Die Heiligen
Apostel Matthias: Wahl durch das Los, Grab in Trier & Gebet
Wer war der Apostel Matthias? Der Jünger, den das Los an die Stelle des Judas berief, die Überlieferungen von seiner Mission und seinem Martyrium, sein Grab in der Abtei St. Matthias in Trier, sein Symbol, der Namenstag am 24. Februar und das Gebet des Messbuchs von 1962.
Der Apostel Matthias ist der Jünger, den die elf Apostel nach der Himmelfahrt des Herrn durch das Los an die Stelle des Verräters Judas Iskariot wählten, damit die Zahl der Zwölf wieder voll sei. Die Heilige Schrift berichtet nur von dieser Wahl; über sein späteres Wirken und seinen Tod gibt es mehrere, voneinander abweichende Überlieferungen. In Deutschland wird er besonders in Trier verehrt, wo seine Gebeine nach der Überlieferung in der Abtei St. Matthias ruhen; im Kalender von 1962 feiert die Kirche ihn am 24. Februar, in Schaltjahren am 25. Februar, als Fest II. Klasse.
Wer war der Apostel Matthias?
Der Apostel Matthias im Steckbrief:
- Name: Matthias, eine Form des hebräischen Namens, der „Geschenk Gottes" bedeutet
- Herkunft: ein Jude aus dem Kreis der Jünger, die Jesus von der Taufe des Johannes bis zur Himmelfahrt begleitet hatten
- Berufung: nach der Himmelfahrt durch das Los zum Apostel gewählt (Apostelgeschichte 1, 15–26)
- Mission: nach der Überlieferung zuerst in Judäa, dann in fernen Ländern; die Griechen nennen Kappadokien und die Küsten des Kaspischen Meeres
- Tod: als Märtyrer; Ort und Art sind nicht sicher überliefert
- Grab: nach der Überlieferung in der Abtei St. Matthias in Trier
- Fest und Namenstag: 24. Februar, in Schaltjahren 25. Februar (Kalender von 1962); seit 1969 im allgemeinen Kalender am 14. Mai
- Symbol: das Beil, dazu das Buch
Geburt und frühe Jahre
Auf die Frage „Wann wurde der Apostel Matthias geboren?" gibt es keine Antwort. Weder die Schrift noch eine verlässliche alte Quelle nennen sein Geburtsjahr, seinen Geburtsort oder seine Familie. Sicher ist nur, was der heilige Petrus bei seiner Wahl voraussetzt: Matthias war ein Zeitgenosse Jesu und gehörte zu den Männern, die mit den Aposteln „während der ganzen Zeit" zusammen waren, „da der Herr Jesus unter uns aus und ein ging".
Klemens von Alexandrien berichtet nach der Überlieferung, Matthias sei einer der zweiundsiebzig Jünger gewesen, die der Herr zu zweien vor sich her aussandte; dasselbe sagen Eusebius und der heilige Hieronymus. Butler hält fest, dass er nach der Apostelgeschichte beständig beim Heiland war, von dessen Taufe bis zu seiner Himmelfahrt.
Die Wahl des Apostels Matthias
Nach dem Verrat und dem Tod des Judas zählten die Apostel nur noch elf. Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten, als die Jünger im Abendmahlssaal im Gebet verharrten, erhob sich Petrus. Das ist die Epistel der Messe am Fest des Apostels und zugleich die Lesung der ersten Nokturn im Brevier:
In diesen Tagen erhob sich Petrus inmitten der Brüder (es war aber eine Schar beisammen, von etwa hundert und zwanzig Personen) und sprach: Brüder! Es muss das Schriftwort erfüllt werden, welches der heilige Geist durch den Mund Davids vorhergesagt hat von Judas, welcher denen, die Jesus gefangen nahmen, zum Führer diente, der uns beigezählet war und Anteil an diesem Amte erhalten hatte. Dieser nun erwarb sich einen Acker von dem Lohne der Ruchlosigkeit, und er erhängte sich, und barst mitten entzwei, und alle seine Eingeweide wurden verschüttet. Und es wurde allen Einwohnern von Jerusalem bekannt, so dass jener Acker in ihrer Sprache Hakeldama, das ist Blutacker, genannt wurde. Denn es steht im Buche der Psalmen geschrieben: Ihre Wohnstätte stehe verödet, und niemand sei, der darin wohne! Und: Sein Amt erhalte ein anderer.
