Das Kirchenjahr
Die Karwoche: die Heilige Woche
Die Karwoche ist die heiligste Woche des Kirchenjahres. Wir erklären ihre Tage von Palmsonntag bis Ostern, die Bedeutung des Wortes Kar und den Ablauf einfach und für Kinder.

Die Karwoche ist die heiligste Woche des ganzen Kirchenjahres. In ihr begeht die Kirche das Leiden, den Tod und die Grabesruhe unseres Herrn Jesus Christus, bis am Ostermorgen das Licht der Auferstehung aufstrahlt. Wer sie versteht, versteht das Herz des christlichen Glaubens.
Was ist die Karwoche?
Die Karwoche ist die Woche unmittelbar vor Ostern. Sie beginnt am Palmsonntag und reicht bis zum Karsamstag; am Ostersonntag ist sie zu Ende und das Osterfest beginnt. In diesen Tagen tritt die Kirche gleichsam neben ihren Herrn und begleitet ihn Schritt für Schritt: vom Einzug in Jerusalem über das letzte Abendmahl und den Kreuzestod bis zur stillen Ruhe im Grab.
Sie bildet den Höhepunkt der Fastenzeit und ist zugleich deren letzter, dichtester Abschnitt. Der heilige Apostel schreibt von der Selbsterniedrigung des Herrn, die im Mittelpunkt dieser Woche steht:
Er erniedrigte sich selbst, indem er gehorsam ward bis zum Tode, ja, zum Tode am Kreuze. Darum hat ihn auch Gott hoch erhoben, und ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist. (Philipper 2, 8–9)
Was bedeutet das Wort "Kar"?
Viele fragen, warum die Karwoche so heißt. Das Wort "Kar" stammt vom althochdeutschen kara und bedeutet Klage, Kummer, Trauer. Die Karwoche ist also die "Woche der Klage" — die Woche, in der wir das bittere Leiden des Herrn betrauern. Daher tragen auch der Karfreitag und der Karsamstag dieses Wort im Namen. Es hat nichts mit dem modernen Wort "Karren" zu tun, sondern meint schlicht die heilige Trauer der Christenheit angesichts des Kreuzes.
Die Tage der Karwoche
Jeder Tag der Heiligen Woche hat seinen eigenen Gehalt. So verläuft der Ablauf der Karwoche:
- Palmsonntag — der Einzug des Herrn in Jerusalem. Das Volk breitet Zweige und Kleider auf den Weg und ruft ihm zu. Mit der Palmweihe und der feierlichen Prozession eröffnet die Kirche die Karwoche.
- Montag, Dienstag und Mittwoch der Karwoche — stille Tage der Vorbereitung. Am Karmittwoch gedenkt die Liturgie des Verrats durch Judas.
- Gründonnerstag (2. April 2026) — das letzte Abendmahl, die Einsetzung der heiligen Eucharistie und des Priestertums, die Fußwaschung. Am Abend beginnt das heilige Triduum.
- Karfreitag (3. April 2026) — der Todestag des Herrn. Die Kirche feiert keine heilige Messe, sondern die Feier vom Leiden und Sterben Christi mit der Kreuzverehrung. Ein strenger Fast- und Abstinenztag.
- Karsamstag (4. April 2026) — die Grabesruhe des Herrn. Ein Tag der Stille, an dem die Altäre leer bleiben und die Kirche wachend am Grab verweilt, bis in der Osternacht die Auferstehung verkündet wird.
- Ostersonntag (5. April 2026) — die Auferstehung, das größte Fest der Christenheit. Mit ihm ist die Karwoche vollendet.
Der Palmsonntag — Beginn der Karwoche
Die Karwoche beginnt mit dem Palmsonntag, dem Gedächtnis des Einzugs in Jerusalem. Der Evangelist berichtet:
Sehr viel Volk aber breitete seine Kleider auf den Weg; und andere hieben Zweige von den Bäumen, und streuten sie auf den Weg. Die Scharen aber, welche ihm voran zogen und welche nachfolgten, schrien und sprachen: Hosanna dem Sohne Davids; gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn; Hosanna in der Höhe! (Matthäus 21, 8–9)
Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zum Palmsonntag.
Das österliche Triduum — die drei heiligen Tage
Das Herz der Karwoche ist das österliche Triduum (lateinisch Sacrum Triduum), die drei heiligen Tage vom Abend des Gründonnerstags über den Karfreitag und den Karsamstag bis zur österlichen Vigil. Diese drei Tage bilden eine einzige, ununterbrochene Feier des Übergangs des Herrn vom Tod zum Leben. Am Gründonnerstag verstummen nach dem Gloria die Glocken und Orgeln; sie schweigen, bis sie in der Osternacht wieder erklingen.
