Die Heiligen
Heiliger Athanasius: der Kirchenlehrer gegen Arius
Wer war der heilige Athanasius von Alexandria? Das Konzil von Nizäa, der Kampf gegen Arius, fünf Verbannungen (eine davon in Trier), das Leben des Antonius, der 39. Osterfestbrief, das Athanasianische Glaubensbekenntnis und das Gebet seines Festes am 2. Mai.
Der heilige Athanasius (um 297–373), Bischof von Alexandria und Kirchenlehrer, ist der große Verteidiger der Gottheit Christi gegen die Irrlehre des Arius. Fünfmal wurde er verbannt, siebzehn Jahre verbrachte er im Exil, eines davon in Trier, und gab doch das Bekenntnis von Nizäa nicht preis, als, mit dem Wort des heiligen Hieronymus, „der Erdkreis seufzte und staunte, sich arianisch zu finden". Die Kirche feiert ihn am 2. Mai, im Kalender von 1962 als Fest der III. Klasse mit der Messe der Kirchenlehrer In medio Ecclesiae. Die Feste der anderen Heiligen des Jahres zeigt der Heiligenkalender nach Monaten.
Wer war der heilige Athanasius?
Butler nennt ihn den „Vorkämpfer der Rechtgläubigkeit". Athanasius wurde wahrscheinlich um 297 in Alexandria geboren, von christlichen Eltern; von seiner Familie wissen wir kaum mehr als den Namen eines Bruders, Petrus. Er erhielt eine vorzügliche Bildung in griechischer Literatur, Philosophie, Rhetorik und Recht, und seine Vertrautheit mit der Heiligen Schrift war außergewöhnlich. Theologie lernte er bei Lehrern, die in der Verfolgung unter Maximian Bekenner gewesen waren. Schon in seiner Jugend suchte er die Einsiedler der Wüste auf, vor allem den großen heiligen Antonius: „Ich war sein Jünger", schrieb er, „und wie Elisäus goss ich Wasser über die Hände jenes anderen Elias."
Steckbrief. Name: Athanasius von Alexandria, genannt der Große. Geboren: um 297 in Alexandria. 318: Diakon und Sekretär des Bischofs Alexander. 325: Teilnehmer am Konzil von Nizäa. 328: Bischof von Alexandria. Verbannungen: fünf, zusammen siebzehn Jahre (335 Trier, 339 Rom, 356 Wüste, 362 und 365 erneut). Gestorben: 2. Mai 373 in Alexandria. Kirchenlehrer: seit 1568 (Pius V.). Fest: 2. Mai. Hauptwerke: Über die Menschwerdung des Wortes, Reden gegen die Arianer, Leben des Antonius, Osterfestbriefe.
Athanasius: Bedeutung des Namens
Der Name kommt aus dem Griechischen: athanatos heißt „unsterblich", Athanasius also „der Unsterbliche". Ein passender Name für einen Mann, dessen Feinde ihn immer wieder für erledigt hielten und der jede Verbannung überlebte.
Arius und das Konzil von Nizäa
Um 318 wurde Athanasius Diakon und Sekretär seines Bischofs Alexander; in diese Zeit fällt wohl sein erstes großes Werk, die Schrift Über die Menschwerdung des Wortes, die das Erlösungswerk Christi darlegt. Wenige Jahre später begann in Alexandria ein Priester namens Arius zu lehren, das Wort Gottes sei nicht ewig, sondern vom Vater in der Zeit erschaffen und darum nur im übertragenen Sinn Sohn Gottes. Seine Lehre wurde in Liedern auf Gassenhauer-Melodien verbreitet, von Seeleuten und Händlern rund um das Mittelmeer getragen.
Gegen diese Lehre steht das Zeugnis der Schrift, das Athanasius sein Leben lang wiederholte:
Im Anfange war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dieses war im Anfange bei Gott. Alles ist durch dasselbe geworden, und ohne dasselbe ist nichts geworden, was geworden ist. (Johannes 1, 1–3)
Wenn alles durch das Wort geworden ist, kann das Wort nicht selbst geworden sein. Und: „Ich und der Vater sind eines" (Johannes 10, 30). 325 trat in Nizäa das erste allgemeine Konzil zusammen, verurteilte Arius und bekannte den Sohn als „wesensgleich" (homoousios) mit dem Vater. Athanasius war als Begleiter seines Bischofs dabei; einen Sitz unter den Vätern hatte der junge Diakon nicht, aber, wie Butler sagt, wenn er das Konzil nicht prägte, so prägte das Konzil ihn: Sein ganzes übriges Leben war ein Zeugnis für die Gottheit des Erlösers und das Bekenntnis von Nizäa. Unter den dort versammelten Bischöfen nennt die fromme Überlieferung auch den heiligen Nikolaus von Myra.
