Die Heilige Schrift
Katholische Bibel: welche Übersetzung soll man lesen?
Welche katholische Bibel soll man lesen? Was eine Bibel katholisch macht (73 Bücher, kirchliche Approbation), die deutschen Übersetzungen von Dietenberger und Allioli bis zur Einheitsübersetzung, der Unterschied zur Lutherbibel und warum wir der Allioli-Bibel nach der Vulgata folgen.
Eine katholische Bibel – die Bibel für Katholiken – erkennt man an zwei Dingen: Sie enthält alle 73 Bücher der Heiligen Schrift, die das Konzil von Trient aufgezählt hat, und sie trägt die Approbation der Kirche. Im deutschen Sprachraum ist heute die Einheitsübersetzung (revidiert 2016) die amtliche Übersetzung der Liturgie. Wer die Bibel in der Gestalt lesen möchte, die die Kirche jahrhundertelang gebraucht hat, greift zur Allioli-Bibel, der approbierten Übersetzung der lateinischen Vulgata – ihr folgen wir auf dieser Seite, in der Fassung von Augustin Arndt (1914). Hier erfahren Sie, was eine Bibel katholisch macht, welche Übersetzungen es gibt und welche zu Ihnen passt.
Was macht eine Bibel katholisch? Die Bibel für Katholiken
Erstens der vollständige Kanon. Das Konzil von Trient zählte in seiner 4. Sitzung (8. April 1546) die heiligen Bücher einzeln auf. Die katholische Bibel umfasst 46 Bücher des Alten und 27 des Neuen Testaments. Dazu gehören die sogenannten deuterokanonischen Bücher – Tobias, Judith, Weisheit, Sirach (Ecclesiasticus), Baruch, die beiden Bücher der Makkabäer sowie Teile von Esther und Daniel. Martin Luther stellte sie als »Apokryphen« gesondert zwischen die beiden Testamente; in vielen späteren evangelischen Bibeln fehlen sie ganz.
Zweitens die kirchliche Approbation. Die Kirche hütet den Text, den sie empfangen hat. Das Kirchenrecht von 1917 (Kanon 1391) bestimmte, dass Übersetzungen der Heiligen Schrift in die Volkssprache nur gedruckt werden dürfen, wenn sie vom Apostolischen Stuhl approbiert sind oder unter der Aufsicht der Bischöfe mit Anmerkungen aus den Kirchenvätern und katholischen Gelehrten erscheinen. Darum trägt eine katholische Bibel ein Imprimatur.
Dazu kommt die Auslegung in der Kirche. Der heilige Petrus warnt, »dass keine Weissagung der Schrift Sache eigener Auslegung ist. Denn nie ist eine Weissagung durch den Willen eines Menschen ergangen, sondern vom Heiligen Geiste getrieben redeten heilige Gottesmänner« (2 Petrus 1,20–21, Allioli). Die Schrift wird in der Überlieferung der Kirche gelesen, nicht gegen sie – das ist der tiefste Unterschied zum protestantischen Grundsatz »allein die Schrift«, den unser Beitrag über die Unterschiede zwischen katholisch und evangelisch erklärt.
Die Vulgata: die Bibel der lateinischen Kirche
Der heilige Hieronymus begann 382 im Auftrag Papst Damasus' mit der Revision der lateinischen Evangelien und übersetzte in den folgenden Jahrzehnten den größten Teil der Heiligen Schrift neu ins Lateinische. Diese Vulgata (»die allgemein verbreitete«) war mehr als tausend Jahre lang die Bibel der lateinischen Kirche: Aus ihr beten Messbuch und Brevier, aus ihr zitieren die Kirchenväter, Theologen und Heiligen. Das Konzil von Trient erklärte sie 1546 für den öffentlichen Gebrauch – Lesung, Predigt, Disputation – als »authentisch«. Die verbindliche Ausgabe erschien 1592 unter Clemens VIII. (Sixto-Clementina).
Pius XII. stellte 1943 in der Enzyklika Divino afflante Spiritu klar, dass diese Authentizität vor allem rechtlicher Natur ist: Sie verbürgt, dass die Vulgata in Glauben und Sitten frei von Irrtum ist. Zugleich ermutigte er Übersetzungen aus den Grundtexten. Beides gilt also: Eine katholische Übersetzung aus dem Hebräischen und Griechischen ist rechtmäßig, und die Vulgata bleibt der Text, mit dem die Kirche betet.
Eine praktische Folge betrifft die Psalmen: Die Vulgata zählt sie nach der griechischen Septuaginta. Ab Psalm 10 liegt ihre Nummer meist um eins unter der hebräischen. Der Schutzpsalm, den viele als Psalm 91 kennen, ist in der Vulgata und bei Allioli Psalm 90.
