Die Heiligen
Heilige Katharina von Siena: Leben, Namenstag & Gebet
Die heilige Katharina von Siena (1347-1380): ihr Leben als Dominikaner-Terziarin, die Stigmata von Pisa, die Rückkehr des Papstes aus Avignon, ihre Schriften, ihr Fest am 30. April nach dem Kalender von 1962 und das Gebet der Kirche zu ihr.
Die heilige Katharina von Siena (1347-1380) war eine Jungfrau aus dem Dritten Orden des heiligen Dominikus, eine Mystikerin und Friedensstifterin, die mit Päpsten und Fürsten Briefe wechselte und Papst Gregor XI. bewog, von Avignon nach Rom zurückzukehren. Sie starb mit dreiunddreißig Jahren in Rom und wurde 1461 heiliggesprochen. Nach dem Kalender von 1962 feiert die Kirche ihr Fest am 30. April; hier finden Sie ihren Lebenslauf, ihre Schriften, ihr Patronat und die Gebete, mit denen die Kirche sie ehrt.
Die heilige Katharina von Siena in Kürze
- Geboren: am Fest Mariä Verkündigung (25. März) 1347 in Siena
- Gestorben: am 29. April 1380 in Rom, etwa dreiunddreißig Jahre alt
- Stand: Jungfrau, Terziarin des Dominikanerordens (der „Schwestern von der Buße")
- Heiliggesprochen: 1461 durch Papst Pius II.
- Fest nach dem Kalender von 1962: 30. April, Fest der III. Klasse
- Schutzpatronin: Italiens, zusammen mit dem heiligen Franz von Assisi (1939)
- Schriften: der Dialog und rund vierhundert Briefe
- Grab: in der Kirche Santa Maria sopra Minerva in Rom; ihr Haupt wird in Siena verehrt
Lebenslauf der heiligen Katharina von Siena
Kindheit in Siena
Katharina wurde 1347 in Siena geboren, am Fest der Verkündigung des Herrn. Sie hatte eine Zwillingsschwester, die bald nach der Geburt starb, und die beiden waren die jüngsten von fünfundzwanzig Kindern. Ihr Vater Giacomo Benincasa war ein wohlhabender Färber, ihre Mutter hieß Lapa. Das Haus der Familie haben die Sienesen bis heute bewahrt. Butler erzählt, dass das fröhliche Mädchen beim Treppensteigen auf jeder Stufe niederkniete, um ein Ave Maria zu beten. (Das Geburtsjahr ist in der Forschung angefochten worden; die Überlieferung hält an 1347 fest.)
Mit sechs Jahren hatte sie auf dem Heimweg eine Vision: Sie sah den Herrn in Herrlichkeit thronen, mit den heiligen Petrus, Paulus und Johannes, und er segnete sie. Von diesem Augenblick an, so ihre Biographen, gehörte Katharina ganz ihm.
Gegen den Willen der Familie
Als die Eltern sie verheiraten wollten, erklärte sie, sie werde niemals heiraten, und schnitt sich ihr schönes Haar ab. Die Familie suchte sie mit Kleinlichkeiten umzustimmen: Man ließ sie die niedrigsten Arbeiten im Haus verrichten und nahm ihr sogar ihr Zimmer, damit sie nie allein sein konnte. Sie ertrug alles mit unerschütterlicher Geduld; später schrieb sie im Dialog, Gott habe sie gelehrt, in ihrer Seele eine Zuflucht zu bauen, in der kein Sturm und keine Drangsal sie wirklich mehr erschüttern konnte. Schließlich gab der Vater nach. In einer kleinen, abgedunkelten Kammer lebte sie fortan in Gebet, Fasten und Buße und erhielt, nach einigem Widerstand, das Kleid der Dominikaner-Terziarinnen.
Die geistliche Vermählung
Es folgten Jahre der Tröstungen, aber auch schwerer Versuchungen und Verlassenheit. Als der Herr sich ihr nach einer solchen Prüfung wieder zeigte, fragte sie ihn, wo er gewesen sei, als ihr Herz so gequält wurde, und hörte die Antwort: „Tochter, ich war in deinem Herzen und stärkte dich durch meine Gnade." Am Fastnachtsdienstag 1366, während Siena den Karneval feierte, erschien ihr der Heiland mit seiner Mutter; Maria hielt die Hand Katharinas ihrem Sohn hin, und er steckte ihr einen Ring an, das Zeichen der geistlichen Vermählung. Der Ring blieb für sie sichtbar, für andere nicht.
