Die Heiligen
Erzengel Gabriel: Bedeutung, Fest am 24. März & Gebet
Wer ist der Erzengel Gabriel? Die Bedeutung seines Namens, seine Sendungen zu Daniel, Zacharias und Maria, sein Fest am 24. März nach dem Kalender von 1962, sein Patronat und das Gebet der Kirche zu ihm, lateinisch und deutsch.
Der Erzengel Gabriel ist der Engel, den Gott an den großen Wendepunkten der Heilsgeschichte als Boten sendet: Er deutet dem Propheten Daniel die Zeit des Messias, kündigt dem Priester Zacharias die Geburt Johannes des Täufers an und bringt der Jungfrau Maria in Nazareth die Botschaft von der Menschwerdung des Sohnes Gottes. Sein Name bedeutet „Kraft Gottes". Nach dem Kalender von 1962 feiert die Kirche sein Fest am 24. März, am Vortag von Mariä Verkündigung; hier finden Sie, was die Heilige Schrift über ihn sagt, die Geschichte seines Festes und das Gebet, mit dem die Kirche ihn anruft.
Wer ist der Erzengel Gabriel?
Gabriel ist kein Mensch, der gelebt hat und gestorben ist, sondern ein reiner Geist, ein Engel, den die Kirche in ihrer Liturgie als Erzengel ehrt. Die Heilige Schrift nennt nur drei Engel mit Namen: Michael, Gabriel und Raphael. Über die drei und ihre Unterschiede gibt unsere Seite über die heiligen Erzengel Michael, Gabriel und Raphael einen Überblick; hier geht es um Gabriel allein.
Der Erzengel Gabriel in Kürze:
- Name: Gabriel, lateinisch Fortitudo Dei, „Kraft Gottes"
- In der Bibel: Daniel 8 und 9; Lukas 1 (bei Zacharias und bei Maria)
- Fest nach dem Kalender von 1962: 24. März, Fest der III. Klasse
- Seit 1969: zusammen mit Michael und Raphael am 29. September
- Patron: der Boten, der Post-, Telegrafen- und Telefonarbeiter, des Fernmeldewesens
Die Bedeutung des Namens Gabriel
Die Bedeutung des Erzengels Gabriel liegt schon in seinem Namen. „Gabriel" heißt „Kraft Gottes"; die lateinische Tradition übersetzt ihn mit Fortitudo Dei. Gabriel ist also der Engel der göttlichen Macht. Das passt genau zu seiner größten Sendung: Er verkündet, dass der allmächtige Gott in der Schwachheit unseres Fleisches Mensch wird, und er schließt seine Botschaft an Maria mit dem Satz, der seinen Namen auslegt:
Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. (Lukas 1, 37)
Die spirituelle Bedeutung des Erzengels Gabriel ist darum ganz an das Wort Gottes gebunden. Er bringt kein eigenes Wissen und keine eigene Botschaft, sondern trägt treu, was Gott ihm aufträgt. Das ist der Sinn, den die Kirche mit ihm verbindet; was esoterische Bücher und Internetseiten als „Tagesbotschaften" oder Engelkarten des Gabriel verbreiten, hat mit dem Engel der Schrift nichts zu tun und gehört nicht zum katholischen Glauben.
Gabriel in der Heiligen Schrift: die Geschichte des Erzengels
Die Geschichte des Erzengels Gabriel ist die Geschichte seiner vier Erscheinungen in der Bibel. Alle vier haben dasselbe Thema: die Ankunft des Erlösers.
Gabriel und der Prophet Daniel
Zum ersten Mal begegnet Gabriel im Buch Daniel. Der Prophet hat ein Gesicht gesehen und versteht es nicht; da hört er eine Stimme:
Und ich hörte innerhalb des Ulai eines Menschen Stimme, die rief und sprach: Gabriel! Erkläre diesem da das Gesicht! (Daniel 8, 16)
Später, als Daniel für sein Volk fleht und seine Sünden bekennt, kommt Gabriel ein zweites Mal:
während ich noch so redete und betete, siehe, da kam Gabriel, der Mann, den ich vordem im Gesicht geschaut hatte, eilends zu mir geflogen und berührte mich zur Zeit des Abendopfers. (Daniel 9, 21)
Er offenbart ihm die Weissagung von den siebzig Wochen, die Zeit bis zur Ankunft des Gesalbten. Diese Stelle (Daniel 9, 21-26) liest die Kirche als Epistel in der Messe des Festes am 24. März.