Die wichtigsten katholischen Bibelübersetzungen auf Deutsch
Dietenberger-Bibel (1534)
Der Dominikaner Johann Dietenberger gab 1534 in Mainz eine vollständige katholische Bibel heraus, als Antwort auf die Übersetzung Luthers. Sie wurde über zwei Jahrhunderte oft nachgedruckt und ist heute nur noch von historischem Interesse.
Allioli-Bibel (1830–1834) und Allioli-Arndt
Joseph Franz Allioli übersetzte die Vulgata »mit Bezug auf den Grundtext«; sein Werk erschien von 1830 bis 1834 in sechs Bänden und erhielt die Approbation des Apostolischen Stuhles. Von der zweiten Hälfte des 19. bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war sie die meistverbreitete katholische Bibel im deutschen Sprachraum. Der Jesuit Augustin Arndt überarbeitete sie mit Erlaubnis Leos XIII.; diese Fassung Allioli-Arndt liegt unserer Bibel zugrunde, in der Ausgabe von 1914. Ihre Sprache ist feierlich und dicht am Latein der Liturgie:
Und der Engel trat zu ihr hinein, und sprach: Gegrüßt seist du, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeiet unter den Weibern!
— Lukas 1,28 (Allioli)
Man erkennt das Ave Maria, wie es Generationen gebetet haben. Die Einheitsübersetzung von 2016 gibt denselben Vers wieder mit: »Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.«
Pattloch-Bibel (Hamp – Stenzel – Kürzinger, 1956)
Vinzenz Hamp und Meinrad Stenzel (Altes Testament) und Josef Kürzinger (Neues Testament) übersetzten die ganze Schrift aus den Grundtexten; sie erschien 1956 im Pattloch-Verlag. Unter Fachleuten gilt sie als genaue und zugleich gut lesbare Übersetzung. Für Leser, die eine katholische Übersetzung aus dem Hebräischen und Griechischen vor der Liturgiereform suchen, ist sie eine gute Wahl.
Einheitsübersetzung (1980, revidiert 2016)
Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil brauchte die Liturgie in der Volkssprache eine neue Übersetzung. Die Einheitsübersetzung, aus den Grundtexten erarbeitet, wurde 1980 von den Bischöfen des deutschen Sprachgebiets approbiert; Psalmen und Neues Testament entstanden damals gemeinsam mit der evangelischen Kirche. Für die gründlich revidierte Fassung von 2016 zog sich die evangelische Seite 2005 aus der Zusammenarbeit zurück. Die Einheitsübersetzung ist heute die amtliche Übersetzung für Messe und Stundengebet im deutschen Sprachraum.
Und die Lutherbibel?
Die Lutherbibel (Neues Testament 1522, ganze Bibel 1534) ist die Bibel der evangelischen Kirche, ebenso wie die Elberfelder, die Schlachter- oder die Menge-Bibel protestantische Übersetzungen sind. Ihnen fehlen die deuterokanonischen Bücher, oder sie stehen nur als »Apokryphen« abgesondert, und ihnen fehlt die kirchliche Approbation. Für das Gebet und das Studium eines Katholiken sind sie daher nicht die richtige Wahl, so schön ihre Sprache an manchen Stellen ist.
Die Übersetzungen im Vergleich
| Übersetzung | Erschienen | Vorlage | Bücher | Heute |
|---|---|---|---|---|
| Dietenberger | 1534 | Vulgata | katholischer Kanon | historisch |
| Allioli / Allioli-Arndt | 1830–1834 / Revision Arndt | Vulgata, mit Blick auf den Grundtext | 73 | überlieferte katholische Bibel, nach der wir zitieren |
| Pattloch (Hamp–Stenzel–Kürzinger) | 1956 | Grundtexte | 73 | erhältlich, geschätzt |
| Einheitsübersetzung | 1980 / 2016 | Grundtexte | 73 | amtlich in der Liturgie |
| Lutherbibel | 1522 / 1534 | Grundtexte | ohne oder mit Apokryphen-Anhang | evangelisch |
Katholische Bibel kaufen oder online lesen
Wer eine katholische Bibel kaufen möchte, achtet auf drei Dinge: das Imprimatur oder die Approbation durch die Bischöfe auf den ersten Seiten, die vollständigen 73 Bücher und Anmerkungen, die schwierige Stellen im Sinn der Kirche erklären. Die Einheitsübersetzung ist in jeder Buchhandlung erhältlich, die Pattloch-Bibel sowie ältere Ausgaben und Nachdrucke der Allioli-Bibel findet man im Fach- und Antiquariatshandel.
