Der Glaube
Die sieben Todsünden
Hochmut, Geiz, Wollust, Neid, Völlerei, Zorn, Trägheit: die sieben Todsünden im Überblick, ihre Bedeutung, die Unterscheidung von Todsünde und lässlicher Sünde und die Gegentugenden.

Die sieben Todsünden gehören zu den bekanntesten Begriffen der christlichen Überlieferung, und doch weiß kaum jemand mehr genau, welche gemeint sind und was das Wort eigentlich bedeutet. Diese Antwort zuerst, ohne langes Vorwort.
Die sieben Todsünden sind Hochmut, Geiz, Wollust, Neid, Völlerei, Zorn und Trägheit. Man nennt sie im Katechismus genauer die sieben Hauptsünden oder Wurzelsünden, denn sie sind nicht einzelne Vergehen, sondern die Wurzeln, aus denen alle anderen Sünden hervorwachsen.
Die sieben Todsünden auf einen Blick
Hier die vollständige Liste in ihrer gebräuchlichen Reihenfolge, mit den lateinischen Namen und einer Kurzerklärung:
- Hochmut (lat. superbia) — die ungeordnete Selbstüberhebung, die sich über Gott und den Nächsten stellt.
- Geiz (lat. avaritia) — die maßlose Gier nach Besitz und Geld, auch Habgier genannt.
- Wollust (lat. luxuria) — die ungezügelte Lust der Unkeuschheit.
- Neid (lat. invidia) — die Trauer über das Gute des anderen.
- Völlerei (lat. gula) — das unmäßige Essen und Trinken.
- Zorn (lat. ira) — das ungeordnete Verlangen nach Rache und Vergeltung.
- Trägheit (lat. acedia) — die geistliche Lauheit, der Überdruss am Guten und an den Dingen Gottes.
Das sind die klassischen sieben. Wer nach acht, zehn oder mehr Todsünden sucht: Die Zahl sieben ist seit Papst Gregor dem Großen im 6. Jahrhundert fest überliefert und deckt alle Grundneigungen ab.
Was ist eine Todsünde? Der Unterschied zur lässlichen Sünde
Der Name „Todsünde" ist genau zu verstehen. Eine Todsünde ist eine schwere Sünde, die die heiligmachende Gnade in der Seele auslöscht und den Menschen geistlich tötet, das heißt von Gott trennt. Die lässliche Sünde dagegen schwächt die Liebe, tötet die Gnade aber nicht.
Nach dem Katechismus des heiligen Pius X. müssen für eine Todsünde drei Bedingungen zusammentreffen:
- eine schwerwiegende Sache (ein bedeutender Verstoß gegen das Gesetz Gottes, etwa gegen die Zehn Gebote),
- volle Erkenntnis, dass es sich um eine schwere Sünde handelt,
- die freie Zustimmung des Willens.
Fehlt eine dieser Bedingungen, so ist die Sünde lässlich. Wichtig ist die Unterscheidung von den Hauptsünden selbst: Die sieben genannten heißen zwar „Todsünden", doch nicht jede Regung von Zorn oder Neid ist schon eine Todsünde. Sie werden Hauptsünden genannt, weil sie die Quellen sind, aus denen die einzelnen schweren wie leichten Sünden entspringen.
Was passiert bei einer Todsünde?
Wer in Todsünde stirbt, verliert das ewige Leben, denn er hat sich frei von Gott getrennt. Der heilige Apostel Paulus warnt unmissverständlich, dass die Werke des Fleisches vom Reich Gottes ausschließen (siehe unten). Solange ein Mensch aber lebt, ist keine Trennung endgültig: Der Weg zurück steht immer offen, und er heißt Beichte. Im Sakrament der Buße vergibt Gott durch den Priester auch die schwersten Sünden und gibt der Seele die verlorene Gnade zurück. Wer eine Todsünde begangen hat, soll nicht verzweifeln, sondern bald beichten und bis dahin einen Akt vollkommener Reue erwecken.