Es muss also einer von den Männern, welche mit uns zusammen waren während der ganzen Zeit, da der Herr Jesus unter uns aus und ein ging, von der Taufe des Johannes an bis auf den Tag, an welchem er von uns fort aufgenommen worden ist, mit uns Zeuge seiner Auferstehung werden. Da stellten sie zwei vor, Joseph, genannt Barsabas, mit dem Zunamen der Gerechte, und Matthias. Und sie beteten, und sprachen: Du, o Herr! der du die Herzen aller kennst, zeige an, welchen von diesen beiden du erwählet hast, die Stelle dieses Dienstes und Apostelamtes zu empfangen, von welchem Judas abgefallen ist, um hinzugehen an seinen Ort. Dann warfen sie das Los über sie, und es fiel das Los auf Matthias, und er ward den elf Aposteln beigezählt. (Apostelgeschichte 1, 15–26)
Was die Wahl lehrt
Die Szene ist kurz, aber sie sagt viel über das Apostelamt. Petrus handelt als Haupt der Brüder: Er ergreift das Wort, legt die Schrift aus und leitet die Wahl. Das Amt des Judas heißt in der Vulgata episcopatus, „Sein Bistum erhalte ein anderer": Das Apostelamt ist ein Amt, das nicht mit seinem Träger untergeht, sondern weitergegeben wird. Die Bedingung ist das Zeugnis: Der Neue muss „mit uns Zeuge seiner Auferstehung werden", also den Herrn vom Anfang bis zur Himmelfahrt gekannt haben.
Das Los war kein Glücksspiel. Die Apostel stellten selbst zwei würdige Männer auf und beteten, damit der Herr, „der die Herzen aller kennt", zeige, wen er erwählt hat. Nicht die Elf haben Matthias berufen, sondern Christus durch sie, wie er die anderen Apostel selbst berufen hatte. Darum bekennt das Gebet seines Festes, dass Gott ihn „dem Kollegium der Apostel beigesellt" hat. Mit den übrigen Aposteln empfing Matthias kurz darauf an Pfingsten den Heiligen Geist.
Nicht zu verwechseln: Judas Thaddäus und Matthäus
Weil Matthias an die Stelle des Judas Iskariot trat, wird er oft mit einem anderen Mitglied der Zwölf verwechselt: dem Apostel Judas Thaddäus, dem treuen Bruder des Jakobus, der ein eigenes Fest hat und als Helfer in aussichtslosen Anliegen angerufen wird. Dessen Gebete stehen auf unserer Seite zu Judas Thaddäus mit Gebet und Novene. Ebenso wenig ist Matthias mit dem Evangelisten Matthäus gleichzusetzen, dem Zöllner, der schon zu den ersten Zwölf gehörte.
Leben und Sterben des Apostels Matthias
Die Mission
Was nach Pfingsten aus Matthias wurde, berichtet die Schrift nicht mehr. Butler gibt die Überlieferung wieder: Der erste Teil seines Dienstes habe sich in Judäa abgespielt, später sei er in andere Länder gezogen. Nach den Griechen pflanzte er den Glauben in Kappadokien und an den Küsten des Kaspischen Meeres, erduldete große Verfolgung und Misshandlung durch die wilden Völker, unter denen er wirkte, und empfing schließlich in Kolchis, im heutigen Georgien, die Krone des Martyriums. Klemens von Alexandrien berichtet, er habe besonders auf die Notwendigkeit gedrungen, das Fleisch abzutöten, um die sinnlichen Begierden zu bezwingen, eine Lehre, die er von Christus empfangen hatte und selbst treu übte.
Wie starb der Apostel Matthias?
Darüber gehen die Überlieferungen auseinander, und Butler sagt offen: Über die Art seines Todes wissen wir nichts Sicheres.
- Kreuzigung in Kolchis: Die griechischen Menäen und andere legendarische Quellen sagen, er sei gekreuzigt worden.
- Steinigung und Enthauptung in Jerusalem: Eine andere Überlieferung erzählt, die Juden hätten ihn in Jerusalem gesteinigt und danach enthauptet.
An sein Martyrium erinnert sein bekanntestes Attribut, das Beil.
Symbol und Attribute
Wer ein Bild des Apostels Matthias erkennen will, achtet auf diese Zeichen:
- Beil: Hinweis auf sein Martyrium
- Buch: wie bei allen Aposteln, Zeichen der Verkündigung
Das Grab des Apostels Matthias in Trier
Nach Butler wurde der Leib des Apostels lange in Jerusalem aufbewahrt und von der heiligen Kaiserin Helena, der Mutter Konstantins, nach Rom übertragen. Die Trierer Überlieferung ergänzt, Helena habe einen Teil dieser Reliquien nach Trier bringen lassen. Das ist Legende, nicht gesicherte Geschichte.
