Der Glaube
Die Herz-Jesu-Verehrung
Was die Verehrung des heiligsten Herzens Jesu ist: die Offenbarungen an die heilige Margareta Maria Alacoque, die zwölf Verheißungen, die Herz-Jesu-Freitage und ein Herz-Jesu-Gebet zum Beten.

Die Herz-Jesu-Verehrung ist die Anbetung der grenzenlosen Liebe Gottes, wie sie sich im durchbohrten Herzen unseres Herrn Jesus Christus zeigt. Das Herz Jesu ist nicht bloß ein Sinnbild: Wir verehren das wirkliche, lebendige Herz des menschgewordenen Gottessohnes und in ihm seine unendliche Liebe zu uns. Diese Andacht ist uralt in der Kirche und wurde durch die Offenbarungen an die heilige Margareta Maria Alacoque im 17. Jahrhundert der ganzen Welt geschenkt.
Was ist die Herz-Jesu-Verehrung?
Als der Soldat auf Golgotha die Seite des toten Herrn öffnete, wurde das Herz sichtbar, das die Menschen bis zum Tode geliebt hat. Der heilige Johannes bezeugt es:
Sondern einer von den Soldaten öffnete seine Seite mit einem Speere, und sogleich kam Blut und Wasser heraus. (Johannes 19, 34, Allioli)
Aus dieser geöffneten Seite, so lehren die Väter, ist die Kirche mit ihren Sakramenten geboren. Darum blicken wir auf das heiligste Herz Jesu als auf die Quelle aller Gnade — jenes Herz, das dem heimkehrenden Sünder entgegeneilt wie der barmherzige Vater im Gleichnis vom verlorenen Sohn. Der Herr selbst lädt uns ein, an diesem sanftmütigen Herzen Ruhe zu finden:
Kommet zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, und ich werde euch erquicken! Nehmet mein Joch auf euch, und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und demütigen Herzens. (Matthäus 11, 28–29, Allioli)
Die Verehrung antwortet auf eine Liebe, die so oft mit Undank vergolten wird. Sie ist wesentlich eine Andacht der Sühne: Wir wollen dem Herzen wiedergeben, was ihm die Gleichgültigkeit der Welt vorenthält. So hat die karmelitische heilige Teresia Benedicta vom Kreuz — Edith Stein — ihr Leben als Sühne dargebracht und sich ganz der Liebe des durchbohrten Herzens überlassen.
Die Offenbarungen an die heilige Margareta Maria Alacoque
Zwischen 1673 und 1675 erschien der Herr der Heimsuchungsschwester Margareta Maria Alacoque (1647–1690) im Kloster von Paray-le-Monial in Frankreich. Er zeigte ihr sein Herz, umgeben von Dornen, überragt vom Kreuz und lodernd in Flammen, und sprach jene Worte, die den Kern der Andacht bilden: "Siehe das Herz, das die Menschen so sehr geliebt hat und dafür nur Undank empfängt." Ihr geistlicher Führer, der heilige Claude de la Colombière aus der Gesellschaft Jesu, half, die Botschaft zu verbreiten. So entstand die öffentliche Herz-Jesu-Verehrung, wie wir sie heute kennen. Sie steht damit fest im überlieferten Glauben der Kirche.
Die zwölf Verheißungen des heiligsten Herzens
In diesen Offenbarungen gab der Herr allen, die sein Herz verehren, zwölf Verheißungen. Sie sind kein Zauberspruch und keine Erfolgsgarantie: Sie wirken durch die Gnade Gottes und unser Vertrauen, niemals wie ein Glücksbringer. Wer sie ernst nimmt, verpflichtet sich zu einem Leben aus dem Glauben. Überliefert sind sie in dieser Gestalt:
- Ich werde ihnen alle Gnaden geben, deren sie in ihrem Stande bedürfen.
- Ich werde ihren Familien Frieden schenken.
- Ich werde sie in allen ihren Trübsalen trösten.
- Ich werde ihre sichere Zuflucht sein im Leben und besonders in der Stunde des Todes.
- Ich werde reichen Segen über all ihre Unternehmungen ausgießen.
- Die Sünder werden in meinem Herzen die Quelle und das grenzenlose Meer der Barmherzigkeit finden.
