Der Glaube
Das Fegefeuer: die Läuterung der Seelen
Was ist das Fegefeuer? Ein Ort der Läuterung, kein zweiter Himmel und keine zweite Hölle. Wir erklären die katholische Lehre, ihre biblische Grundlage und wie wir den Armen Seelen helfen können.

Das Fegefeuer ist der Zustand der Läuterung, in dem die Seelen der im Stand der Gnade Verstorbenen gereinigt werden, ehe sie in die volle Anschauung Gottes eingehen. Es ist weder ein zweiter Himmel noch eine zweite Hölle, sondern der Vorhof des Himmels: Wer dorthin gelangt, ist gerettet — aber noch nicht rein genug, um vor das Angesicht des dreimal heiligen Gottes zu treten. Kurz gesagt: Das Fegefeuer ist die letzte Barmherzigkeit Gottes vor der ewigen Seligkeit.
Diese Lehre gehört seit jeher zum katholischen Glauben. Das Konzil von Trient (1563) hat sie feierlich bekräftigt: Es gibt einen Läuterungsort (lateinisch purgatorium, englisch purgatory), und den dort festgehaltenen Seelen wird durch die Fürbitten der Gläubigen, vor allem durch das heilige Messopfer, geholfen.
Was ist das Fegefeuer? Bedeutung und Erklärung
Das Wort „Fegefeuer" kommt von „fegen", also reinigen. Es bezeichnet nicht in erster Linie einen Ort, sondern einen Zustand der Reinigung. Wer im Stand der Gnade stirbt — also mit Gott versöhnt, ohne Todsünde auf der Seele —, ist gerettet. Doch nur wenige verlassen dieses Leben vollkommen rein. Die meisten tragen noch die Folgen läßlicher Sünden und die zeitlichen Strafen für bereits vergebene Sünden mit sich.
Der Katechismus des heiligen Pius X. fasst es schlicht: Das Fegefeuer ist der Ort, an dem die Seelen der Gerechten, die noch etwas abzubüßen haben, für eine Zeit leiden, ehe sie zum Himmel zugelassen werden. Zwei Wahrheiten stehen dabei fest: Die Läuterung ist schmerzhaft, weil die Seele Gott ersehnt und ihn noch nicht schauen darf; und sie ist hoffnungsvoll, weil das Ende gewiss der Himmel ist. Keine einzige Seele im Fegefeuer geht verloren. Sie sind bereits Freunde Gottes — deshalb nennt die Kirche sie liebevoll die Armen Seelen.
Gibt es das Fegefeuer wirklich? Das Fegefeuer in der Bibel
Manche behaupten, das Fegefeuer sei „abgeschafft" oder eine mittelalterliche Erfindung. Beides ist falsch. Die Lehre ist uralt und wurzelt in der Heiligen Schrift.
Die deutlichste Stelle steht im zweiten Buch der Makkabäer. Judas der Makkabäer lässt für die gefallenen Soldaten ein Sühnopfer darbringen, und die Schrift lobt ihn dafür:
Es ist also ein heiliger und heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen zu beten, damit sie von ihren Sünden befreit werden. (2 Makkabäer 12,46)
Wären die Toten schon im Himmel oder in der Hölle, wäre dieses Gebet sinnlos. Es hat nur dann einen Sinn, wenn es einen dritten Zustand gibt, in dem den Seelen noch geholfen werden kann.
Der heilige Paulus spricht von einem läuternden Feuer, durch das der Gerechte doch gerettet wird:
Wenn jemandes Werk verbrennt, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird selig werden, so jedoch wie durch Feuer. (1 Korinther 3,15)
Und der Herr selbst warnt im Evangelium: „Du wirst von dort nicht herauskommen, bis du den letzten Heller bezahlt hast" (Matthäus 5,26) — ein Bild für eine Schuld, die nach dem Tod noch abgetragen werden muss. Auch die Rede vom Sünder, dem „weder in dieser noch in der zukünftigen Welt" vergeben wird (Matthäus 12,32), setzt voraus, dass manche Schuld in der zukünftigen Welt getilgt werden kann. Die Kirche hat nichts erfunden — sie hat nur ausgesprochen, was die Schrift und das Gebet der Gläubigen für ihre Toten schon immer bekannten.
