Das Gebet
Das Vaterunser: Text und Auslegung
Der vollständige Text des Vaterunsers, sein Ursprung bei Matthäus 6,9-13 und die Auslegung der sieben Bitten nach der überlieferten katholischen Lehre.

Das Vaterunser ist das Gebet der Gebete. Kein anderes Wort hat solche Würde, denn dieses Gebet hat der Herr selbst uns geschenkt. Wer es betet, spricht keine erdachten Worte, sondern die Worte Jesu Christi. Hier finden wir zuerst den vollständigen Text, dann seinen Ursprung in der Heiligen Schrift und schließlich die Auslegung der sieben Bitten nach der überlieferten Lehre der Kirche.
Das Vaterunser: der vollständige Text
So lautet das Vaterunser, wie es die katholische Kirche seit jeher betet:
Vater unser, der Du bist im Himmel :
Geheiligt werde Dein Name.
Zu uns komme Dein Reich.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel also auch auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Übel.
Amen.
Dieser Text ist der Wortlaut, den auch die heilige Messe und der Rosenkranz verwenden. Er teilt sich in die Anrede an den Vater und in sieben Bitten.
Vaterunser auf Latein: Pater noster
In der lateinischen Kirche ist das Vaterunser über die Jahrhunderte in seiner ursprünglichen Sprache erklungen. Der lateinische Text (Pater noster) lautet:
Pater noster, qui es in caelis :
Sanctificetur nomen tuum.
Adveniat regnum tuum.
Fiat voluntas tua,
sicut in caelo, et in terra.
Panem nostrum quotidianum da nobis hodie.
Et dimitte nobis debita nostra,
sicut et nos dimittimus debitoribus nostris.
Et ne nos inducas in tentationem,
sed libera nos a malo.
Amen.
Diese Fassung wird bis heute in der überlieferten Liturgie und im Stundengebet gesungen und gesprochen.
Das Vaterunser in anderen Sprachen
Weil das Vaterunser das Gebet der ganzen Kirche ist, wird es in allen Sprachen gebetet. Der Herr selbst sprach es zu seinen Jüngern auf Aramäisch, der Sprache seiner Heimat; überliefert und für die Kirche maßgeblich ist es jedoch im griechischen Urtext des Evangeliums und in der lateinischen Fassung (Pater noster). Auf Englisch beginnt es „Our Father, who art in heaven", auf Französisch „Notre Père, qui es aux cieux" und auf Italienisch „Padre nostro, che sei nei cieli". So verschieden die Zungen, so eins ist das Gebet des Herrn.
Wer hat das Vaterunser gebetet? Und wo steht es in der Bibel?
Das Vaterunser stammt nicht von einem Heiligen und nicht von der Kirche, sondern vom Herrn selbst. Als die Jünger ihn baten, sie beten zu lehren, gab er ihnen genau diese Worte. Wir finden das Gebet in der Bergpredigt bei Matthäus 6,9-13. Der heilige Evangelist schreibt in der Übertragung nach Allioli:
Ihr sollt daher also beten: Vater unser, der du bist im Himmel! Geheiliget werde dein Name! Zukomme uns dein Reich! Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden! Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel. Amen. (Mt 6, 9-13)
Eine kürzere Fassung überliefert auch der heilige Lukas (Lk 11, 2-4). Wer also fragt, wer das Vaterunser gebetet hat, findet die Antwort im Evangelium: unser Herr Jesus Christus hat es uns in den Mund gelegt. Darum nennt es der Catechismus Romanus, der Katechismus des Konzils von Trient, ein Gebet, das von aller Vollkommenheit ist, weil es unser Erlöser selbst verfasst hat.
Die Anrede: Vater unser, der Du bist im Himmel
Bevor wir bitten, dürfen wir Gott „Vater" nennen. Das ist ein unerhörtes Vorrecht. Der Katechismus des heiligen Pius X. lehrt, dass wir Gott Vater nennen, weil er uns erschaffen, erhalten und durch die heilige Taufe zu seinen Kindern angenommen hat. Wir sagen „unser" und nicht „mein", weil wir alle Brüder in Christus sind und füreinander beten. „Im Himmel" erinnert uns, das Herz zu erheben und irdische Dinge zu übersteigen.
Die sieben Bitten des Vaterunsers: Bedeutung und Auslegung
Das Vaterunser enthält sieben Bitten. Die überlieferte Lehre unterscheidet dabei: Die ersten drei betreffen die Ehre Gottes, die vier folgenden unsere eigenen Bedürfnisse an Leib und Seele.
Die erste Bitte — Geheiligt werde Dein Name. Wir bitten, dass Gott von allen Menschen erkannt, geliebt und geehrt werde und dass sein heiliger Name überall verherrlicht sei.
Die zweite Bitte — Zu uns komme Dein Reich. Wir bitten, dass Gott durch die Gnade in unseren Herzen herrsche, dass seine Kirche sich ausbreite und dass wir endlich zur Herrlichkeit des ewigen Reiches gelangen.
