Das Kirchenjahr
Mariä Lichtmess: die Darstellung des Herrn
Mariä Lichtmess am 2. Februar krönt den Weihnachtskreis: die Darstellung des Herrn im Tempel, die Kerzenweihe und der Lobgesang des Simeon. Wir erklären Datum, Bedeutung und Brauchtum.

Vierzig Tage nach der Heiligen Nacht trägt die Kirche das Christkind noch einmal ins Licht: Mariä Lichtmess am 2. Februar ist das Fest der Darstellung des Herrn im Tempel. An diesem Tag werden die Kerzen geweiht, zieht die Gemeinde mit Lichtern durch die Kirche und singt den Lobgesang des greisen Simeon. Es ist zugleich der stille, feierliche Abschluss der Weihnachtszeit.
Wann ist Mariä Lichtmess? Immer am 2. Februar
Mariä Lichtmess ist ein festes Datum: Es fällt Jahr für Jahr auf den 2. Februar — so auch 2026, 2027 und in jedem weiteren Jahr. Der Tag ergibt sich unmittelbar aus Weihnachten: Vom Fest der Geburt des Herrn am 25. Dezember zählt man vierzig Tage weiter und kommt auf den 2. Februar. Diese vierzig Tage sind kein Zufall, sondern folgen dem Gesetz des Alten Bundes, wie wir gleich sehen werden.
Der alte, ehrwürdige Name des Festes lautet Mariä Reinigung (lateinisch Purificatio Beatae Mariae Virginis); die Liturgie nennt es auch die Darstellung des Herrn (Praesentatio Domini). Beide Namen meinen dasselbe Ereignis, von zwei Seiten betrachtet: die Reinigung der Gottesmutter und die Weihe ihres Sohnes an Gott.
Was an Mariä Lichtmess gefeiert wird: die Darstellung im Tempel
Das Fest hat seinen ganzen Halt im Evangelium. Der heilige Lukas berichtet, wie Maria und Josef das Kind nach dem Gesetz Moses in den Tempel zu Jerusalem bringen. Wir hören es in den Worten der Allioli-Bibel:
Da nun die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetze Moses erfüllt waren, brachten sie ihn nach Jerusalem, um ihn dem Herrn darzustellen; wie geschrieben steht im Gesetze des Herrn: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geheiligt werden; und um ein Opfer darzubringen, wie es im Gesetze des Herrn geboten ist, ein Paar Turteltauben, oder zwei junge Tauben. (Lukas 2,22–24)
Zwei Gebote erfüllen die heilige Familie an diesem Tag. Zum einen die Reinigung der Mutter, die vierzig Tage nach der Geburt eines Sohnes vorgeschrieben war. Maria, die Reinste, unterwirft sich in Demut einem Gesetz, das sie im Grunde nicht band. Zum anderen die Darstellung der Erstgeburt: Jeder erstgeborene Sohn war dem Herrn geweiht und musste losgekauft werden. Das bescheidene Opfer der Tauben zeigt uns dabei die Armut, in der Gott Mensch werden wollte.
Der Lobgesang des Simeon: das Nunc dimittis
Im Tempel wartet ein gerechter Greis namens Simeon, dem verheißen war, er werde nicht sterben, ehe er den Gesalbten des Herrn geschaut habe. Er nimmt das Kind auf die Arme, preist Gott und spricht jene Worte, die die Kirche seither jeden Abend im Stundengebet betet:
Nun lässest Du, Herr, Deinen Diener nach Deinem Worte in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben Dein Heil gesehen, das Du bereitet hast vor dem Angesicht aller Völker, ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zur Herrlichkeit Deines Volkes Israel.
Dieser Lobgesang des Simeon — nach seinem lateinischen Anfang das Nunc dimittis genannt — ist das Herz des Festes. In ihm wird Christus zum ersten Mal ausdrücklich als „ein Licht zur Erleuchtung der Heiden“ bekannt. Von diesem einen Wort her versteht sich der ganze Tag: Darum weiht die Kirche Lichter, darum heißt das Fest im Volk Lichtmess. Ähnlich hatte schon Maria selbst bei der Heimsuchung Gott gepriesen — jenen Lobgesang, das Magnificat, betet die Kirche bis heute jeden Abend zusammen mit dem Nunc dimittis.
Simeon wendet sich sodann an Maria mit einem Wort, das schon auf Karfreitag vorausweist: „Siehe, dieser ist gesetzt zum Falle und zur Auferstehung vieler in Israel … und auch deine eigene Seele wird ein Schwert durchdringen“ (Lukas 2,34–35). Auch die betagte Prophetin Anna tritt hinzu, „pries den Herrn, und redete von ihm zu allen, welche die Erlösung Israels erwarteten“ (Lukas 2,38). Diese Begegnung ist zugleich das vierte freudenreiche Geheimnis des Rosenkranzes: „den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast“.
Die Kerzenweihe und die Lichterprozession
Warum werden ausgerechnet an Mariä Lichtmess die Kerzen geweiht? Weil Christus an diesem Tag als das „Licht zur Erleuchtung der Heiden“ in seinen Tempel eingetreten ist. Die gesegnete Kerze ist ein sichtbares Gleichnis: Das Wachs, von der Biene bereitet, deutet auf den Leib des Herrn; der Docht auf seine Seele; die Flamme auf seine Gottheit. Wer eine Lichtmesskerze entzündet, bekennt schweigend, dass Christus das wahre Licht der Welt ist.
