Die Muttergottes
Die Erscheinungen von Fatima (1917)
1917 erschien die Muttergottes drei Hirtenkindern in Fatima. Wir erzählen, was geschah, was ihre Botschaft ist und beten das Fatima-Gebet.

Zwischen dem 13. Mai und dem 13. Oktober 1917 erschien die allerseligste Jungfrau Maria in der Nähe des portugiesischen Dorfes Fatima drei Hirtenkindern: der zehnjährigen Lucia dos Santos und ihren Cousins Francisco und Jacinta Marto. Sechs Mal, jeweils am 13. eines Monats, kam sie zu ihnen. Am 13. Oktober bezeugten Zehntausende das sogenannte Sonnenwunder. Ihre Botschaft war einfach und dringend: Gebet, Buße und der tägliche Rosenkranz für die Bekehrung der Sünder und den Frieden der Welt. Die Kirche hat diese Erscheinungen 1930 als glaubwürdig anerkannt.
Was 1917 in Fatima geschah: die sechs Erscheinungen
Schon im Jahr 1916 war den Kindern dreimal ein Engel — der „Engel des Friedens" — erschienen, der sie beten und Buße tun lehrte und sie auf die Ankunft der Muttergottes vorbereitete. Ein Jahr darauf, am 13. Mai 1917, sahen die drei Kinder auf der Weide „Cova da Iria" eine „Frau, ganz in Licht gehüllt". Sie bat sie, in den folgenden fünf Monaten jeweils am 13. wiederzukommen.
So geschah es. Die Erscheinungen von Fatima folgten am 13. Juni, 13. Juli, 19. August (die Kinder waren am 13. vom Landrat festgehalten worden), 13. September und schließlich am 13. Oktober. Bei jeder Begegnung wiederholte die Muttergottes ihre Bitte: „Betet täglich den Rosenkranz." Beim letzten Mal nannte sie sich selbst: „Ich bin Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz." Darum wird sie bis heute als Unsere Liebe Frau von Fatima verehrt.
Das Sonnenwunder vom 13. Oktober 1917
Die Muttergottes hatte den Kindern ein Zeichen versprochen, „damit alle glauben". Am 13. Oktober 1917 waren trotz strömenden Regens etwa 70.000 Menschen zur Cova da Iria gekommen. Nach der Erscheinung rief Lucia der Menge zu, zur Sonne zu blicken. Da hörte der Regen auf, die Wolken teilten sich, und die Zeugen berichteten, wie die Sonne sich drehte, in Farben aufleuchtete und auf die Erde zuzustürzen schien — dann kehrte sie an ihren Ort zurück. Die durchnässte Menge und der Boden waren plötzlich trocken.
Dieses Sonnenwunder von Fatima wurde von Gläubigen wie von Skeptikern und Journalisten bezeugt und ist als das bekannteste öffentliche Wunder von Fatima in die Geschichte eingegangen. Wie bei allen echten Zeichen Gottes gilt: Es soll nicht Sensation wecken, sondern zum Glauben, zur Umkehr und zum Gebet führen.
Die Botschaft von Fatima: Gebet, Buße und der Rosenkranz
Der Kern der Botschaft von Fatima ist kein Geheimwissen, sondern die alte Lehre des Evangeliums. Die Muttergottes bat um dreierlei:
- den täglichen Rosenkranz für den Frieden und die Bekehrung der Sünder,
- Buße und Opfer für jene, die Gott beleidigen,
- die Weihe an ihr Unbeflecktes Herz.
Dass wir Maria anrufen, ist zutiefst schriftgemäß. Sie selbst sagt im Magnificat: „von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter" (Lukas 1, 48). Wer die Erscheinungen ernst nimmt, greift darum zuerst zum Rosenkranz und betet das Gegrüßet seist du, Maria und das Salve Regina. Auch die Lauretanische Litanei und eine Novene zum Unbefleckten Herzen sind bewährte Weisen, die Botschaft von Fatima ins eigene Leben zu holen.
Das Fatima-Gebet: „O mein Jesus"
Bei der Erscheinung am 13. Juli 1917 lehrte die Muttergottes die Kinder ein kurzes Gebet, das nach jedem Gesätz des Rosenkranzes gebetet werden soll. Es ist das eigentliche Fatima-Gebet:
O mein Jesus, vergib uns unsere Sünden, bewahre uns vor dem Feuer der Hölle, führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die Deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen.
Dieses Gebet von Fatima ist so kurz, dass es auch Kinder leicht lernen — es passt gut zu einem einfachen Kindergebet oder ins tägliche Morgengebet. Es ist kein Zauberspruch und keine „unfehlbare" Formel: Es wirkt allein durch die Gnade Gottes und durch unser vertrauendes Herz.
Die drei Geheimnisse von Fatima
Am 13. Juli 1917 vertraute die Muttergottes den Kindern ein Geheimnis in drei Teilen an. So entstanden die berühmten drei Geheimnisse von Fatima — keine Sensationsprophezeiung, sondern ein Aufruf zur Umkehr:
- Das erste Geheimnis war eine erschütternde Schau der Hölle, damit die Kinder begriffen, warum Sünder das Gebet so nötig haben.