Wer die katholische Bibel online oder auf dem Telefon lesen will, findet die Einheitsübersetzung kostenlos im Netz und in der Bibel-App des Katholischen Bibelwerks; einen Überblick über diese und andere Angebote gibt unser Vergleich katholischer Apps. Die Allioli-Arndt-Bibel wird Iter Fidei auf das Telefon bringen, mit den Psalmen nach der Zählung des Breviers.
Welche katholische Bibel sollte man lesen?
- Für die heutige Pfarrliturgie hört man sonntags die Einheitsübersetzung; wer die Lesungen mitlesen will, nimmt sie.
- Für das Gebet mit der überlieferten Liturgie – die tridentinische Messe, das Brevier, die alten Gebetbücher – ist die Allioli-Bibel der natürliche Begleiter: Sie übersetzt denselben lateinischen Text, den Messbuch und Brevier verwenden, und sie zählt die Psalmen wie sie.
- Für ein genaues Studium aus den Grundtexten ist die Pattloch-Bibel eine solide katholische Wahl.
- Wer anfängt, liest zuerst ein Evangelium – Markus oder Lukas – und die Psalmen, und lässt sich bei schwierigen Stellen von den Anmerkungen einer katholischen Ausgabe leiten.
Iter Fidei folgt durchgehend der Allioli-Arndt-Bibel, so wie unsere französischen Seiten der Bibel des Abbé Fillion folgen: beide Übersetzungen der Vulgata. Unsere Bibelzitate, etwa in den Bibelversen über die Liebe oder den Bibelversen für Trost und Trauer, stammen, wo nicht anders vermerkt, aus ihr.
Häufig gestellte Fragen
Welche Bibel ist katholisch?
Katholisch ist eine Bibel, die alle 73 Bücher des von Trient bestätigten Kanons enthält und die kirchliche Approbation trägt. Auf Deutsch sind das vor allem die Allioli-Bibel nach der Vulgata, die Pattloch-Bibel (Hamp–Stenzel–Kürzinger) und die Einheitsübersetzung.
Was ist der Unterschied zwischen der katholischen und der evangelischen Bibel?
Die katholische Bibel enthält sieben Bücher des Alten Testaments mehr – Tobias, Judith, Weisheit, Sirach, Baruch und die beiden Makkabäerbücher – sowie die griechischen Teile von Esther und Daniel. Evangelische Bibeln lassen sie weg oder drucken sie als »Apokryphen« im Anhang.
Wie viele Bücher hat die katholische Bibel?
73 Bücher: 46 im Alten Testament und 27 im Neuen Testament. Manche Ausgaben zählen das Buch Baruch mit den Klageliedern zusammen und kommen dann auf 72.
Ist die Einheitsübersetzung eine katholische Bibel?
Ja. Sie ist von den Bischöfen des deutschen Sprachgebiets approbiert und die amtliche Übersetzung der Liturgie. Sie ist aus den Grundtexten übersetzt; ihre Fassung von 2016 entstand ohne die evangelische Mitarbeit, die es 1980 für Psalmen und Neues Testament gab.
Was ist die Allioli-Bibel?
Die Allioli-Bibel ist die Übersetzung der lateinischen Vulgata durch Joseph Franz Allioli (1830–1834), vom Apostolischen Stuhl approbiert und von Augustin Arndt überarbeitet. Bis ins 20. Jahrhundert war sie die verbreitetste katholische Bibel im deutschen Sprachraum.
Darf ein Katholik die Lutherbibel lesen?
Die Kirche hat stets verlangt, dass Katholiken für Gebet und Studium eine approbierte katholische Übersetzung gebrauchen. Der Lutherbibel fehlen Teile des Kanons und die kirchliche Approbation; als Hauptbibel eignet sie sich deshalb nicht.
In der App Iter Fidei lesen Sie die Allioli-Arndt-Bibel nach der Vulgata, mit den Psalmen nach der Zählung des Breviers und den Lesungen des Kalenders von 1962 – mehr auf unserer Seite zur katholischen Bibel in der App. Die App erscheint bald für iOS und Android: Sichern Sie sich den frühen Zugang. Hier frühen Zugang sichern.
Quellen. Konzil von Trient, 4. Sitzung (1546), Dekrete über die heiligen Schriften und über die Vulgata; Pius XII., Enzyklika Divino afflante Spiritu (1943); Codex des kanonischen Rechts von 1917, Kanon 1391; Allioli-Arndt-Bibel (1914): Lukas 1,28; 2 Petrus 1,20–21.