die heilige Barbara? Ihre Legende vom Turm, warum sie Schutzpatronin der Bergleute und Artilleristen ist, ihre Symbole, der Brauch der Barbarazweige am 4. Dezember und ein Gebet um eine gute Sterbestunde.
Die heilige Barbara ist eine Jungfrau und Märtyrerin der frühen Kirche, die nach der Legende von ihrem heidnischen Vater in einen Turm gesperrt und um ihres Glaubens willen von ihm selbst enthauptet wurde. Ihr Gedenktag ist der 4. Dezember; sie gehört zu den Vierzehn Nothelfern und ist die Schutzpatronin der Bergleute, der Artilleristen und aller, die um einen guten Tod bitten. An ihrem Tag schneidet man die Barbarazweige, die bis Weihnachten blühen sollen; hier finden Sie ihre Geschichte, die Bedeutung ihrer Symbole und Bräuche und die Gebete der Kirche zu ihr.
Wer war die heilige Barbara?
Über das Leben der heiligen Barbara besitzen wir keine geschichtlich gesicherten Nachrichten, und die besten Kenner der Heiligenverehrung haben das immer offen gesagt. Ihre Leidensgeschichte ist eine spätere Legende, deren Fassungen nicht einmal über den Ort einig sind: Die einen nennen Nikomedien in Kleinasien, die anderen Heliopolis in Ägypten oder Syrien. Fest steht dagegen, dass die Kirche in Ost und West sie seit dem frühen Mittelalter als Märtyrerin verehrt, und dass kaum eine Heilige im deutschen Volk so tief verwurzelt ist.
Die heilige Barbara in Kürze:
- Gelebt: nach der Überlieferung im 3. Jahrhundert, in Nikomedien oder Heliopolis
- Gestorben: um 306, unter der Verfolgung Kaiser Maximians, durch das Schwert ihres eigenen Vaters
- Gedenktag und Namenstag: 4. Dezember
- Symbole: Turm mit drei Fenstern, Kelch mit Hostie, Schwert, Palme, Krone
- Schutzpatronin: der Bergleute, Tunnelbauer, Artilleristen, Feuerwerker und Feuerwehrleute, der Sterbenden, gegen Blitz und Feuer
- Zugehörigkeit: eine der Vierzehn Nothelfer
Die Legende der heiligen Barbara
Die Geschichte der heiligen Barbara wird in den mittelalterlichen Legendensammlungen und Volksbüchern erzählt; kurz gefasst lautet sie so.
Die Tochter im Turm
Barbara war die einzige Tochter eines reichen Heiden namens Dioskuros. Sie war von großer Schönheit, und um sie vor den Blicken der Welt und vor dem Einfluss der Christen zu bewahren, ließ der Vater sie in einen Turm einschließen. Gerade in dieser Abgeschiedenheit fand sie zum Glauben: Sie lernte die christliche Lehre kennen und ließ sich heimlich taufen. Alle Bewerber, die der Vater ihr zuführte, wies sie ab, denn sie hatte ihr Leben Christus geweiht.
Das dritte Fenster
Während einer Reise des Vaters wurde am Turm ein Badehaus gebaut, das zwei Fenster haben sollte. Barbara ließ ein drittes hineinbrechen. Als der Vater nach dem Grund fragte, bekannte sie, die drei Fenster seien ein Zeichen der allerheiligsten Dreifaltigkeit, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, durch die allein das Licht in die Seele fällt. Darum zeigt die Kunst die heilige Barbara mit einem Turm, der drei Fenster hat.
Flucht, Martyrium und Tod
Rasend vor Zorn zog Dioskuros das Schwert. Barbara floh, und nach der Legende öffnete sich ein Felsen, um sie zu verbergen; ein Hirte verriet sie. Der Vater lieferte sie dem Statthalter aus, der sie grausam foltern ließ. In der Nacht soll Christus ihr im Kerker erschienen sein und ihre Wunden geheilt haben. Da sie standhaft blieb, wurde sie zum Tod verurteilt, und ihr eigener Vater schlug ihr auf einem Berg das Haupt ab. Auf dem Rückweg traf ihn ein Blitz und tötete ihn.
So steht die heilige Barbara für das Wort des Herrn, das jedem Bekenner gilt:
Ein jeder also, der mich vor den Menschen bekennen wird, den will auch ich vor meinem Vater bekennen, der im Himmel ist. (Matthäus 10, 32)
Wann und wie ist die heilige Barbara gestorben?
