Apologetik
Die Zeugen Jehovas aus katholischer Sicht
Wer die Zeugen Jehovas sind, was sie glauben und welche Regeln sie kennen — und wie sich ihre Lehre vom katholischen und altchristlichen Glauben unterscheidet. Sachlich, wohlwollend und klar aus der Heiligen Schrift.

Vielleicht haben sie schon einmal an unserer Tür geklingelt, mit dem Wachtturm in der Hand und einer freundlichen Frage nach dem Sinn des Lebens. Wer sind die Zeugen Jehovas eigentlich, was glauben sie, und worin unterscheidet sich ihre Lehre vom katholischen und vom altchristlichen Glauben? Wir wollen redlich, ohne Spott und ohne Herablassung antworten. Es geht um Menschen, die Gott ernsthaft suchen. Und gerade darum schulden wir ihnen die volle Wahrheit — nicht weniger.
Wer sind die Zeugen Jehovas? Gründung und Geschichte
Die Zeugen Jehovas sind eine im 19. Jahrhundert entstandene Religionsgemeinschaft, keine 2000 Jahre alte Kirche. Gegründet wurden sie in den 1870er-Jahren in den USA durch Charles Taze Russell, der 1881 die Zion's Watch Tower Tract Society ins Leben rief. Den heutigen Namen „Jehovas Zeugen" gab ihnen 1931 der zweite Leiter, Joseph Franklin Rutherford. Geleitet wird die Gemeinschaft weltweit von einer „leitenden Körperschaft" mit Sitz in den USA; das deutsche Zweigbüro liegt in Selters im Taunus.
Ihr Name geht auf den Gottesnamen im Alten Testament zurück — das hebräische Tetragramm JHWH, das sie „Jehova" aussprechen. Als Katholiken sprechen wir aus Ehrfurcht „der Herr" und nicht „Jehova" oder „Jahwe", denn schon das gläubige Israel hat den heiligen Namen nie ausgesprochen. Weltweit zählen die Zeugen Jehovas mehrere Millionen Mitglieder, in Deutschland etwa 170.000. Man erkennt sie an ihrem Predigtdienst von Haus zu Haus, an ihren Zeitschriften Wachtturm und Erwachet! und an ihren Zusammenkünften im „Königreichssaal".
Was glauben die Zeugen Jehovas?
Um redlich zu sein, muss man ihre Lehre klar benennen. Woran glauben die Zeugen Jehovas?
- Sie lehnen die Dreifaltigkeit ab. Für sie ist allein „Jehova" Gott; die Dreieinigkeit gilt ihnen als heidnische Erfindung.
- Sie leugnen die Gottheit Christi. Jesus ist ihnen das erste und höchste Geschöpf Gottes, ein „Gott" im untergeordneten Sinn, vor der Menschwerdung mit dem Erzengel Michael gleichgesetzt — nicht der wahre, ewige Gott.
- Sie leugnen die Persönlichkeit des Heiligen Geistes, den sie als bloße „wirksame Kraft" Gottes deuten.
- Sie erwarten Harmagedon, eine baldige Vernichtungsschlacht, nach der nur die Zeugen Jehovas ein Paradies auf Erden erben; nur 144.000 kommen nach ihrer Lehre in den Himmel. Eine unsterbliche Seele und ein ewiges Fegefeuer kennen sie nicht.
- Sie benutzen eine eigene Bibel, die „Neue-Welt-Übersetzung", deren Wortlaut an entscheidenden Stellen ihrer Lehre angepasst ist.
Damit stehen sie außerhalb dessen, was Christen seit den Aposteln bekennen. Der Unterschied zum katholischen Glauben ist kein Randproblem — er betrifft den Kern: Wer ist Jesus Christus?
