Die Sakramente
Tridentinische Messe: die lateinische Messe erklärt
Die tridentinische Messe, auch lateinische Messe oder Messe im alten Ritus genannt: was sie ist, ihre Geschichte seit Quo primum (1570), der Ablauf nach dem Messbuch von 1962, die Unterschiede zur neuen Messe, die Rechtslage und wo man sie findet.
Die tridentinische Messe – oft einfach lateinische Messe oder Messe im alten Ritus genannt – ist die Form der heiligen Messe, die der heilige Papst Pius V. im Auftrag des Konzils von Trient 1570 für die ganze lateinische Kirche festgelegt hat. Sie wird ganz auf Latein gefeiert, der Priester steht mit dem Volk zum Altar gewandt, und ihr Herzstück ist der uralte Römische Kanon. Heute wird sie nach dem Messbuch von 1962 gefeiert, auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz an vielen Orten. Hier erfahren Sie, was sie ist, wie sie abläuft, was sie bedeutet und wo Sie sie finden.
Was ist die tridentinische Messe?
Der Name kommt von Tridentum, dem lateinischen Namen der Stadt Trient, wo das Konzil von 1545 bis 1563 tagte. Gegen die Reformatoren, die das Messopfer leugneten, lehrte das Konzil in seiner 22. Sitzung (1562), dass die Messe ein wahres und eigentliches Opfer ist: dasselbe Opfer wie am Kreuz, nur auf unblutige Weise dargebracht. Der Prophet Malachias hatte dieses reine Opfer vorausgesagt:
Denn vom Aufgange der Sonne an bis zum Niedergange ist mein Name groß unter den Völkern und an allen Orten wird meinem Namen geopfert und reine Opfergabe dargebracht.
— Malachias 1,11 (Allioli)
Die tridentinische Messe ist der liturgische Ausdruck dieser Lehre. Wichtig ist: Pius V. hat keine neue Messe erfunden. Er hat den Ritus der römischen Kirche, wie er seit Jahrhunderten gefeiert wurde, gereinigt und vereinheitlicht. Der Römische Kanon, das Hochgebet dieser Messe, war in seinem Kern schon zur Zeit Papst Gregors des Großen (um 600) im Gebrauch. Deshalb nennen viele Gläubige sie auch die »Messe aller Zeiten«; im kirchlichen Sprachgebrauch findet man ferner die Bezeichnungen Usus antiquior (ältere Form) und, von 2007 bis 2021, »außerordentliche Form des römischen Ritus«.
Was in der Messe geschieht, ist dasselbe wie in jeder gültigen Messe: Christus wird unter den Gestalten von Brot und Wein wahrhaft gegenwärtig. Mehr darüber lesen Sie in unserem Beitrag über die Eucharistie und die wahre Gegenwart Christi.
Die Geschichte: von Quo primum (1570) bis zum Messbuch von 1962
1570 – Quo primum. Mit der Bulle Quo primum vom 14. Juli 1570 veröffentlichte der heilige Pius V. das erneuerte Missale Romanum und schrieb es für die ganze lateinische Kirche vor. Ausgenommen blieben nur Riten, die nachweislich älter als zweihundert Jahre waren – etwa der ambrosianische Ritus in Mailand oder die eigenen Riten mancher Orden. Zugleich gewährte die Bulle jedem Priester das Recht, nach diesem Messbuch frei und erlaubt zu zelebrieren.
Vier Jahrhunderte der Treue. In den folgenden Jahrhunderten wurde das Messbuch mehrfach neu herausgegeben – unter Clemens VIII., Urban VIII., Benedikt XV. –, neue Heiligenfeste kamen hinzu, die Rubriken wurden angepasst. Pius XII. erneuerte 1955 die Liturgie der Karwoche. Der Ordo Missae, das feste Gerüst der Messe, und der Kanon blieben dabei im Wesentlichen unverändert.
1962 – die letzte Ausgabe. Das Messbuch von 1962, herausgegeben unter Johannes XXIII. nach den Rubriken von 1960, ist die letzte typische Ausgabe des tridentinischen Messbuchs. Nach ihm feiern heute die Gemeinschaften, die der überlieferten Liturgie verbunden sind. Derselbe Kalender gilt für das Brevier, das Stundengebet von 1962.
1969/1970 – die neue Messe. Mit dem Messbuch Pauls VI. trat 1970 eine neue Form der Messe an die Stelle der alten. Die tridentinische Messe verschwand aus den meisten Pfarreien, wurde aber nie ganz aufgegeben.
