Die Heilige Schrift
Psalm 23: Der Herr ist mein Hirte
Der volle Text von Psalm 23 (Vulgata 22) im katholischen Wortlaut der Allioli-Bibel, mit Auslegung, Bedeutung und den Versen für Beerdigung und Trauer.

Kaum ein Wort der Heiligen Schrift hat so viele Menschen getröstet wie der Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirt.“ Er wird am Krankenbett gebetet, bei der Beerdigung gelesen, Kindern ins Herz gelegt. Hier steht zuerst der vollständige Text im katholischen Wortlaut der Allioli-Bibel (in der Bearbeitung von Augustin Arndt, 1914), der bewährten deutschen Übersetzung der lateinischen Vulgata, dann der lateinische Text, seine Bedeutung und sein genauer Platz im Brevier und im Messbuch von 1962.
Psalm 23: Der Text (Der Herr ist mein Hirte)
Psalm 22 (23)
¹ Ein Psalm Davids. Der Herr ist mein Hirt, mir wird nichts mangeln;
² auf einem Weideplatze lässt er mich lagern, an Wasser der Erquickung leitet er mich;
³ er erquickt meine Seele, führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, um seines Namens willen.
⁴ Denn ob ich auch mitten durch Todesschatten wandelte, fürchte ich doch kein Unglück; bist du doch bei mir. Dein Stecken und dein Stab trösten mich.
⁵ Du deckst vor meinem Angesichte einen Tisch im Angesichte meiner Bedränger, salbst mein Haupt mit Öl, und mein überströmender Becher, wie herrlich ist er!
⁶ Deine Gnade geleitet mich alle Tage meines Lebens und ich darf wohnen im Hause des Herrn immerdar.
Und derselbe Psalm im Latein der Vulgata (Clementina), wie ihn die Kirche im Brevier singt:
Psalmus 22
Psalmus David. Dominus regit me, et nihil mihi deerit: in loco pascuæ, ibi me collocavit. Super aquam refectionis educavit me; animam meam convertit. Deduxit me super semitas justitiæ propter nomen suum.
Nam etsi ambulavero in medio umbræ mortis, non timebo mala, quoniam tu mecum es. Virga tua, et baculus tuus, ipsa me consolata sunt.
Parasti in conspectu meo mensam adversus eos qui tribulant me; impinguasti in oleo caput meum: et calix meus inebrians, quam præclarus est!
Et misericordia tua subsequetur me omnibus diebus vitæ meæ; et ut inhabitem in domo Domini in longitudinem dierum.
Warum Psalm 22 und nicht Psalm 23? Die Zählung
Wer diesen Psalm in einer katholischen Bibel nach der Vulgata sucht, findet ihn als Psalm 22, im hebräischen Text und in den meisten neueren Ausgaben dagegen als Psalm 23. Der Grund: Die griechische Septuaginta und die lateinische Vulgata fassen die hebräischen Psalmen 9 und 10 zu einem einzigen zusammen; von da an bleibt ihre Zählung in der Regel um eins hinter der hebräischen zurück. Es ist also derselbe Psalm unter zwei Nummern. Wir nennen ihn Psalm 22 (23): zuerst die überlieferte Vulgata-Zahl, die auch Brevier und Messbuch verwenden, in Klammern die geläufige hebräische.
Wer hat Psalm 23 geschrieben?
Die Überschrift nennt den Verfasser: „Ein Psalm Davids.“ König David, in seiner Jugend selbst Hirte bei Bethlehem, wusste aus eigener Erfahrung, was es heißt, eine Herde zu führen, zu tränken und zu schützen. Dieses Bild wendet er auf Gott an und legt uns damit ein Gebet in den Mund, das jeder Gläubige sprechen kann.
Psalm 23: Bedeutung und Auslegung
Der ganze Psalm lebt vom Bild des guten Hirten. Ein Schaf sorgt nicht für sich selbst; es vertraut. So sagt der erste Vers alles: „Der Herr ist mein Hirt, mir wird nichts mangeln.“ Der Katechismus des heiligen Pius X. lehrt, dass Gott uns durch seine Vorsehung erhält und regiert; der Psalm ist dieser Glaube als Gebet.
