Die Heiligen
Der heilige Nikolaus von Myra
Wer war der heilige Nikolaus wirklich? Der Bischof von Myra, seine Geschichte, die Legenden von den drei Jungfrauen und vom Seesturm, sein Patronat und der Unterschied zum Weihnachtsmann.

Bevor der heilige Nikolaus zum rotbemantelten Werbefiguren-Weihnachtsmann wurde, war er etwas viel Größeres: ein echter Bischof, ein Bekenner des Glaubens, ein Mann, der sein ganzes Vermögen den Armen schenkte. Er hat wirklich gelebt, wirklich Menschen geholfen und ist wirklich als Heiliger verehrt worden – lange bevor irgendein Kaufhaus seinen Namen entdeckte. Holen wir uns diesen Heiligen zurück.
Wer war der heilige Nikolaus von Myra?
Nikolaus von Myra war Bischof im 4. Jahrhundert. Er wurde um das Jahr 270 im Hafenstädtchen Patara in der Landschaft Lykien geboren, an der Südküste Kleinasiens (in der heutigen Türkei). Als Bischof wirkte er in der Stadt Myra – dort steht die Frage vieler Suchender schon beantwortet: In welcher Stadt war der heilige Nikolaus Bischof? In Myra, das der Kirche seinen Namen als „heiliger Nikolaus von Myra" gegeben hat.
Ja, Nikolaus ist ein Heiliger – einer der frühesten und meistverehrten der Christenheit. Sein Steckbrief in Kürze:
Steckbrief. Name: Nikolaus von Myra. Herkunft: Patara in Lykien, um 270 geboren. Amt: Bischof von Myra. Gestorben: um 343, am 6. Dezember. Gedenktag: 6. Dezember. Patronat: Kinder, Seefahrer, Kaufleute, Bäcker, Apotheker. Attribute: Bischofsstab und Mitra, drei goldene Kugeln (oder Äpfel), drei Kinder im Bottich.
Über sein Leben berichtet die Überlieferung, dass er schon als junger Mann sein geerbtes Vermögen verschenkte, zur Zeit der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian für den Glauben im Kerker litt und der fromme Brauch ihn unter den Vätern des großen Konzils von Nizäa (325) nennt, das gegen die Irrlehre des Arius das Glaubensbekenntnis formulierte. Der heilige Nikolaus verkörpert damit genau das, wozu die Barmherzigkeit im Evangelium ruft:
Selig die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen! (Matthäus 5, 7)
Die Legenden des heiligen Nikolaus
Um kaum einen Heiligen ranken sich so viele Legenden wie um den Bischof von Myra. Zwei sind die bekanntesten – und beide erzählen von der Nächstenliebe, nicht vom Beschenken um seiner selbst willen.
Die drei Jungfrauen
Ein verarmter Vater konnte seinen drei Töchtern keine Mitgift geben und war nahe daran, sie in die Schande zu verkaufen. In drei Nächten warf Nikolaus heimlich je einen Beutel Gold durchs Fenster (in anderen Fassungen durch den Schornstein), sodass jede Tochter ehrbar heiraten konnte. Der Heilige wollte nicht erkannt werden – er handelte nach dem Wort des Herrn:
Wenn du aber Almosen gibst, so wisse deine Linke nicht, was deine Rechte tut, damit dein Almosen im Verborgenen sei; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird dir vergelten. (Matthäus 6, 3–4)
Aus diesen drei Goldbeuteln wurden in der Kunst die drei goldenen Kugeln – und aus dem heimlichen nächtlichen Schenken der ganze Brauch, dass am Vorabend Gaben kommen. Deshalb sieht man auf Bildern des heiligen Nikolaus fast immer die drei Kugeln (oder Äpfel).
Der Seesturm
Auf einer Fahrt nach dem Heiligen Land geriet das Schiff in einen furchtbaren Sturm. Nikolaus betete, und das Meer legte sich; einen tödlich vom Mast gestürzten Matrosen soll er wieder zum Leben gerufen haben. Aus dieser Überlieferung erwuchs sein Ruf als Retter der Seefahrer. Weitere Legenden – etwa die Rettung dreier zu Unrecht zum Tode Verurteilter oder dreier von einem Wirt getöteter Knaben – zeigen denselben Nikolaus: den mutigen Anwalt der Wehrlosen.
Der heilige Nikolaus als Schutzpatron
Weil sein Leben so ganz aus tätiger Barmherzigkeit bestand, wurde der heilige Nikolaus zum Schutzpatron vieler Menschen: der Kinder (denen er die Gaben brachte), der Seefahrer und Schiffer (aus der Seesturm-Legende), dazu der Kaufleute, Bäcker, Apotheker und ganzer Städte wie Bari und Amsterdam. Vor allem als Schutzpatron der Seefahrer wurde er über die Jahrhunderte auf zahllosen Kirchen an Küsten und Handelswegen verehrt.
Wie bei jedem Heiligen gilt: Ein Schutzpatron ist kein Glücksbringer und kein Talisman. Wir bitten den heiligen Nikolaus um seine Fürsprache bei Gott – wirken tut allein die Gnade Gottes, nie eine magische Formel. So darf man ihn anrufen, wie die Kirche ihre Heiligen anruft, im Vertrauen und nie im Aberglauben. Die Kirche selbst ruft ihn in der Allerheiligenlitanei an: Heiliger Nikolaus, bitte für uns. Auch im Gedächtnis aller Heiligen hat er seinen Platz.