Der Ablauf der tridentinischen Messe mit den lateinischen Texten
Die tridentinische Messe gliedert sich in zwei große Teile: die Vormesse (Messe der Katechumenen), in der Gott angebetet und sein Wort verkündet wird, und die Opfermesse (Messe der Gläubigen), in der das Opfer dargebracht wird. Diese Grundgestalt, Lesungen und Predigt, dann Darbringung von Brot und Wein, Dankgebet und Kommunion, beschreibt schon um die Mitte des zweiten Jahrhunderts der heilige Justin der Märtyrer in seinem Bericht über den Sonntagsgottesdienst der Christen. Wer den Ablauf kennt, findet sich auch ohne Lateinkenntnisse leicht zurecht.
Die Vormesse
Stufengebet. Am Fuß des Altars beten Priester und Messdiener im Wechsel den Psalm Judica me (Psalm 42 der Vulgata). Sein Kehrvers ist der Eingang der ganzen Messe:
Introíbo ad altáre Dei. – Ad Deum, qui lætíficat juventútem meam.
Zum Altare Gottes will ich treten. – Zu Gott, der mich erfreut von Jugend auf.
Es folgt das doppelte Schuldbekenntnis, das Confiteor, zuerst des Priesters, dann der Gläubigen. Der Priester steigt zum Altar hinauf und küsst ihn.
Introitus, Kyrie und Gloria. Der Introitus, der Eröffnungsvers, gibt dem Tag sein Gepräge. Es folgen das neunmalige Kyrie und, an den Sonntagen außerhalb der Advents- und Fastenzeit sowie an den Festen, das Gloria.
Kollekte, Epistel und Evangelium. Nach der Kollekte, dem Tagesgebet, liest der Priester die Epistel; Graduale und Alleluja (in der Buß- und Fastenzeit der Tractus) leiten zum Evangelium über, das auf der Evangelienseite des Altars gelesen wird. Epistel und Evangelium der heutigen Messe nach dem Messbuch von 1962 finden Sie auf unserer Seite zum Tagesevangelium. An Sonntagen und höheren Festen folgt das Credo – unser Beitrag über das Glaubensbekenntnis erklärt seinen Inhalt.
Die Opfermesse
Offertorium. Der Priester bringt Brot und Wein dar. Die alten Opferungsgebete sprechen ausdrücklich vom Opfer »für meine unzähligen Sünden, Beleidigungen und Nachlässigkeiten«. Dann wendet er sich zum Volk:
Oráte, fratres: ut meum ac vestrum sacrifícium acceptábile fiat apud Deum Patrem omnipoténtem.
Betet, Brüder, dass mein und euer Opfer wohlgefällig werde bei Gott, dem allmächtigen Vater.
Präfation und Sanctus. Der feierliche Dialog leitet zum Lobgesang der Engel über:
V. Sursum corda. – R. Habémus ad Dóminum.
V. Erhebet die Herzen. – R. Wir haben sie beim Herrn.
V. Grátias agámus Dómino, Deo nostro. – R. Dignum et justum est.
V. Lasset uns danken dem Herrn, unserm Gott. – R. Das ist würdig und recht.
Kanon. Der Priester betet den Römischen Kanon still. In der Mitte stehen die Wandlungsworte; die heilige Hostie und der Kelch werden zur Anbetung erhoben, die Glocke läutet. Es ist der Augenblick, von dem der Herr sagte: »Dieses tut zu meinem Gedächtnisse!« (Lukas 22,19).
Pater noster und Agnus Dei. Das Vaterunser singt oder spricht der Priester allein; die Gläubigen antworten mit der letzten Bitte, Sed libera nos a malo. Mit dem dreifachen Agnus Dei beginnt die Vorbereitung auf die Kommunion.
Kommunion. Dreimal betet der Priester, dann die Gläubigen mit den Worten des Hauptmanns von Kapharnaum:
Dómine, non sum dignus, ut intres sub tectum meum: sed tantum dic verbo, et sanábitur ánima mea.
Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach; aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.
Die Gläubigen empfangen die heilige Kommunion kniend an der Kommunionbank und auf die Zunge.
Schluss. Nach der Postcommunio entlässt der Priester das Volk: Ite, missa est – »Gehet hin, ihr seid entlassen«; die Antwort lautet Deo gratias, »Dank sei Gott«. Es folgen der Segen und das Schlussevangelium, der Anfang des Johannesevangeliums: »Im Anfang war das Wort«.
Nach der stillen Messe beten Priester und Volk vielerorts noch die Leonischen Gebete, unter ihnen das Gebet zum heiligen Erzengel Michael; wer den Fürsten der himmlischen Heerscharen besonders verehrt, findet in unserer Novene zum Erzengel Michael neun Tage Gebet zu ihm.
