Das Gebet
Die 15 Gebete der hl. Birgitta: der vollständige Text
Die 15 Gebete der heiligen Birgitta von Schweden zum Leiden Christi im vollständigen deutschen Text, wie man sie ein Jahr lang betet, was es mit den Verheißungen und der Mahnung des Heiligen Offiziums von 1954 auf sich hat, und das Leben der Heiligen.
Die 15 Gebete der hl. Birgitta sind fünfzehn Betrachtungen über das Leiden Christi, vom Ölberg bis zum Lanzenstich, die man der heiligen Birgitta von Schweden (um 1303–1373) zuschreibt. Sie werden traditionell ein Jahr lang jeden Tag gebetet, jedes mit einem Vaterunser und einem Ave Maria. Hier steht der vollständige deutsche Text, dazu eine ehrliche Antwort auf die Frage nach den berühmten „Verheißungen", vor deren Verbreitung das Heilige Offizium 1954 gewarnt hat.
Was sind die 15 Gebete der heiligen Birgitta?
Die fünfzehn Gebete beginnen fast alle mit einer Anrufung Jesu („O Herr Jesus Christus, ewige Süßigkeit derer, die Dich lieben"), erinnern ihn an einen Schmerz seines Leidens („Gedenke …") und schließen mit einer Bitte um die Frucht dieses Schmerzes: Reue, Schutz vor den Feinden der Seele, Barmherzigkeit in der Todesstunde. In England hießen sie wegen ihres Anfangs die „Fünfzehn O", lateinisch beginnt das erste mit O Iesu Christe, aeterna dulcedo te amantium. Seit dem ausgehenden Mittelalter stehen sie in den Stundenbüchern und Gebetbüchern Europas, in deutschen Handschriften des 16. Jahrhunderts unter dem Titel „15 Gebete der heiligen Birgitta vom Leiden Christi".
Zur Ehrlichkeit gehört: In den Offenbarungen der heiligen Birgitta, die ihre Beichtväter aufgezeichnet haben, finden sich diese Gebete nicht. Wer sie verfasst hat, ist unbekannt; sie tragen ihren Namen, weil sie ganz aus ihrem Geist kommen, der glühenden Liebe zum leidenden Erlöser. Die fromme Überlieferung erzählt, Birgitta habe lange gebeten zu erfahren, wie viele Schläge der Herr in seinem Leiden empfangen habe, und er habe ihr geantwortet: 5480; wer sie verehren wolle, solle ein Jahr lang täglich fünfzehn Vaterunser und fünfzehn Ave Maria mit diesen Gebeten verrichten. Fünfzehn Gebete an 365 Tagen ergeben ungefähr diese Zahl.
Wie betet man die 15 Gebete der hl. Birgitta?
Die Ordnung ist einfach:
- Man betet jeden Tag alle fünfzehn Gebete, wenn möglich ein ganzes Jahr lang, ohne Unterbrechung.
- Nach jedem Gebet folgen ein Vaterunser und ein Ave Maria.
- Viele Gebetbücher fügen nach jedem Gebet die Anrufung hinzu: O Jesus, Sohn Gottes, geboren aus Maria der Jungfrau, zum Heile der Menschen gekreuzigt, nun im Himmel herrschend, erbarme Dich unser!
- Am Ende steht ein Schlussgebet.
Wer täglich etwa zwanzig Minuten Zeit hat, kann das gut tun. Wer nicht, betet sie, wann immer es geht, besonders an Freitagen, in der Fastenzeit und am Karfreitag. Entscheidend ist nicht die Zahl, sondern die Andacht: das Leiden des Herrn vor Augen zu haben und darüber die eigenen Sünden zu bereuen. Wer die Betrachtung lieber in Stationen geht, wird im Kreuzweg denselben Weg in anderer Gestalt finden.
Die 15 Gebete der heiligen Birgitta: vollständiger Text
Die Gebete stehen hier in der Ordnung des lateinischen Textes (Quindecim orationes, beginnend mit O Iesu Christe, aeterna dulcedo te amantium), von der Redaktion wörtlich aus dem Lateinischen übersetzt. Ältere deutsche Gebetbücher ordnen einige Gebete anders.