- Die lauen Seelen werden eifrig werden.
- Die eifrigen Seelen werden rasch zu großer Vollkommenheit gelangen.
- Ich werde die Häuser segnen, in denen das Bild meines Herzens ausgestellt und verehrt wird.
- Den Priestern werde ich die Gabe geben, auch die verhärtetsten Herzen zu rühren.
- Wer diese Andacht verbreitet, dessen Name wird in meinem Herzen eingeschrieben sein.
- Ich verspreche in der überströmenden Barmherzigkeit meines Herzens, dass meine allmächtige Liebe allen, die an neun aufeinanderfolgenden ersten Freitagen die heilige Kommunion empfangen, die Gnade der Reue im Sterben gewähren wird.
Der Herz-Jesu-Freitag und die ersten Freitage
Der Herz-Jesu-Freitag ist der erste Freitag eines jeden Monats. Wer an neun aufeinanderfolgenden ersten Freitagen würdig, das heißt im Stande der Gnade, zur heiligen Kommunion geht, dem verheißt der Herr die Gnade der Buße vor dem Tod. Zur Vorbereitung gehört daher die gute Beichte. Der Herz-Jesu-Freitag ist kein Automatismus, sondern eine Einladung, sich neun Monate lang treu an das Herz des Herrn zu binden. Viele Gläubige verbinden ihn mit stiller Anbetung vor dem Allerheiligsten und mit dem Rosenkranz.
Das Herz-Jesu-Fest und der Herz-Jesu-Monat
Das Herz-Jesu-Fest (Hochfest des heiligsten Herzens Jesu) fällt auf den Freitag nach dem Fronleichnamsoktavtag, also acht Tage nach Fronleichnam. Weil es stets in den Juni fällt, ist der ganze Juni der Herz-Jesu-Monat, so wie der Mai der Muttergottes geweiht ist. In diesem Monat beten Familien und Gemeinden besonders die Herz-Jesu-Litanei und halten die Novene zum Fest hin.
Das Herz-Jesu-Feuer in Tirol und Südtirol
Ein volkstümlicher Ausdruck der Andacht ist das Herz-Jesu-Feuer. In Tirol und Südtirol lodern am Vorabend des Herz-Jesu-Sonntags (dem dritten Sonntag nach Pfingsten) auf den Bergen große Feuer, oft als Herz oder Kreuz gelegt. Der Brauch geht auf das Gelöbnis des Tiroler Landtags von 1796 zurück, der das Land in der Not der napoleonischen Kriege dem heiligsten Herzen Jesu weihte. Jedes Jahr wird dieses Gelöbnis erneuert; das Herz-Jesu-Feuer ist sein weithin sichtbares Zeichen.
Ein Herz-Jesu-Gebet
Dieses überlieferte Herz-Jesu-Gebet aus der Novene zum heiligsten Herzen fasst die ganze Andacht zusammen. Man kann es täglich beten, besonders am ersten Freitag:
O heiligstes Herz Jesu, Quell aller Segnungen, ich bete Dich an, ich liebe Dich, und mit lebhafter Reue über meine Sünden bringe ich Dir dieses mein armes Herz dar. Mache mich demütig, geduldig, rein und Deinem Willen ganz gehorsam. Gib, guter Jesus, dass ich in Dir und für Dich lebe. Beschütze mich inmitten der Gefahren; tröste mich in meinen Trübsalen. In Dein Herz lege ich all meine Sorge. In jeder Not will ich mit demütigem Vertrauen zu Dir kommen und sprechen: Herz Jesu, hilf mir.
Herz Jesu, auf Dich vertraue ich.
Ein kurzes Stoßgebet für den Tag genügt schon: "Süßes Herz Jesu, sei meine Liebe." Wer weitere kurze Gebete sucht, findet im Vertrauensakt "Herz Jesu, auf Dich vertraue ich" einen einfachen, jederzeit betbaren Ruf.
Die Herz-Jesu-Litanei
Die feierlichste Anrufung ist die Herz-Jesu-Litanei, die Papst Leo XIII. 1899 für die ganze Kirche approbiert hat. In dreiunddreißig Anrufungen, ebenso viele wie die Lebensjahre des Herrn, preisen wir das Herz Jesu als "glühenden Ofen der Liebe" und als "Quell des Lebens und der Heiligkeit"; auf jede Anrufung antworten wir: "erbarme Dich unser." Den vollständigen Text und die Auslegung finden Sie in unserem Beitrag zur Litanei.
