Das Kirchenjahr
Mariä Himmelfahrt: die Aufnahme Mariens in den Himmel
Am 15. August feiert die Kirche die Aufnahme Mariens mit Leib und Seele in den Himmel. Wir erklären Bedeutung, Datum, die Kräuterweihe und wo der Tag ein Feiertag ist.

An Mariä Himmelfahrt, am 15. August, feiert die heilige Kirche die Aufnahme Mariens in den Himmel — mit Leib und Seele. Das ist der Kern dieses Festes, und zugleich die Antwort auf die häufigste Frage: Was bedeutet Mariä Himmelfahrt? Gott hat die Mutter seines Sohnes am Ende ihres irdischen Lebens nicht der Verwesung des Grabes überlassen, sondern sie ganz — an Leib und Seele — zu sich in die himmlische Herrlichkeit erhoben. Sie ist der ganze Mensch, der schon am Ziel ist, wo wir alle hin unterwegs sind.
Was feiern wir an Mariä Himmelfahrt?
Wir feiern nicht, dass Maria aus eigener Kraft zum Himmel aufgestiegen wäre — das könnte nur der Herr, und darum spricht die Kirche bei Christus von Himmelfahrt, bei Maria aber von Aufnahme (lateinisch Assumptio, englisch Assumption of Mary, „Hinaufgenommen-Werden"). Christus fährt auf, Maria wird aufgenommen. Der volksübliche Name „Mariä Himmelfahrt" meint dasselbe: die selige Jungfrau wurde von Gott aufgenommen.
Diese Wahrheit hat die Kirche zu allen Zeiten geglaubt und im Jahr 1950 durch Papst Pius XII. feierlich als Glaubenssatz (Dogma) verkündet: dass die unbefleckt empfangene, allzeit jungfräuliche Gottesmutter „nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele zur himmlischen Herrlichkeit aufgenommen worden ist". Es wurde damals nichts Neues erfunden, sondern nur bestätigt, was die Gläubigen seit den ersten Jahrhunderten am 15. August begingen.
Wann ist Mariä Himmelfahrt?
Mariä Himmelfahrt ist ein fester Feiertag: er fällt jedes Jahr auf den 15. August — auch 2026. Anders als Ostern oder Pfingsten wandert das Datum nicht, weil es nicht vom Ostervollmond abhängt, sondern seit dem 5./6. Jahrhundert unverrückbar am 15. August liegt. In der traditionellen Liturgie ist es ein Hochfest ersten Ranges mit weißer, festlicher Farbe; Dom Guéranger nennt es in seinem Kirchenjahr das größte aller Marienfeste, gleichsam Mariens Ostern. Es überragt damit die übrigen Marienfeste des Jahres — etwa Mariä Lichtmess oder Mariä Verkündigung, die dem irdischen Leben der Gottesmutter gelten.
Die Kräuterweihe: der Kräuterbuschen zu Mariä Himmelfahrt
Der schönste Brauch dieses Tages ist die Kräuterweihe (auch Kräutersegnung genannt). In der heiligen Messe werden Sträuße aus Heil- und Wildkräutern gesegnet — der Kräuterbuschen, in manchen Gegenden Würzbüschel, Würzwisch oder Kräuterstrauß. Diese Sitte reicht weit zurück: eine alte Legende erzählt, die Apostel hätten am geöffneten Grab Mariens statt ihres Leibes nur duftende Blumen und Kräuter gefunden — Zeichen dafür, dass sie aufgenommen war.
Welche Kräuter gehören in den Kräuterbuschen? Meist eine ungerade Zahl (sieben, neun oder zwölf für die zwölf Apostel), darunter Königskerze als Mittelpunkt, Beifuß, Kamille, Schafgarbe, Johanniskraut, Wermut, Baldrian, Pfefferminze, Salbei und die reifen Ähren des Korns. Der gesegnete Buschen wird zu Hause aufbewahrt — nicht als Glücksbringer oder Zaubermittel, denn Segen wirkt niemals magisch, sondern als sichtbares Zeichen: wir stellen unser Haus, unsere Ernte und unsere Gesundheit unter Gottes schützende Hand und unter den Schutz der Gottesmutter. Es ist ein Gebet in Pflanzengestalt, kein Amulett.
Die Aufnahme Mariens in der Heiligen Schrift
Die heilige Schrift bezeugt Mariens Herrlichkeit im großen Zeichen der Geheimen Offenbarung. Im 12. Kapitel der Apokalypse schaut der Seher Johannes:
Und es erschien ein großes Zeichen im Himmel: Ein Weib mit der Sonne bekleidet, den Mond unter ihren Füßen, und auf ihrem Haupte eine Krone von zwölf Sternen. (Apokalypse 12,1)
Die Kirche hat in diesem sonnengekleideten Weib von jeher zugleich die Kirche und die glorreiche Gottesmutter erkannt. Und Marias eigenes Lob, das sie bei der Heimsuchung anstimmt, ist die feierliche Vorwegnahme dieses Tages — das Magnificat:
Hoch preiset meine Seele den Herrn und mein Geist frohlocket in Gott, meinem Heilande! Weil er die Niedrigkeit seiner Magd angesehen hat; denn siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter. (Lukas 1,46-48)
Wer das ganze Magnificat betet, betet gleichsam die Festmesse dieses Tages mit. Auch das Psalmwort von der Königin zur Rechten des Königs, „in goldgewirktem Kleide" (Psalm 44 (45),10), legt die Kirche seit alters auf die Aufnahme Mariens aus.