1. Gebet: Das Leiden vom Abendmahl bis zur Dornenkrönung
O Herr Jesus Christus, ewige Süßigkeit derer, die Dich lieben, Jubel, der jede Freude und jedes Verlangen übersteigt, Heil und Liebhaber der Sünder, der Du bezeugt hast, Deine Wonne sei es, bei den Menschenkindern zu sein, und der Du um des Menschen willen am Ende der Zeiten Mensch geworden bist: Gedenke aller Vorausschau und inneren Betrübnis, die Du in Deinem menschlichen Leibe erduldet hast, als die Zeit Deines heilbringendsten Leidens nahte, das in Deinem göttlichen Herzen vorherbestimmt war.
Gedenke der Traurigkeit und Bitterkeit, die Du, wie Du selbst bezeugt hast, in Deiner Seele empfandest, als Du beim letzten Abendmahl Deinen Jüngern Deinen Leib und Dein Blut gabst, ihnen die Füße wuschest und, sie liebreich tröstend, Dein bevorstehendes Leiden vorhersagtest.
Gedenke allen Zitterns, aller Angst und allen Schmerzes, die Du an Deinem zarten Leibe vor dem Leiden des Kreuzes ertragen hast, als Du nach dreimaligem Gebet und blutigem Schweiß von Judas, Deinem Jünger, verraten, vom auserwählten Volk gefangen, von falschen Zeugen angeklagt, von drei Richtern ungerecht gerichtet, in der auserwählten Stadt, zur österlichen Zeit, in der blühenden Jugend Deines Leibes unschuldig verurteilt, Deiner eigenen Kleider beraubt und mit fremden Kleidern angetan, mit Fäusten geschlagen, an Augen und Angesicht verhüllt, ins Angesicht geschlagen, an die Säule gebunden, gegeißelt, mit Dornen gekrönt, mit dem Rohr aufs Haupt geschlagen und mit unzähligen anderen Schmähungen zerrissen wurdest.
Gib mir, o Herr und Gott, ich bitte Dich, um des Gedächtnisses dieser Leiden vor Deinem Kreuze willen vor meinem Tode wahre Reue, eine reine Beichte, eine würdige Genugtuung und die Vergebung aller Sünden. Amen.
Vater unser … Gegrüßet seist du, Maria …
2. Gebet: Die Annagelung ans Kreuz
O Jesus, Schöpfer der Welt, den kein Maß wahrhaft umfasst, der Du die Erde mit der flachen Hand umschließest: Gedenke des bittersten Schmerzes, den Du erduldet hast, als die Juden zuerst Deine heiligsten Hände mit stumpfen Nägeln ans Kreuz hefteten und, da Du ihrem Willen nicht entsprachest, um Deine zartesten Füße zu durchbohren, Deinen Wunden Schmerz auf Schmerz hinzufügten und Dich so grausam nach der Länge und Breite Deines Kreuzes zerrten und ausspannten, dass sich die Gefüge Deiner Glieder lösten. Ich bitte Dich um des Gedächtnisses dieses heiligsten und bittersten Schmerzes am Kreuze willen: Gib mir Deine Furcht und Deine Liebe. Amen.
Vater unser … Gegrüßet seist du, Maria …
3. Gebet: Das Gebet für die Kreuziger
O Jesus, himmlischer Arzt, gedenke der Mattigkeit, der Striemen und der Schmerzen, die Du, erhöht am hohen Galgen des Kreuzes, an allen Deinen zerrissenen Gliedern gelitten hast, von denen keines in seiner rechten Lage geblieben war, so dass kein Schmerz dem Deinen gleich gefunden wurde; denn von der Fußsohle bis zum Scheitel war nichts Gesundes an Dir. Und dennoch hast Du, aller Schmerzen vergessend, liebevoll zum Vater für Deine Feinde gebetet: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Um dieser Barmherzigkeit willen und im Gedächtnis jenes Schmerzes gewähre, dass dieses Gedächtnis Deines bittersten Leidens die volle Vergebung aller meiner Sünden sei. Amen.