Stille Messe, Amt und levitiertes Hochamt
Die tridentinische Messe kennt mehrere Feierformen. Die stille Messe (Missa lecta) liest der Priester mit einem oder zwei Messdienern; vieles wird leise gebetet. Das Amt (Missa cantata) wird gesungen, meist mit gregorianischem Choral. Das levitierte Hochamt (Missa solemnis) feiert der Priester mit Diakon und Subdiakon, mit Weihrauch und reichem Gesang. Der Ritus ist in allen drei Formen derselbe; was sich ändert, ist die Feierlichkeit.
Tridentinische Messe und neue Messe: der Unterschied
Ein sachlicher Vergleich mit dem Messbuch Pauls VI. (1970) zeigt die Eigenart des alten Ritus:
| Tridentinische Messe (1962) | Messe nach dem Messbuch von 1970 | |
|---|---|---|
| Sprache | ganz Latein | in der Regel Landessprache |
| Gebetsrichtung | Priester und Volk zum Altar gewandt | meist zum Volk hin |
| Hochgebet | ein einziges, der Römische Kanon, still gebetet | mehrere Hochgebete, laut gesprochen |
| Stufengebet und Schlussevangelium | ja | entfallen |
| Opferungsgebete | ausdrücklich als Opfer formuliert | durch neue Gebete ersetzt |
| Kommunion | kniend, auf die Zunge | auch stehend und in die Hand |
| Leseordnung | einjährig, mit Vorfastenzeit (Septuagesima) | dreijährige Sonntagsleseordnung |
Hinter diesen Unterschieden steht ein Gedanke: In der tridentinischen Messe ist jedes Gebet und jede Gebärde auf das Opfer und auf Gott ausgerichtet. Die Stille des Kanons, die gemeinsame Richtung zum Altar, die feste lateinische Form schützen die Ehrfurcht vor dem Geheimnis. Gerade das zieht heute viele Gläubige an, auch junge Familien, die diesen Ritus nie in ihrer Kindheit erlebt haben.
Warum Latein?
Latein ist seit anderthalb Jahrtausenden die Sprache der römischen Liturgie. Das Konzil von Trient hielt es nicht für angebracht, die Messe allgemein in der Volkssprache zu feiern, trug aber den Seelsorgern auf, den Gläubigen die Geheimnisse der Messe oft zu erklären (22. Sitzung, Kapitel 8). Eine unveränderliche Sprache bewahrt den Wortlaut der Gebete vor dem Wandel der Zeit, und sie verbindet: Wer reist, findet in Wien, Rom oder Buenos Aires dieselbe Messe vor. Verstehen muss man das Latein nicht Wort für Wort – dafür gibt es das zweisprachige Messbuch.
Ist die tridentinische Messe verboten?
Nein. Die tridentinische Messe wurde nie abgeschafft. Ihre rechtliche Lage hat sich seit 1970 allerdings mehrfach geändert:
- 1984 und 1988 erlaubte der Heilige Stuhl ihre Feier unter Bedingungen; mit dem Motu proprio Ecclesia Dei (1988) bat Johannes Paul II. die Bischöfe, die Wünsche der Gläubigen großzügig zu erfüllen.
- 2007 erklärte Benedikt XVI. im Motu proprio Summorum Pontificum, das Messbuch von 1962 sei nie rechtlich abgeschafft worden, und erlaubte jedem Priester seinen Gebrauch.
- 2021 schränkte Papst Franziskus mit dem Motu proprio Traditionis custodes die Feier wieder ein: Seither regelt der Diözesanbischof, wo und von wem sie gefeiert werden darf.
Für die Gläubigen heißt das: Die tridentinische Messe wird weiterhin regelmäßig gefeiert – in Kirchen, die der Bischof dafür bestimmt, und von Priestergemeinschaften, die sich ihr widmen.
Wo finde ich eine tridentinische Messe?
Im deutschen Sprachraum wird die alte lateinische Messe vor allem von diesen Gemeinschaften gefeiert:
- der Priesterbruderschaft St. Petrus (Petrusbruderschaft), die ihr Priesterseminar für den deutschen Sprachraum in Wigratzbad (Allgäu) hat;
- dem Institut Christus König und Hohepriester;
- der Priesterbruderschaft St. Pius X.;
- sowie von Diözesanpriestern in Kirchen, die der Bischof dafür bestimmt hat.
Den nächsten Ort mit Gottesdienstzeiten finden Sie auf unserer Seite Tridentinische Messe in der Nähe, nach Land und Ort geordnet. Prüfen Sie vor dem ersten Besuch die Zeiten – sie ändern sich an Feiertagen oder in den Ferien.