Gabriel und Zacharias
Im Neuen Testament erscheint Gabriel zuerst dem Priester Zacharias, als dieser im Tempel das Rauchopfer darbringt, und kündigt ihm die Geburt eines Sohnes an, des späteren Johannes des Täufers. Als Zacharias zweifelt, nennt der Engel seinen Namen:
Und der Engel antwortete, und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt worden zu dir zu reden, und dir diese frohe Botschaft zu bringen. (Lukas 1, 19)
Weil Zacharias nicht geglaubt hatte, wurde er stumm bis zur Geburt des Kindes. Der heilige Beda der Ehrwürdige, dessen Auslegung das Brevier am Fest des Erzengels liest, bemerkt dazu in einer der Lesungen, die vor 1960 an diesem Fest gelesen wurden, dass die Engel, wenn sie zu uns gesandt werden, ihren Dienst nach außen so erfüllen, dass sie doch nie aufhören, Gott innerlich zu schauen: Sie werden gesandt und stehen zugleich vor ihm.
Erzengel Gabriel und Maria: die Verkündigung
Die größte Botschaft, die je einem Geschöpf anvertraut wurde, bringt Gabriel der Jungfrau Maria. Der heilige Lukas berichtet:
Im sechsten Monate aber ward der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, mit Namen Nazareth, zu einer Jungfrau, die verlobt war mit einem Manne, mit Namen Joseph, vom Hause Davids, und der Name der Jungfrau war Maria. Und der Engel trat zu ihr hinein, und sprach: Gegrüßt seist du, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeiet unter den Weibern! (Lukas 1, 26-28)
Gabriel kündigt ihr an, dass sie den Sohn des Allerhöchsten empfangen wird, und auf ihre Frage, wie das geschehen soll, antwortet er:
Der Heilige Geist wird auf dich herabkommen, und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, welches aus dir geboren werden soll, Sohn Gottes genannt werden. (Lukas 1, 35)
Mit Marias Antwort „Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, nach deinem Worte!" (Lukas 1, 38) ist das Wort Fleisch geworden. Der Gruß des Engels ist der Anfang des Ave Maria, das die Kirche täglich unzählige Male betet, und im Angelus kehren wir dreimal am Tag zu dieser Stunde zurück: Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft. Auch das erste freudenreiche Geheimnis des Rosenkranzes betrachtet diese Begegnung.
Ob Gabriel auch der Engel war, der dem heiligen Joseph im Traum erschien oder den Hirten die Geburt des Herrn verkündete, sagt die Schrift nicht; sie nennt seinen Namen nur bei Daniel und im ersten Kapitel des Lukas.
Das Fest des Erzengels Gabriel am 24. März
Wie das Fest entstand
Die Verehrung des heiligen Gabriel ist alt. Butler verweist auf eine alte Kapelle an der Via Appia in Rom, deren Fresko den Erzengel mit seinem Namen darunter zeigt, und auf die vielen Darstellungen der Verkündigung in der frühen Kunst von Ost und West. Ein Fest für die ganze lateinische Kirche gab es lange nicht. Erst durch ein Dekret der Ritenkongregation vom 26. Oktober 1921 ordnete Papst Benedikt XV. an, das Fest des heiligen Erzengels Gabriel künftig in der ganzen westlichen Kirche am 24. März zu feiern. Die Lesung des Breviers vor 1960 erinnert daran: Festum sancti Gabriélis Archángeli Benedíctus Papa décimus quintus ad univérsam ecclésiam exténdit.
Der Tag ist mit Bedacht gewählt: Der Bote wird am Vortag der Botschaft geehrt, Gabriel am Abend vor dem Fest Mariä Verkündigung am 25. März.