Vater unser … Gegrüßet seist du, Maria …
4. Gebet: Die Verspottung durch die Feinde
O Jesus, wahre Freiheit der Engel, Paradies der Wonnen, gedenke der Betrübnis und des Schauderns, die Du erduldet hast, als alle Deine Feinde wie wütende Löwen Dich umringten und Dich mit Faustschlägen, Anspeien, Kratzen und anderen unerhörten Peinen quälten. Um dieser Peinen und um aller Schmähworte und härtesten Qualen willen, mit denen Dich, Herr Jesus Christus, alle Deine Feinde peinigten, bitte ich Dich: Befreie mich von allen meinen sichtbaren und unsichtbaren Feinden und lass mich unter dem Schatten Deiner Flügel zur Vollendung des ewigen Heiles gelangen. Amen.
Vater unser … Gegrüßet seist du, Maria …
5. Gebet: Die Barmherzigkeit gegen den Schächer
O Jesus, Spiegel der ewigen Klarheit, gedenke jener Betrübnis, die Du empfandest, als Du im Spiegel Deiner heitersten Majestät die Vorherbestimmung Deiner Auserwählten schautest, die durch die Verdienste Deines Leidens gerettet werden sollten, und die Verwerfung der Bösen, die durch ihre eigene Schuld verdammt werden sollten; und um des Abgrundes Deines Erbarmens willen, mit dem Du damals mit uns verlorenen und verzweifelten Sündern Mitleid hattest und das Du dem Schächer am Kreuze erwiesest, als Du sprachst: „Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein“, bitte ich Dich, gütiger Jesus: Erweise mir Barmherzigkeit in der Stunde meines Todes. Amen.
Vater unser … Gegrüßet seist du, Maria …
6. Gebet: Die Mutter unter dem Kreuz
O liebenswürdiger König und ganz ersehnenswerter Freund, gedenke jener Betrübnis, die Du empfandest, als Du nackt und elend am Kreuze hingest und alle Deine Freunde und Bekannten wider Dich standen und Du keinen Tröster fandest außer Deiner geliebten Mutter allein, die Dir in der Bitterkeit ihrer Seele treu zur Seite stand und die Du Deinem Jünger anempfahlst mit den Worten: „Weib, siehe da deinen Sohn.“ Ich bitte Dich, gütigster Jesus, um des Schwertes des Schmerzes willen, das damals ihre Seele durchdrang: Habe Mitleid mit mir in allen meinen leiblichen und geistigen Trübsalen und Bedrängnissen und gib mir Trost in der Zeit der Trübsal und in der Stunde meines Todes. Amen.
Vater unser … Gegrüßet seist du, Maria …
7. Gebet: „Mich dürstet“
O Jesus, Quelle unerschöpflicher Güte, der Du aus innigster Liebe am Kreuze sprachst: „Mich dürstet“, nämlich nach dem Heile des Menschengeschlechtes: Entzünde, ich bitte Dich, das Verlangen unserer Herzen zu jedem vollkommenen Werk und kühle und lösche in uns gänzlich den Durst der fleischlichen Begierde und die Glut der weltlichen Lust. Amen.
Vater unser … Gegrüßet seist du, Maria …
8. Gebet: Essig und Galle
O Jesus, Süßigkeit der Herzen und unermessliche Lieblichkeit der Seelen, um der Bitterkeit des Essigs und der Galle willen, die Du für uns gekostet hast, gewähre uns in der Stunde unseres Todes, Deinen Leib und Dein Blut würdig zu empfangen zur Arznei und zum Trost unserer Seelen. Amen.
Vater unser … Gegrüßet seist du, Maria …
9. Gebet: Die Gottverlassenheit
O Jesus, königliche Kraft und Jubel des Gemütes, gedenke der Angst und des Schmerzes, die Du gelitten hast, als Du in der Bitterkeit des Todes und unter dem Hohn der Juden mit lauter Stimme riefst, von Gott dem Vater verlassen zu sein: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Um dieser Angst willen bitte ich Dich: Verlass uns nicht in unseren Ängsten, Herr, unser Gott. Amen.