Der Karsamstag — die Grabesruhe des Herrn
Der Karsamstag ist der stillste Tag des Jahres. Der Leib des Herrn ruht im Grab, und die Kirche hält Wache. Es wird keine heilige Messe gefeiert, die Altäre sind entblößt, der Tabernakel steht offen und leer. Es ist ein Tag des Schweigens und der Erwartung — jene tiefe Ruhe, in der schon der Keim der Auferstehung verborgen liegt. Am Karfreitag hatte der Herr am Kreuz die Worte des Psalmisten aufgenommen:
Gott, mein Gott! schaue her auf mich, warum hast du mich verlassen? (Psalm 21 (22), 2)
Die Bedeutung der Karwoche
Die Karwoche ist mehr als ein Gedenken an vergangene Ereignisse. In der heiligen Liturgie wird das Erlösungswerk gegenwärtig: Wir gehen mit dem Herrn den Weg des Leidens, damit wir auch an seiner Auferstehung Anteil erhalten. Dom Guéranger nennt diese Tage in seinem Kirchenjahr die "große Woche", in der die Kirche alle ihre Schätze der Frömmigkeit ausbreitet.
Die liturgische Farbe dieser Tage ist Violett, die Farbe der Buße; am Karfreitag trug man nach altem Brauch Schwarz, die Farbe der Trauer. Viele Gläubige wünschen einander zu Beginn dieser Woche eine "gesegnete Karwoche" und einen guten Start in die Heilige Woche — ein frommer Gruß, der an den ernsten und zugleich hoffnungsvollen Charakter dieser Tage erinnert. Gute geistliche Wege durch diese Woche sind das andächtige Beten des Kreuzwegs, eine gute Beichte vor Ostern und die Betrachtung des Leidens des Herrn. So werden aus äußeren Bräuchen echte innere Umkehr.
Die Karwoche für Kinder erklärt
Kindern lässt sich die Karwoche gut als eine Reise mit Jesus erzählen. Am Palmsonntag wird Jesus wie ein König in die Stadt geleitet, und die Menschen winken ihm mit grünen Zweigen zu. Am Gründonnerstag feiert er mit seinen Freunden das letzte Mahl und wäscht ihnen die Füße. Am Karfreitag stirbt Jesus am Kreuz für uns — darum sind wir an diesem Tag ganz still und traurig. Am Karsamstag warten wir am Grab. Und am Ostermorgen ist das Grab leer: Jesus lebt! So verstehen schon die Kleinen, dass auf die Trauer die Freude folgt.
Häufig gestellte Fragen
Wann ist die Karwoche 2026?
Die Karwoche 2026 beginnt am Palmsonntag, dem 29. März 2026, und endet am Karsamstag, dem 4. April 2026; der Ostersonntag fällt auf den 5. April 2026. Da Ostern ein bewegliches Fest ist — der erste Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond —, verschiebt sich auch die Karwoche jedes Jahr. 2027 beginnt sie am 21. März, denn der Ostersonntag ist dann der 28. März 2027.
Was bedeutet das Wort Karwoche?
"Kar" kommt vom althochdeutschen kara und bedeutet Klage, Kummer und Trauer. Die Karwoche ist also die Woche der Trauer über das Leiden und Sterben des Herrn. Ebenso erklären sich die Namen Karfreitag und Karsamstag.
Welche Tage gehören zur Karwoche?
Zur Karwoche gehören der Palmsonntag, der Montag, Dienstag und Mittwoch der Karwoche, der Gründonnerstag, der Karfreitag und der Karsamstag. Mit dem Ostersonntag ist sie abgeschlossen.
Was ist das österliche Triduum?
Das österliche Triduum sind die drei heiligen Tage vom Abend des Gründonnerstags bis zur Osternacht: Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag. Sie bilden gemeinsam die eine große Feier von Leiden, Tod und Auferstehung des Herrn und sind der Höhepunkt des ganzen Kirchenjahres.
Darf man in der Karwoche Wäsche waschen?
Die Kirche kennt kein Gebot, das in der Karwoche das Wäschewaschen verbietet. Solche Vorstellungen sind alter Volksglaube ohne geistlichen Wert; ein Christ soll sich nicht von abergläubischen Verboten leiten lassen. Worauf es wirklich ankommt, ist die innere Vorbereitung auf Ostern durch Gebet, Buße und Werke der Nächstenliebe — nicht der Verzicht auf alltägliche Arbeit an sich.
Was soll man in der Karwoche geistlich tun?
Diese Woche lädt zu einer stillen, gesammelten Haltung ein: den Gottesdiensten der Heiligen Woche beiwohnen, den Kreuzweg beten, eine gute Beichte ablegen und das Leiden des Herrn betrachten. So wird die Karwoche nicht nur ein äußeres Gedenken, sondern ein Weg der Umkehr, der uns bereitet, das Osterfest würdig zu feiern.
In der App Iter Fidei begleiten wir Sie durch jeden Tag der Karwoche — mit den Gebeten der Heiligen Woche, dem Kreuzweg und den Texten der Liturgie nach dem überlieferten Ritus. Hier frühen Zugang sichern.
Quellen. Allioli-Bibel (Matthäus 21; Philipper 2; Psalm 21 (22)); Dom Prosper Guéranger, Das Kirchenjahr (L'Année liturgique), Band zur Karwoche und zum Passionssonntag; Katechismus des heiligen Pius X.; Missale Romanum (Ausgabe 1962), Riten der Heiligen Woche.