Das Kirchenjahr
Gründonnerstag: das letzte Abendmahl
Am Gründonnerstag, dem 2. April 2026, feiert die Kirche das letzte Abendmahl: die Einsetzung der heiligen Eucharistie und des Priestertums sowie die Fußwaschung. Bedeutung, Name und Liturgie im Überblick.

Der Gründonnerstag ist der Donnerstag der Karwoche, an dem die Kirche des letzten Abendmahls Jesu Christi gedenkt: jenes Abends, an dem der Herr im Kreise der Apostel die heilige Eucharistie und das Priestertum einsetzte und seinen Jüngern die Füße wusch. Mit ihm beginnt das Triduum Sacrum, die drei heiligen Tage von Leiden, Tod und Auferstehung des Herrn. 2026 fällt der Gründonnerstag auf den 2. April.
Wann ist Gründonnerstag 2026?
Gründonnerstag ist 2026 am 2. April. Es ist ein beweglicher Gedenktag: Er hängt vom Osterdatum ab und fällt stets auf den Donnerstag vor Ostern. Ostersonntag ist der erste Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond — 2026 der 5. April; drei Tage zuvor, am Donnerstag, ist Gründonnerstag. Von diesem Tag zählt sich die ganze heilige Woche: Palmsonntag am 29. März, Gründonnerstag am 2. April, Karfreitag am 3. April und Ostern am 5. April. 2027 verschiebt sich alles nach vorn: Ostern ist dann am 28. März, Gründonnerstag am 25. März.
In Deutschland ist der Gründonnerstag in keinem Bundesland ein gesetzlicher Feiertag — weder in Bayern noch in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Sachsen oder Berlin. Anders als am Karfreitag oder Ostermontag haben die Geschäfte geöffnet und man arbeitet regulär; auch ein Tanzverbot gilt an diesem Tag nicht. Umso mehr lädt sein Rang als einer der höchsten Tage des Kirchenjahres dazu ein, ihn nicht als bloßen Werktag verstreichen zu lassen, sondern am Abend die heilige Messe mitzufeiern.
Was feiern wir am Gründonnerstag? Das letzte Abendmahl
Am Gründonnerstag versammelte der Herr am Vorabend seines Leidens die zwölf Apostel zum Paschamahl. Dabei geschah das Größte: Er nahm Brot und Wein und wandelte sie in seinen Leib und sein Blut. So berichtet das Evangelium nach Matthäus:
Während sie aber aßen, nahm Jesus Brot, segnete und brach es, gab es seinen Jüngern, und sprach: Nehmet hin, und esset, dies ist mein Leib! Und er nahm den Kelch, dankte, und gab ihnen denselben, indem er sprach: Trinket alle daraus; denn dieses ist mein Blut des neuen Testamentes, welches für viele vergossen werden wird zur Vergebung der Sünden.
— Matthäus 26, 26–28 (Allioli)
Mit diesen Worten stiftete Christus das heilige Messopfer und schenkte sich uns in der Eucharistie. Es ist derselbe Leib, der am folgenden Tage am Kreuze hingegeben wurde — nun bleibend gegenwärtig unter den Gestalten von Brot und Wein. Der Gründonnerstag ist so der Geburtstag des Allerheiligsten Altarsakramentes.
Die Einsetzung der Eucharistie und des Priestertums
Als der Herr sprach: "Tut dies zu meinem Gedächtnis", gab er den Aposteln zugleich Auftrag und Vollmacht, dieses Opfer zu erneuern. In diesem Augenblick wurden die Apostel zu den ersten Priestern des Neuen Bundes geweiht. Darum feiert die Kirche am Gründonnerstag nicht nur die Einsetzung der Eucharistie, sondern auch die Einsetzung des Priestertums. Beide gehören untrennbar zusammen: Ohne das geweihte Priestertum gäbe es kein Messopfer, und ohne das Messopfer bliebe uns der Herr nicht in der heiligen Kommunion. Der Katechismus des Konzils von Trient lehrt, dass Christus in dieser Nacht das vollkommene Opfer stiftete, das bis ans Ende der Zeiten dargebracht werden soll.
Die Fußwaschung
Vor dem Mahl gab der Herr seinen Jüngern ein bleibhaftes Beispiel der Demut und der Liebe. Der Evangelist Johannes schildert es ausführlich:
Er stand vom Mahle auf, legte seine Oberkleider ab, nahm ein leinenes Tuch, und umgürtete sich damit. Dann goss er Wasser in ein Becken, und fing an, seinen Jüngern die Füße zu waschen. […] Wenn nun ich euch die Füße gewaschen habe, euer Herr und Meister, so müsset auch ihr, einer dem andern, die Füße waschen. Denn ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so tuet, wie ich euch getan habe.
— Johannes 13, 4–5.14–15 (Allioli)
Die Fußwaschung ist deshalb bis heute Teil der Liturgie des Gründonnerstags: Der Priester wäscht — wie der Herr — zwölf Männern die Füße, zum Zeichen dessen, dass wahre Größe im Dienen liegt. Im selben Abendmahlssaal gab Christus auch das neue Gebot: "Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebet, wie ich euch geliebet habe" (Joh 13, 34) — von diesem lateinischen mandatum novum leitet sich der englische Name des Tages, Maundy Thursday, her.
Warum heißt es Gründonnerstag? Woher kommt der Name?