Vater unser … Gegrüßet seist du, Maria …
10. Gebet: Die Wunden vom Haupt bis zu den Füßen
O Jesus, Alpha und Omega, Leben und Kraft zu aller Zeit, gedenke, dass Du Dich vom Scheitel bis zur Fußsohle für uns in die Flut des Leidens versenkt hast. Um der Breite und Länge Deiner Wunden willen lehre mich, der ich allzu sehr in Sünden versunken bin, in wahrer Liebe Dein weites Gebot zu halten. Amen.
Vater unser … Gegrüßet seist du, Maria …
11. Gebet: Die Tiefe der Wunden
O Jesus, tiefster Abgrund der Barmherzigkeit, ich bitte Dich um der Tiefe Deiner Wunden willen, die das Mark Deiner Gebeine und Deines Innersten durchdrungen haben: Ziehe mich, der ich in Sünden versunken bin, empor und verbirg mich in den Höhlungen Deiner Wunden vor dem Angesicht Deines Zornes, bis Dein Grimm vorübergeht, o Herr. Amen.
Vater unser … Gegrüßet seist du, Maria …
12. Gebet: Die zahllosen Wunden
O Jesus, Spiegel der Wahrheit, Zeichen der Einheit und Band der Liebe, gedenke der Menge Deiner unzähligen Wunden, mit denen Du vom Scheitel des Hauptes bis zur Sohle des Fußes verwundet und von Deinem heiligsten Blute gerötet wurdest. Welch großen Schmerz hast Du in Deinem jungfräulichen Fleische für uns erduldet! Gütiger Jesus, was hättest Du noch tun sollen, das Du nicht getan hast? Schreibe, ich bitte Dich, gütiger Jesus, alle Deine Wunden mit Deinem kostbarsten Blute in mein Herz, damit ich in ihnen Deinen Schmerz und Deinen Tod lese und in der Danksagung beständig bis ans Ende verharre. Amen.
Vater unser … Gegrüßet seist du, Maria …
13. Gebet: „Es ist vollbracht“
O Jesus, stärkster Löwe, unsterblicher und unbesiegbarer König, gedenke des Schmerzes, den Du gelitten hast, als alle Kräfte Deines Herzens und Leibes gänzlich versagten und Du mit geneigtem Haupte sprachst: „Es ist vollbracht.“ Um dieser Angst und dieses Schmerzes willen erbarme Dich meiner, wenn meine Seele in der letzten Vollendung, beim Scheiden meines Geistes, geängstigt und verwirrt sein wird. Amen.
Vater unser … Gegrüßet seist du, Maria …
14. Gebet: „In Deine Hände“
O Jesus, eingeborener Sohn des allerhöchsten Vaters, Abglanz und Ebenbild seines Wesens, gedenke der inständigen Empfehlung, mit der Du dem Vater Deinen Geist empfahlst und sprachst: „In deine Hände, Herr, empfehle ich meinen Geist.“ Mit zerrissenem Leibe und gebrochenem Herzen, mit lautem Rufen, die Tiefen Deiner Barmherzigkeit zu unserer Erlösung öffnend, hast Du den Geist aufgegeben. Um dieses kostbarsten Todes willen bitte ich Dich, König der Heiligen: Stärke mich, dem Teufel, der Welt, dem Fleisch und Blut zu widerstehen, damit ich, der Welt gestorben, Dir lebe; und nimm in meiner letzten Stunde meinen Geist auf, der als Verbannter und Pilger zu Dir zurückkehrt. Amen.
Vater unser … Gegrüßet seist du, Maria …
15. Gebet: Die letzte Vergießung des Blutes
O Jesus, wahrer und fruchtbarer Weinstock, gedenke der überströmenden und reichlichen Vergießung Deines Blutes, das Du wie aus einer gepressten Traube überreich vergossen hast, als Du am Kreuze allein die Kelter tratest und uns aus der von der Lanze des Soldaten durchbohrten Seite Blut und Wasser zu trinken gabst, so dass nicht der kleinste Tropfen in Dir blieb; und endlich wurdest Du wie ein Myrrhenbüschel in der Höhe aufgehängt, Dein zartes Fleisch schwand dahin, der Saft Deines Innersten vertrocknete und das Mark Deiner Gebeine verdorrte. Um dieses bittersten Leidens und der Vergießung Deines kostbaren Blutes willen, gütiger Jesus, bitte ich Dich: Nimm meine Seele in meinem Todeskampf auf. Amen.
