Das Kirchenjahr
Weihnachten: das Fest der Geburt Christi
Weihnachten ist am 25. Dezember das Fest der Geburt Jesu Christi. Wir erklären die Bedeutung, die biblische Weihnachtsgeschichte und wie die Kirche die Heilige Nacht seit jeher feiert.

Weihnachten feiern wir jedes Jahr am 25. Dezember. Es ist kein Fest der Geschenke, der Lichterketten oder des Weihnachtsmarktes, sondern das Fest der Geburt Jesu Christi — der Tag, an dem Gott selbst als Kind Mensch geworden ist. Wer nach der wahren Bedeutung von Weihnachten fragt, findet die Antwort nicht unter dem Christbaum, sondern in der Krippe von Bethlehem.
Wann ist Weihnachten?
Weihnachten ist ein festes Fest: Der erste Weihnachtstag fällt immer auf den 25. Dezember, der zweite auf den 26. Dezember. Anders als Ostern oder Pfingsten wandert das Datum nicht — es steht Jahr für Jahr fest im Kalender.
Das eigentliche Fest beginnt jedoch schon am Abend zuvor. Der Heiligabend am 24. Dezember ist die Vigil, die Vorabendfeier: Nach altem kirchlichem Verständnis beginnt der Festtag mit dem Einbruch der Nacht. Deshalb ist die Heilige Nacht vom 24. auf den 25. Dezember der Höhepunkt, in dem die Kirche die Geburt des Herrn feiert. Vorbereitet wird all dies durch die vier Wochen des Advent, der Zeit des Wartens und der Erwartung.
Warum feiern orthodoxe Christen — etwa in Russland — Weihnachten erst am 7. Januar? Das Datum ist dasselbe: der 25. Dezember. Die Ostkirchen halten aber am älteren julianischen Kalender fest, der dem heute gebräuchlichen gregorianischen Kalender um dreizehn Tage nachgeht. So fällt ihr 25. Dezember auf unseren 7. Januar. Gefeiert wird dieselbe Geburt des Herrn, nur nach einer anderen Kalenderrechnung.
Was feiern wir an Weihnachten?
An Weihnachten feiern wir die Menschwerdung Gottes. Der ewige Sohn des Vaters, wahrer Gott, hat unsere menschliche Natur angenommen und ist als kleines Kind in die Welt gekommen. Das ist der Kern des christlichen Glaubens, den wir in jedem Glaubensbekenntnis sprechen: "empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria".
Der heilige Evangelist Johannes fasst dieses Geheimnis in einen einzigen Satz, den die Kirche am Weihnachtstag verkündet:
Und das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnet; und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, eine Herrlichkeit als des Eingebornen vom Vater, voll der Gnade und Wahrheit. (Johannes 1,14)
Schon der Prophet Isaias hat diese Geburt vorausgesagt, Jahrhunderte bevor sie geschah:
Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben und die Herrschaft ist auf seine Schulter gelegt; sein Name wird genannt werden: Wunderbarer, Ratgeber, starker Gott, Vater der Zukunft, Friedensfürst. (Isaias 9,6)
Weihnachten bedeutet also: Gott ist mit uns — Emmanuel. Er bleibt nicht fern im Himmel, sondern kommt uns in Armut und Demut entgegen, um uns zu erlösen. Diesen Namen ruft die Kirche schon im Advent mit dem Lied O komm, o komm, Emmanuel an.
Die Weihnachtsgeschichte in der Bibel
Die biblische Weihnachtsgeschichte steht im Evangelium nach Lukas, im zweiten Kapitel. Sie ist der Text, der in der Heiligen Nacht in aller Welt gelesen wird. Nach der Allioli-Übersetzung lautet sie:
Es geschah aber in denselben Tagen, dass vom Kaiser Augustus ein Befehl ausging, dass der ganze Erdkreis aufgeschrieben werde. [...] Da zog auch Joseph von Galiläa, aus der Stadt Nazareth, hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, welche Bethlehem heißt [...] um sich aufschreiben zu lassen mit Maria, seinem verlobten Weibe, welche schwanger war.
Es begab sich aber, als sie daselbst waren, erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren erstgeborenen Sohn, und wickelte ihn in Windeln, und legte ihn in eine Krippe, weil für sie kein Platz war in der Herberge. (Lukas 2,1-7)
Den Hirten auf dem Feld erscheint der Engel und verkündet die frohe Botschaft:
Fürchtet euch nicht! denn sehet, ich verkündige euch große Freude, die allem Volke zuteil werden wird; dass euch heute der Heiland geboren worden, in der Stadt Davids, welcher Christus, der Herr, ist. (Lukas 2,10-11)
Und die himmlischen Heerscharen singen das erste Weihnachtslob:
Ehre Gott in der Höhe, und Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind! (Lukas 2,14)
Das Evangelium nach Matthäus (Kapitel 1 und 2) ergänzt die Geschichte: wie der Engel im Traum zu Joseph spricht und wie später die Weisen aus dem Morgenland dem Stern folgen und dem Kind Gold, Weihrauch und Myrrhen darbringen — ein Fest, das die Kirche wenige Tage später an Heilige Drei Könige begeht.
Heiligabend, die Heilige Nacht und die Christmette
In der Heiligen Nacht versammelt sich die Kirche zur Christmette, der Mitternachtsmesse. Nach altem Brauch feiert die Kirche an Weihnachten sogar drei heilige Messen: die Engelmesse um Mitternacht, die Hirtenmesse im Morgengrauen und die Hochmesse am Tage. Diese drei Messen deuten auf die dreifache Geburt des Herrn — von Ewigkeit her aus dem Vater, in der Zeit aus der Jungfrau Maria und geistlich in unseren Herzen.
