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Mutua Concordia: Leo XIV. eröffnet die Absetzung orientalischer Patriarchen, unter dem Siegel Petri
Das Motu proprio »Mutua Concordia« erlaubt erstmals den Synoden der orientalischen Kirchen, ihren Patriarchen aus schwerwiegendem Grund abzusetzen, unter der Zustimmung des Papstes; wir messen es am immerwährenden römischen Primat.

Am 29. August 2026 hat Papst Leo XIV. ein Apostolisches Schreiben in Form eines Motu proprio, »Mutua Concordia«, promulgiert, das die Canones 106 und 126 des Codex der Kanones der Ostkirchen ändert und sogleich in Kraft tritt. Zum ersten Mal kann die Bischofssynode einer patriarchalen Kirche gegen ihren eigenen Patriarchen einschreiten, wenn die Gemeinschaft »schwer und unheilbar beschädigt« ist.
Der Mechanismus ist genau. Erkennt die Synode einen schwerwiegenden Grund an, so fordert sie den Patriarchen auf, zu verzichten; weigert er sich, schreitet sie zu einer geheimen Abstimmung, wobei die Absetzung wenigstens zwei Drittel der stimmberechtigten Mitglieder erfordert. Der betroffene Patriarch behält das volle Recht, sich vor seinen Mitbrüdern zu verteidigen. Doch der Synodenbeschluss ist niemals endgültig: Er bleibt der Zustimmung des Papstes vorbehalten, der prüft, dass die Stimmen frei und ohne jeden Druck abgegeben wurden, und der als Bürge handelt. Die neuen Regeln gelten für die sechs patriarchalen Kirchen und, in analoger Weise, für die vier großerzbischöflichen Kirchen: die ukrainische, die rumänische, die syro-malabarische und die syro-malankarische. Der Text schließt eine Lücke des orientalischen Codex, die beim syro-malabarischen Schisma in Indien offen zutage trat, das 2023 zum Rücktritt des Großerzbischofs, Kardinal George Alencherry, geführt hatte.
Das Schreiben stellt dieses wechselseitige Band als »die Seele der Gemeinschaft der orientalischen kirchlichen Hierarchie« dar; sein unheilbarer Bruch bilde, so schreibt es, »eine schwere Wunde, die geheilt werden muss«.
Was die Tradition lehrt
Die Leitung der Kirche ist kein Bund selbständiger Stühle. Das Konzil von Florenz, wo Griechen und Lateiner kurz ihre Union besiegelten, bestimmt, dass der Römische Papst von Christus »die volle Gewalt empfangen hat, die ganze Kirche zu weiden, zu leiten und zu regieren«. Das Vatikanische Konzil von 1870 stellt es noch klarer: Seine Jurisdiktion ist höchste, ordentliche und unmittelbare, über die Hirten wie über die Gläubigen jedes Ritus. Ein orientalischer Patriarch ist ein großer Stuhl, aber ein Stuhl in Gemeinschaft mit Petrus; diese Gemeinschaft ist es, die ihn katholisch macht. Daher der Grundsatz, den das alte Recht wiederholt: »Prima Sedes a nemine iudicatur«, der erste Stuhl wird von niemandem gerichtet, denn über ihm steht nur Petrus, und Petrus untersteht allein Christus.
Die Maßnahme am Maßstab der Tradition
An dieser Regel gemessen, ist die Bestimmung kein Bruch. Ihre Neuheit ist wirklich: Niemals hatte der orientalische Codex vorgesehen, dass eine Synode selbst das Verfahren gegen ihr Haupt eröffnet. Doch der Schlussstein bleibt römisch. In der alten Ordnung wurde ein Patriarch von einem Konzil gerichtet, und das Urteil wurde vom Apostolischen Stuhl bestätigt oder aufgehoben, an den man von jedem schweren Urteil appellierte. Hier entscheidet keine Abstimmung, und sei es die der zwei Drittel, aus sich selbst: Sie wird erst durch die Zustimmung des Papstes wirksam, der die Freiheit der Stimmen feststellen muss. Der Bürge ist nicht die Mehrheit; es ist Petrus. Darin bleibt der Text auf der Linie von Florenz und des Ersten Vatikanums.
Die Tradition wäre nur dann verletzt, wenn die Synode zum letzten Richter über ihren eigenen Patriarchen würde und so aus dem ersten Stuhl einer Kirche einen Mann machte, der von seinen Untergebenen absetzbar ist. Indem das Schreiben das letzte Wort dem Papst vorbehält, verschließt es diese Tür. Es bleibt, dass die Bürgschaft wirklich und nicht bloße Form bleiben muss: An der Festigkeit der römischen Kontrolle, und nicht am Text allein, wird die Maßnahme zu messen sein.
Was daraus zu behalten ist
Für den Gläubigen ist die Lehre alt. Die Einheit der Kirche beruht nicht auf dem Gleichgewicht der Synoden, sondern auf dem Felsen, auf dem sie erbaut ist: »Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.« Wo die Zustimmung Petri das letzte Wort behält, ist die von Christus gewollte Ordnung unversehrt. Man halte also fest, was die Kirche immer festgehalten hat: Die Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhl ist das Maß von allem, und die Leitung der orientalischen Kirchen entzieht sich diesem Gesetz nicht.
Quellen. Konzil von Florenz, Bulle »Lætentur cæli« (1439), über die volle Gewalt des Römischen Papstes, die ganze Kirche zu weiden und zu regieren; Ökumenisches Vatikanisches Konzil, Konstitution »Pastor æternus« (1870), über die höchste, ordentliche und unmittelbare Jurisdiktion des Apostolischen Stuhles; der kanonische Grundsatz »Prima Sedes a nemine iudicatur«; Evangelium nach Matthäus 16, 18 (Vulgata, Allioli-Arndt).