Im 12. Jahrhundert (die Trierer Überlieferung nennt das Jahr 1127) fand man in einer Trierer Benediktinerabtei Gebeine, die man als die verschollenen Reliquien des Apostels ansah. Die Abtei, die heute nach ihm St. Matthias heißt, ist seitdem das Ziel von Pilgern. In Trier wird es als das einzige Apostelgrab auf deutschem Boden und nördlich der Alpen bezeichnet; das gilt freilich nur, wenn die Überlieferung über die Echtheit der Reliquien zutrifft. Über die Verehrung der Reliquien lehrt die Kirche, dass sie den Heiligen gilt und durch sie Gott, nicht den Knochen um ihrer selbst willen.
Die Matthiasbruderschaften
Vor allem im Rheinland bestehen bis heute zahlreiche St.-Matthias-Bruderschaften, deren Mitglieder jedes Jahr, meist zu Fuß, zum Apostelgrab nach Trier pilgern. Wer selbst eine solche Wallfahrt unternimmt, geht einen Weg, den Generationen vor ihm gegangen sind.
Apokryphe Schriften unter dem Namen des Matthias
Über Matthias ist, wie Butler bemerkt, außer dem kurzen Abschnitt der Apostelgeschichte keine verlässliche Nachricht erhalten, wohl aber manche apokryphe Literatur. Schon Origenes kannte ein apokryphes „Evangelium nach Matthias", und Klemens von Alexandrien zitiert einige Sätze aus „Überlieferungen des Matthias"; ob beide Schriften dieselbe sind, ist umstritten. Die „Taten des Andreas und Matthias in der Stadt der Menschenfresser" sind ein griechischer Roman, der weit verbreitet war und sogar ins Angelsächsische übertragen wurde. Keine dieser Schriften stammt vom Apostel, und die Kirche hat keine als Heilige Schrift anerkannt. Auch der Apostel Thomas hat solche Schriften unter seinem Namen.
Das Fest des Apostels Matthias am 24. Februar
Im Kalender von 1962 feiert die Kirche den Apostel Matthias am 24. Februar als Fest II. Klasse in roter Farbe. In Schaltjahren fällt das Fest auf den 25. Februar: Nach altem römischem Brauch ist der eingeschobene Tag der 24. Februar, und die Feste ab diesem Tag rücken um einen Tag weiter. Das Fest fällt oft in die Vorfastenzeit oder schon in die Fastenzeit.
Die Messe im überlieferten Ritus beginnt wie bei den anderen Aposteln mit dem Introitus „Mihi autem nimis honorati sunt amici tui, Deus", „Gar sehr geehrt sind mir deine Freunde, o Gott"; die Epistel ist der Bericht von seiner Wahl, das Evangelium der Lobpreis Jesu, der das Geheimnis des Vaters den Kleinen offenbart, mit der Einladung: „Kommet zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, und ich werde euch erquicken!" (Matthäus 11, 28). Zur Kommunion singt die Kirche das Wort des Herrn an die Zwölf, in der verkürzten Form des Messbuchs: „Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, werdet auf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten" (nach Matthäus 19, 28).
Im Brevier liest die Kirche dazu eine Predigt des heiligen Augustinus über dieses Evangelium. Ein Satz daraus passt zu dem Apostel, der nicht unter den Ersten war, sondern spät und still nachrückte:
Magnus esse vis? a mínimo íncipe. Cógitas magnam fábricam constrúere celsitúdinis? de fundaménto prius cógita humilitátis.
Groß willst du sein? Fang beim Kleinsten an. Gedenkst du ein großes, hochragendes Gebäude zu errichten? Denke zuerst an das Fundament der Demut.
Wann ist der Namenstag des Apostels Matthias?
Der überlieferte Namenstag des Apostels Matthias ist der 24. Februar. Bei der Kalenderreform von 1969 wurde sein Fest im allgemeinen römischen Kalender auf den 14. Mai verlegt. Im deutschen Sprachgebiet aber, wo der Apostel gerade durch Trier tief verwurzelt ist, blieb der 24. Februar auch im neuen Kalender erhalten. Wer der überlieferten Liturgie folgt, feiert ihn ohnehin am 24. Februar, in Schaltjahren am 25. Die Gedenktage aller Apostel und Heiligen finden sich im Heiligenkalender nach Monaten.