Der Psalm entfaltet dieses Vertrauen in zwei Bildern. Zuerst führt der Hirte seine Herde: auf den Weideplatz, an das „Wasser der Erquickung“, auf „Pfaden der Gerechtigkeit“, und zwar „um seines Namens willen“, weil es Gottes Art ist, treu zu sein. Dann wird Gott zum Gastgeber: Er deckt einen Tisch, salbt das Haupt mit Öl, reicht den überströmenden Becher.
Der Herr selbst hat das Bild auf sich bezogen: „Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt setzt sein Leben ein für seine Schafe“ (Johannes 10,11). Der heilige Ambrosius zeigt in seiner Schrift Über die Mysterien (Kap. 8, Nr. 43) die Neugetauften, die mit den Worten dieses Psalms zum Altar treten: das Wasser, der bereitete Tisch, der Becher. Darum hat die Überlieferung im Psalm die Taufe und die heilige Eucharistie vorgebildet gesehen.
Psalm 23, Vers 4: „Ob ich auch mitten durch Todesschatten wandelte“
Der berühmteste Vers ist Psalm 23,4 (Vulgata 22,4):
„Denn ob ich auch mitten durch Todesschatten wandelte, fürchte ich doch kein Unglück; bist du doch bei mir. Dein Stecken und dein Stab trösten mich.“
Hier wechselt die Anrede: Bis dahin sprach David über Gott, jetzt spricht er zu ihm. Genau dort, wo die Finsternis am dichtesten ist, wird das Gebet am persönlichsten. Der Hirte lässt die Herde im dunklen Tal nicht allein; Stecken und Stab, mit denen er leitet und die Raubtiere abwehrt, sind Trost und keine Drohung.
Psalm 22 im Brevier und im Messbuch von 1962
Wo die Kirche diesen Psalm betet, steht in ihren liturgischen Büchern:
- Prim am Donnerstag. Im Psalterium, das der heilige Pius X. 1911 mit der Konstitution Divino afflatu neu ordnete und das im Brevier von 1962 gilt, eröffnet Psalm 22 die Prim des Donnerstags, mit der Antiphon „In loco pascuæ ibi Dominus me collocavit“ („Auf einem Weideplatz hat mich der Herr gelagert“).
- Sext am Sonntag. Sein erster Vers dient sonntags als Versikel der Sext: „V. Dominus regit me, et nihil mihi deerit. R. In loco pascuæ ibi me collocavit.“
- Totenoffizium. In der Matutin für die Verstorbenen eröffnet er die zweite Nokturn, mit der Antiphon „In loco pascuæ ibi me collocavit“.
- Messe. Im Messbuch von 1962 bilden die Verse 1 und 2 die Communio am Samstag der vierten Fastenwoche.
Wie diese Horen aufgebaut sind, erklärt unser Beitrag Katholisches Stundengebet: das Brevier und seine Horen.
Psalm 23 für Beerdigung und Trauer
Dass dieser Psalm bei der Beerdigung gelesen wird, hat seinen Grund in der Liturgie selbst: Die Kirche singt ihn im Totenoffizium. Er passt in die Trauer, weil er die Furcht nicht leugnet, „Todesschatten“, und sie doch überwindet: „bist du doch bei mir.“ Der letzte Vers spricht die Hoffnung aus, um die es im Tod eines Christen geht: „ich darf wohnen im Hause des Herrn immerdar.“
Für eine Traueranzeige, eine Trauerkarte oder die Grabrede eignen sich besonders die Verse 4 und 6; weitere Schriftworte finden sich in Christliche Trauersprüche aus der Bibel und in Bibelverse für Trost und Trauer. Für den Gottesdienst helfen die Fürbitten für die Beerdigung, für das persönliche Andenken das Gebet für die Verstorbenen. Am Krankenbett lässt sich der Psalm mit dem Gebet für Kranke und um Heilung verbinden.
Psalm 23 katholisch: welche Übersetzung?