Die sieben Hauptsünden im Einzelnen
Hochmut (superbia)
Der Hochmut ist die erste und tiefste der Sünden, denn mit ihm fiel Luzifer und mit ihm begann die Erbsünde im Paradies. Er ist die Selbstüberhebung, die sich niemandem unterordnen will, auch Gott nicht. Alle übrigen Hauptsünden gehen letztlich auf ihn zurück. Ein bewährtes Heilmittel ist die Litanei der Demut, die um Befreiung vom Verlangen nach Ehre und von der Angst vor Demütigung bittet.
Geiz (avaritia)
Der Geiz, auch Habgier oder Gier genannt, ist die ungeordnete Anhänglichkeit an Geld und Besitz. Er verhärtet das Herz gegen die Not des Nächsten und macht den Reichtum zum Götzen.
Wollust (luxuria)
Die Wollust ist das ungezügelte Verlangen der Unkeuschheit, das die Würde des Leibes als Tempel des Heiligen Geistes verdunkelt. Ihr steht die Tugend der Keuschheit gegenüber.
Neid (invidia)
Der Neid ist die Traurigkeit über das Gute, das ein anderer besitzt, als sei es einem selbst geraubt. Er ist das genaue Gegenteil der Nächstenliebe, die sich am Wohl des anderen freut.
Völlerei (gula)
Die Völlerei ist das unmäßige Essen und Trinken, das den Menschen an den Bauch bindet und die Seele schwer und stumpf macht. Ihr Heilmittel ist die Mäßigkeit, wie sie besonders in der Fastenzeit geübt wird.
Zorn (ira)
Der Zorn ist nicht der berechtigte Unwille über das Böse, sondern das ungeordnete Verlangen nach Rache. Er zerstört den Frieden und die Geduld und führt zu Streit, Hass und selbst zum Mord.
Trägheit (acedia)
Die Trägheit, im geistlichen Sinn acedia genannt, ist der Überdruss am Guten und die Lauheit gegenüber den Dingen Gottes: die Vernachlässigung des Gebetes, der heiligen Kommunion und der eigenen Heiligung.
Die Todsünden in der Bibel
Die genaue Siebenerliste steht nicht als solche in der Heiligen Schrift, wohl aber die einzelnen Laster und ihre Verurteilung. Zwei Stellen fassen sie fast wie einen Katalog zusammen. Im Buch der Sprichwörter heißt es (Allioli):
„Sechs Dinge sind es, welche der Herr hasst, und das siebente verabscheut seine Seele: Stolze Augen, lügenhafte Zungen, Hände, welche unschuldiges Blut vergießen, ein Herz, welches Gedanken des Unheils ersinnt, Füße, welche behende zum Bösen eilen, einen falschen Zeugen, der Lügen vorbringt, und den, der zwischen Brüdern Zwietracht sät." (Sprichwörter 6,16–19)
Der heilige Paulus zählt im Brief an die Galater die Werke des Fleisches auf:
„Offenkundig sind die Werke des Fleisches, welche sind: Unzucht, Unlauterkeit, Unschamhaftigkeit, Unkeuschheit, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streitigkeiten, Eifersucht, Zorn, Hader, Zerwürfnisse, Spaltungen, Missgunst, Mordtaten, Trunkenheit, Schwelgerei … dass die, welche solches tun, das Reich Gottes nicht erlangen werden." (Galater 5,19–21)
Und der heilige Johannes bestätigt ausdrücklich, dass es Sünden verschiedener Schwere gibt: „Es gibt eine Sünde zum Tode … Jede Ungerechtigkeit ist Sünde; so gibt es auch eine Sünde, die zum Tode ist." (1. Johannes 5,16–17) Genau darin gründet die Unterscheidung von Todsünde und lässlicher Sünde.
Die sieben Gegentugenden
Gegen jede Hauptsünde stellt die Überlieferung eine heilende Tugend, die das kranke Herz gerade an dieser Stelle wieder ordnet:
- Dem Hochmut die Demut.
- Dem Geiz die Freigebigkeit.
- Der Wollust die Keuschheit.