Dienst an den Kranken und Gefangenen
Nun sandte Gott sie zu den Menschen. Katharina pflegte in den Spitälern gerade die Kranken, vor denen die anderen zurückschreckten, und als die Pest in Siena wütete, bereitete sie die Sterbenden vor und begrub sie mit eigenen Händen. Sie besuchte die zum Tod Verurteilten. Den jungen Ritter Niccolò di Toldo führte sie zur Beichte und zur heiligen Kommunion, stand ihm am Richtplatz bei und nahm sein Haupt in ihre Hände; er starb mit den Worten „Jesus und Katharina". Um sie sammelte sich eine Schar von Schülern, Priestern und Laien, die sie „Mamma" nannten, und so viele Sünder bekehrten sich durch sie, dass drei Dominikaner eigens zum Beichthören bestimmt wurden.
Die Stigmata von Pisa
Im Jahr 1375, in Pisa, empfing Katharina nach der Kommunion die Wundmale des Herrn. Das Brevier berichtet: Sie sah den gekreuzigten Herrn in großem Licht kommen, und aus seinen Wunden gingen fünf Strahlen auf die fünf Stellen ihres Leibes aus. Da sie das Geheimnis verstand, bat sie den Herrn, die Male möchten nicht sichtbar werden, und die blutroten Strahlen wurden zu reinem Licht. Den Schmerz trug sie fortan; die Zeichen aber sah zu ihren Lebzeiten niemand.
Avignon und die Rückkehr des Papstes
Seit über siebzig Jahren residierten die Päpste in Avignon. Katharina hatte Gregor XI. in mehreren Briefen beschworen, nach Rom zurückzukehren; in den Briefen nannte sie ihn „mein süßer Babbo", mein lieber Vater. Im Auftrag der Florentiner, die mit dem Heiligen Stuhl im Streit lagen und unter dem Interdikt standen, reiste sie nach Avignon und kam am 18. Juni 1376 dort an. Die Friedensmission scheiterte an der Unaufrichtigkeit der Florentiner, doch nach dem Brevier zeigte Katharina dem Papst, dass sie sein Gelübde kannte, nach Rom zurückzukehren, das nur Gott bekannt war, und auf ihr Zureden hin entschloss er sich zur Reise. Am 13. September 1376 verließ Gregor XI. Avignon.
Das Schisma und ihr Tod in Rom
Nach dem Tod Gregors XI. 1378 wurde in Rom Urban VI. gewählt, und eine Gruppe von Kardinälen stellte ihm in Avignon einen Gegenpapst entgegen: Das große abendländische Schisma begann. Katharina setzte ihre letzten Kräfte für den rechtmäßigen Papst ein, schrieb an Fürsten und Herren in ganz Europa und ermahnte Urban selbst zur Milde. Auf seinen Wunsch zog sie nach Rom. Anfang 1380 brach sie unter einer Schau zusammen, in der das Schiff der Kirche auf ihr lastete, und opferte sich für die Kirche auf. Am 21. April traf sie ein Schlaganfall, und acht Tage später, am 29. April 1380, starb sie in Rom, etwa dreiunddreißig Jahre alt. Sie wurde in der Dominikanerkirche Santa Maria sopra Minerva beigesetzt; ihr Haupt kam später nach Siena.
Ihre Schriften und Worte
Katharina diktierte ihre Werke ihren Sekretären. Ihr Hauptwerk ist der Dialog über die göttliche Vorsehung, nach ihrem Beichtvater Raimund von Capua „unter der Eingebung des Heiligen Geistes" diktiert. Erhalten sind außerdem rund vierhundert Briefe an Päpste und Fürsten, Priester und Soldaten, Ordensleute und Laien.