Nach der Segnung der Kerzen hält die Kirche eine Lichterprozession: Die Gläubigen ziehen mit brennenden Lichtern durch das Gotteshaus und tragen sinnbildlich den Herrn, das Licht, in ihre Mitte — so wie Simeon ihn auf seinen Armen trug. Diese geweihten Kerzen nimmt man mit nach Hause; man zündet sie in Zeiten der Not, bei einem Gewitter, an einem Sterbebett an. Dabei gilt: Die Kerze ist ein Sakramentale, kein Talisman. Ihre Kraft liegt nicht im Wachs, sondern im Gebet der Kirche und in unserem Vertrauen auf Gott — nie in einer magischen Wirkung. Am Tag darauf, dem 3. Februar, spendet der Priester vielerorts mit zwei gekreuzten Kerzen den Blasiussegen zum Schutz vor Halskrankheiten.
Das Ende der Weihnachtszeit
Mariä Lichtmess bildet den feierlichen Abschluss des Weihnachtskreises. Vom Advent über die Heilige Nacht und das Fest der Heiligen Drei Könige spannt sich ein weiter Bogen, der erst am 2. Februar zur Ruhe kommt. In vielen katholischen Gegenden bleibt darum die Krippe bis Lichtmess stehen, und erst jetzt wird der Weihnachtsbaum abgeräumt. Dom Guéranger nennt Lichtmess in seinem Kirchenjahr das letzte Aufleuchten der weihnachtlichen Freude, ehe die Kirche sich der Fastenzeit zuwendet.
Bräuche und Bauernregeln rund um Lichtmess
Weil der 2. Februar rund um die Mitte des Winters liegt, hat das Volk viele Bauernregeln an ihn geknüpft. Bekannt ist der Spruch „Lichtmess, bei Tag zu Nacht ess“ — von nun an sind die Tage wieder lang genug, um bei Tageslicht zu Abend zu essen; die Spinnstube am Abend hatte ein Ende („Lichtmess, Spinnen vergess“). Andere Regeln lesen aus dem Wetter dieses Tages die kommende Ernte. Solche Sprüche sind gutes altes Erfahrungsgut und ein Zeichen, wie tief das Fest im bäuerlichen Jahr verwurzelt war — den eigentlichen Sinn aber trägt allein die Kirche: das Licht Christi. Für Kinder lässt sich das schön so erklären: Wir feiern, dass Jesus als das „kleine Licht“ zum ersten Mal in Gottes Haus getragen wurde, und darum tragen auch wir heute Lichter.
Häufig gestellte Fragen
Wann ist Mariä Lichtmess 2026?
Mariä Lichtmess ist ein festes Fest und fällt jedes Jahr auf den 2. Februar — also auch 2026 am Montag, dem 2. Februar. Anders als Ostern oder Pfingsten verschiebt sich das Datum nicht.
Was bedeutet Mariä Lichtmess?
Der Name „Lichtmess“ kommt von der Kerzenweihe und der Lichterprozession dieses Tages. Gefeiert wird die Darstellung des Herrn im Tempel vierzig Tage nach Weihnachten, an der Christus als „Licht zur Erleuchtung der Heiden“ (Lukas 2,32) bekannt wird.
Warum feiern wir Mariä Lichtmess?
Weil Maria und Josef das Jesuskind nach dem Gesetz Moses in den Tempel brachten, um es Gott darzustellen, und weil Simeon es dort als den verheißenen Heiland erkannte. Das Fest verbindet die Reinigung Mariä und die Weihe des Erstgeborenen an den Herrn.
Ist Mariä Lichtmess ein gesetzlicher Feiertag?
Kirchlich ist der 2. Februar ein hoher Festtag, staatlich in Deutschland und Österreich jedoch kein arbeitsfreier Feiertag. Früher war er es vielerorts; heute ist er ein hoher kirchlicher Festtag, aber kein Bank- oder Schulfeiertag.
Ist Mariä Lichtmess katholisch oder evangelisch?
Das Fest wird vor allem katholisch begangen, mit Kerzenweihe und Prozession. Auch die evangelische Kirche kennt den 2. Februar als Gedenktag der Darstellung des Herrn, allerdings ohne die Marienverehrung und ohne die Kerzenweihe.
Warum steht der Weihnachtsbaum bis Lichtmess?
Weil Mariä Lichtmess den Abschluss der Weihnachtszeit bildet. Erst am 2. Februar endet der Weihnachtskreis; darum lässt fromme Sitte die Krippe und den Baum bis zu diesem Tag stehen, ehe die Vorfastenzeit beginnt.
Iter Fidei begleitet Sie durch das ganze Kirchenjahr — mit dem Tagesevangelium in der Allioli-Übersetzung, dem Lobgesang des Simeon und den überlieferten Gebeten zu Mariä Lichtmess. Hier frühen Zugang sichern.
Quellen. Evangelium nach Lukas 2,22–38 (Allioli-Arndt-Bibel, 1914); Nunc dimittis und Magnificat nach dem überlieferten römischen Brevier; Dom Prosper Guéranger, Das Kirchenjahr (L’Année liturgique), Band zur Weihnachtszeit; Katechismus des heiligen Pius X.; Missale Romanum (1962), Fest In Purificatione Beatae Mariae Virginis, 2. Februar.