Die Sakramente
Das Ehesakrament: die katholische Ehe und die kirchliche Trauung
Was das Sakrament der Ehe ist, warum die katholische Ehe unauflöslich ist und wie eine kirchliche Trauung abläuft: Voraussetzungen, Unterlagen und Ehevorbereitung.

Das Sakrament der Ehe ist der von Gott selbst gestiftete Bund, durch den ein getaufter Mann und eine getaufte Frau sich einander auf Lebenszeit schenken. Das Besondere: Die Brautleute spenden dieses Sakrament einander selbst. Der Priester ist der amtliche Zeuge der Kirche, aber es sind Braut und Bräutigam, die durch ihr freies Jawort das Band schließen. Dieses Band ist unauflöslich, es ist auf das Wohl der Eheleute und auf den Empfang und die Erziehung von Kindern hingeordnet, und es gießt den Eheleuten die Gnade ein, ihren Stand heilig zu leben.
Die Kirche hat die Ehe nicht erfunden. Sie war von Anfang an im Schöpfungswerk Gottes angelegt. Im ersten Buch Moses (Genesis) lesen wir:
Und Gott, der Herr, sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Lasset uns ihm eine Gehilfin machen, die ihm gleiche. … Darum wird der Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen, und seinem Weibe anhangen; und beide werden ein Fleisch sein. (1 Moses 2,18.24)
Was ist das Sakrament der Ehe?
Der Katechismus des heiligen Pius X. und der Katechismus des Konzils von Trient lehren uns drei wesentliche Güter der christlichen Ehe. Der heilige Augustinus fasste sie so zusammen: die Nachkommenschaft (proles), die eheliche Treue (fides) und das unauflösliche Band (sacramentum). Wer katholisch heiratet, sagt also nicht nur einem geliebten Menschen sein Ja, sondern nimmt bewusst diese drei Güter an.
Unser Herr hat die Ehe zum Sakrament erhoben und ihr ursprüngliche Würde und Festigkeit zurückgegeben. Auf die Frage nach der Scheidung antwortete er:
Habt ihr nicht gelesen, dass der, welcher im Anbeginne den Menschen erschuf, sie als Mann und Weib geschaffen hat? … Demnach sind sie nicht mehr Zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht trennen. (Matthäus 19,4-6)
Der heilige Paulus enthüllt schließlich die tiefste Bedeutung des Sakraments. Die eheliche Liebe ist ein lebendiges Abbild der Liebe Christi zu seiner Kirche:
Ihr Männer! liebet eure Frauen, so wie auch Christus die Kirche geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat … Dieses Geheimnis ist groß, ich sage aber in Christus und der Kirche. (Epheser 5,25.32)
Darum ist die katholische Ehe kein bloßer Vertrag, den man nach Belieben aufkündigt, sondern ein heiliges Zeichen, das die treue Hingabe des Gekreuzigten in der Welt sichtbar macht.
Die Ehe ist unauflöslich
Kein Punkt wird heute so oft übersehen wie dieser: Eine gültig geschlossene und vollzogene sakramentale Ehe zwischen zwei Getauften kann von keiner Macht auf Erden getrennt werden, auch nicht von der Kirche selbst. Der Herr sagt es unmissverständlich bei Markus:
Was nun Gott verbunden hat, soll der Mensch nicht trennen. (Markus 10,9)
Eine staatliche Scheidung löst das Band vor Gott nicht auf. Wer nach einer Scheidung eine neue Verbindung eingeht, während der erste Ehepartner lebt, lebt objektiv in einer Lage, die dem Willen Christi widerspricht. Davon zu unterscheiden ist das kirchliche Ehenichtigkeitsverfahren: Hier stellt ein Kirchengericht nicht eine Ehe auf, sondern es prüft und erklärt gegebenenfalls, dass eine gültige Ehe von Anfang an nie zustande gekommen ist, etwa wegen eines Ehehindernisses oder eines Mangels im Ehewillen.
Ablauf der kirchlichen Trauung (katholisch)
Der Ablauf der kirchlichen Trauung folgt einer festen, würdigen Ordnung. In der überlieferten Form wird die Trauung oft im Rahmen einer heiligen Brautmesse gefeiert. Der Ablauf einer kirchlichen Trauung gliedert sich in der Regel so:
- Einzug und Empfang des Brautpaares vor dem Altar.
- Wortgottesdienst mit Lesung und Evangelium (etwa Epheser 5 oder das Evangelium von Kana).
- Trauungsdialog: Der Priester fragt die Brautleute nach ihrer Freiheit, ihrer Bereitschaft zur lebenslangen Treue und ihrer Offenheit für Kinder.
- Das Jawort (Konsens): Braut und Bräutigam sprechen einander das Eheversprechen zu. Dies ist der eigentliche, sakramentspendende Kern.
- Segnung und Wechsel der Ringe: Der Priester segnet die Ringe als Zeichen der Treue.
- Feierlicher Ehesegen über die Neuvermählten.
- In der Brautmesse: heilige Messe mit Kommunion, oft mit einem eigenen Brautsegen nach dem Vaterunser.
Eine kirchliche Trauung dauert als reine Trauung ohne Messe etwa 30 bis 45 Minuten, im Rahmen einer vollen Brautmesse rund eine Stunde. Die Ehe ist eines der sieben Sakramente der Kirche und will würdig gefeiert werden.