Vater unser … Gegrüßet seist du, Maria …
Schlussgebet
O Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, nimm dieses Gebet an in jener überaus erhabenen Liebe, in der Du alle Wunden Deines heiligsten Leibes ertragen hast; erbarme Dich meiner, Deines Dieners, und gib allen Sündern und allen Gläubigen, den Lebenden wie den Verstorbenen, Barmherzigkeit, Gnade, Vergebung und das ewige Leben. Amen.
Wer die Gebete aufmerksam liest, erkennt, wie sehr sie aus der Heiligen Schrift leben: die Worte vom Ölberg, die sieben Worte am Kreuz, das Wort des Propheten, das die Kirche in der Karwoche singt:
Er aber ist verwundet worden um unserer Frevel willen, zerschlagen um unserer Missetaten willen; die Züchtigung liegt unseres Friedens wegen auf ihm und durch seine Wunden sind wir geheilt worden. (Isaias 53, 5)
Die Verheißungen und die Mahnung des Heiligen Offiziums (1954)
Auf vielen Gebetszetteln stehen unter den fünfzehn Gebeten lange Listen von Verheißungen: fünfzehn Seelen aus der Verwandtschaft würden aus dem Fegefeuer befreit, fünfzehn Sünder bekehrt, wer dreißig Jahre in Todsünde gelebt habe, erhalte alle Sünden vergeben, der Beter empfange fünfzehn Tage vor seinem Tod den Leib des Herrn, und so fort. Oft heißt es dazu, Papst Pius IX. habe diese Gebete 1862 bestätigt; ein amtlicher Beleg dafür wird nirgends angeführt.
Die Kirche hat zu diesen Verheißungen eindeutig Stellung genommen. Am 28. Januar 1954 veröffentlichte das Heilige Offizium eine Mahnung (Monitum) zu einem Büchlein mit dem Titel Secretum felicitatis („Das Geheimnis des Glücks"), das die fünfzehn Gebete mit diesen Verheißungen verbreitete. Der Wortlaut in den Acta Apostolicae Sedis 46 (1954), S. 64:
Cum vero in eodem libello asseratur S. Birgittae quasdam promissiones a Deo fuisse factas, de quarum origine supernaturali nullo modo constat, caveant Ordinarii locorum ne licentiam concedant edendi vel denuo imprimendi opuscula vel scripta quae praedictas promissiones continent.
Auf Deutsch: Da in diesem Büchlein behauptet wird, der heiligen Birgitta seien von Gott gewisse Verheißungen gemacht worden, deren übernatürlicher Ursprung in keiner Weise feststeht, sollen die Ortsbischöfe keine Erlaubnis geben, Schriften mit diesen Verheißungen herauszugeben oder neu zu drucken.
Was folgt daraus? Die Gebete selbst sind nicht verurteilt. Sie sind fromm, schriftnah und seit Jahrhunderten von heiligmäßigen Christen gebetet worden. Die Verheißungen dagegen sind nicht beglaubigt und dürfen nicht als Garantie verbreitet werden. Gott lässt sich durch keine Zahl von Gebeten zu einer bestimmten Gnade verpflichten; eine Andacht, die durch fünfzehn Gebete und ein Jahr Ausdauer das ewige Heil verbürgen will, wäre keine Frömmigkeit mehr, sondern Berechnung. Wir beten die fünfzehn Gebete also so, wie die Kirche jedes gute Gebet versteht: als Ausdruck von Liebe und Reue, im Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit, nicht auf einen Vertrag. Darum geben wir die Verheißungen hier auch nicht im Wortlaut wieder.