Bischof von Alexandria und fünfmal verbannt
Bischof Alexander starb bald nach dem Konzil und hatte Athanasius zu seinem Nachfolger bestimmt. 328 wurde dieser, noch keine dreißig Jahre alt, Bischof von Alexandria, einer der größten Städte des Reiches. Er besuchte sein riesiges Bistum bis in die Mönchssiedlungen der Thebais und weihte einen Bischof für Äthiopien. Doch der Arianismus erhob sich bald wieder, gestützt von Eusebius von Nikomedien und vom Kaiserhof. Als Kaiser Konstantin verlangte, Arius wieder in die Gemeinschaft aufzunehmen, antwortete Athanasius, die katholische Kirche könne keine Gemeinschaft mit Häretikern haben, die die Gottheit Christi angreifen.
Was folgte, liest sich wie ein Roman. Man beschuldigte ihn, Abgaben erpresst, Hochverräter mit Gold unterstützt, einen Kelch zerbrochen, ja einen meletianischen Bischof namens Arsenius ermordet zu haben, der in Wahrheit lebte und sich versteckt hielt. Die fünf Verbannungen:
- 335–337 nach Trier. Die von Gegnern beherrschte Synode von Tyrus verurteilte ihn, Konstantin verbannte ihn nach Trier in Gallien. Dort nahm ihn der Bischof der Stadt gastfreundlich auf, der heilige Maximin. So hat der große Alexandriner zwei Jahre auf deutschem Boden gelebt.
- 339–346 in Rom. Ein arianischer Eindringling wurde auf seinen Stuhl gesetzt. Athanasius ging nach Rom; eine Synode unter Papst Julius I. sprach ihn völlig frei, die Synode von Sardika bestätigte das Urteil.
- 356–362 in der Wüste. Kaiser Constantius ließ ihn auf Synoden in Arles und Mailand verurteilen und die treuen Bischöfe verbannen, auch Papst Liberius. Soldaten brachen nachts in die Kirche ein, in der Athanasius eine Vigil hielt; er entkam und verschwand für sechs Jahre in der Wüste, verborgen von den Mönchen. In dieser Zeit schrieb er viele seiner Hauptwerke.
- 362–363 unter Julian dem Abtrünnigen. Der heidnische Kaiser verbannte ihn als „Störer des Friedens und Feind der Götter". Auf dem Nil, von einer kaiserlichen Galeere verfolgt, ließ er sein Boot wenden und ihr entgegenfahren. Auf die Frage nach dem Flüchtling antwortete man: „Er ist nicht weit, rudert schnell, wenn ihr ihn einholen wollt."
- 365–366 unter Valens. Vier Monate hielt er sich in der Nähe Alexandrias verborgen, bis der Kaiser, aus Furcht vor einem Aufstand der Ägypter, das Edikt widerrief.
In der Epistel seiner Festmesse lässt die Kirche den Apostel sprechen, was Athanasius gelebt hat:
In allem sind wir bedrängt, aber wir werden nicht mutlos; wir sind in Nöten, aber verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber werden nicht preisgegeben; wir werden niedergeworfen, aber wir gehen nicht zu Grunde. (2 Korinther 4, 8–9)
Athanasius contra mundum
Aus diesen Jahren stammt das geflügelte Wort „Athanasius contra mundum", Athanasius gegen die Welt. Es meint keinen Eigensinn, sondern die Treue eines Bischofs, der lieber allein mit der Wahrheit stand als mit der Mehrheit im Irrtum. Kardinal Newman nannte ihn nach den Aposteln das vornehmste Werkzeug, durch das die heiligen Wahrheiten des Christentums der Welt übermittelt und gesichert wurden. Die letzten sieben Jahre seines Lebens blieb er unangefochten auf seinem Stuhl. Er starb am 2. Mai 373 in Alexandria; seine Gebeine kamen später nach Konstantinopel und dann nach Venedig.