Rang und Feier nach dem Kalender von 1962
Im Kalender von 1962 ist der 24. März ein Fest der III. Klasse. Die Messe hat das Gloria, aber kein Credo. Ihre Epistel ist die Weissagung der siebzig Wochen aus Daniel 9, ihr Evangelium die Verkündigung nach Lukas 1, 26-38; der Introitus beginnt mit dem Psalmvers Benedícite Dóminum, omnes Angeli ejus, „Preiset den Herrn, ihr alle seine Engel". Das Brevier singt zu diesem Fest den Hymnus Christe, sanctórum decus Angelórum, dessen zweite Strophe beginnt: Angelus fortis Gábriel, „der starke Engel Gabriel".
Dabei ist eine Rubrik wichtig: Der 24. März fällt fast immer in die Fastenzeit oder die Passionszeit. Nach den Rubriken von 1960, die dem Messbuch von 1962 zugrunde liegen, weicht ein Fest der III. Klasse an einem Wochentag der Fastenzeit dem Fastentag und wird nur kommemoriert (in der Karwoche, deren Tage der I. Klasse nur bevorzugte Kommemorationen zulassen, entfällt es ganz): Man feiert die Messe und das Offizium des Fastentages und fügt die Oration des heiligen Gabriel hinzu. Genau dafür steht in seiner Oration das eingeklammerte Wort commemoratiónem, das dann an die Stelle von festum tritt. Mehr über die Ordnung dieser Wochen steht auf unserer Seite über die Fastenzeit.
Was 1969 geändert wurde
Bei der Neuordnung des römischen Generalkalenders im Jahr 1969 wurde das eigene Fest des heiligen Gabriel am 24. März aufgehoben; er wird seither zusammen mit Michael und Raphael am 29. September gefeiert. Wer nach dem Kalender von 1962 betet, ehrt ihn weiterhin am 24. März, und am 29. September das Fest der Weihe des heiligen Erzengels Michael.
Namenstag: Wann ist der Tag des Erzengels Gabriel?
Wer Gabriel, Gabriele oder Gabriela heißt und den Erzengel zum Namenspatron hat, feiert nach dem überlieferten Kalender seinen Namenstag am 24. März. Nach dem Kalender von 1969 ist es der 29. September. Einen gesetzlichen Feiertag des Erzengels Gabriel gibt es nicht. Die Gedenktage der übrigen Heiligen finden Sie in unserem Heiligenkalender nach Monaten.
Erzengel Gabriel als Schutzpatron
Butler nennt Gabriel, den Boten Gottes schlechthin, den passenden Patron der Post-, Telegrafen- und Telefonarbeiter. Papst Pius XII. hat ihn im Jahr 1951 zum himmlischen Patron des Fernmeldewesens und derer erklärt, die darin arbeiten. Darum rufen ihn alle an, die Nachrichten übermitteln oder auf eine Nachricht warten, und darum gilt er als Patron der Boten überhaupt.
Seine eigentliche Sendung ist das Wort Gottes, das er bringt. Wer ihn um Hilfe bittet, bittet zuerst um ein Herz, das dieses Wort so aufnimmt wie Maria.
Gebet zum Erzengel Gabriel
Die Oration des Festes, lateinisch und deutsch
Das Gebet zum Erzengel Gabriel, das die Kirche selbst an seinem Fest spricht, ist die Oration des Römischen Messbuchs. Sie ist an Christus gerichtet, dessen Menschwerdung Gabriel verkündet hat, und schließt darum mit „der du lebst und herrschest mit Gott dem Vater":
Lateinisch:
Deus, qui inter céteros Angelos, ad annuntiándum incarnatiónis tuæ mystérium, Gabriélem Archángelum elegísti: concéde propítius; ut, qui festum (commemoratiónem) ejus celebrámus in terris, ipsíus patrocínium sentiámus in cœlis: Qui vivis et regnas cum Deo Patre, in unitáte Spíritus Sancti, Deus, per ómnia sǽcula sæculórum. Amen.
Deutsch:
O Gott, der du unter den übrigen Engeln den Erzengel Gabriel erwählt hast, das Geheimnis deiner Menschwerdung zu verkünden: verleihe gnädig, dass wir, die wir sein Fest (sein Gedächtnis) auf Erden feiern, seinen Schutz im Himmel erfahren. Der du lebst und herrschest mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Das Schlussgebet der Messe
Nach der Kommunion betet die Kirche an diesem Tag:
Lateinisch:
Córporis tui et Sánguinis sumptis mystériis, tuam, Dómine, Deus noster, deprecámur cleméntiam: ut, sicut, Gabriéle nuntiánte, incarnatiónem tuam cognóvimus; ita, ipso adjuvante, incarnationis ejúsdem benefícia consequámur: Qui vivis et regnas cum Deo Patre, in unitáte Spíritus Sancti, Deus, per ómnia sǽcula sæculórum. Amen.