Gebet zum Apostel Matthias
An seinem Fest betet die Kirche diese Oration des Römischen Messbuchs:
Lateinisch:
Deus, qui beátum Matthíam Apostolórum tuórum collégio sociásti: tríbue, quǽsumus; ut, ejus interventióne, tuæ circa nos pietátis semper víscera sentiámus. Per Dóminum nostrum Jesum Christum, Fílium tuum: qui tecum vivit et regnat in unitáte Spíritus Sancti Deus, per ómnia sǽcula sæculórum. Amen.
Deutsch:
O Gott, du hast den heiligen Matthias dem Kollegium deiner Apostel beigesellt; wir bitten dich, gib, dass wir auf seine Fürsprache allezeit das innige Erbarmen deiner Güte gegen uns erfahren. Durch unsern Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Wer vor einer wichtigen Entscheidung steht, kann sich das Gebet der Apostel bei seiner Wahl zu eigen machen, das mit den Worten beginnt: „Du, o Herr! der du die Herzen aller kennst" (Apostelgeschichte 1, 24). Dazu die Anrufung, mit der die Allerheiligenlitanei ihn nennt:
Heiliger Matthias, bitte für uns.
Wie Matthias wurde auch der Apostel Andreas, dessen Fest am 30. November gefeiert wird, nach der Überlieferung in fernen Ländern zum Märtyrer.
Häufig gestellte Fragen
Wer ist der Apostel Matthias?
Der Jünger, den die elf Apostel nach der Himmelfahrt Christi durch das Los an die Stelle des Judas Iskariot wählten (Apostelgeschichte 1, 15–26). Er hatte Jesus von der Taufe im Jordan bis zur Himmelfahrt begleitet und wurde so Zeuge der Auferstehung.
Warum wurde Matthias durch das Los gewählt?
Die Apostel stellten zwei würdige Männer auf, Joseph Barsabas und Matthias, und baten im Gebet den Herrn, der die Herzen kennt, seine Wahl zu zeigen. Das Los war also kein Zufall, sondern die Form, in der sie die Entscheidung Gott überließen.
Wann wurde der Apostel Matthias geboren?
Das ist nicht bekannt. Weder die Schrift noch eine verlässliche alte Quelle nennt sein Geburtsjahr oder seinen Geburtsort.
Wie starb der Apostel Matthias?
Als Märtyrer, doch die Überlieferungen widersprechen sich: Die Griechen sprechen von einer Kreuzigung in Kolchis, eine andere Überlieferung von Steinigung und Enthauptung in Jerusalem. Butler sagt, dass wir über die Art seines Todes nichts Sicheres wissen.
Was ist das Symbol des Apostels Matthias?
Vor allem das Beil, das an sein Martyrium erinnert, dazu das Buch der Apostel.
Ist das Grab des Apostels Matthias in Trier?
Nach der Überlieferung ja. Die Kaiserin Helena soll seine Reliquien nach Trier gebracht haben; Im 12. Jahrhundert (nach Trierer Überlieferung 1127) wurden sie in der Benediktinerabtei wiedergefunden, die heute St. Matthias heißt. In Trier gilt es als das einzige Apostelgrab nördlich der Alpen, sofern die Überlieferung zutrifft.
Wann ist der Namenstag des Apostels Matthias?
Am 24. Februar, in Schaltjahren am 25. Februar. Der allgemeine Kalender von 1969 hat das Fest auf den 14. Mai verlegt; im deutschen Sprachgebiet blieb der 24. Februar.
Ist Matthias derselbe wie der Evangelist Matthäus?
Nein. Matthäus war der Zöllner, den Jesus selbst unter die ersten Zwölf berief und der das erste Evangelium schrieb; Matthias kam erst nach der Himmelfahrt an die Stelle des Judas hinzu.
Iter Fidei begleitet dich durch das ganze Kirchenjahr nach dem Kalender von 1962: mit den Festen der Apostel und Heiligen, dem Brevier, dem Messbuch und den Gebeten der Kirche, in Latein und Deutsch. Hier frühen Zugang sichern.
Quellen. Heilige Schrift nach der Allioli-Übersetzung (Apostelgeschichte 1; Matthäus 11 und 19); Missale Romanum 1962, Fest des heiligen Apostels Matthias am 24. Februar; Breviarium Romanum zum 24. Februar (Lesungen aus der Apostelgeschichte und Homilie des heiligen Augustinus); Butler's Lives of the Saints (24. Februar).