Nikolaus oder Weihnachtsmann? Der Unterschied
Der Unterschied zwischen dem heiligen Nikolaus und dem Weihnachtsmann ist rasch gesagt: Der eine ist ein Heiliger, der andere eine Erfindung. Nikolaus war ein Bischof mit Mitra, Stab und Kreuz; er weist über sich hinaus auf Christus. Der Weihnachtsmann dagegen entstand erst im 19. und 20. Jahrhundert – aus dem niederländischen „Sinterklaas", umgeformt und schließlich von der Werbung zur roten Reklamefigur gemacht, die mit dem Christfest im Grunde nichts mehr zu tun hat.
Man erkennt sie leicht auseinander: Trägt die Gestalt eine Bischofsmütze und einen Krummstab, ist es der heilige Nikolaus. Trägt sie eine Zipfelmütze und wohnt am Nordpol, ist es die kommerzielle Figur. Der Heilige kommt am 6. Dezember, nicht am Heiligen Abend; und er kommt nicht, um Konsum zu wecken, sondern um Kinder an einen wirklichen Freund Gottes zu erinnern. Wer die Adventszeit als Vorbereitung auf Weihnachten begeht, dem hilft Nikolaus, den Blick auf das Kind in der Krippe und nicht auf die Geschenke zu richten.
Warum feiern wir den Nikolaustag am 6. Dezember?
Der 6. Dezember ist der Todestag des heiligen Nikolaus – und in der Kirche gilt der Sterbetag eines Heiligen als sein „Geburtstag" für den Himmel. Darum ist der Nikolaustag ein Gedenktag mitten im Advent. Seine Bedeutung liegt nicht im Schuh voller Süßigkeiten, sondern in dem, was das Schenken sagen will: dass Gott uns in seiner Güte beschenkt hat und wir einander deshalb beschenken sollen, still und ohne Berechnung, wie der Bischof von Myra. Weitere Heilige des Kirchenjahres finden Sie in der Übersicht der katholischen Heiligen.
So reiht sich der heilige Nikolaus in die Kette der großen Vorbilder der Barmherzigkeit ein – neben den heiligen Martin von Tours, der seinen Mantel teilte, und die heiligen drei Könige, die dem Kind ihre Gaben brachten. Bis heute wird an seinem Grab in Bari sein Andenken bewahrt; die Reliquien des Heiligen ziehen noch immer Pilger an, und mancher Weg dorthin ist eine echte Wallfahrt geworden.
Und ja, das alte Kinderlied darf sein: „Heiliger Nikolaus, du braver Mann …" singen die Kleinen, wenn sie am Vorabend ihre Schuhe putzen. Ein schönes Brauchtum – und noch schöner, wenn die Kinder dazu ein echtes Kindergebet sprechen und wissen, wen sie da eigentlich besingen: keinen Märchenmann, sondern einen Freund Gottes.
Nikolaus von Myra oder Nikolaus von Flüe?
Besonders in der Schweiz ist mit dem „heiligen Nikolaus" oft nicht der Bischof von Myra gemeint, sondern der heilige Nikolaus von Flüe (1417–1487) – der Einsiedler und Landespatron der Schweiz, im Volksmund Bruder Klaus genannt. Es sind zwei verschiedene Heilige: Nikolaus von Myra, der Bischof des 4. Jahrhunderts aus Kleinasien, und der Schweizer Nikolaus von Flüe, Familienvater, Ratgeber und Friedensstifter seiner Heimat. Wer nach dem „Schweizer heiligen Nikolaus von" der Flüe sucht, meint fast immer Bruder Klaus – ein anderer großer Fürsprecher, der bis heute verehrt wird.
Häufig gestellte Fragen
Wer war der heilige Nikolaus?
Ein Bischof des 4. Jahrhunderts, geboren um 270 in Patara in Lykien, Bischof der Stadt Myra, gestorben um 343 am 6. Dezember. Er ist berühmt für seine Barmherzigkeit gegenüber den Armen und wird als einer der frühesten Heiligen der Kirche verehrt.
In welcher Stadt war der heilige Nikolaus Bischof?
In Myra in der Landschaft Lykien, an der Südküste des heutigen Kleinasien (Türkei). Daher sein Name „Nikolaus von Myra".
Was ist der Unterschied zwischen dem heiligen Nikolaus und dem Weihnachtsmann?
Nikolaus ist ein wirklicher Heiliger und Bischof mit Mitra und Stab, dessen Gedenktag der 6. Dezember ist. Der Weihnachtsmann ist eine erst im 19./20. Jahrhundert entstandene, von der Werbung geprägte Kunstfigur ohne kirchlichen Hintergrund.
Wofür ist der heilige Nikolaus Schutzpatron?
Er ist Schutzpatron der Kinder, der Seefahrer und Schiffer, der Kaufleute, Bäcker und Apotheker – aus seinen Legenden von den drei Jungfrauen und vom geretteten Schiff.
Warum feiern wir den Nikolaustag am 6. Dezember?
Weil der 6. Dezember der Todestag des heiligen Nikolaus ist. Die Kirche feiert den Sterbetag eines Heiligen als seinen Eintritt in den Himmel.
Ist Nikolaus ein Heiliger?
Ja. Er gehört zu den ältesten und am weitesten verbreiteten Heiligen der Christenheit und wird in der katholischen Kirche seit dem frühen Mittelalter verehrt.
Iter Fidei begleitet dich durch das Kirchenjahr mit den Festen und Heiligen, mit Litaneien und Gebeten zu den Fürsprechern des Himmels – auch zum heiligen Nikolaus. Hier frühen Zugang sichern.
Quellen. Heilige Schrift nach der Allioli-Übersetzung (Matthäus 5 und 6); Jacobus de Voragine, Legenda aurea (Kapitel vom heiligen Nikolaus); Martyrologium Romanum zum 6. Dezember; Dom Prosper Guéranger, Das Kirchenjahr (Advent).