Leben und Gebete der heiligen Birgitta von Schweden
Birgitta wurde um 1303 als Tochter Birgers, des Statthalters von Upland, in einer der vornehmsten Familien Schwedens geboren. Schon als Kind hatte sie, so berichtet Butler, eine Erscheinung des Gekreuzigten, die sie nie vergaß: Von da an war das Leiden des Erlösers die Mitte ihres geistlichen Lebens. Noch nicht vierzehnjährig heiratete sie Ulf Gudmarsson; die Ehe währte glücklich achtundzwanzig Jahre, und sie schenkte ihm acht Kinder, darunter die heilige Katharina von Schweden. Um 1335 wurde sie an den Hof König Magnus' II. gerufen, wo sie den König und die Höflinge furchtlos ermahnte.
Nach einer Wallfahrt nach Santiago de Compostela starb Ulf 1344 im Zisterzienserkloster Alvastra. Birgitta legte allen Schmuck ab und lebte von da an als Büßerin. In diesen Jahren empfing sie die Gesichte, die ihre Beichtväter als Offenbarungen aufschrieben, über das Leiden und die Geburt des Herrn, über die Missstände in Kirche und Welt. Sie gründete den Orden vom Allerheiligsten Erlöser, die Birgittinnen, mit dem Mutterkloster Vadstena am Vätternsee.
1349 zog sie, mitten in der großen Pest, zum Heiligen Jahr 1350 nach Rom und blieb dort bis an ihr Lebensende. Unermüdlich mahnte sie die Päpste, Avignon zu verlassen und auf den Stuhl Petri nach Rom zurückzukehren. Wenige Jahre nach ihrem Tod kehrte Papst Gregor XI. nach Rom zurück, auch auf das Drängen der heiligen Katharina von Siena. Im hohen Alter pilgerte sie noch ins Heilige Land. Am 23. Juli 1373 starb sie in Rom, in ihrem einundsiebzigsten Jahr; ihre Tochter Katharina brachte den Leib heim nach Vadstena. 1391 sprach Papst Bonifatius IX. sie heilig. Im Kalender von 1962 feiert die Kirche ihr Fest am 8. Oktober.
Gebet zur heiligen Birgitta von Schweden
Die Kirche betet am 8. Oktober diese Oration aus dem Römischen Messbuch von 1962:
Dómine, Deus noster, qui beátæ Birgíttæ per Fílium tuum unigénitum secreta cœléstia revelásti: ipsíus pia intercessióne da nobis, fámulis tuis; in revelatióne sempitérnæ glóriæ tuæ gaudére lætántes. Per eúndem Dóminum nostrum Jesum Christum, Fílium tuum, qui tecum vivit et regnat in unitáte Spíritus Sancti Deus, per ómnia sǽcula sæculórum. Amen.
Herr, unser Gott, Du hast der hl. Birgitta durch Deinen eingeborenen Sohn die Geheimnisse des Himmels geoffenbart; gib uns, Deinen Dienern, auf ihre gütige Fürsprache die Gnade, daß wir dereinst bei der Offenbarung Deiner ewigen Herrlichkeit in Freuden frohlocken. Durch Ihn, unsern Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Vom 30. September bis zum 8. Oktober kann man ihr eine Novene halten, mit der täglichen Anrufung:
Heilige Birgitta von Schweden, treue Braut Christi, Mutter, Witwe und Pilgerin, der der Herr die Geheimnisse seiner Geburt und seines Leidens offenbart hat, ich vertraue auf deine mächtige Fürsprache vor dem Throne Gottes. Du, die du jeden Stand des Lebens durch Glaube und Liebe geheiligt hast, erbitte mir einen lebendigen Glauben und eine brennende Liebe zum Kreuze des Erlösers; und ich bitte dich inständig, erwirke mir auch, wenn es Gott gefällt und meiner Seele gut ist, die Gnade, um die ich in dieser Novene flehe.
(Hier das Anliegen nennen.)
Heilige Birgitta von Schweden, bitte für uns. Amen.
Was eine Novene ist und wie man sie hält, erklärt unser Beitrag über die Novene als Neuntagegebet.