Die Weihe an das Herz Jesu
Ein besonderer Akt ist die Weihe an das Herz Jesu. Familien weihen ihr Haus dem heiligsten Herzen und stellen dazu ein Herz-Jesu-Bild oder eine Herz-Jesu-Statue an einem Ehrenplatz auf, gemäß der neunten Verheißung vom Segen über die Häuser, in denen das Bild verehrt wird. Das Herz-Jesu-Bild zeigt den Herrn, wie er auf sein flammendes Herz weist. Jedes Zeichen hat seine Bedeutung: die Flammen die brennende Liebe, die Dornen die Sünden der Menschen, die Wunde die geöffnete Seite, das Kreuz die Erlösung. Das Bild ist kein Talisman, sondern ein Bekenntnis: Dieses Haus gehört dem Herrn.
Herz Jesu und Herz Mariä
Neben der Verehrung des Herzens Jesu steht die Verehrung des unbefleckten Herzens Mariä. Beide Herzen gehören zusammen wie Sohn und Mutter, denn das Herz der Gottesmutter ist ganz auf das Herz ihres Sohnes ausgerichtet. Wer sich dem Herzen Jesu weiht, tut es gern durch die Hände Mariens, deren Fürsprache wir im Ave Maria anrufen.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet die Herz-Jesu-Verehrung?
Sie ist die Anbetung der Liebe Gottes im wirklichen Herzen Jesu Christi. Wir verehren das Herz des menschgewordenen Sohnes als Quelle der Gnade und antworten mit Sühne auf seine Liebe, die von der Welt so oft mit Undank vergolten wird.
Wann ist das Herz-Jesu-Fest?
Das Herz-Jesu-Fest wird am Freitag nach dem Fronleichnamsoktavtag gefeiert, also acht Tage nach Fronleichnam. Es fällt stets in den Juni, der darum als Herz-Jesu-Monat gilt.
Was ist der Herz-Jesu-Freitag?
Das ist der erste Freitag jedes Monats. Wer an neun aufeinanderfolgenden ersten Freitagen würdig die heilige Kommunion empfängt, dem verheißt der Herr nach der zwölften Verheißung die Gnade der Buße in der Sterbestunde.
Wie viele Verheißungen gibt es und wirken sie wie ein Zauber?
Es sind zwölf Verheißungen, die der Herr der heiligen Margareta Maria Alacoque gab. Sie sind kein Glücksbringer und kein Automatismus: Sie wirken durch Gottes Gnade und unser aufrichtiges Vertrauen und setzen ein Leben aus dem Glauben voraus.
Wer war Margareta Maria Alacoque?
Margareta Maria Alacoque (1647–1690) war eine Heimsuchungsschwester im französischen Paray-le-Monial. Ihr offenbarte der Herr zwischen 1673 und 1675 sein Herz und die zwölf Verheißungen. Sie gilt als große Botin der Herz-Jesu-Verehrung.
Was bedeutet das Herz-Jesu-Bild?
Das Bild zeigt Christus, der auf sein flammendes, von Dornen umwundenes und vom Kreuz überragtes Herz weist. Die Flammen bedeuten die Liebe, die Dornen die Sünden, die Wunde die geöffnete Seite und das Kreuz die Erlösung.
In der App Iter Fidei finden Sie die Herz-Jesu-Litanei, die Novene zum heiligsten Herzen und das tägliche Herz-Jesu-Gebet in überlieferter Form, um den ersten Freitag und den ganzen Juni treu zu begleiten. Hier frühen Zugang sichern.
Quellen. Allioli-Bibel (Johannes 19; Matthäus 11); Litanei vom heiligsten Herzen Jesu, approbiert durch Papst Leo XIII. (1899); Novene zum heiligsten Herzen Jesu (Raccolta); die Offenbarungen an die heilige Margareta Maria Alacoque zu Paray-le-Monial (1673–1675); Überlieferung der zwölf Verheißungen des heiligsten Herzens; Gelöbnis des Tiroler Landtags von 1796 (Herz-Jesu-Feuer).