Das Brevier sagt von ihr: Doctrína ejus infúsa, non acquisíta fuit, „ihre Lehre war eingegossen, nicht erworben". Butler berichtet, dass gelehrte Theologen, die ihr in Siena, Avignon und Genua schwierige Fragen vorlegten, verblüfft über die Weisheit ihrer Antworten von ihr gingen. Zu den Worten der heiligen Katharina, die ihre Biographen überliefern, gehören:
- „Tochter, ich war in deinem Herzen und stärkte dich durch meine Gnade." (die Antwort des Herrn auf ihre Klage, wie ihre Biographen sie überliefern)
- „Erfülle, was du versprochen hast." (zu Gregor XI., so wird berichtet, über sein geheimes Gelübde)
- „Da sah ich den Gottmenschen, wie man den Glanz der Sonne sieht, wie er diese Seele im Feuer seiner göttlichen Liebe aufnahm." (aus ihrem Brief über den Tod Niccolòs di Toldo)
Ihr ganzes Leben erklärt das Wort des Apostels, das die Messe ihres Festes liest:
Denn ich eifere um euch mit Gottes Eifersucht; denn ich habe euch verlobt einem Manne, als keusche Jungfrau euch Christus darzustellen. (2 Korinther 11, 2)
Die Liebe zur Eucharistie
Die Mitte ihres Lebens war die heilige Eucharistie. Oft geriet sie nach der Kommunion in lange Verzückung, und viele sahen sie im Gebet über den Boden erhoben. Die alten Lesungen des Breviers berichten von ihrem außerordentlichen Fasten: Man fand, dass sie einmal vom Aschermittwoch bis Christi Himmelfahrt allein von der heiligen Kommunion lebte. Darauf spielt das Schlussgebet ihrer Messe an, das von dem himmlischen Mahl spricht, das „auch ihr zeitliches Leben genährt" hat. Wer selbst tiefer verstehen möchte, was er in der heiligen Kommunion empfängt, findet in ihr eine große Lehrerin. Mit dem heiligen Thomas von Aquin, dem Sänger des Altarsakraments, gehört sie zu den großen Heiligen des Dominikanerordens.
Warum wurde Katharina von Siena heiliggesprochen?
Wegen ihres heroischen Tugendlebens, ihrer Liebe zu Christus und zur Kirche und der Wunder, die man ihr zuschrieb. Die Lesung des Breviers vor 1960 fasst es zusammen: Nach unzähligen Zeichen der Tugend, berühmt durch die Gabe der Weissagung und viele Wunder, ging sie etwa im dreiunddreißigsten Jahr ihres Alters zu ihrem Bräutigam heim, und Papst Pius II. reihte sie 1461 unter die heiligen Jungfrauen ein. Butler zitiert dazu das Urteil von P. B. de Gaiffier: Es ist ihre Hingabe an die Sache der Kirche Christi, die sie zu einer so edlen Gestalt macht.
Wofür ist Katharina von Siena Schutzpatronin?
Am 18. Juni 1939 erklärte Papst Pius XII. die heilige Katharina von Siena und den heiligen Franz von Assisi zu den Hauptpatronen Italiens.
Zwei weitere Titel stammen aus der Zeit nach 1958 und gehören nicht zum Kalender von 1962: 1970 erhob Papst Paul VI. sie zur Kirchenlehrerin, und 1999 ernannte Johannes Paul II. sie zu einer der Patroninnen Europas. Im Messbuch und Brevier von 1962 wird sie, wie seit Jahrhunderten, als Jungfrau gefeiert.
Namenstag und Gedenktag: 30. April
Der Namenstag der heiligen Katharina von Siena ist nach dem Kalender von 1962 der 30. April. Ihr Todestag ist zwar der 29. April, doch an diesem Tag feiert der Kalender von 1962 den heiligen Petrus von Verona, Märtyrer; ihr Fest steht am folgenden Tag. Bei der Kalenderreform von 1969 wurde ihr Gedenktag auf den 29. April gelegt. Wer Katharina heißt, achte darauf, welche Heilige seine Namenspatronin ist: Die heilige Katharina von Alexandrien, die Märtyrerin mit dem Rad, hat ihren Tag am 25. November. Die übrigen Gedenktage finden Sie im Heiligenkalender nach Monaten.