Die Überlieferung setzt ihr Martyrium um das Jahr 306 an, in der großen Verfolgung unter Kaiser Maximian. Sie starb durch Enthauptung mit dem Schwert, von der Hand ihres Vaters. Wie alt sie wurde, sagt keine verlässliche Quelle; die Legende schildert sie als junge, unverheiratete Frau. Ein Grab der Heiligen kennt die Überlieferung nicht. Ihre Reliquien werden seit dem Mittelalter an mehreren Orten verehrt, so auf der Insel Burano bei Venedig und in Kiew.
Warum ist die heilige Barbara Schutzpatronin der Bergleute?
Aus der Legende ergeben sich fast alle Patronate der heiligen Barbara. Weil ihr Vater vom Blitz erschlagen wurde, rief man sie gegen Blitz, Feuer und plötzliche Explosion an. Weil sich ihr der Felsen öffnete und sie im Berg barg, wurde sie zur Heiligen derer, die im Berg arbeiten. Und weil sie im Kerker vom Himmel gestärkt wurde, bittet man sie um das, was der Bergmann unter Tage am meisten fürchtet zu verlieren: einen Tod, auf den man vorbereitet ist.
So wurde sie zur Schutzpatronin der Bergleute. Bis heute steht in vielen Bergwerken und Stollen ihr Bild, am 4. Dezember feiern die Knappen das Barbarafest, und der Bergmannsgruß „Glück auf!" verbindet sich in den Revieren mit ihrem Namen. Auch beim Tunnelbau ist es guter Brauch, am Stolleneingang eine Statue der heiligen Barbara aufzustellen. Eine der schönsten Kirchen, die ihr je geweiht wurden, ist der Dom der heiligen Barbara in Kutná Hora (Kuttenberg) in Böhmen, den die Bergleute der reichen Silberstadt ab 1388 errichteten.
Aus demselben Grund verehren sie die Artilleristen und Feuerwerker: Sie hatten mit Pulver, Feuer und Donner zu tun. Die Artillerie vieler Heere, auch der Bundeswehr, begeht den Barbaratag als ihren Tag; in den romanischen Sprachen hieß die Pulverkammer der Kriegsschiffe nach ihr „Santa Barbara". Ebenso rufen sie die Feuerwehrleute, die Glockengießer und alle an, die mit Feuer und Gefahr umgehen.
Die Patronin einer guten Sterbestunde
Ihr wichtigstes Patronat ist zugleich das geistlichste. Die heilige Barbara wird angerufen, damit niemand unversehen, ohne die Sakramente, aus dieser Welt gehen muss. Darum hält sie auf vielen Bildern einen Kelch mit der Hostie: Sie erbittet den Sterbenden die heilige Wegzehrung, die Beichte und die Krankensalbung. Wer weiß, wie plötzlich ein Unglück im Bergwerk, im Krieg oder auf der Straße kommen kann, versteht, warum gerade diese Bitte die Menschen zu ihr geführt hat.
Für die Gläubigen ist das eine heilsame Erinnerung an die Mahnung des Herrn:
Wachet also, weil ihr nicht wisset, zu welcher Stunde euer Herr kommen wird! (Matthäus 24, 42)
Wer für die Sterbenden und Verstorbenen betet, findet in ihr eine treue Fürsprecherin; die Gebete für Verstorbene und Sterbende und die Anrufung der heiligen Barbara gehören seit jeher zusammen.
Die Symbole der heiligen Barbara: Was hält sie in der Hand?
Wie sieht die heilige Barbara aus? Auf Bildern und als Figur erkennt man sie an ihren Attributen. Meist erscheint sie als junge, vornehm gekleidete Frau mit Krone und trägt:
- den Turm mit drei Fenstern, Zeichen ihrer Gefangenschaft und ihres Glaubens an die Dreifaltigkeit;
- den Kelch mit der Hostie, Zeichen der Sterbesakramente, um die man sie bittet;
- das Schwert, mit dem sie enthauptet wurde;
- die Palme, das Siegeszeichen der Märtyrer;
- manchmal eine Kanone oder Fackel, wegen ihres Patronats über Artillerie und Feuer.