- Das zweite Geheimnis kündigte das Ende des Ersten Weltkriegs an, warnte aber vor einem noch schlimmeren Krieg, falls die Menschen Gott weiter beleidigten, und bat um die Weihe Russlands an das Unbefleckte Herz Mariens.
- Das dritte Geheimnis — oft einfach „das dritte Geheimnis" genannt — hielt Lucia lange schriftlich verschlossen. Es zeigt in einer Vision einen „in Weiß gekleideten Bischof", der unter Leiden mit der Kirche den Kreuzweg geht. Der Text wurde im Jahr 2000 vom Vatikan veröffentlicht.
Von einem „vierten Geheimnis" ist manchmal die Rede; ein solches gehört jedoch nicht zur anerkannten Prophezeiung von Fatima. Wir tun gut daran, uns nicht in Spekulationen über Russland oder Jahreszahlen zu verlieren, sondern die klare Kernbotschaft zu leben: beten, büßen, umkehren.
Die Kinder von Fatima: Lucia, Jacinta und Francisco
Die drei Seher — die pastorinhos, die kleinen Hirten — waren einfache, arme Kinder:
- Lucia dos Santos (10 Jahre 1917) trat später als Karmelitin ins Kloster ein und lebte bis 2005. Als Schwester Lucia schrieb sie die Erinnerungen an Fatima nieder.
- Francisco Marto (9 Jahre) war ein stiller Junge, der vor allem den „verborgenen Jesus" im Allerheiligsten trösten und dem Herzen Jesu Trost spenden wollte.
- Jacinta Marto (7 Jahre) opferte viel für die Bekehrung der Sünder.
Francisco und Jacinta starben schon 1919 und 1920 an der Grippe, wie es die Muttergottes vorausgesagt hatte. Wie bei der Erscheinung in Lourdes hat Gott auch in Fatima nicht die Gelehrten, sondern die Kleinen und Demütigen zu Zeugen erwählt.
Woher kommt der Name Fatima und was bedeutet er?
Viele fragen, was Fatima bedeutet und woher der Name kommt. Der portugiesische Wallfahrtsort Fatima liegt rund 130 Kilometer nördlich von Lissabon. Seinen Namen verdankt der Ort einer Überlieferung aus dem Mittelalter: Eine maurische Prinzessin namens Fatima soll sich zum christlichen Glauben bekehrt und die Taufe empfangen haben; nach ihr wurde die Gegend benannt. Der Name Fatima ist also arabischen Ursprungs (etwa „die Entwöhnte", „die sich Enthaltende"). Dass Gott gerade diesen Ort erwählte, um durch die Muttergottes zur Umkehr zu rufen, ist ein stilles Zeichen dafür, dass sein Ruf allen Völkern gilt.
Häufig gestellte Fragen
Wann waren die Erscheinungen von Fatima?
Vom 13. Mai bis zum 13. Oktober 1917, an sechs Tagen, jeweils am 13. eines Monats (die Augusterscheinung fiel wegen der Festnahme der Kinder auf den 19.).
Was ist das Sonnenwunder von Fatima?
Am 13. Oktober 1917 sahen rund 70.000 Menschen, wie die Sonne sich zu drehen, in Farben zu leuchten und auf die Erde zuzustürzen schien — das öffentliche Zeichen, das die Muttergottes zuvor angekündigt hatte.
Wie lautet das Fatima-Gebet?
„O mein Jesus, vergib uns unsere Sünden, bewahre uns vor dem Feuer der Hölle, führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die Deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen." Es wird nach jedem Gesätz des Rosenkranzes gebetet.
Was sind die drei Geheimnisse von Fatima?
Eine Schau der Hölle, die Ankündigung von Krieg und die Bitte um die Weihe Russlands sowie die Vision vom leidenden „Bischof in Weiß". Alle drei sind heute bekannt und veröffentlicht.
Hat die „Hand der Fatima" etwas mit den Erscheinungen zu tun?
Nein. Die „Hand der Fatima" (Hamsa) ist ein islamisches bzw. abergläubisches Amulett und hat nichts mit dem christlichen Wallfahrtsort Fatima oder der Muttergottes zu tun. Als Katholiken suchen wir Schutz nicht bei Talismanen, sondern beim lebendigen Gott und der Fürbitte Mariens.
Warum ist Fatima ein Wallfahrtsort?
Weil die Kirche die Erscheinungen 1930 anerkannt hat. Seither pilgern Millionen zur Cova da Iria, um dort den Rosenkranz zu beten und die Botschaft von Umkehr und Gebet zu erneuern.
Iter Fidei begleitet dich mit dem täglichen Rosenkranz, dem Fatima-Gebet und den Marienandachten in traditioneller Form — damit die Botschaft von Fatima jeden Tag lebendig bleibt. Hier frühen Zugang sichern.
Quellen. Allioli-Bibel (Lukas 1); Schwester Lucia dos Santos, Erinnerungen (Memórias); anerkannter Wortlaut des Fatima-Gebets („O mein Jesus") aus den prayers-api-Texten von Iter Fidei; kirchliche Anerkennung der Erscheinungen durch den Bischof von Leiria (1930).