Wie folgt man der lateinischen Messe? Text und Messbuch
Der erste Besuch einer tridentinischen Messe kann fremd wirken: Vieles geschieht leise, der Priester steht mit dem Rücken zum Volk, alles ist auf Latein. Ein paar Hinweise helfen:
- Ein zweisprachiges Messbuch. Der klassische Schott in der Ausgabe von 1962 oder das neuere Volksmissale bieten Latein und Deutsch nebeneinander, mit dem festen Ablauf (Ordo Missae) und den wechselnden Texten jedes Tages. Viele Kapellen legen außerdem Hefte mit dem Ordo Missae für Neulinge aus. Dieselben Texte bietet das Messbuch von 1962 als App, Latein und Deutsch nebeneinander.
- Die Haltung. Man kniet beim Stufengebet, steht zum Evangelium und zum Credo, sitzt während der Lesungen und der Opferung und kniet vom Sanctus bis zur Kommunion – im Zweifel tut man, was die Nachbarn tun.
- Die Texte des Tages. Die Messe jedes Tages hängt vom Kalender von 1962 ab. Online bietet Divinum Officium die Texte von Messe und Offizium für jeden Tag, auf Latein und Deutsch.
- Nicht alles verstehen wollen. Der alte Rat lautet: dem Priester am Altar folgen und sich mit dem Opfer vereinen. Die Messe lernt man, indem man ihr beiwohnt. Wer vorher beichten möchte – in vielen Kapellen wird vor der Messe Beichte gehört –, findet in unserem Beitrag über die Beichte einen Beichtspiegel.
Häufig gestellte Fragen
Was ist eine tridentinische Messe?
Die tridentinische Messe ist die überlieferte Form der heiligen Messe im römischen Ritus, wie sie Pius V. 1570 nach dem Konzil von Trient festgelegt hat. Sie wird auf Latein gefeiert, der Priester ist zum Altar gewandt, und ihr Hochgebet ist der Römische Kanon. Heute feiert man sie nach dem Messbuch von 1962.
Ist die tridentinische Messe dasselbe wie die lateinische Messe?
Meistens ja: Wer im Alltag von der »lateinischen Messe« spricht, meint die tridentinische Messe. Genau genommen kann aber auch die neue Messe von 1970 auf Latein gefeiert werden. Die tridentinische Messe unterscheidet sich nicht nur durch die Sprache, sondern durch ihren ganzen Ritus.
Ist die tridentinische Messe verboten?
Nein. Sie wurde nie abgeschafft. Seit dem Motu proprio Traditionis custodes (2021) entscheidet der Diözesanbischof, wo sie gefeiert wird; Gemeinschaften wie die Petrusbruderschaft feiern sie weiterhin regelmäßig.
Wie lange dauert eine tridentinische Messe?
Eine stille Messe an Werktagen dauert etwa eine halbe Stunde. Ein gesungenes Amt oder ein levitiertes Hochamt am Sonntag dauert mit Predigt meist zwischen einer und anderthalb Stunden.
Muss man Latein können, um die alte Messe mitzufeiern?
Nein. Mit einem zweisprachigen Messbuch wie dem Schott folgt man jedem Gebet in deutscher Übersetzung. Die wenigen Antworten des Volkes – etwa Et cum spíritu tuo oder Deo grátias – lernt man nach wenigen Sonntagen.
Wo finde ich eine tridentinische Messe in meiner Nähe?
Auf unserer Seite Tridentinische Messe in der Nähe sind die Messorte im deutschen Sprachraum mit ihren Zeiten verzeichnet. Auch die Petrusbruderschaft und die anderen Gemeinschaften veröffentlichen ihre Gottesdienstzeiten.
Darf man in der tridentinischen Messe die Kommunion empfangen?
Ja, jeder Katholik, der im Stand der Gnade ist und die eucharistische Nüchternheit hält, darf die Kommunion empfangen. Man empfängt sie kniend und auf die Zunge.
Iter Fidei begleitet Sie durch die tridentinische Messe: der Kalender von 1962, die Messe und das Offizium jedes Tages auf Latein und auf Deutsch, dazu die Orte und Zeiten der alten Messe in Ihrer Nähe – alles Weitere auf unserer Seite über die App Iter Fidei. Die App erscheint bald für iOS und Android: Sichern Sie sich den frühen Zugang. Hier frühen Zugang sichern.
Quellen. Konzil von Trient, 22. Sitzung (1562), Lehre über das heilige Messopfer; hl. Pius V., Bulle Quo primum (1570); Missale Romanum (1962) mit Ordo Missae; Katechismus des Konzils von Trient, Vom heiligen Messopfer; Allioli-Bibel (Malachias 1,11; Lukas 22,19); Benedikt XVI., Summorum Pontificum (2007).