Glauben die Zeugen Jehovas an Jesus? Der entscheidende Unterschied zu den Christen
Ja, die Zeugen Jehovas sprechen von Jesus — aber es ist nicht der Jesus der Heiligen Schrift. Genau hier liegt der Unterschied zwischen den Zeugen Jehovas und den Christen. Der heilige Johannes beginnt sein Evangelium mit dem klaren Bekenntnis der Gottheit des Wortes:
„Im Anfange war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort … Und das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnet." (Johannes 1,1.14)
Jesus selbst nimmt den Gottesnamen aus Exodus 3,14 — „Ich bin, der ich bin" — für sich in Anspruch:
„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ehedenn Abraham ward, bin ich!" (Johannes 8,58)
Und als der Apostel Thomas den Auferstandenen sieht, fällt er nieder mit dem Wort, das keiner bloßen Kreatur gebührt:
„Mein Herr und mein Gott!" (Johannes 20,28)
Der heilige Paulus schreibt vom Sohn, in dem „alles erschaffen" ist, „das Sichtbare und das Unsichtbare" (Kolosser 1,16) — ein Geschöpf kann nicht der Schöpfer aller Dinge sein. Schon im 4. Jahrhundert lehrte Arius im Kern dasselbe, und der heilige Athanasius hat ein Leben lang die Gottheit des Sohnes dagegen verteidigt. Christus ist „nicht geschaffen, dem Vater wesensgleich", wie wir es im Glaubensbekenntnis beten. Und die Dreifaltigkeit, die die Zeugen Jehovas ablehnen, ist kein Heidentum, sondern der Taufbefehl des Herrn selbst: „taufet sie im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes" (Matthäus 28,19) — drei Personen, ein einziger Name, ein einziger Gott. Diesem Geheimnis ist der Dreifaltigkeitssonntag geweiht.
Auch das Kreuz lehnen die Zeugen Jehovas ab; sie meinen, Christus sei an einem einzigen Pfahl gestorben. Ein eigenes religiöses Symbol oder Zeichen kennen sie deshalb nicht — als Erkennungszeichen und Logo dient ihnen heute vor allem der Schriftzug ihrer Organisation („JW.ORG"). Für uns aber bleibt das Kreuz das Zeichen der Erlösung, das wir an Karfreitag verehren und dessen Sieg wir an Ostern feiern.
Zeugen Jehovas: Regeln, Verbote und Lebensstil
Viele fragen nach den Regeln und verbotenen Tätigkeiten der Zeugen Jehovas. Ihr Alltag ist stark geordnet:
- Bluttransfusionen werden abgelehnt, auch in Lebensgefahr; sie berufen sich auf das biblische Verbot, „Blut zu essen" (Apostelgeschichte 15,29), und deuten es auf die Medizin.
- Feste und Feiertage wie Weihnachten, Ostern und Geburtstage werden nicht gefeiert, weil sie sie für unbiblisch oder heidnisch halten; ebenso Silvester, Karneval und weltliche Feiern. Ihre einzige jährliche Feier ist das „Gedächtnismahl".
- Eine Beerdigung wird schlicht und ohne katholische Riten gehalten; im Mittelpunkt steht die Hoffnung auf ein irdisches Paradies, nicht der Blick zum Himmel.
- Politische Neutralität: kein Militärdienst, keine Wahlen, kein Fahneneid.
- Alkohol ist ihnen in Maßen erlaubt, Trunkenheit, Rauchen und Drogen dagegen streng verboten; auf Körperpflege und ein gepflegtes Äußeres wird großer Wert gelegt.
- Enge Regeln für Kleidung, Umgang, Partnerschaft und Ehe; strenge Trennung von „Andersgläubigen".
- Wer die Lehre verlässt oder schwer verstößt, wird durch „Gemeinschaftsentzug" gemieden — auch von der eigenen Familie.
Diese Strenge ist es, die viele Menschen fragen lässt, ob es sich um eine Sekte handelt.
Sind die Zeugen Jehovas eine Sekte?