Der Unterschied: Himmel, Hölle und Fegefeuer
Viele suchen nach dem Zusammenhang zwischen Himmel, Hölle und Fegefeuer. Drei Zustände sind zu unterscheiden, und wir behandeln sie ausführlicher in unserem Beitrag über Himmel und Hölle:
- Der Himmel ist das ewige Ziel: die vollkommene, endlose Anschauung Gottes von Angesicht zu Angesicht.
- Die Hölle ist die ewige Trennung von Gott, das Los dessen, der in der Todsünde und ohne Reue stirbt. Sie ist endgültig.
- Das Fegefeuer ist zeitlich und vorübergehend. Es endet am Jüngsten Tag. Wer hier ist, wird mit Gewissheit den Himmel erlangen.
Der entscheidende Unterschied: Hölle und Himmel sind ewig, das Fegefeuer nicht. Die Seelen im Fegefeuer leiden, aber glücklich, weil sie Gottes Gnade besitzen und wissen, dass sie ihn schauen werden.
Wie lange dauert das Fegefeuer?
Auf die Frage, wie lange das Fegefeuer dauert, gibt es keine Zahl. Die Kirche hat nie eine Dauer festgelegt; alle Angaben in „Tagen" oder „Jahren" sind Bilder, keine Messungen — die Seele ist nicht mehr an unsere Zeit gebunden. Fest steht nur: Die Läuterung dauert so lange, wie es die Reinheit der einzelnen Seele erfordert, und sie endet spätestens beim Weltgericht. Gewiss ist auch, dass wir sie durch unser Gebet verkürzen und lindern können. Das macht die Fürbitte für die Verstorbenen so kostbar.
Wie kann man den Armen Seelen helfen?
Das ist die wichtigste und tröstlichste Frage. Die Armen Seelen können sich nicht mehr selbst helfen; ihre Zeit des Verdienstes ist vorüber. Doch wir Lebenden können ihnen helfen. Die Kirche kennt seit jeher drei große Mittel:
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Das heilige Messopfer. Nichts nützt den Verstorbenen mehr als die heilige Messe. Im Kreuzesopfer, das auf dem Altar gegenwärtig wird, fließt die Gnade Christi in der Eucharistie unmittelbar den Armen Seelen zu. Eine Messe „lesen zu lassen" für einen Verstorbenen ist das größte Geschenk, das wir ihm machen können.
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Das Gebet. Der klassische Aufopferungsvers lautet:
Herr, gib ihm die ewige Ruhe,
und das ewige Licht leuchte ihm.
Er ruhe in Frieden. Amen.
Dazu treten der Rosenkranz, der Psalm De profundis („Aus der Tiefe rufe ich zu dir, o Herr", Psalm 129 (130)) und die Litanei für die Armen Seelen, eine Litanei der privaten Andacht. Weitere Vorlagen sammeln wir im Beitrag über das Gebet für Verstorbene.
- Der Ablass und die guten Werke. Ein Ablass ist der Nachlass zeitlicher Sündenstrafen, den die Kirche aus dem Schatz der Verdienste Christi und der Heiligen gewährt; wir können ihn den Armen Seelen zuwenden. Auch Almosen, Fasten und geduldig getragenes Leid, im Stand der Beichte, kommen den Verstorbenen zugute. Besonders reich ist die Zeit um Allerseelen am 2. November, wenn die Kirche eigens für alle Verstorbenen betet.
Wichtig ist die rechte Gesinnung: Ein Gebet oder ein Ablass ist keine magische Formel, die automatisch wirkt, und keine Rechnung, die man „bezahlt". Er wirkt allein durch die Barmherzigkeit Gottes und die Liebe, mit der wir für unsere Toten eintreten. Wer aus Liebe betet, darf sicher sein, dass keine Fürbitte verloren geht.