Die dritte Bitte — Dein Wille geschehe, wie im Himmel also auch auf Erden. Wir bitten, dass wir Gottes Willen auf Erden ebenso bereitwillig und treu erfüllen, wie ihn die Engel und Heiligen im Himmel erfüllen.
Die vierte Bitte — Unser tägliches Brot gib uns heute. Wir bitten um alles, was wir für Leib und Seele nötig haben: um die tägliche Nahrung ebenso wie um das Brot der Seele, das Wort Gottes und das Allerheiligste Altarssakrament.
Die fünfte Bitte — Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Wir bitten um Verzeihung unserer Sünden. Doch der Herr knüpft eine Bedingung daran: Nur wer selbst dem Nächsten von Herzen vergibt, darf auf Gottes Erbarmen hoffen. Diese Bitte führt uns zur heiligen Beichte, in der die Sünde getilgt wird.
Die sechste Bitte — Und führe uns nicht in Versuchung. Wir bitten nicht, von aller Versuchung verschont zu bleiben, denn sie ist eine Prüfung des Glaubens. Wir bitten vielmehr um die Gnade, den Versuchungen nicht zu erliegen.
Die siebte Bitte — Sondern erlöse uns von dem Übel. Wir bitten, dass Gott uns von allem Übel des Leibes und der Seele bewahre, besonders vom größten Übel, der Sünde, und vom Bösen selbst. Ähnlichen Schutz suchen wir im Gebet zum heiligen Erzengel Michael und in der Anrufung des Schutzengels.
Das Wort „Amen" am Schluss bedeutet: So sei es. Es ist unser vertrauensvolles Ja zu allem, worum wir gebeten haben.
Das Vaterunser für Kinder erklärt
Kinder lernen das Vaterunser oft als erstes Gebet, noch bevor sie das Gegrüßet seist du, Maria beten. Man erklärt es ihnen am besten einfach: Gott ist unser guter Vater im Himmel. Wir wünschen, dass alle ihn liebhaben (erste Bitte), wir bitten um Brot und alles Nötige (vierte Bitte), wir sagen ihm, dass es uns leidtut und wir auch anderen verzeihen (fünfte Bitte), und wir bitten ihn, uns vor allem Bösen zu behüten (sechste und siebte Bitte). Wichtig ist, dass ein Gebet niemals eine Zauberformel ist: Das Vaterunser wirkt nicht durch die Zahl der Wiederholungen, sondern durch das Vertrauen des Herzens und die Gnade Gottes. Weitere kindgerechte Gebete finden sich unter unseren Kindergebeten und im schlichten Morgengebet.
Häufig gestellte Fragen
Wo steht das Vaterunser in der Bibel?
Das Vaterunser steht im Neuen Testament bei Matthäus 6,9-13, innerhalb der Bergpredigt, und in einer kürzeren Fassung bei Lukas 11,2-4.
Wie viele Bitten hat das Vaterunser?
Das Vaterunser hat sieben Bitten. Die ersten drei betreffen die Ehre Gottes, die vier weiteren unsere leiblichen und geistlichen Bedürfnisse.
Wie lautet das Vaterunser auf Latein?
Es beginnt mit „Pater noster, qui es in caelis, sanctificetur nomen tuum" und schließt mit „sed libera nos a malo. Amen." Es ist die überlieferte Form der lateinischen Kirche.
Ist das Vaterunser katholisch oder evangelisch?
Das Vaterunser ist das Gebet aller Christen, denn es stammt vom Herrn selbst. Der Wortlaut unterscheidet sich leicht: Katholiken beten in der Regel ohne den Zusatz „Denn dein ist das Reich", der in der überlieferten Fassung nicht zum eigentlichen Gebetstext gehört.
Warum nennen wir Gott im Vaterunser „Vater"?
Weil Gott uns erschaffen und erhält und uns in der heiligen Taufe zu seinen Kindern angenommen hat. Darum dürfen wir ihn mit dem vertrauten Namen „Vater" anrufen.
Wer hat das Vaterunser verfasst?
Unser Herr Jesus Christus selbst hat es seinen Jüngern gelehrt, als sie ihn baten, sie beten zu lehren.
Iter Fidei bietet das Vaterunser mit lateinischem Text, gesprochenem Audio und einer Auslegung der sieben Bitten, damit dieses Gebet des Herrn Tag für Tag zum Herzensgebet werde. Hier frühen Zugang sichern.
Quellen. Heilige Schrift nach der Allioli-Übersetzung (Mt 6,9-13; Lk 11,2-4); Catechismus Romanus (Katechismus des Konzils von Trient), Teil IV über das Gebet des Herrn; Katechismus des heiligen Papstes Pius X., Vom Gebet und dem Vaterunser; überlieferter lateinischer Gebetstext (Pater noster).