Im Kalender von 1962 ist der 30. April ein Fest der III. Klasse. Er fällt in die Osterzeit; die Messe aus dem Commune der Jungfrauen hat das Gloria, aber kein Credo, und ihr Evangelium ist das Gleichnis von den klugen Jungfrauen, die mit brennenden Lampen dem Bräutigam entgegengehen:
Um Mitternacht aber erhob sich ein Geschrei: Sehet, der Bräutigam kommt, gehet heraus ihm entgegen! (Matthäus 25, 6)
Gebet zur heiligen Katharina von Siena
Die Oration ihres Festes, lateinisch und deutsch
An ihrem Fest betet die Kirche diese Oration des Römischen Messbuchs:
Lateinisch:
Da, quǽsumus, omnípotens Deus: ut, qui beátæ Catharínæ Vírginis tuæ natalícia cólimus; et ánnua solemnitáte lætémur, et tantæ virtútis proficiámus exémplo. Per Dóminum nostrum Jesum Christum, Fílium tuum: qui tecum vivit et regnat in unitáte Spíritus Sancti Deus, per ómnia sǽcula sæculórum. Amen.
Deutsch:
Gib, wir bitten dich, allmächtiger Gott, dass wir, die wir den himmlischen Geburtstag deiner seligen Jungfrau Katharina begehen, uns an ihrem jährlichen Fest erfreuen und zugleich am Beispiel so großer Tugend Fortschritte machen. Durch unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Das Schlussgebet der Messe
Lateinisch:
Æternitátem nobis, Dómine, cónferat, qua pasti sumus, mensa cœléstis: quæ beátæ Catharínæ Vírginis vitam étiam áluit temporálem. Per Dóminum nostrum Jesum Christum, Fílium tuum: qui tecum vivit et regnat in unitáte Spíritus Sancti Deus, per ómnia sǽcula sæculórum. Amen.
Deutsch:
Das himmlische Mahl, mit dem wir gespeist worden sind, o Herr, schenke uns die Ewigkeit, es, das auch das zeitliche Leben der seligen Jungfrau Katharina genährt hat. Durch unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Wer sich auf ihr Fest vorbereiten oder sie in einem Anliegen für die Kirche anrufen möchte, kann ihre Oration neun Tage lang beten, vom 21. bis zum 29. April, als schlichte Novene vor ihrem Fest.
Häufig gestellte Fragen
Wer war die heilige Katharina von Siena?
Eine Jungfrau aus Siena (1347-1380), Terziarin des Dominikanerordens, Mystikerin und Friedensstifterin. Sie bewog Papst Gregor XI., von Avignon nach Rom zurückzukehren, und stand im großen Schisma treu zu Urban VI.
Wann ist der Namenstag von Katharina von Siena?
Nach dem Kalender von 1962 am 30. April; seit der Kalenderreform von 1969 am 29. April, ihrem Todestag.
Warum wurde Katharina von Siena heiliggesprochen?
Wegen ihres heiligen Lebens, ihrer Liebe zu Christus und zur Kirche und der Wunder, die man ihr zuschrieb. Papst Pius II. sprach sie 1461 heilig.
Wofür ist die heilige Katharina von Siena Schutzpatronin?
Sie ist seit 1939 zusammen mit dem heiligen Franz von Assisi Hauptpatronin Italiens. Der Titel einer Patronin Europas kam erst 1999 hinzu.
Ist Katharina von Siena eine Kirchenlehrerin?
Seit 1970, als Paul VI. sie dazu erhob. Im Kalender von 1962 wird sie als Jungfrau gefeiert, nicht als Kirchenlehrerin.
Wo ist das Grab der heiligen Katharina von Siena?
In Rom, in der Dominikanerkirche Santa Maria sopra Minerva, wo sie beigesetzt wurde. Ihr Haupt wird in ihrer Vaterstadt Siena verehrt.
Hatte Katharina von Siena die Wundmale?
Ja. Sie empfing sie 1375 in Pisa; auf ihre Bitte hin blieben sie zu Lebzeiten unsichtbar, während sie den Schmerz trug.
Gibt es ein Gebet von oder zu Katharina von Siena?
Das Gebet der Kirche zu ihr ist die Oration ihres Festes: Da, quǽsumus, omnípotens Deus … Den vollständigen lateinischen Text mit deutscher Übersetzung finden Sie oben.
Iter Fidei begleitet dich durch die Osterzeit und das ganze Kirchenjahr: mit den Festen der Heiligen nach dem Kalender von 1962, dem Brevier und dem Messbuch in Latein und Deutsch. Hier frühen Zugang sichern.
Quellen. Heilige Schrift nach der Allioli-Übersetzung (2 Korinther 11; Matthäus 25); Butler's Lives of the Saints (30. April); Missale Romanum 1962, Messe der heiligen Katharina von Siena am 30. April; Breviarium Romanum, Lesungen vom 30. April.