Lieder, Lesungen und Sprüche zur kirchlichen Trauung
Bei den Liedern für die kirchliche Trauung gilt in der überlieferten Ordnung ein einfacher Grundsatz: In das Gotteshaus gehört geistliche, keine weltliche Musik. Bewährt sind der gregorianische Choral, Marienlieder wie das Ave Maria, das Veni Creator Spiritus zur Anrufung des Heiligen Geistes sowie der Lobgesang Großer Gott, wir loben dich. Wer moderne Lieder für die kirchliche Trauung wünscht, bespreche die Auswahl mit dem Priester und dem Organisten, damit sie dem heiligen Ort entsprechen. Als Lesung zur kirchlichen Trauung wählen viele Brautpaare das Hohelied der Liebe (1 Korinther 13), Epheser 5 oder das Evangelium von der Hochzeit zu Kana (Johannes 2). Für einen Spruch zur kirchlichen Trauung und für herzliche Glückwünsche an das Brautpaar eignet sich ein Wort der Heiligen Schrift; eine Auswahl bieten unsere Trausprüche und die Fürbitten zur Hochzeit.
Voraussetzungen und Unterlagen: Was braucht man?
Wer katholisch kirchlich heiraten möchte, sollte sich rechtzeitig, am besten sechs bis zwölf Monate vorher, im Pfarramt melden. Als Voraussetzung für die kirchliche Trauung gilt:
- Mindestens einer der Partner ist katholisch getauft.
- Beide sind ehefähig und frei (nicht bereits gebunden).
- Beide wollen eine wahre Ehe im Sinne der Kirche schließen: treu, unauflöslich und offen für Kinder.
An Unterlagen verlangt das Pfarramt üblicherweise einen aktuellen Taufschein (nicht älter als sechs Monate), gegebenenfalls den Firmnachweis, sowie amtliche Ausweise. Im vorbereitenden Gespräch wird das sogenannte Ehevorbereitungsprotokoll (Traumatrikel) ausgefüllt, in dem der Priester die Freiheit und den rechten Ehewillen der Brautleute feststellt. Die eigentliche Ehevorbereitung umfasst persönliche Gespräche mit dem Priester und oft ein Eheseminar der katholischen Kirche, in dem Brautpaare sich geistlich und menschlich auf den Ehestand vorbereiten. Wer die Firmung, die Taufe oder die heilige Kommunion noch nicht empfangen hat, bespricht dies ebenfalls hier.
Ehehindernisse
Die Kirche kennt Ehehindernisse, die eine Trauung verbieten oder ungültig machen. Dazu zählen unter anderem ein bereits bestehendes Eheband, zu nahe Blutsverwandtschaft, das Fehlen des vorgeschriebenen Alters oder die Weihe zum Priester und das Ordensgelübde. Von manchen dieser Hindernisse kann der zuständige Bischof unter bestimmten Bedingungen eine Dispens gewähren. Deshalb ist das offene, ehrliche Gespräch mit dem Priester so wichtig.
Kirchliche Trauung ohne Firmung
Eine häufige Frage: Kann man ohne Firmung kirchlich heiraten? Ja. Die Firmung ist keine strenge Bedingung für die Gültigkeit der Ehe. Das Kirchenrecht wünscht jedoch, dass Katholiken vor der Ehe gefirmt sind, sofern dies ohne schweren Nachteil möglich ist. In der Praxis rät der Priester oft, die Firmung noch nachzuholen, verweigert aber die Trauung deswegen nicht.
Kirchliche Trauung ohne Standesamt und konfessionsverbindende Ehe
Für Katholiken ist die kirchliche Trauung die eigentliche, vor Gott gültige Eheschließung. Eine kirchliche Trauung ohne Standesamt ist kirchenrechtlich in vielen Fällen möglich, doch die staatliche Anerkennung als Zivilehe bringt allein das Standesamt. Bei einer konfessionsverbindenden Ehe (ein katholischer und ein evangelischer Partner) ist die Trauung möglich; der katholische Partner verspricht dabei, den Glauben zu bewahren und die Kinder katholisch taufen und erziehen zu lassen. Für die geistliche Vorbereitung helfen ein gutes Morgengebet und der gemeinsame Rosenkranz, damit die Ehe von Anfang an auf Gott gegründet ist.
Häufig gestellte Fragen
Was kostet eine kirchliche Trauung?
Das Sakrament selbst hat keinen Preis und ist unentgeltlich. Kosten entstehen nur für Nebendinge wie Blumenschmuck, Musiker oder Organist. Für die Trauung als solche verlangt die Kirche kein Geld; eine freiwillige Spende ist willkommen.
Was braucht man für eine kirchliche Trauung?
In der Regel einen aktuellen Taufschein beider (bzw. des katholischen) Partner, gegebenenfalls den Firmnachweis, Ausweise sowie die Teilnahme an der Ehevorbereitung. Das Pfarramt füllt das Ehevorbereitungsprotokoll aus.
Kann man kirchlich heiraten ohne Firmung?
Ja, die Firmung ist keine Gültigkeitsbedingung. Die Kirche empfiehlt aber, sie vorher zu empfangen, wenn es ohne große Schwierigkeit möglich ist.
Ist eine kirchliche Trauung ohne Standesamt möglich?
Kirchenrechtlich ist dies in vielen Fällen zulässig, doch nur das Standesamt begründet die staatlich anerkannte Zivilehe. Sprechen Sie den konkreten Fall mit Ihrem Pfarrer durch.
Warum ist die katholische Ehe unauflöslich?
Weil der Herr selbst gesagt hat: „Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht trennen." Eine gültige, vollzogene sakramentale Ehe bindet bis zum Tod eines Partners.
Wie lange dauert eine kirchliche Trauung?
Eine reine Trauung ohne heilige Messe dauert etwa 30 bis 45 Minuten, eine vollständige Brautmesse rund eine Stunde.
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Quellen. Allioli-Bibel (1 Moses 2; Matthäus 19; Markus 10; Epheser 5); Katechismus des Konzils von Trient; Katechismus des heiligen Pius X.; hl. Augustinus, De bono coniugali.