Das Fegefeuer für Kinder erklärt
Kindern lässt sich das Fegefeuer mit einem Bild sagen: Wenn wir von einem staubigen Weg nach Hause kommen, waschen wir uns, bevor wir uns an den festlich gedeckten Tisch setzen. So ist das Fegefeuer das liebevolle „Sich-Sauberwaschen" der Seele, bevor sie sich an Gottes ewigen Tisch setzt. Es ist kein Ort der Angst, sondern der Vorbereitung auf ein großes Fest. Und wir dürfen den Menschen, die wir liebhaben und die schon gestorben sind, dabei helfen — durch ein kurzes Gebet am Abend, wie es unser Beitrag über das Kindergebet zeigt. Die christliche Kunst hat das Fegefeuer oft dargestellt — von Hieronymus Bosch bis zu den Barockfresken. Solche Bilder sind fromme Anschauungshilfen; die Lehre selbst steht auf der Schrift und dem Bekenntnis der Kirche.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Fegefeuer?
Das Wort „Fegefeuer" bedeutet wörtlich „reinigendes Feuer" (von „fegen" = reinigen). Es bezeichnet den Zustand der Läuterung, in dem die im Stand der Gnade Verstorbenen von den Folgen ihrer Sünden gereinigt werden, ehe sie in den Himmel eingehen.
Gibt es das Fegefeuer wirklich?
Ja. Die katholische Kirche lehrt es als Glaubenswahrheit, feierlich bekräftigt vom Konzil von Trient. Grundlage sind Schriftstellen wie 2 Makkabäer 12,46 und 1 Korinther 3,15 sowie das Gebet der Kirche für ihre Verstorbenen.
Wurde das Fegefeuer abgeschafft?
Nein. Die Lehre vom Fegefeuer gehört zum überlieferten katholischen Glauben und kann nicht abgeschafft werden. Sie wurde nicht im Mittelalter erfunden, sondern ist bereits im Alten Testament und bei den Kirchenvätern bezeugt.
Wie lange dauert das Fegefeuer?
Die Kirche legt keine Dauer fest. Angaben in „Tagen" oder „Jahren" sind Bilder. Die Läuterung dauert so lange, wie die einzelne Seele es bedarf, und endet spätestens am Jüngsten Tag. Durch unser Gebet können wir sie lindern und verkürzen.
Was ist der Unterschied zwischen Fegefeuer und Hölle?
Die Hölle ist ewig und endgültig — das Los dessen, der in der Todsünde stirbt. Das Fegefeuer ist zeitlich; die Seelen dort sind gerettet und gelangen mit Gewissheit in den Himmel. Die einen sind für immer von Gott getrennt, die anderen schon auf dem Weg zu ihm.
Wie kann ich den Armen Seelen helfen?
Am wirksamsten durch die heilige Messe für einen Verstorbenen. Dazu kommen das Gebet (Rosenkranz, De profundis, die ewige Ruhe), der Ablass und gute Werke wie Almosen und Fasten. Besonders die Zeit um Allerseelen ist dafür geeignet.
Iter Fidei begleitet Ihr Gebet für die Verstorbenen mit dem Requiem, dem De-profundis-Psalm und der Litanei für die Armen Seelen in der überlieferten Form — bereit für jeden Tag und besonders für die Novembertage um Allerseelen. Hier frühen Zugang sichern.
Quellen. Konzil von Trient, Dekret über das Fegefeuer (Sess. XXV, 1563); Katechismus des heiligen Pius X.; Heilige Schrift nach der Allioli-Arndt-Bibel (2 Makkabäer 12,43–46; 1 Korinther 3,11–15; Matthäus 5,26; 12,32; Psalm 129 (130)); Litanei und Gebete für die Armen Seelen im Fegefeuer (überlieferte Form).