Deutsch:
Nachdem wir die Geheimnisse deines Leibes und Blutes empfangen haben, flehen wir, o Herr, unser Gott, zu deiner Milde: dass wir, wie wir durch die Botschaft Gabriels deine Menschwerdung erkannt haben, so mit seiner Hilfe die Gnadengaben eben dieser Menschwerdung erlangen. Der du lebst und herrschest mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Wer sich auf das Fest vorbereiten möchte, kann die Oration des heiligen Gabriel neun Tage lang beten, vom 15. bis zum 23. März, als schlichte Novene vor seinem Fest und dem Fest der Verkündigung. Ebenso passt sie zum täglichen Angelus, der ja mit Gabriels Botschaft beginnt.
Der Erzengel Gabriel und die anderen Engel
Gabriel steht nicht allein. Raphael nennt sich „einer von den sieben, die vor dem Herrn stehen" (Tobias 12, 15), und Michael führt den Kampf gegen den Drachen; jeder Mensch hat überdies seinen Schutzengel. Gabriel hat unter ihnen die Sendung des Wortes. Darum ruft ihn die Kirche nicht zuerst um Schutz vor Gefahren an, wie Michael, sondern um die Gnade, Gottes Ruf zu hören und ihm zu antworten.
Häufig gestellte Fragen
Wer ist der Erzengel Gabriel?
Ein Engel, den die Heilige Schrift mit Namen nennt und den die Kirche als Erzengel ehrt. Er erklärt Daniel die Gesichte, kündigt Zacharias die Geburt Johannes des Täufers an und bringt Maria die Botschaft von der Menschwerdung des Sohnes Gottes.
Was bedeutet der Name Gabriel?
„Kraft Gottes", lateinisch Fortitudo Dei. Der Name passt zu seiner Botschaft an Maria, die mit dem Satz endet: „Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich."
Was hat der Erzengel Gabriel zu Maria gesagt?
„Gegrüßt seist du, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeiet unter den Weibern!" Dann kündigte er ihr an, dass sie vom Heiligen Geist den Sohn Gottes empfangen werde (Lukas 1, 26-38).
Wann ist der Namenstag des Erzengels Gabriel?
Nach dem Kalender von 1962 am 24. März, dem Vortag von Mariä Verkündigung. Seit der Kalenderreform von 1969 wird er am 29. September zusammen mit Michael und Raphael gefeiert.
Wofür ist der Erzengel Gabriel Schutzpatron?
Für die Boten und für alle, die Nachrichten übermitteln. Pius XII. erklärte ihn 1951 zum Patron des Fernmeldewesens; Butler nennt ihn den Patron der Post-, Telegrafen- und Telefonarbeiter.
Gibt es ein lateinisches Gebet zum Erzengel Gabriel?
Ja, die Oration seines Festes im Römischen Messbuch: Deus, qui inter céteros Angelos, ad annuntiándum incarnatiónis tuæ mystérium, Gabriélem Archángelum elegísti … Den vollständigen Text mit deutscher Übersetzung finden Sie oben.
Warum wird das Fest des Erzengels Gabriel in der Fastenzeit oft nur kommemoriert?
Weil der 24. März fast immer in die Fastenzeit fällt und ein Fest der III. Klasse an einem Wochentag der Fastenzeit nach den Rubriken von 1960 dem Fastentag weicht. Seine Oration wird dann in Messe und Laudes hinzugefügt; nur in der Karwoche entfällt sie.
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Quellen. Heilige Schrift nach der Allioli-Übersetzung (Daniel 8 und 9; Lukas 1; Tobias 12); Butler's Lives of the Saints (24. März); Missale Romanum 1962, Messe des heiligen Erzengels Gabriel am 24. März; Breviarium Romanum, Offizium des heiligen Gabriel (Lesungen aus Beda dem Ehrwürdigen).