Psalm 23 ist derselbe biblische Psalm für alle, die die Schrift lesen; die Unterschiede liegen im Wortlaut der Übersetzung. Wir folgen der Allioli-Bibel, die aus der Vulgata übersetzt ist, aus der die Kirche über Jahrhunderte gebetet hat. Alliolis ursprüngliche Ausgabe gab den ersten Vers noch ganz wörtlich nach dem Latein Dominus regit me wieder: „Der Herr regieret mich, und nichts wird mir mangeln“ (4. Auflage, Landshut 1839); die von Augustin Arndt 1914 bearbeitete Ausgabe, der wir folgen, sagt „Der Herr ist mein Hirt“. Der Sinn ist derselbe.
Psalm 23 nach der Kommunion und für Kinder
Wegen des bereiteten Tisches und des Bechers ist der Psalm ein schönes Dankgebet nach der heiligen Kommunion, so wie ihn das Messbuch selbst in der Fastenzeit zur Communio singt.
Weil er so einfach und bildhaft ist, eignet er sich auch gut für Kinder. Ein Kind versteht sofort, dass ein Hirte auf seine Schafe aufpasst und keines verloren gehen lässt. Man kann Vers 1 mit kleinen Kindern auswendig lernen und ihn ins Abendgebet oder in ein schlichtes Kindergebet einfügen. Am Abend passt er auch neben Psalm 91: der Schutzpsalm, den das Brevier sonntags in der Komplet singt.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Psalm 23?
Psalm 23 drückt das vollkommene Vertrauen auf Gott aus, der uns wie ein Hirte führt, nährt und schützt, selbst durch Leid und Tod hindurch, und uns am Ende in sein Haus heimführt.
Wer hat Psalm 23 geschrieben?
Die Überschrift nennt König David als Verfasser. Er war in seiner Jugend selbst Hirte und kannte das Bild aus eigener Erfahrung.
Warum heißt Psalm 23 in der katholischen Bibel Psalm 22?
Die Vulgata und die Septuaginta fassen die hebräischen Psalmen 9 und 10 zusammen und zählen deshalb ab dort meist eine Nummer niedriger. Es ist derselbe Psalm: Vulgata 22, hebräisch 23.
Wann betet die Kirche Psalm 23 im Brevier?
Im Brevier von 1962 eröffnet er die Prim am Donnerstag, sein erster Vers ist der Versikel der Sext am Sonntag, und er eröffnet die zweite Nokturn der Matutin im Totenoffizium.
Welcher Vers aus Psalm 23 passt zur Beerdigung?
Vor allem Vers 4 („bist du doch bei mir“) und Vers 6 („ich darf wohnen im Hause des Herrn immerdar“).
Ist Psalm 23 katholisch oder evangelisch?
Er gehört zur Heiligen Schrift und ist kein Sondergut einer Konfession. Katholisch gebetet wird er im Wortlaut einer Übersetzung aus der Vulgata wie der Allioli-Bibel und in der Liturgie der Kirche, im Brevier und im Messbuch.
Was ist der wichtigste Satz aus Psalm 23?
Der erste Vers fasst alles zusammen: „Der Herr ist mein Hirt, mir wird nichts mangeln.“ Man kann ihn als kurzes Stoßgebet immer wieder sprechen.
Iter Fidei begleitet dich durch die Psalmen im überlieferten katholischen Wortlaut, mit dem Brevier von 1962, dem vollen Text und gesprochenem Gebet. Hier frühen Zugang sichern.
Quellen. Allioli-Bibel, bearbeitet von Augustin Arndt (1914), Psalm 22 (23) und Johannes 10,11; Allioli, Die Heilige Schrift des alten und neuen Testamentes, Bd. 3, 4. Aufl., Landshut 1839, Ps 22; Vulgata Clementina, Psalmus 22; Breviarium Romanum (1962), Psalterium von Divino afflatu (1911) und Totenoffizium; Missale Romanum (1962); hl. Ambrosius, De Mysteriis, 8, 43; Katechismus des hl. Pius X.