Mit der heiligen Katharina von Alexandrien und der heiligen Margareta bildet sie die Gruppe der drei jungfräulichen Nothelferinnen, die der alte Volksreim zusammenfasst: Margareta mit dem Wurm, Barbara mit dem Turm, Katharina mit dem Radl: das sind die drei heiligen Madl. Neben ihnen gehört etwa der heilige Christophorus zu den Vierzehn Nothelfern, die man besonders in Lebensgefahr anrief.
Der Brauch der Barbarazweige
Der schönste Brauch des Barbaratages sind die Barbarazweige. Am 4. Dezember schneidet man Zweige vom Kirschbaum, seltener auch von Apfelbaum, Forsythie oder Holunder, stellt sie in eine Vase mit Wasser in ein warmes Zimmer und wechselt das Wasser alle paar Tage. Mit etwas Geduld öffnen sich die Knospen zu Weihnachten: mitten im Winter blühen Kirschblüten auf dem Tisch. Die alte Regel sagt: Knospen an Sankt Barbara, sind zum Christfest Blüten da.
Der Brauch knüpft an die Legende an: Als Barbara ins Gefängnis geführt wurde, soll sich ein Zweig in ihrem Gewand verfangen haben. Sie stellte ihn in ihr Trinkwasser, und am Tag ihres Martyriums blühte er auf. Der christliche Sinn der Kirschzweige liegt aber noch tiefer und weist auf den Advent: Der Zweig, der im toten Winter blüht, ist ein Bild für Christus, der aus dem abgehauenen Stamm Davids hervorgeht, wie der Prophet sagt:
Und es wird ein Reis hervorgehen aus der Wurzel Jesses und eine Blüte wird aufsteigen aus seinem Wurzelstock. (Isaias 11, 1)
Mancherorts sagte man, die Blüten verhießen Glück für das kommende Jahr, oder ein Mädchen könne aus ihnen auf seine Heirat schließen. Solche Deutungen sind volkstümliches Spiel, keine Frömmigkeit; der Zweig auf dem Tisch ist ein Zeichen der Hoffnung, kein Orakel. Recht verstanden, ist er eine stille Adventspredigt: Er erinnert die Familie jeden Tag daran, worauf sie wartet. So stehen im Dezember die Barbarazweige neben dem Adventskranz und dem Stiefel des heiligen Nikolaus, der zwei Tage später kommt.
Wann ist der Tag der heiligen Barbara?
Der Barbaratag ist der 4. Dezember. Er ist kein gesetzlicher Feiertag, aber ein fester Gedenktag im Kirchenjahr und zugleich der Namenstag aller, die Barbara, Bärbel oder Babette heißen und die Heilige zur Namenspatronin haben. Die Gedenktage der anderen großen Heiligen stehen im Heiligenkalender nach Monaten.
Im Kalender von 1962 fällt auf diesen Tag das Fest des heiligen Petrus Chrysologus, Bischofs und Kirchenlehrers; die heilige Barbara wird in der Messe und in den Laudes des Breviers mit ihrer eigenen Oration kommemoriert, also mitgefeiert. Diese Oration stammt aus dem Commune einer jungfräulichen Märtyrerin und preist Gott dafür, dass er „auch dem schwachen Geschlechte den Sieg des Martyriums verliehen" hat.
Der Blick der Überlieferung: Barbara und die Kalenderreform
Bei der Neuordnung des römischen Generalkalenders im Jahr 1969 wurde die Kommemoration der heiligen Barbara gestrichen, weil die Angaben ihrer Legende als geschichtlich unsicher galten. Sie blieb im Martyrologium, ihr Fest wird in vielen Diözesen und Gemeinschaften weiter gefeiert, und der Volksbrauch hat sich davon nie beirren lassen.
Für die überlieferte Liturgie nach dem Kalender von 1962 ist die Frage einfach: Die heilige Barbara wird am 4. Dezember kommemoriert wie seit Jahrhunderten. Dass eine Legende ausgeschmückt ist, nimmt der Märtyrerin nichts von ihrer Ehre; die Kirche hat sie über tausend Jahre lang in der Liturgie angerufen, und unzählige Bergleute, Soldaten und Sterbende haben ihr Vertrauen in sie gesetzt.