Seine Lehre bleibt das Herz des Glaubens, den wir jeden Sonntag im Credo der Messe bekennen: Deum de Deo, lumen de lumine, Deum verum de Deo vero, genitum, non factum, consubstantialem Patri. Wer verstehen will, warum das Apostolische Glaubensbekenntnis und das Credo von Nizäa so genau formuliert sind, findet bei Athanasius die Antwort: Nur wenn Christus wahrer Gott ist, hat er uns wirklich erlöst. Butler zitiert ihn zur Todesangst des Herrn: Wie er den Tod durch den Tod aufgehoben hat, so hat er durch diese sogenannte Furcht unsere Furcht hinweggenommen, damit die Menschen den Tod nie mehr fürchten.
Das Leben des Antonius
In den letzten Jahren schrieb Athanasius wahrscheinlich das Leben des heiligen Antonius, des Vaters der Mönche, den er in seiner Jugend gekannt hatte. Kaum ein Buch hat die Geschichte der Kirche so beeinflusst: Es machte das Mönchtum der ägyptischen Wüste im Abendland bekannt, und Augustinus berichtet in seinen Bekenntnissen, wie die Erzählung von diesem Buch ihn kurz vor seiner Bekehrung erschütterte. Nicht zu verwechseln ist dieser ägyptische Einsiedler mit dem viel späteren heiligen Antonius von Padua.
Der 39. Osterfestbrief und der Kanon des Neuen Testaments
Als Bischof von Alexandria gab Athanasius jedes Jahr in einem Osterfestbrief (lateinisch epistula festalis, englisch Festal Letter) den Termin des Osterfestes bekannt. Der 39. Osterfestbrief aus dem Jahr 367 ist berühmt, weil er als erstes erhaltenes Schreiben die 27 Bücher des Neuen Testaments genau so aufzählt, wie die Kirche sie bis heute hat, die Offenbarung des Johannes eingeschlossen, die im Osten damals noch umstritten war.
Ehrlicherweise muss man hinzufügen: Seine Liste des Alten Testaments ist nicht die der Kirche. Athanasius zählte die Weisheit, Jesus Sirach, Esther, Judith und Tobias nicht zum Kanon, sondern zu den Büchern, die man den Katechumenen zum Lesen geben solle. Über den Kanon entschied nicht ein einzelner Bischof, sondern die Kirche: die afrikanischen Synoden von Hippo und Karthago, das Konzil von Florenz und endgültig das Konzil von Trient 1546, das alle diese Bücher als heilige Schrift bestätigte. Athanasius ist ein großer Zeuge des Kanons, nicht seine letzte Instanz.
Das Athanasianische Glaubensbekenntnis
Unter seinem Namen ist das dritte große Bekenntnis der lateinischen Kirche überliefert, das Athanasianische Glaubensbekenntnis, nach seinem Anfangswort Quicumque genannt:
Quicumque vult salvus esse, ante omnia opus est, ut teneat catholicam fidem:
Quam nisi quisque integram inviolatamque servaverit, absque dubio in aeternum peribit.
Wer selig werden will, muss vor allem den katholischen Glauben festhalten:
wer ihn nicht unversehrt und unverletzt bewahrt, wird ohne Zweifel auf ewig verloren gehen.
Verfasst hat es Athanasius nicht: Es ist lateinisch, nicht griechisch, und entstand wohl im 5. oder 6. Jahrhundert im südlichen Gallien. Aber es trägt seinen Namen zu Recht, denn es fasst in scharfen Sätzen den Glauben an die Dreifaltigkeit und die Menschwerdung zusammen, für den er gekämpft hat. Im Brevier wird es zur Prim gebetet, nach den Rubriken von 1962 am Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit, dem Dreifaltigkeitssonntag. Den vollständigen Text in Latein und Deutsch und seine Erklärung findest du in unserem Beitrag über das Athanasianische Glaubensbekenntnis.
Wer nach dem Athanasius-Glaubensbekenntnis bei den Evangelischen fragt: Auch die lutherischen Bekenntnisschriften haben es übernommen und zählen es mit dem Apostolischen und dem Nizänischen Bekenntnis zu den drei altkirchlichen Symbolen. Der Text ist derselbe; gelesen wird er in der katholischen Kirche im Licht der Lehre, die er mit Athanasius verteidigt.
Gebet zum heiligen Athanasius
Ein eigenes, von Athanasius verfasstes Gebet, das als „Gebet Athanasius des Großen" allgemein überliefert wäre, kennt die lateinische Kirche nicht. Ihr Gebet zu ihm ist die Oration seines Festes im Römischen Messbuch von 1962:
Exáudi, quǽsumus, Dómine, preces nostras, quas in beáti Athanásii Confessóris tui atque Pontíficis solemnitáte deférimus: et, qui tibi digne méruit famulári, ejus intercedéntibus méritis, ab ómnibus nos absólve peccátis. Per Dóminum nostrum Jesum Christum, Fílium tuum, qui tecum vivit et regnat in unitáte Spíritus Sancti Deus, per ómnia sǽcula sæculórum. Amen.