Der Name Gründonnerstag hat nichts mit der Farbe Grün oder mit "grünem Essen" zu tun, auch wenn mancherorts der Brauch besteht, an diesem Tag Spinat, Kräutersuppe oder "grüne Soße" zu essen. Die wahrscheinlichste Deutung führt "grün" auf das mittelhochdeutsche Wort grīnen (weinen, greinen) zurück: Es war der Tag, an dem die öffentlichen Büßer nach ihrer Buße wieder in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen wurden — die "Weinenden" wurden zu "Grünenden", also frisch Aufblühenden. Eine ältere Deutung sieht darin die dies viridium, den "Tag der Grünen", das heißt der durch die Lossprechung neu erblühten Seelen. Der Tag steht also ganz im Zeichen der Vergebung und des geistlichen Neubeginns — passend zum Ende der Fastenzeit.
Bräuche am Gründonnerstag: grünes Essen und gute Wünsche
Volkstümlich hat sich um den Tag ein Kranz von Bräuchen gebildet. Der bekannteste ist das grüne Essen: Vielerorts kommen an diesem Tag Spinat, Kräutersuppe, Sauerampfer, die hessische "grüne Soße" oder eine kräftige Suppe aus sieben oder neun Kräutern auf den Tisch — ein Zeichen des Frühlings und des erwachenden Lebens. In manchen Gegenden bäckt man eigens geflochtene Brezeln. Diese Bräuche sind schön, doch man merke sich: Sie haben mit dem eigentlichen Sinn des Tages nichts zu tun und begründen keine Pflicht; der Name kommt nicht vom grünen Gemüse.
Auch das gegenseitige Grüßen gehört dazu. Wer Verwandten oder Freunden einen Gruß zum Gründonnerstag senden möchte, greift am besten zu einem stillen, ernsten Wort, das auf die heiligen Tage vorbereitet — etwa: "Gesegnete heilige Tage." Weitere Anregungen und christliche Segenswünsche helfen, den Gruß dem Ernst der Karwoche anzupassen, statt ihn ins Beliebige abgleiten zu lassen.
Die Liturgie: Abendmahlsmesse, Ölweihe und Altarentblößung
Der Gründonnerstag kennt zwei besondere Feiern. Am Vormittag versammelt der Bischof in der Kathedrale den Klerus zur Chrisammesse, in der die heiligen Öle für das kommende Jahr geweiht werden — das Chrisam für Taufe, Firmung und Bischofsweihe, das Krankenöl und das Katechumenenöl. Diese Ölweihe ist ein sichtbares Zeichen der Einheit von Bischof und Priestern.
Am Abend folgt die feierliche Abendmahlsmesse "vom letzten Abendmahl des Herrn". Die liturgische Farbe ist Weiß, die Orgel erklingt beim Gloria ein letztes Mal, dann verstummt sie; an ihrer Stelle rufen hölzerne Klappern. Nach der Messe wird das Allerheiligste in feierlicher Prozession zu einem Seitenaltar übertragen, wo die Gläubigen in der stillen Ölbergstunde wachen — im Gedenken an das Gebet Jesu im Garten Gethsemani. Bei dieser Übertragung singt man das Pange lingua bis zu seinen beiden Schlussstrophen, dem Tantum ergo. Zum Schluss werden die Altäre entblößt und die Tabernakel geöffnet und leer gelassen: Die Kirche geht mit dem Herrn in die Nacht seines Leidens hinein, hinüber zum Karfreitag. Der Gründonnerstag bildet so das Herzstück der Karwoche, an deren Ende die Freude von Ostern steht.
Häufig gestellte Fragen
Was feiern wir am Gründonnerstag?
Wir feiern das letzte Abendmahl Jesu mit den Aposteln und damit die Einsetzung der heiligen Eucharistie und des Priestertums sowie die Fußwaschung. Es ist der erste der drei heiligen Tage vor Ostern.
Warum heißt der Donnerstag vor Ostern Gründonnerstag?
Am wahrscheinlichsten geht "grün" auf das mittelhochdeutsche grīnen (weinen) zurück und meint den Tag, an dem die Büßer wieder aufgenommen wurden. Mit der Farbe oder mit grünem Essen hat der Name ursprünglich nichts zu tun.
Ist Gründonnerstag ein Feiertag?
In Deutschland ist der Gründonnerstag kein gesetzlicher Feiertag; die Geschäfte haben geöffnet und man arbeitet regulär. Kirchlich zählt er dennoch zu den höchsten Tagen des Jahres.
Was ist die Fußwaschung am Gründonnerstag?
Vor dem Abendmahl wusch Jesus seinen Jüngern die Füße, um sie zur Demut und zum Dienen anzuleiten (Johannes 13). In der Liturgie wäscht der Priester heute zwölf Männern die Füße.
Was geschah am Gründonnerstag mit Jesus?
Jesus hielt das letzte Abendmahl, setzte die Eucharistie ein, wusch den Jüngern die Füße und ging danach zum Gebet an den Ölberg, wo er gefangen genommen wurde.
Darf man am Gründonnerstag Fleisch essen?
Ja. Nach dem Kirchenrecht, das 1962 galt, ist der Gründonnerstag wie jeder Wochentag der Fastenzeit ein Fasttag, aber kein Abstinenztag; der strengste Buß- und Fasttag ist der Karfreitag. Der Gründonnerstag gehört zur Fastenzeit, doch der Abend gilt dem festlichen Gedächtnis der Eucharistie — die abendliche Messe trägt schon einen Zug der Freude.
Iter Fidei begleitet Sie durch die heiligen Tage: mit dem Abendmahlsevangelium, den Gebeten zur Ölbergstunde und dem Kreuzweg für Karfreitag — ganz in der überlieferten Ordnung von 1962. Hier frühen Zugang sichern.
Quellen. Allioli-Bibel (Matthäus 26; Johannes 13); Catechismus Romanus (Katechismus des Konzils von Trient), Lehre vom Altarsakrament; Dom Prosper Guéranger, Das Kirchenjahr (Die Karwoche); Missale Romanum (1962), Feria V in Cena Domini.