Kirchlich und weltanschaulich gelten die Zeugen Jehovas vielfach als Sekte im Sinne einer geschlossenen Sondergemeinschaft mit ausgeprägten Sektenmerkmalen: alleiniger Wahrheitsanspruch, straffe zentrale Leitung, Kontrolle über den Alltag, Meidung von Aussteigern und wiederholte, gescheiterte Vorhersagen eines nahen Weltuntergangs. Wir sagen das nicht, um jemanden zu verletzen. Viele Zeugen Jehovas sind aufrichtige, gutwillige Menschen. Aber ein System, das den Zweifel bestraft und den Ausstieg mit dem Verlust aller Beziehungen belegt, führt weg von der Freiheit der Kinder Gottes.
Wie verlässt man die Zeugen Jehovas?
Ein Ausstieg ist möglich, aber oft schmerzhaft, weil er den Bruch mit Freunden und Familie bedeuten kann. Wer diesen Weg geht, braucht Geduld, gute Begleitung und vor allem die Gewissheit, von Gott geliebt zu sein. Für den, der aus dieser Enge kommt und Christus in seiner ganzen Fülle sucht, steht die Tür der Kirche offen: die heilige Taufe, die Beichte und die heilige Kommunion, in der uns der Herr wahrhaft geschenkt ist. Kein Mensch ist je zu weit entfernt, um heimzukehren.
Häufig gestellte Fragen
Glauben die Zeugen Jehovas an Jesus?
Sie sprechen von Jesus, halten ihn aber für das erste Geschöpf Gottes, nicht für den wahren, ewigen Gott. Die Heilige Schrift bezeugt dagegen klar seine Gottheit (Johannes 1,1; 8,58; 20,28).
Warum feiern Zeugen Jehovas kein Weihnachten und keinen Geburtstag?
Sie halten diese Feste für heidnischen Ursprungs und in der Bibel nicht geboten. Deshalb feiern sie weder Weihnachten noch Ostern noch Geburtstage, sondern allein das jährliche „Gedächtnismahl".
Warum lehnen Zeugen Jehovas Bluttransfusionen ab?
Sie deuten das alttestamentliche und apostolische Verbot, Blut zu genießen (Apostelgeschichte 15,29), auf medizinische Transfusionen — auch dann, wenn Lebensgefahr besteht. Die Kirche liest diese Stelle nicht in dieser Weise.
Sind die Zeugen Jehovas eine Sekte?
Sie werden weithin als Sekte eingestuft, weil sie einen alleinigen Wahrheitsanspruch, eine straffe Leitung, Kontrolle des Alltags und die Meidung von Aussteigern kennen.
Seit wann gibt es die Zeugen Jehovas und wer war der Gründer?
Sie entstanden in den 1870er-Jahren in den USA; Gründer war Charles Taze Russell. Den Namen „Jehovas Zeugen" tragen sie seit 1931.
Worin unterscheiden sich Zeugen Jehovas und Katholiken?
Am tiefsten in der Person Christi: Katholiken bekennen ihn als wahren Gott und wahren Menschen und glauben an den einen dreifaltigen Gott — beides lehnen die Zeugen Jehovas ab.
Begegnen wir den Zeugen Jehovas mit Achtung und Geduld, aber auch mit der ganzen Klarheit der Wahrheit. Die beste Antwort ist nicht der Streit, sondern ein Glaube, der leuchtet — gegründet auf Christus, den wahren Gott, „Licht vom Lichte".
Iter Fidei begleitet diesen Weg mit dem vollen Glaubensbekenntnis, den Gebeten der Kirche und der Heiligen Schrift in der treuen Allioli-Übersetzung — alles, um im katholischen Glauben fest verwurzelt zu sein. Hier frühen Zugang sichern.
Quellen. Heilige Schrift nach der Allioli-Übersetzung (Johannes 1; 8,58; 20,28; Kolosser 1,15-17; Exodus 3,14; Matthäus 28,19); Apostolisches und Nizänisch-konstantinopolitanisches Glaubensbekenntnis; Katechismus des heiligen Pius X. und Katechismus des Konzils von Trient zur Lehre von der Dreifaltigkeit und der Gottheit Christi.