Wir bitten Dich, o Herr: erhöre unsere Gebete, die wir zur Festfeier Deines hl. Bekenners und Bischofs Athanasius darbringen, und mache uns frei von allen Sünden auf die Fürsprache der Verdienste dieses Heiligen, der Dir so würdig dienen durfte. Durch unsern Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Der Introitus derselben Messe zeichnet sein Bild: „Inmitten der Gemeinde wird sie seinen Mund eröffnen, ihn erfüllen mit dem Geiste der Weisheit und Erkenntnis und ihn mit dem Kleide der Herrlichkeit bekleiden" (Jesus Sirach 15, 5). Man bittet ihn besonders um Festigkeit im Glauben, um Treue zur Lehre der Kirche in verworrenen Zeiten und um Mut, die Wahrheit auch allein zu bekennen. Als die Kirche später auf dem Konzil von Konstantinopel (381) auch die Gottheit des Heiligen Geistes gegen neue Irrlehren verteidigte, stand sie auf dem Fundament, das Athanasius gelegt hatte.
Nicht verwechseln: Athanasius Kircher
Wer „Athanasius" in eine Suchmaschine eingibt, landet oft bei Athanasius Kircher (1602–1680), einem deutschen Jesuiten und Universalgelehrten aus der Rhön, der über Ägypten, China, Musik und Magnetismus schrieb. Er trug den Namen des Kirchenlehrers, ist aber ein anderer Mann und kein Heiliger der Kirche.
Häufig gestellte Fragen
Wer war der heilige Athanasius?
Bischof von Alexandria (328–373) und Kirchenlehrer, der große Verteidiger der Gottheit Christi gegen den Arianismus. Er nahm als Diakon am Konzil von Nizäa teil, wurde fünfmal verbannt und schrieb unter anderem Über die Menschwerdung des Wortes und das Leben des Antonius.
Wann ist der Gedenktag des heiligen Athanasius?
Am 2. Mai, seinem Todestag im Jahr 373. Im Kalender von 1962 ist es ein Fest der III. Klasse mit der Messe der Kirchenlehrer.
Was bedeutet der Name Athanasius?
Er kommt vom griechischen athanatos, „unsterblich", und bedeutet „der Unsterbliche".
Hat Athanasius das Athanasianische Glaubensbekenntnis geschrieben?
Nein. Das Quicumque entstand wohl im 5. oder 6. Jahrhundert in lateinischer Sprache im südlichen Gallien. Es trägt seinen Namen, weil es den Glauben an Dreifaltigkeit und Menschwerdung ausdrückt, den er verteidigt hat.
Was steht im 39. Osterfestbrief des Athanasius?
Der Brief von 367 zählt die Bücher der Heiligen Schrift auf und nennt als erstes erhaltenes Dokument genau die 27 Bücher des Neuen Testaments, einschließlich der Offenbarung des Johannes. Seine Liste des Alten Testaments weicht dagegen vom Kanon ab, den die Kirche in Trient bestätigt hat.
Warum heißt es „Athanasius contra mundum"?
Weil er in den Jahrzehnten, in denen der Arianismus Kaiser, Synoden und viele Bischöfe beherrschte, fast allein am Bekenntnis von Nizäa festhielt. Das Wort bedeutet „Athanasius gegen die Welt".
War Athanasius in Deutschland?
Ja. Seine erste Verbannung (335–337) führte ihn nach Trier, wo ihn Bischof Maximin aufnahm.
In Iter Fidei findest du das Fest des heiligen Athanasius mit Messe und Brevier nach dem Kalender von 1962, das Athanasianische Glaubensbekenntnis in Latein und Deutsch und die Gebete der Kirchenlehrer. Hier frühen Zugang sichern.
Quellen. Heilige Schrift nach der Allioli-Übersetzung (Johannes 1 und 10; 2 Korinther 4; Jesus Sirach 15); Butler, Lives of the Saints (2. Mai, St. Athanasius); Athanasius, De incarnatione Verbi, Vita Antonii, 39. Osterfestbrief; Augustinus, Bekenntnisse VIII; Missale Romanum (1962), Fest des heiligen Athanasius, Oration Exaudi, quaesumus, Domine; Konzil von Trient, Dekret über die kanonischen Schriften (1546).