- Dem Neid die Nächstenliebe.
- Der Völlerei die Mäßigkeit.
- Dem Zorn die Sanftmut und Geduld.
- Der Trägheit den Eifer im Dienste Gottes.
Diese Gegentugenden zu üben ist der eigentliche geistliche Kampf: Nicht bloß die Sünde meiden, sondern das Gegenteil einpflanzen.
Die Namen auf Latein und Englisch, ihre Symbole
Die lateinischen Namen der sieben Todsünden lauten superbia (Hochmut), avaritia (Geiz), luxuria (Wollust), invidia (Neid), gula (Völlerei), ira (Zorn) und acedia (Trägheit). Auf Englisch spricht man von den seven deadly sins: pride, greed, lust, envy, gluttony, wrath und sloth, in genau derselben Reihenfolge.
In der christlichen Kunst des Mittelalters und der Neuzeit erhielt jede Hauptsünde feste Sinnbilder, die dem Betrachter das Laster einprägen sollten. Häufig wurde der Hochmut mit dem Pfau oder Löwen dargestellt, der Geiz mit der Kröte, die Wollust mit dem Bock, der Neid mit der Schlange, die Völlerei mit dem Schwein, der Zorn mit dem Bären und die Trägheit mit der Schnecke oder dem Esel. Diese Symbole sind bildliche Merkhilfen der Überlieferung, keine geheimen Zeichen; die eigentliche Lehre steht immer im Katechismus.
Nicht zu verwechseln
Der Begriff ist in die Populärkultur eingegangen und begegnet heute in vielerlei Gestalt: als Titel eines japanischen Anime, in einer SpongeBob-Folge, in den berühmten Gemälden von Hieronymus Bosch und Otto Dix oder sogar als scherzhafte „Todsünden" beim Autofahren oder Kartenspiel. Das alles hat mit der eigentlichen Bedeutung nur den Namen gemein. Der vorliegende Beitrag behandelt die Todsünden so, wie die Kirche sie seit jeher lehrt.
Häufig gestellte Fragen
Was sind die sieben Todsünden?
Es sind Hochmut, Geiz, Wollust, Neid, Völlerei, Zorn und Trägheit. Im Katechismus heißen sie genauer die sieben Hauptsünden, weil aus ihnen alle anderen Sünden entspringen.
Wie viele Todsünden gibt es?
Sieben. Diese Zahl ist seit Papst Gregor dem Großen im 6. Jahrhundert fest überliefert. Von acht oder zehn Todsünden zu sprechen ist eine spätere oder scherzhafte Erweiterung ohne kirchliche Grundlage.
Was ist der Unterschied zwischen Todsünde und lässlicher Sünde?
Eine Todsünde tötet die heiligmachende Gnade und trennt von Gott; dazu braucht es schwerwiegende Sache, volle Erkenntnis und freie Zustimmung. Die lässliche Sünde schwächt die Liebe, tötet die Gnade aber nicht.
Stehen die sieben Todsünden in der Bibel?
Die genaue Liste als solche nicht, wohl aber die einzelnen Laster: etwa in Sprichwörter 6,16–19 und in der Aufzählung der Werke des Fleisches bei Galater 5,19–21.
Was passiert, wenn man eine Todsünde begeht?
Man verliert die heiligmachende Gnade und, sofern man in diesem Zustand stirbt, das ewige Leben. Solange man lebt, wird die Sünde in der Beichte vergeben und die Gnade zurückgegeben.
Welche Tugenden stehen den Todsünden gegenüber?
Demut, Freigebigkeit, Keuschheit, Nächstenliebe, Mäßigkeit, Sanftmut und Eifer, jeweils als Heilmittel gegen die entsprechende Hauptsünde.
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Quellen. Katechismus des heiligen Pius X. (Von den Sünden); Römischer Katechismus (Catechismus Romanus, Katechismus des Konzils von Trient); Papst Gregor der Große, Moralia in Iob; Allioli-Bibel (Sprichwörter 6,16–19; Galater 5,19–21; 1. Johannes 5,16–17).