Mariä Himmelfahrt für Kinder erklärt
Kindern erklärt man den Tag am besten so: Als Marias Leben auf der Erde zu Ende war, hat der liebe Gott sie nicht ins Grab gehen lassen wie uns andere Menschen, sondern sie ganz — mit ihrem Körper und ihrer Seele — zu sich in den Himmel geholt. Weil Maria den Herrn Jesus getragen und ihn ihr ganzes Leben lang geliebt hat, darf sie nun beim Herrn wohnen und ist unsere Fürsprecherin. Darum bringen wir bunte Blumen und Kräuter mit in die Kirche und danken ihr. Ein einfaches Kindergebet oder ein gemeinsam gebetetes Gegrüßet seist du Maria macht das Fest auch für die Kleinsten greifbar.
Warum ist Mariä Himmelfahrt in Bayern ein Feiertag?
Mariä Himmelfahrt ist kein bundesweiter gesetzlicher Feiertag in Deutschland. Arbeitsfrei ist der 15. August nur im Saarland und in den überwiegend katholischen Gemeinden Bayerns — dort entscheidet die konfessionelle Mehrheit der Gemeinde, weshalb der Tag nicht in ganz Bayern gilt. In allen anderen Bundesländern (etwa Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachsen, Sachsen) ist Mariä Himmelfahrt kein gesetzlicher Feiertag. In Österreich dagegen ist der 15. August landesweit gesetzlicher Feiertag, ebenso in Italien, Spanien, Polen, Kroatien und weiteren katholisch geprägten Ländern.
Wichtiger als die arbeitsfreie Frage ist freilich der Grund des Festes. Der Feiertag ist die bürgerliche Hülle; sein Herz ist der Gottesdienst — die heilige Messe, die Kräuterweihe und, wo sie üblich ist, die feierliche Prozession. Ein Marienfest lädt uns ein, den Tag betend zu begehen: mit dem Rosenkranz, dessen glorreiche Geheimnisse in der Aufnahme und Krönung Mariens gipfeln, mit der Lauretanischen Litanei oder mit dem Salve Regina. Wer eine Novene zu Mariä Himmelfahrt beten möchte, beginnt am 6. August.
Häufig gestellte Fragen
Wann ist Mariä Himmelfahrt 2026?
Am Samstag, den 15. August 2026. Das Datum ist fest und wiederholt sich jedes Jahr am selben Tag.
Was bedeutet Mariä Himmelfahrt?
Die Kirche feiert die Aufnahme Mariens mit Leib und Seele in den Himmel am Ende ihres irdischen Lebens. Papst Pius XII. hat diese immer geglaubte Wahrheit 1950 als Glaubenssatz verkündet.
Warum heißt es „Mariä" und nicht „Maria" Himmelfahrt?
„Mariä" ist die alte Beugung im Genitiv, also „Himmelfahrt Mariens" — die Aufnahme der Maria. Beide Schreibweisen meinen dasselbe Fest; die kirchlich übliche Form ist „Mariä Himmelfahrt".
In welchen Bundesländern ist Mariä Himmelfahrt ein Feiertag?
Gesetzlich arbeitsfrei ist der Tag nur im Saarland und in den katholisch geprägten Gemeinden Bayerns. In den übrigen Ländern ist er kein gesetzlicher Feiertag; in Österreich hingegen landesweit.
Welche Kräuter gehören in den Kräuterbuschen?
Traditionell eine ungerade Zahl von Heilkräutern, oft mit Königskerze im Zentrum, dazu Beifuß, Kamille, Schafgarbe, Johanniskraut, Wermut, Salbei, Baldrian und Getreideähren.
Ist Mariä Himmelfahrt auch ein evangelisches Fest?
Nein. Die feierliche Aufnahme Mariens ist katholische Glaubenslehre; die evangelischen Kirchen begehen den 15. August nicht als Fest.
In der App Iter Fidei findest du für Mariä Himmelfahrt die Festmesse im überlieferten Ritus, das Magnificat mit Vertonung, den Rosenkranz und ein Gebet zur Kräuterweihe — alles zum Mitbeten. Hier frühen Zugang sichern.
Quellen. Allioli-Bibel (Apokalypse 12; Lukas 1,46-55; Psalm 44); Apostolische Konstitution Munificentissimus Deus, Pius XII. (1950); Dom Prosper Guéranger, Das Kirchenjahr (L'Année liturgique), Fest Mariä Aufnahme; Katechismus des hl. Pius X.; Iter-Fidei-Gebetsschatz (Magnificat, Ave Maria).