Andere Birgitten-Gebete
Unter dem Namen der Heiligen sind noch andere Andachten verbreitet. Der Birgitten-Rosenkranz (die Birgittenkrone) zählt sechs Gesätze zu Ehren der Lebensjahre der Muttergottes; das Rituale Romanum kennt für diese Kronen eine eigene Segnung. Er ist eine Schwester des gewöhnlichen Rosenkranzes, den die Kirche über alle Andachten stellt. Daneben kursieren die „sieben Gebete" oder „sieben Vaterunser" zu den sieben Blutvergießungen des Herrn, die man zwölf Jahre lang täglich beten soll.
Diese Andacht ist erst in neuerer Zeit verbreitet worden, viel später als die fünfzehn Gebete, und sie wird mit ähnlichen Verheißungen weitergegeben, die ebenso wenig beglaubigt sind. Was das Heilige Offizium 1954 über die angeblichen Verheißungen an die heilige Birgitta gesagt hat, gilt hier erst recht. Darum geben wir ihren Text hier nicht wieder: Wer das Blut des Erlösers verehren will, betet besser die vom Heiligen Stuhl gutgeheißene Litanei vom kostbaren Blut oder eben die fünfzehn Gebete, ohne auf Versprechen zu rechnen.
Häufig gestellte Fragen
Was sind die 15 Gebete der heiligen Birgitta?
Fünfzehn Gebete über das Leiden Christi, vom Ölberg bis zum Lanzenstich, die seit dem späten Mittelalter der heiligen Birgitta von Schweden zugeschrieben werden. Jedes beginnt mit einer Anrufung Jesu, erinnert an einen seiner Schmerzen und bittet um eine Gnade.
Wie lange betet man die 15 Gebete der hl. Birgitta?
Nach der Überlieferung ein Jahr lang jeden Tag, jedes Gebet mit einem Vaterunser und einem Ave Maria. Man kann sie aber auch ohne diese Bindung beten, etwa an Freitagen oder in der Fastenzeit.
Hat die heilige Birgitta die 15 Gebete selbst geschrieben?
Das ist nicht gesichert. In ihren Offenbarungen stehen sie nicht; ihr Verfasser ist unbekannt. Sie sind seit dem ausgehenden Mittelalter unter ihrem Namen in Gebetbüchern verbreitet.
Sind die Verheißungen der 15 Gebete echt?
Die Kirche sagt, ihr übernatürlicher Ursprung stehe „in keiner Weise fest". Das Heilige Offizium hat am 28. Januar 1954 verboten, Schriften mit diesen Verheißungen zu drucken (AAS 46, 1954, S. 64). Die Gebete selbst wurden nicht verurteilt.
Darf ein Katholik die 15 Gebete der heiligen Birgitta beten?
Ja. Die Gebete sind fromm und schriftgemäß. Man soll sie aus Liebe zum leidenden Herrn beten, nicht im Vertrauen auf die nicht beglaubigten Versprechen.
Wann ist das Fest der heiligen Birgitta von Schweden?
Im Kalender von 1962 am 8. Oktober. Sie starb am 23. Juli 1373 in Rom und wurde 1391 heiliggesprochen.
Was ist der Unterschied zwischen den 15 Gebeten und den sieben Vaterunsern der hl. Birgitta?
Die fünfzehn Gebete betrachten das ganze Leiden Christi und werden ein Jahr lang gebetet; die sieben Vaterunser sind eine kürzere Andacht zu den Blutvergießungen des Herrn. Beide werden mit nicht beglaubigten Verheißungen verbreitet.
In Iter Fidei findest du die Novene zur heiligen Birgitta, ihr Fest am 8. Oktober mit Messe und Brevier nach dem Kalender von 1962 und die Andachten zum Leiden Christi für jeden Tag. Hier frühen Zugang sichern.
Quellen. Heilige Schrift nach der Allioli-Übersetzung (Isaias 53); Butler, Lives of the Saints (8. Oktober, St. Bridget); Supremae S. Congregationis S. Officii Monitum vom 28. Januar 1954, Acta Apostolicae Sedis 46 (1954), S. 64; Missale Romanum (1962), Fest der heiligen Birgitta, Oration Domine, Deus noster; Rituale Romanum, Segnung der Birgittenkronen; lateinischer Text der Quindecim orationes (O Iesu Christe, aeterna dulcedo te amantium), deutsch von der Redaktion übersetzt.