Gebet zur heiligen Barbara
An ihrem Gedenktag betet die Kirche diese Oration des Römischen Messbuchs:
Lateinisch:
Deus, qui inter cetera potentiae tuae miracula etiam in sexu fragili victoriam martyrii contulisti: concede propitius; ut, qui beatae Barbarae Virginis et Martyris tuae natalitia colimus, per eius ad te exempla gradiamur. Per Dominum nostrum Iesum Christum Filium tuum, qui tecum vivit et regnat in unitate Spiritus Sancti Deus, per omnia saecula saeculorum. Amen.
Deutsch:
O Gott, der du unter den anderen Wundern deiner Macht auch dem schwachen Geschlechte den Sieg des Martyriums verliehen hast: gib gnädig, dass wir, die wir den himmlischen Geburtstag der seligen Barbara, deiner Jungfrau und Märtyrerin, begehen, durch ihr Beispiel zu dir schreiten. Durch unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Die heilige Barbara für Kinder erklärt
Barbara war ein Mädchen, das vor langer Zeit lebte. Ihr Vater glaubte nicht an Gott und sperrte sie in einen hohen Turm. Dort lernte Barbara Jesus kennen und ließ sich taufen. In ihren Turm ließ sie drei Fenster bauen, weil es einen Gott in drei Personen gibt: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Ihr Vater wurde darüber sehr böse, doch Barbara blieb Jesus treu, auch als sie dafür sterben musste. Darum stellen Kinder am 4. Dezember einen Kirschzweig ins Wasser: Wenn er an Weihnachten blüht, erinnert er daran, dass Gottes Leben stärker ist als der Winter.
Häufig gestellte Fragen
Wer war die heilige Barbara?
Eine Jungfrau und Märtyrerin der frühen Kirche, die nach der Legende von ihrem heidnischen Vater in einen Turm gesperrt wurde, sich heimlich taufen ließ und um 306 von ihm selbst enthauptet wurde. Sie gehört zu den Vierzehn Nothelfern.
Wann ist der Tag der heiligen Barbara?
Am 4. Dezember. An diesem Tag ist auch ihr Namenstag, und man schneidet die Barbarazweige.
Wann hat die heilige Barbara gelebt?
Nach der Überlieferung im 3. Jahrhundert; ihr Martyrium wird um das Jahr 306 angesetzt, in der Verfolgung unter Kaiser Maximian.
Wie ist die heilige Barbara gestorben?
Durch Enthauptung mit dem Schwert, das ihr eigener Vater führte, nachdem der Statthalter sie zum Tod verurteilt hatte. Der Vater wurde danach vom Blitz erschlagen.
Warum ist die heilige Barbara Schutzpatronin der Bergleute?
Weil sich nach der Legende ein Felsen öffnete, um sie zu verbergen, und weil sie um einen vorbereiteten Tod angerufen wird, den der Bergmann bei der Arbeit unter Tage besonders fürchtet. Darum steht ihr Bild in Bergwerken und Tunneln.
Was hat die heilige Barbara in der Hand?
Meist einen Turm mit drei Fenstern oder einen Kelch mit Hostie, dazu oft Schwert und Palme. Der Kelch erinnert daran, dass sie Sterbenden die heiligen Sakramente erbittet.
Was bedeuten die Barbarazweige?
Am 4. Dezember geschnittene Kirsch- oder Obstbaumzweige, die im warmen Zimmer bis Weihnachten blühen. Sie erinnern an die Legende vom blühenden Zweig im Kerker und sind ein Adventszeichen für Christus, das Reis aus der Wurzel Jesse.
Warum ist die heilige Barbara heilig?
Weil sie nach der Überlieferung für ihren Glauben an Christus das Martyrium erlitten hat. Die Kirche verehrt sie seit dem frühen Mittelalter in Ost und West als Märtyrerin und ruft sie in der Liturgie an.
Iter Fidei begleitet dich durch den Advent und das ganze Kirchenjahr: mit den Festen der Heiligen nach dem Kalender von 1962, dem Brevier, dem Messbuch und Novenen wie der zur heiligen Barbara, in Latein und Deutsch. Hier frühen Zugang sichern.
Quellen. Heilige Schrift nach der Allioli-Übersetzung (Matthäus 10 und 24; Isaias 11); Butler's Lives of the Saints (4. Dezember); Missale Romanum 1962, Kommemoration der heiligen Barbara am 4. Dezember; Martyrologium Romanum zum 4. Dezember; Bonaventura Hammer OFM, The Fourteen Holy Helpers.