Die Christmette ist keine bloße Familienfeier, sondern der Augenblick, in dem wir am Altar dem menschgewordenen Gott begegnen. Wer die Heilige Nacht in ihrer ganzen Tiefe erleben will, tut gut daran, sie im Gebet zu begehen — etwa mit dem Ave Maria, dem Lobgesang Magnificat der Gottesmutter oder dem Rosenkranz, dessen freudenreiche Geheimnisse gerade die Geburt des Herrn betrachten.
Warum feiern wir Weihnachten am 25. Dezember?
Der Ursprung des Datums liegt nicht in einem heidnischen Fest, wie oft behauptet wird. Alte christliche Überlieferung setzt die Verkündigung des Herrn (die Empfängnis Christi) auf den 25. März — neun Monate vor dem 25. Dezember. So ergibt sich das Datum der Geburt aus dem Datum der Menschwerdung. Zugleich fällt Weihnachten nahe an die Wintersonnenwende: Wenn die Tage am dunkelsten sind und das Licht wiederkehrt, feiert die Kirche Christus als das wahre Licht der Welt, "die Sonne der Gerechtigkeit". Dom Prosper Guéranger erklärt in seinem Kirchenjahr, wie sinnvoll dieser Zeitpunkt ist: Das göttliche Licht bricht in die tiefste Finsternis herein.
Weihnachten im Kirchenjahr — die Weihnachtszeit bis Lichtmess
Weihnachten ist nicht auf einen einzigen Tag beschränkt. Auf den Festtag folgt die Weihnachtsoktav und die ganze Weihnachtszeit. Nach den Rubriken von 1962 reicht die liturgische Weihnachtszeit bis zum 13. Januar; der weihnachtliche Festkreis klingt aber erst am 2. Februar aus, dem Fest Mariä Lichtmess, an dem das Jesuskind im Tempel dargestellt wurde. Erst dann werden traditionell Krippe und Christbaum abgebaut. Eine späte Legende verbindet den Christbaum mit dem heiligen Bonifatius, dem Apostel der Deutschen; belegt ist der geschmückte Baum allerdings erst seit dem 16. Jahrhundert. Wer den Herrn empfangen hat, darf sich also volle vierzig Tage an seiner Geburt freuen — nicht nur einen Abend lang.
Weihnachten für Kinder erklärt
Kindern erklärt man Weihnachten am besten mit der Krippe. Wir zeigen ihnen das Kind Jesus in der Krippe, Maria und Joseph, den Ochsen und den Esel, die Hirten mit ihren Schafen und die Engel darüber. Dann sagen wir ihnen das Wichtigste in einfachen Worten: An Weihnachten ist Gott als kleines Kind zu uns gekommen, weil er uns so sehr liebt. Das Christkind bringt nicht in erster Linie Geschenke — das Christkind ist das Geschenk. So verstehen schon die Kleinsten, dass wir an Weihnachten Geburtstag feiern, den Geburtstag Jesu. Der Brauch des Schenkens selbst erinnert an den heiligen Nikolaus, der schon zu Lebzeiten heimlich die Armen beschenkte. Das tägliche Beten des Angelus, der ebenfalls die Menschwerdung betrachtet, kann Kindern dieses Geheimnis Tag für Tag nahebringen.
Häufig gestellte Fragen
Was feiern wir an Weihnachten wirklich?
Wir feiern die Geburt Jesu Christi, die Menschwerdung Gottes. Der Sohn Gottes ist in Bethlehem als Mensch geboren, um uns von den Sünden zu erlösen. Alles andere — Geschenke, Baum, Lichter — ist nur Beiwerk um dieses eine Geheimnis herum.
Wann ist Weihnachten 2026?
Weihnachten ist immer am 25. Dezember, auch 2026. Der Heiligabend als Vorabend ist der 24. Dezember, der zweite Weihnachtsfeiertag der 26. Dezember.
Wo steht die Weihnachtsgeschichte in der Bibel?
Die Weihnachtsgeschichte steht im Evangelium nach Lukas, Kapitel 2, Verse 1 bis 20. Ergänzend berichtet das Matthäusevangelium in den Kapiteln 1 und 2 von Joseph und den Weisen aus dem Morgenland.
Warum feiern wir Weihnachten am 25. Dezember?
Weil die Kirche die Empfängnis Christi auf den 25. März datiert — neun Monate zuvor. Zudem feiert die Kirche in der dunkelsten Zeit des Jahres Christus als das wiederkehrende Licht der Welt.
Was bedeutet der Heiligabend?
Der Heiligabend ist der Abend des 24. Dezember, die Vigil des Weihnachtsfestes. In der Heiligen Nacht wird traditionell die Christmette (Mitternachtsmesse) gefeiert, in der die Geburt des Herrn verkündet wird.
Wie lange dauert die Weihnachtszeit?
Nach den Rubriken von 1962 reicht die liturgische Weihnachtszeit bis zum 13. Januar; der weihnachtliche Festkreis endet mit Mariä Lichtmess am 2. Februar, und nach altem Brauch bleiben Krippe und Christbaum bis dahin stehen.
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Quellen. Heilige Schrift nach der Allioli-Übersetzung (Lukas 2; Matthäus 1-2; Isaias 9; Johannes 1); Katechismus des heiligen Pius X.; Dom Prosper Guéranger, Das Kirchenjahr (L'Année liturgique), Band Weihnachten; Römisches Messbuch (überlieferte Form) mit den drei heiligen Messen zu Weihnachten.